Sønderborg (deutsch Sonderburg; Sønderjysk bzw. Alsisk Synnebårre) ist eine Stadt in der Region Syddanmark in Dänemark am Als Sund nördlich der Sønderborg Bugt (Bucht), unweit der Grenze zu Deutschland. Ab 1970 war die Stadt ein Teil der Kommune Sønderborg, die 2007 mit sechs Nachbarkommunen zur Großkommune Sønderborg vereinigt worden ist. In der Stadt leben gemäß dem dänischen Statistikamt Einwohner, in der Großkommune Einwohner (Stand: ), den Bürgermeister (Erik Lauritzen) stellen seit den Kommunalwahlen im November 2013 die dänischen Sozialdemokraten.
Die frühere Kommune Sønderborg, die von 1970 bis 2006 das städtische Siedlungsgebiet (Christians Sogn und Sankt Marie Sogn) und die Randgemeinden Dybbøl Sogn (Düppel) und Ulkebøl Sogn (Ulkebüll) umfasste, war 54,45 km² großStatistikbanken -> Geografi, miljø og energi ->ARE2: Areal fordelt efter område (AFSLUTTET) (dänisch). und hatte 30.783 EinwohnerStatistikbanken -> Befolkning og valg ->BEF1A: Folketal 1. januar efter kommune, køn, alder og civilstand (AFSLUTTET) (dänisch). (Stand 2006).
Geographie Die Altstadt und weitere große Teile der Stadt liegen auf der Insel Als (dt.: Alsen), der westliche Teil hingegen gehört zur Kimbrischen Halbinsel. Dazwischen verläuft der trennende, 250 Meter breite Als Sund (Alsensund), der nach Süden hin in die Sønderborg Bugt (Sonderburger Bucht) mündet. Diese ist Teil der Flensburger Förde. Nördlich von Sønderborg reicht der Augustenborg Fjord (Augustenburger Förde) tief nach Als hinein.
1970 wurde Sønderborg Teil einer Kommune, der auch die Gemeinden Dybbøl (dt.: Düppel) und Ulkebøl angeschlossen wurden. 2007 wurde die Kommune Sønderborg durch den Anschluss der Kommunen Gråsten, Broager, Sundeved, Sydals, Augustenborg und Nordborg sogar größer als der frühere Kreis Sonderburg. Das Gebiet der heutigen Sønderborg Kommune umfasst 496,57 km².
Geschichte mini|Alsensund um 1864
Da keine Urkunden aus der Frühzeit der Stadt erhalten geblieben sind, liegen deren Anfänge im Dunkeln. Das für die Stadt namensgebende Schloss Sonderburg (Südliche Burg als Gegenstück zu Nordborg) wurde wohl im 12. Jahrhundert zum Schutz vor wendischen Seeräubern errichtet.Martin Becker: Kulturlandschaft Flensburger Förde, 2006, S. 93 Eine erste Überlieferung zur Burg stammt aus dem Jahr 1253. Im besagten Jahr eroberte König Christoph I. von Dänemark die Burg und ließ ihre Mauern zunächst schleifen.Pastor Hansen, Skanderborg: Schlösser und Burgen der Insel Alsen. In Andreas Ludwig Jacob Michelsen: Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg, Band 4 namens der S.H.L. Gesellschaft für vaterländische Geschichte. Altona 1840, S. 281. Die namensgebende Festung sollte dennoch weiter bestehen und wurde neu aufgebaut. Im Schatten der Burg wuchs der Ort Sonderburg heran, welcher bis zum 15. Jahrhundert zur Stadt reifte. Wann genau und ob überhaupt die Stadt Sønderborg Stadtrechte erhielt, ist unklar.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, Band 1, Flensburg 1840, S. 317 Im 15. Jahrhundert war Sønderborg jedoch eine vollwertige Stadt, deren Vertreter an den Landtagen teilnahmen. Ab 1531 wurde im Übrigen der abgesetzte König Christian II. für längere Zeit im Schloss gefangen gehalten, wofür das Schloss heute noch insbesondere bekannt ist.
Sønderborg war das Zentrum eines allerdings nur sehr kleinen Lehnsdistrikts bzw. Amtes, das den Süden von Als und den Ostteil des Sundeveds (dt.: Sundewitt) umfasste. Da es hier aber zahlreiche andere adelige und kirchliche Besitzungen gab, erreichte es nur bescheidene Ausmaße. Bei der Landesteilung zwischen dem König und seinem Bruder 1564 wurden Stadt und Sønderborg Amt gemeinsam mit dem Nordborg Amt, zu dem auch die Insel Ærø gehörte, dem abgeteilten Herzog Johann dem Jüngeren überlassen. Dieser wurde damit Stammvater der Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg. Nachdem er 1581 auch das Gebiet um das Rüdekloster in Angeln erhalten hatte, baute er sich dort die neue Residenz Glücksburg. Das Sønderborger Schloss ließ er ebenfalls aufwendig erweitern. Es gelang dem Herzog, fast alle adeligen Besitzungen der Umgebung in seinen Besitz zu bekommen und das Territorium abzurunden. Nach seinem Tod 1622 wurde Sønderborg wieder Residenz eines Herzogtums, das allerdings nur noch ein Fünftel von Johanns Besitzungen umfasste, da er diese unter seinen Söhnen aufgeteilt hatte. 1667 ging das Herzogtum in Konkurs und wurde daraufhin wieder königlich. Sønderborg blieb eine bescheidene Handelsstadt, das Schloss war Sitz eines Amtmannes über ein sehr kleines Amt.
Als 1779 der letzte noch abgeteilt regierende Herzog aus der Nachfahrenschaft Johanns auf seiner Residenz Glücksburg starb, kam auch der Sundeved wieder zum Amt Sønderborg. Da die Herzöge von Augustenborg große Güter auf Als erworben hatten, blieb das Amt weiterhin sehr klein. Sønderborg selbst war als Handelsstadt nur von lokaler Bedeutung. Das benachbarte Flensburg beherrschte den Fernhandel, der aber auch in Aabenraa zunehmend an Bedeutung gewann.
Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich einige Industriebetriebe in der Stadt an. Zu einem großen Problem wurde in dieser Zeit der aufkommende Nationalismus, der Dänen und Deutsche in Schleswig zusehends voneinander trennte. Als und damit auch Sønderborg wurden im Schleswig-Holsteinischen Krieg 1848–1850 von dänischen Truppen gehalten und kamen daher glimpflicher durch die Wirren der Zeit als der Rest des Herzogtums. Der Deutsch-Dänische Krieg 1864 führte jedoch durch ein preußisches Dauerbombardement zu einer erheblichen Zerstörung der Stadt, bei der unter anderem auch das Stadtpalais des Herzogs Ernst Günther vernichtet wurde.
Nachdem sie am 29. Juni 1864 von den Preußen erobert worden war, kam die Stadt Sonderburg zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich. Administrativ gehörte sie in dieser Zeit zur Provinz Schleswig-Holstein und war Kreisstadt des Kreises Sonderburg, dem das alte Amt einschließlich aller Güter sowie Nordalsen angehörte. 1890 hatte Sonderburg 5.120 Einwohner, davon 145 Katholiken und 7 Juden. Mit der Errichtung der kaiserlichen Marinestation (Vgl. Sønderborg Kaserne) um 1907 wuchs die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt erheblich. Zahlreiche Repräsentativbauten der Zeit prägen bis heute das Stadtbild. Sønderborg gilt heute als die bedeutendste Jugendstil-Stadt in Dänemark. Eisenbahnanschluss erhielt die Stadt 1901 mit der Staatsbahn nach Flensburg und Tingleff sowie Kreisbahnverbindungen nach Norburg, Lysabild und Mommark.
Obwohl bei der Volksabstimmung 1920 56 % der Stimmberechtigten für den Verbleib beim Deutschen Reich stimmten, gehört Sønderborg seit 1920 zu Dänemark, weil die Abstimmungsgebiete geschlossen behandelt wurden und die deutsche Mehrheit, die sich nur in einigen Städten fand, in den ländlichen Bereichen überstimmt wurde. Noch heute besitzt die Stadt einen beträchtlichen Anteil deutschsprachiger Bewohner, die mit anderen deutschen Bewohnern der Region Südjütland im Bund deutscher Nordschleswiger organisiert sind.
Nach 1920 war Sønderborg weiterhin Sitz einer regionalen Amtsverwaltung. Gefördert wurde die Stadt, die ihr südliches Hinterland verloren hatte, durch die Ansiedlung staatlicher Institutionen, darunter eines Staatskrankenhauses, einer Handelshochschule und eines Gerichts. Das preußische Amtsgericht Sonderburg wurde durch das dänische Retten i Sønderborg ersetzt. Wichtigster Wirtschaftsfaktor auf Als wurde im Laufe der Zeit jedoch die Fabrik Danfoss. Daher gewann das eigentlich abgelegene Sønderborg auch an wirtschaftlicher Bedeutung, und es konnte einwohnermäßig die anderen drei nordschleswigschen Städte Tønder, Aabenraa und Haderslev überflügeln.
Bei Kriegsende 1945 war Sonderburg Schauplatz einer Meuterei unter deutschen Marinesoldaten, die das Minensuchboot M 612 in ihre Gewalt brachten. Daraufhin wurden am 5. Mai 1945 elf von zwanzig Beschuldigten im Alter von 20 bis 24 Jahren wegen Fahnenflucht und Meuterei auf See zum Tode verurteilt und in dänischen Gewässern erschossen. Hintergrund der Tragödie war, dass sie sich, einen Tag nach der von deutschen Streitkräften unterzeichneten Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande, geweigert hatten, eine weitere Fahrt zur Rettung von Flüchtlingen über die Ostsee zu unternehmen und deshalb gemeutert hatten. Nach der Hinrichtung wurden die Leichen der Soldaten, mit Grundgewichten beschwert, im Alsensund versenkt. Sieben davon wurden angespült und beigesetzt. Das DDR-Dokudrama Rottenknechte (1971) und die Erzählung Ein Kriegsende (1984) von Siegfried Lenz erinnerten daran. Die inzwischen verstorbene Museumsinspektorin Inge Adriansen und Jürgen Karwelat von der Historischen Werkstatt in Berlin setzten sich 25 Jahre für einen Gedenkstein ein. Nach anfänglicher Skepsis auf deutscher und dänischer Seite erhielten Siegfried Matlok und Frode Sørensen insgesamt 50.000 Kronen von der Kommune Sonderburg und dem Honorarkonsul in Nordschleswig bewilligt. Am 9. September 2020 wurde der Naturstein mit Bronzetafel auf einer Grünfläche zwischen dem Multikulturhaus und dem Hotel Alsik eingeweiht. Die Bronzetafel enthält sowohl einen dänischen als auch deutschen Text.
1998 wurde aus der in Sønderborg beheimateten Handelshøjskole Syd eine Abteilung der Syddansk Universitet. Die Universität wurde seitdem durch verschiedene neue Institute sowie grenzüberschreitende Studiengänge mit der Europa-Universität Flensburg aufgewertet. 2007 zogen die Institute in das Alsion, einen direkt am Als Sund liegenden Neubaukomplex.
2005 schlossen Gerhard Schröder und Anders Fogh Rasmussen in Sønderborg anlässlich des 50. Jahrestages der Bonn-Kopenhagener Erklärungen ein Abkommen, das die deutsch-dänische Zusammenarbeit vertiefen soll.
Im März 2010 hatte sich Sønderborg neben Aarhus für 2017 um den Titel europäische Kulturhauptstadt beworben. Die Entscheidung fiel im August 2012 zugunsten von Aarhus.visitdenmark.de Diese Kandidatur war ein gemeinsames Vorhaben der gesamten deutsch-dänischen Grenzregion Sønderjylland-Schleswig gewesen, an der sich neben den vier südjütischen Kommunen Sønderborg, Aabenraa, Tønder und Haderslev auch Flensburg und die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg auf deutscher Seite beteiligt hatten. Obwohl Sønderborg nicht den Titel als Kulturhauptstadt gewann, hielten die Organisatoren an ihren Visionen fest und stellten für das Jahr 2017 ein Kulturprogramm unter dem Namen S2017 (Motto: Creating a Countryside Metropolis) auf.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung mini|Sønderborg
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1890: 1. Januar):
Sprachen In Sønderborg wird neben der dänischen Hochsprache Rigsmål (Reichsdänisch) auch Sønderjysk und von der deutschen Minderheit Deutsch gesprochen. Es gibt eine Deutsche Schule Sonderburg und eine Zweigstelle der Apenrader Büchereizentrale und Zentralbücherei am Rønhaveplads im Zentrum. Die beiden hier aufeinandertreffenden Varianten des süddänischen Dialekts Sønderjysk nennen sich Alsisk (Alsisch, nach der Insel Als) und Sundevedsk (nach der Halbinsel Sundeved), zu denen auch die Gruß- und Abschiedsformel Mojn gehört, die in Dänemark nur in Sønderjylland gebräuchlich ist. Als Ausdruck der lokalen Sprachidentität warb die Stadt ab 1975 mit dem Slogan „Mojn – vi ses i Sønderborg“ („Moin – wir sehen uns in Sonderburg“).
Kultur mini|Stadthafen von Sønderborg
Museen