mini|J. C. Reinhart, porträtiert von José de Madrazo y Agudo (Öl auf Holz, 1812) mini|Künstlersignatur Johann Christian Reinharts Johann Christian Reinhart (* 24. Januar 1761 in Hof; † 9. Juni 1847 in Rom, ▭ Cimitero acattolico) war ein deutscher Maler, Zeichner und Radierer. Er galt als Mittelpunkt der deutschen Künstlerkolonie in seiner Wahlheimat Rom und wurde vor allem durch seine heroischen Ideallandschaften bekannt. Er befand sich mit seinem Werk an der Schwelle zwischen Klassizismus und Romantik und wird für die Zeit um 1800 zu den am höchsten geschätzten Künstlern seiner Art gerechnet.

Leben Deutschland Kindheit und Jugend mini|Geburtseintrag für Johann Christian Reinhart im Kirchenbuch von St. Michaelis in Hof Johann Christian Reinhart wurde 1761 in Hof als zweiter von drei Söhnen des Ehepaars Peter Johann und Magdalena Wilhelmine Friederike Reinhart geboren. Sein gleichnamiger älterer Bruder starb noch vor Reinharts Geburt als Kleinkind, der jüngere Bruder Amandus (* 1762) im Jahr 1834.

Reinharts Vater (* 1717), ein evangelischer Archidiakon und Vesperprediger, der einer Familie von Dachdeckern entstammte, starb bereits 1764, als Johann Christian drei Jahre alt war. Die Mutter (* 1730), Tochter des Justizrates Johann Karl Sigmund Müllner, heiratete 1780 erneut und lebte bis 1784.

Reinhart besuchte ab 1768 das Hofer Gymnasium, heute Jean-Paul-Gymnasium, an dem sein Vater seit 1748 Konrektor gewesen war. Bei der Schulabschlussfeier hielt er 1778 die Abschiedsrede mit dem Titel De utilitate artis pingendi in rebus sacris rite institutae(Über den Nutzen der in geistlichen Sachen wohl eingerichteten Malkunst), ein erster Hinweis auf sein Interesse für die bildende Kunst.

Studienjahre Ab 1778 begann Reinhart, dem Vorbild seines Vaters und dem Wunsch seiner Mutter folgend, ein Theologiestudium in Leipzig, widmete sich aber bald ausschließlich dem Studium der Zeichenkunst an der dortigen Zeichnungs-, Mahlerey- und Architecturakademie. Deren erster Direktor, Adam Friedrich Oeser, hatte bereits Goethe unterrichtet. In einem vermutlich an Oeser gerichteten Empfehlungsschreiben von 1779 bat Reinharts verwitwete Mutter um Unterstützung – auch materieller Art – für die neuen Interessen ihres Sohnes. Reinhart gab Zeichen- und Malunterricht und schuf erste Illustrationen zu Gedichten und Romanen.

Im Frühling 1782 verlobte sich Reinhart mit der damals 18-jährigen Thekla Podleska, die im Hause Johann Adam Hillers zur Sängerin ausgebildet wurde und später an den Hof der Dorothea von Kurland nach Mitau südwestlich von Riga ging. Die Romanze wird als intensiv beschrieben, es kam jedoch keine Ehe zustande, denn Reinhart orientierte sich zunehmend nach Italien als dem Land der Sehnsucht deutscher Künstler. Das Paar traf sich 1786 das letzte Mal, bis 1788 wurden noch Briefe ausgetauscht.

mini|hochkant|Schiller, auf einem Esel reitend (1785/87) mini|Grab auf dem Nichtkatholischen (Protestantischen) Friedhof Rom 1783 zog Reinhart der dortigen Galerie Alter Meister wegen nach Dresden, wo er enger auf die Landschaftskunst bezogenen Privatunterricht bei Johann Christian Klengel nahm und den Schweizer Maler Konrad Gessner kennenlernte. Erste Radierungen entstanden und Reinhart nahm an der Dresdner Akademieausstellung teil. Anlässlich des Todes seiner Mutter 1784 traf er seinen Bruder Amandus in Hof, der seit drei Jahren beim Theologiestudium geblieben war. Johann Christian Reinhart unternahm Wanderungen durch Sachsen, Thüringen, das Vogtland und Böhmen; mit der Dichterin Elisa von der Recke reiste er von Karlsbad nach Gotha und weiter durch Sachsen.

1785, zurück in Leipzig, traf er Friedrich Schiller, der ihm zu einem Studienaufenthalt in Italien riet. Zwischen beiden entwickelte sich eine Freundschaft. Als Reinhart nach Rom gezogen war, kam es erst nach zwölf Jahren, 1801, zur Wiederaufnahme der Verbindung in Form eines Briefwechsels, der bis zu Schillers Tod fortgesetzt wurde. Reinhart schuf einige Arbeiten, die Schiller wiedergeben; um 1800 widmete er ihm eine Radierung. Dem von Bertel Thorvaldsen 1839 auf dem Schillerplatz in Stuttgart errichteten Denkmal diente eine Zeichnung Reinharts als Vorlage.Hermann Mildenberger: Johann Christian Reinhart und Friedrich Schiller. In:

Ebenfalls 1785 wurde Reinhart in die Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen aufgenommen.Dieter Richter: Von Hof nach Rom. Johann Christian Reinhart, ein deutscher Maler in Italien. Eine Biographie. Transit, Berlin 2010, S. 123 bzw. Von 1786 bis 1789 hielt er sich am Hof Herzog Georgs I. von Sachsen-Meiningen auf, der ihm bereits vorher angeboten hatte, ihn in seine Dienste zu nehmen. Reinhart begleitete den Herzog unter anderem 1787 auf einer Reise nach Bad Ems und an den Rhein, die von beiden auch zum Zeichnen in der Natur genutzt wurde.F. Carlo Schmid, Johann Christian Reinhart als Zeichner und Radierer. In: In dieser Zeit, ab 1788, entstand das Thüringer Skizzenbuch.

Rom mini|Italienische Landschaft mit Schloss auf einem Bergrücken (Öl auf Holz, 1804) Im Oktober 1789 reiste Reinhart über Hof, Erlangen, Augsburg, Innsbruck und Bozen nach Rom, wo er zu Weihnachten ankam und sein weiteres Leben verbrachte. Die Übernahme der Reisekosten und eine bis 1791 ausgezahlte Pension verdankte er Markgraf Alexander von Brandenburg-Ansbach.

1798 überstand Reinhart eine Erkrankung an Malaria. 1801 oder 1802 heiratete er die Italienerin Anna Caffò (1775–1851). Die Einrichtung der Zivilehe, die es zu dieser Zeit in Rom gab, ermöglichte ihm die Eheschließung, ohne zum Katholizismus konvertieren zu müssen. Anna, Tochter eines Schachtelmalers, hatte seinen Haushalt besorgt und ihm während einer weiteren schweren Erkrankung beigestanden. Das Paar hatte drei Kinder: Elisa (1806–1810), Erminio (1811–1853) und Teresa (1804–1875).

Reinharts Persönlichkeit wurde von Zeitgenossen als „stark profiliert“, „selbstbewusst“, aber auch als „unerbittlich und unversöhnlich“ beschrieben. Schon als Student in Leipzig soll er als „unkonventionell“ und „unbefangen“ aufgefallen sein. Ludwig Richter erlebte ihn als „große, etwas hagere, aber kräftige Gestalt“.Andreas Stolzenburg, Johann Christian Reinhart im Bildnis. In: Eine Bekanntschaft mit dem als eigensinnig und exzentrisch bekannten Lord Bristol endete im Streit und führte 1802 zur Entstehung der Karikatur von Lord Bristol, Bischof von Derry.

Zusammen mit Friedrich Sickler gab Reinhart 1810 und 1811 den Almanach aus Rom für Künstler und Freunde der Bildenden Kunst heraus.Almanach aus Rom: . 1810 wurde er zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt und 1813 in die Accademia di San Luca aufgenommen. Im Jahr 1830 folgte die Ernennung zum Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in München und 1839 zum kgl. baierischen Hofmaler. Bereits 1825 hatte er nach dem Tod des Hofmalers Friedrich Müller, genannt Maler Müller, dessen Pension übertragen bekommen. In den Jahren 1830/31 wurde Reinhart durch eine Augenentzündung, die eine einseitige Sehschwäche zurückließ, fast ein Jahr von der Arbeit abgehalten, 1837 erkrankte er an der Cholera.

Mit der neu aufkommenden öffentlichen Kunstkritik konnte sich Reinhart wie andere nicht arrangieren; über Kunst könne nur der Künstler selber urteilen. 1833 beteiligte er sich daher mit Franz Ludwig Catel, Joseph Anton Koch und weiteren an der Streitschrift Drei Schreiben aus Rom gegen Kunstschreiberei in Deutschland.Des Weiteren: Franz Riepenhausen, Johannes Riepenhausen, Franz von Rohden, Bertel Thorvaldsen und Philipp Veit; vgl. Reinhart gilt heute als eine, wenn nicht die zentrale Figur in der damaligen deutschen Künstlerkolonie Roms. Die deutschstämmigen Künstler Roms trafen sich im Caffè Greco und bei der hannoverschen Gesandtschaft in der Villa Malta auf dem Pincio. Von deren Turmzimmer aus malte Reinhart im Auftrag König Ludwigs I. in den Jahren 1829 bis 1835 die Temperabilder Vier Ansichten von der Villa Malta auf Rom.

mini|Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos (Öl auf Leinwand, 1846) 1846 entstand Johann Christian Reinharts letztes Gemälde Die Erfindung des korinthischen Kapitells durch Kallimachos. Er starb im Jahr darauf 86-jährig in Rom. Seine Frau überlebte ihn um vier Jahre. Reinhart ist auf dem Cimitero acattolico begraben. Dieser römische Friedhof war für Ausländer nicht katholischen Glaubens bestimmt. Der Leipziger Theologe Ludwig Theodor Elze, zu diesem Zeitpunkt noch Predigerkandidat, vertrat bei der Beerdigung den für Rom angestellten protestantischen Prediger. Das Grabmal wurde 1852 im Auftrag des Vereins der deutschen Künstler in Rom von dem Bildhauer Heinrich Mathia ausgeführt. Die klassizistische Stele trägt eine Reliefplakette mit dem Abbild des Künstlers, der Inschrift KOENIGL. BAIERISCHER HOFMALER und seinen Lebensdaten.

Den Nachlass Johann Christian Reinharts in Form von Briefen und Tagebüchern nahm zum größten Teil der Lyriker Heinrich Wilhelm StieglitzMagazin für die Literatur des Auslandes, Berlin, 2. Mai 1848: Deutsche Stimmen über Pius IX. Heinrich Stieglitz und der Maler Reinhart. . an sich, in der Absicht, eine Biographie zu verfassen. Er verstarb jedoch schon 1849 und das Material gelangte an Reinharts Biographen Andreas Andresen und Otto Baisch.Andreas Stolzenburg, Biographie. In: Es ist heute im Wesentlichen verschollen, Reste befinden sich in der Bayerischen Staatsbibliothek, dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen Berlin, im Stadtarchiv Hof und an anderen Standorten.Recherche in Kalliope, unter https://kalliope-verbund.info/eac?eac.id=118744305.

Werk und Rezeption Die Bedeutung Johann Christian Reinharts liegt vor allem in der Landschaftsmalerei. Reinhart gab die wirklichkeitsgetreue Darstellungsweise der Vedutenmalerei auf und ist dem Klassizismus im Übergang zur Romantik zuzuordnen. Hubertus Gaßner bezeichnet ihn diesbezüglich als „Künstler der Schwelle“. Demgegenüber sieht der Bildhauer und Reinhart-Sammler Richard Tuttle die Position des Künstlers weniger zwischen dem „Licht der Aufklärung“ und dem „Dunkel der Romantik“, sondern ordnet ihn eher bei den Frühromantikern ein.Richard Tuttle, The Thrill of the Ideal. In:

Christliche oder biblische Thematiken stellte Reinhart nur selten dar. Der ab etwa 1810 in Rom aufkommenden Malerei der Nazarener (eine Bezeichnung, die möglicherweise auf ihn zurückgeht)Andreas Stolzenburg, Johann Christian Reinhart und die Künstlerschaft in Rom 1790–1847. In: stand er ablehnend gegenüber: diese seien vor allem Nachahmer Alter Meister, übernähmen deren Mängel und es fehle ihnen an Selbstständigkeit.Andreas Stolzenburg, Johann Christian Reinhart und die Künstlerschaft in Rom 1790–1847. In: Tierstudien und Jagdmotive finden sich bei Reinhart aufgrund seiner eigenen Jagdleidenschaft hingegen häufiger. Zeitgenössische Berichte über seinen „deftigen, mitunter derben Humor“Markus Bertsch, Reinhart und die Karikatur. In: finden ihre Entsprechung in den von ihm erhaltenen Karikaturen, in denen er beispielsweise den Kunstkritiker Ludwig von Schorn oder, in weniger aggressiver Weise, seinen Lehrer Adam Friedrich Oeser darstellte.

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