mini|Selbstporträt, um 1630 rahmenlos|klasse=skin-invert-image Jusepe de Ribera (Taufname: Juan Jusepe de Ribera;Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 28. in Spanisch auch: José de Ribera; * 12. Januar 1591 in Xàtiva, Provinz Valencia; † 2. September 1652 in Neapel) war ein aus Spanien stammender Maler, der im Neapel der Barockzeit tätig war. Wegen seiner Herkunft wurde er auch italienisch „lo Spagnoletto“ („der kleine Spanier“) genannt. Sein naturalistischer Stil beeinflusste die Entwicklung eines erneuerten Malstils in Neapel, dessen Vertreter wie Ribera und seine Schüler sowie Maler aus anderen Werkstätten der Stadt als Neapolitanische Schule zusammengefasst werden.

Leben Er wurde als Sohn des Schusters Simon de Ribera und der Margarita Cucó geboren und am 17. Februar 1591 in der Gemeinde Santa Tecla in Játiva auf die Namen Juan Jusepe getauft;Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 27–28. seine Gemälde signierte er später mit „Jusepe de Ribera“, manchmal mit Zusätzen wie „español“, oder lateinisch „hispanus“ (Spanier), „valentinus“ (aus Valencia) oder „setabensis“ (aus Játiva), und gelegentlich auch „academicus romanus“ (Mitglied der römischen Akademie).

mini|links|hochkant|Befreiung des hl. Petrus durch den Engel, 1613, Öl auf Leinwand, Galleria Borghese, Rom

Nach seinen frühen Biografen lernte Ribera zunächst bei Francesc Ribalta in Valencia, was aber bisher nicht nachgewiesen ist und von manchen moderneren Autoren angezweifelt wird.„... su supuesto discipulado con Francisco Ribalta, de que hablan los primeros biógrafos, carece de todo fundamento“ („...seine angebliche Schülerschaft bei Francisco Ribalta, von der die ersten Biographen sprechen, entbehrt jeden Fundamentes“). Alfonso E. Pérez Sanchez: José de Ribera, in: Dicionario Biografico espanol (DBe) der Real Academia de la Historia (Abruf am 27. Februar 2022).

Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt ging er nach Italien. Dort ist er zum ersten Mal 1611 in Parma nachgewiesen, wo er Werke von Correggio gesehen haben muss. Im Auftrag von Mario Farnese malte er einen Heiligen Martin für die Kirche San Prospero, für den der erst 20-jährige Künstler bereits hochgerühmt und gefeiert wurde, der aber nur durch Kopien bekannt ist.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 33Alfonso E. Pérez Sanchez: Ribera, José de, in: Dicionario Biografico español (DBe) der Real Academia de la Historia (Abruf am 27. Februar 2022). Vermutet wird auch ein Aufenthalt in VenedigRibera, Jusepe de (gen. lo Spagnoletto), in: Lexikon der Kunst, Bd. 10, Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, S. 65–68, hier S. 66. und eine Auseinandersetzung mit der venezianischen Tradition nach Tizian, was aus stilistischen Gründen sehr naheliegend, aber nicht dokumentiert ist.

Spätestens 1613 war er in Rom und ist bei der Accademia di San Luca eingetragen; 1615–16 wohnte er, zusammen mit seinen Brüdern Juan und Jerónimo und anderen jungen Spaniern, in der Via Margutta im Hause eines Flamen.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 34. In Rom studierte Ribera die Werke von Raffael, Michelangelo, Annibale Carracci und Guido Reni; vor allem aber kam er in Kontakt mit dem Naturalismus von Caravaggio und seiner frühen Nachfolger, darunter auch Maler aus den Niederlanden, Flandern und Frankreich.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 38. Selbst im an künstlerischen Talenten nicht gerade armen Rom fiel Jusepe de Ribera durch seine hohe Begabung und sein Können auf, und wurde schon 1618 von Ludovico CarracciDa Ludovico in Bologna lebte, stellt sich allerdings die Frage, ob Ribera nicht auch dort gewesen ist, zumal Bologna nicht weit von Parma entfernt ist. in einem Brief und 1620 von Giulio Mancini in seinen Künstlerbiografien lobend erwähnt. Laut Mancini waren Riberas Sitten zu dieser Zeit allerdings „ein bisschen liederlich“ (un po licenciosetto), und – ausgerechnet im Zentrum der katholischen Kirche – habe er manchmal vergessen zur Beichte zu gehen.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 34. Zu Riberas römischem Frühwerk gehört eine Serie der fünf Sinne, von denen vier erhalten sind (Sehen, Museo Franz Mayer, Mexiko; Riechen, Collección Abelló, Madrid; Fühlen, Norton Simon Foundation, Pasadena; Schmecken, Wadsworth Atheneum, Hartford), und die er ungewöhnlicherweise und mit einer Prise Ironie, in typisch naturalistischer Manier, völlig ungeschönt, als fünf einfache, teilweise bettelarme Männer darstellte.

mini|Der hl. Sebastian kuriert von heiligen Frauen, 1621, Öl auf Leinwand, 231 × 180 cm, Museo de Bellas Artes, Bilbao

Ab August 1616 bis zu seinem Lebensende wurde das seinerzeit unter spanischer Herrschaft stehende Neapel Riberas neue Heimat. Dort heiratete er Ende des Jahres die 15-jährige Tochter Caterina des Malers Giovan Bernardino Azzolino. Das Paar bekam erst 11 Jahre später den ersten gemeinsamen Sohn Antonio Simone, denen bis 1636 fünf weitere Kinder folgten.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 39 und 62–63.

Ein Gemälde des heiligen Bartholomäus soll ihm gleich zu Anfang die Gunst des Herzogs von Osuna, des Vizekönigs zu Neapel, eingebracht haben, und da Ribera Spanier war, stieg er schnell zum Hofmaler auf. Auch bei allen folgenden Vizekönigen stand Ribera in der Gunst. Die Herzogin von Osuna gab bei ihm 1618 eine Beweinung Christi am Kreuz (Calvario) in Auftrag, die sie zusammen mit anderen Werken Riberas später der Gemeindekirche von Osuna zum Geschenk machte (heute: Museo Parroquial).Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 88. Mittlerweile verbreitete sich sein Ruf auch außerhalb Neapels und noch im selben Jahr erhielt Ribera einen ersten Auftrag von Cosimo II. de’ Medici, dem Großherzog der Toskana.

Zu den ersten neapolitanischen Werken Riberas, die zwischen 1616 und 1625 entstanden, gehört eine Serie von Aposteln für das Kloster der Girolamini, eine Grablegung Christi in der National Gallery (London) und der Hl. Sebastian von Frauen kuriert (1621, Museo de Bellas Artes, Bilbao).

Ein bedeutender Mäzen Riberas war außerdem Marcantonio Doria aus Genua, durch dessen Vermittlung er auch einige Gemälde für die neapolitanische Kirche Trinità delle Monache schuf, unter anderem den Hl. Hieronymus mit dem Engel des Gerichts (1626) und die sogenannte Trinitas terrestris mit Heiligen (1630), die sich heute beide im Museo di Capodimonte befinden.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 46 f. und 94.

mini|links|Der betrunkene Silen, 1626, Öl auf Leinwand, 185 × 229 cm, Museo di Capodimonte, Neapel

Zur Steigerung seines Ruhms trug ab den 1620er Jahren auch eine Tätigkeit als Kupferstecher bei, wodurch er einige seiner Kompositionen im Druck verbreitete.

1626 begab er sich vorübergehend nach Rom, wo ihm der Papst den Christusorden verlieh. Aus demselben Jahr stammt die berühmte, humorvolle Darstellung des dicken Betrunkenen Silens, die nach dem Tode des Malers im Jahr 1653 vom bekannten flämischen Kunstsammler Gaspar Roomer erworben wurde (heute: Museo di Capodimonte).Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 90.

Für den neuen Vizekönig, Fernando Enriquez d’Affan de la Rivera, Herzog von Alcalá, malte Ribera um 1630–31 eine Serie von Philosophen, darunter den lachenden Demokrit im Prado (Madrid). Eine weitere Philosophenserie malte er einige Jahre später (1636–37) auch für den Fürsten von Liechtenstein. Jusepe de Ribera: A Philosopher, Kurzinfo auf der Website des Indianapolis Museum of Art (Abruf am 1. März 2022).

Ab etwa 1630 begann sich Riberas Palette aufzuhellen, zumindest wurde er nun immer variabler, und neben tenebristischen Gemälden, die er bis zum Ende nie ganz aufgab, finden sich nun auch Werke mit einem freundlicheren Kolorit, die zuweilen unter freiem Himmel angesiedelt sind. Entscheidend dürfte in dieser Hinsicht auch die Entwicklung in der neapolitalischen Malerei gewesen sein, insbesondere der Einfluss seines größten und erfolgreichsten „Rivalen“ Massimo Stanzione, von Bologneser Künstlern wie Reni und dem in Neapel arbeitenden Lanfranco, aber auch durch Gemälde von Van Dyck und Rubens, die um diese Zeit in neapolitanischen Kunstsammlungen auftauchten. Als ein Schlüsselwerk dieser Entwicklung nennt Pérez-Sanchez Riberas Bild Jakob mit der Herde Labans (1632) im Escorial.

mini|hochkant|Maria Immaculata, 1635, Öl auf Leinwand, 502 × 329 cm, Convento de las Agustinas Recoletas, Salamanca Höhepunkt dieser Entwicklung ist die in ein unvermutet strahlendes goldenes Licht getauchte, riesige Maria Immaculata (1635; Abb. rechts) für das Kloster der Agustinas Recolletas in Salamanca, die er im Auftrag des Vizekönigs Emanuel de Fonseca y Zúñiga, Conde de Monterrey, malte.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 58 und 122. Das Bild nimmt eine gewisse Sonderstellung im Schaffen Riberas ein und wurde zum Vorbild für viele andere Immaculata-Darstellungen spanischer Künstler. Für die gleiche Klosterkirche schuf er auch eine Pietà (1632), eine Glorie des Hl. Gennaro und einen hl. Augustinus (beide 1636).

Zu den Glanzwerken Riberas aus den 1630er Jahren, in denen er seine neue koloristische Eleganz mit einem stark verschatteten Chiaroscuro mischt, in einer typisch neapolitanischen und doch sehr persönlichen Weise, gehören die Trinität (1635–36) im Prado (Madrid), und die beiden 1637 vollendeten mythologischen Werke Apoll und Marsyas (Museo di Capodimonte, Neapel) und Venus und Adonis (Gallerie Nazionali d’Arte Antica, Palazzo Corsini, Rom).Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 124 f., 132 f., 138 f.

Mittlerweile erhielt er Aufträge für die wichtigsten Kirchen Neapels: So schuf er für Gesù Nuovo einen dreiteiligen Zyklus über den hl. Ignatius von Loyola.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 66. Während der Amtszeit des Vizekönigs Medina de las Torres (1637–1644) arbeitete er für die Certosa di San Martino, für die er eine berühmte, malerisch von Tizian und Van Dyck inspirierte Pietà (1637; Abb. links unten), die beiden Gemälde Moses und Elias (1638) malte, sowie die Bildnisse von zwölf biblischen Propheten für die Bögen des Kirchenschiffs (1638–1640). Zu seinen privaten Mäzenen gehörte neben spanischen und neapolitanischen Adligen auch der bekannte Sammler Don Antonio Ruffo in Messina.

mini|links|hochkant|Pietà, 1637, Öl auf Leinwand, 264 × 170 cm, Certosa di San Martino (Cappella del Tesoro), Neapel

Der Maler war nun auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und Anerkennung und allem Anschein nach der bestbezahlte, ja teuerste Maler von Neapel, neben Massimo Stanzione.Alfonso E. Pérez Sanchez, Giorgia Mancini: Jusepe de Ribera (Reihe: I Classici dell’Arte), Rizzoli/Skira, Mailand 2004, S. 68. Er konnte es sich nun leisten, ein großes Haus mit zwei Gärten und einem großen Obstgarten im Stadtteil Chiaia zu erwerben.