mini|Flextronics Gebäude in Singapore, ein bekannter Vertragshersteller für eine Vielzahl von Elektronik- und Computertechnologieunternehmen. (Aufnahme von 2006) Fertigungsdienstleister oder Vertragshersteller ( oder ) bezeichnet ein spezialisiertes Unternehmen, das Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Produktion bzw. Fertigung anbietet.
Genauer gesagt ist damit ein produzierendes Unternehmen gemeint, das sich auf die Herstellung von Produkten spezialisiert hat und für ein auftraggebendes Unternehmen (z. B. Erstausrüster) eine Vertragsfertigung vollständig oder in Teilen übernimmt. Es bestehen daher gewisse Überschneidungen mit klassischen Fertigungsbetrieben. Eine weitere synonyme Bezeichnung für einen Fertigungsdienstleister ist Auftragshersteller oder Vertragshersteller.
Dabei sind meist auch weiterer Zulieferunternehmen als Teil einer Zulieferpyramide involviert. Fertigungsdienstleister haben teilweise signifikante Anteile an der Produktentstehung. Die Hoheit über den Produktlebenszyklus behalten jedoch meist die Unternehmen, die die Endprodukte vermarkten.
Dabei steuert der Auftraggeber über Verträge oder andere Instrumente und nimmt sich aus der Fertigung zurück. Der Auftraggeber bezieht meist ein nach Spezifikation gefertigtes Produkt. Auftragsfertiger übernehmen teilweise einen Großteil der Integration von Bauteilen oder Zwischenprodukten und liefern das fertige Produkt im Namen (vgl. auch Branding) des Auftraggebers. Aufgrund ihrer Fertigungsfähigkeiten und -kapazitäten stehen ihre Leistungen teilweise auch anderen Auftraggebern bzw. Kunden bereit.
In diesem Kontext sind weitere genutzte Bezeichnungen die Industriedienstleistungen und das . Verwandte Themen in diesem Kontext sind das Beschaffungswesen, Global Sourcing und Lieferkettenmanagement.
Eine weitere Spezialisierung sind die sogenannten Original Design Manufacturer (ODM). Sie arbeiten eng mit einem OEM zusammen. ODMs sind Unternehmen, die in der Entwicklung und Produktion im Ausland tätig sind. In der Arzneimittel- oder Pharmaindustrie gibt es auch die Contract Manufacturing Organization (CMO).
Arten der Arbeitsteilung und Geschäftsmodell Die Gründe für die Aufteilung in Zulieferer, Vertragshersteller und Erstausrüster liegen in der Spezialisierung: Vollintegrierte Unternehmen decken zwar die gesamte Wertschöpfungskette ab, erreichen aber selten in allen vertikalen Segmenten gleichzeitig optimale Kosten, Qualität und Skaleneffekte. Daher werden Teile der Produktion oder spezialisierte Leistungen an Fertigungsdienstleister und andere Zulieferer ausgelagert.
Das Geschäftsmodell der Fertigungsdienstleister basiert auf dieser Verteilung von Ressourcen und Expertisen. Gemeint ist dabei primär eine Ausgliederung der Produktion. Der Auftraggeber, häufig auch bekannt als ein Erstausrüster oder Original Equipment Manufacturer (OEM), ist für die Weiterentwicklung, das Produktmanagement, Qualitätsmanagement und den Vertrieb zuständig. Man spricht dabei auch von der sogenannten „Kernkompetenz“. Der Fertigungsdienstleister ist für die Herstellung, die Fertigungs- oder Produktionsprozesse, die Qualitätssicherung, sowie die dafür benötigten Maschinen, Arbeitskräfte, Rohstoffe, Materialien oder Teile zuständig.
Fertigungsdienstleister werden von Auftraggebern genutzt, um den internen Aufwand für Produktion und Beschaffungsmanagement zu reduzieren. Besonders bei seltenen oder einmaligen Projekten zahlt sich dies aus. Da Fertigungsdienstleister jedoch eigene Gewinnmargen einrechnen, sind die Gesamtkosten meist höher als bei einer direkten Beauftragung des zugrundeliegenden Produzenten. Bei größeren, wiederkehrenden, langfristigen oder unternehmensspezifischen Projekten können die Kosten zudem höher ausfallen als bei vollständig interner Fertigung oder dem Erwerb eines Produzenten.
Abgrenzungen Ein Fertigungsunternehmen unterscheidet sich von einem klassischen Zulieferer, wenn letzterer keine produktive Tätigkeit nach den Vorgaben und der Steuerung eines Auftraggebers anbietet, sondern lediglich fertige Grundstoffe, Teile oder Komponenten liefert. Beispiele dafür sind Materialien aus der Chemie. Es kommt jedoch häufig vor, dass ein Zulieferer bereits die Fertigung von Teilen für einen Auftraggeber übernimmt. In diesem Fall wird der Auftraggeber zum Kunden und hat in der Regel weniger Einfluss auf den Fertigungsprozess als beim Fertigungsdienstleister. Eine genaue Abgrenzung sollte nur im Einzelfall erfolgen, da sich Unternehmen entsprechend der Branche und Technologie unterscheiden, sowie nach der hohen Wirtschaftsdynamik im globalen Umfeld verändern.
Entstehungsgeschichte Die Fertigungsdienstleister sind im Zuge der Globalisierung der letzten Jahrzehnte (seit etwa den 1990er Jahren), einer vernetzten, weltweiten Wirtschaft (vgl. auch Weltmarkt) und dem damit verbundenen Offshoring („vom Land bringen“) entstanden. Fertigungsdienstleister bieten vereinzelt auch Entwicklungsleistungen an bzw. übernehmen im Sinne des Outsourcings weitere Dienstleistungen. Das Gegenteil von Offshoring ist das Onshoring („ins Land bringen“), bei dem die Produktion lokal oder national erfolgt. Onshoring gewinnt an Bedeutung, insbesondere wenn Unternehmen Wert auf Qualität, kurze Lieferwege, Nähe zu den Vertragsherstellern und die Unterstützung lokaler Märkte oder Humankapitel legen.
Fertigungsindustrie mini|Pfizer's Active Pharmaceutical Ingredients (API) Produktionsanlage im sogenannten Tuas Biomedical Park, Singapore. Die Produktion begann 2003. Dieses Beispiel ist keine Vergabe an einen Fertigungsdienstleister, sondern eine Verlagerung der Produktion, auch umgangssprachlich bekannt als Offshoring. Die Anlage befindet sich im Besitz von Pfizer und wird von diesem betrieben. Fertigungsdienstleistungen stehen in engem Zusammenhang mit dem ab den 1970er Jahre in der Halbleiterindustrie entstandenen Fabless-Geschäftsmodell bzw. basieren auf einer ähnlichen Geschäftsstrategie und -praxis. Eine weitere Spezialisierung ist die Endfertigung von Elektronikkomponenten als Gesamtprodukt, die auch als Electronics Manufacturing Services (EMS) bekannt ist. Ein bekanntes Beispiel ist das US-amerikanische Unternehmen Apple und einer seiner Auftragsdienstleister Foxconn. Ein weiteres Beispiel ist das britische Unternehmen Dyson, welches seine Fertigung ab 2002 nach Malaysia verlagert hat. Selbstverständlich wird das Modell auch auf die „Fertigung von Software“ oder der IT-Technologien (vgl. auch das ehemalige Unternehmen Electronic Data Systems (EDS)) übertragen.
Das Fabless-Modell findet auch innerhalb von Unternehmen Anwendung, wenn ein Standort für die Produktion und ein anderer für die Entwicklung zuständig ist. Diese beiden Unternehmen beauftragen sich gegenseitig mit Dienstleistungen. Ein ähnliches Modell wird auch in anderen Industriebereichen, beispielsweise in der Pharmaindustrie, angewandt. Auch in der Automobilindustrie gibt es Fertigungsdienstleister, z. B. Valmet Automotive oder Magna. Ein Gegenbeispiel zu den genannten Industrien wäre beispielsweise die Rüstungsindustrie, die zwar ihre Sicherheitsprodukte teilweise exportiert, diese aber aufgrund von Sicherheitsauflagen meist im Inland für die Streitkräfte der Bundeswehr fertigt. Entwicklungen in dieser Industrie werden nur über übergeordnete politische Rahmenprogramme „verteilt“ produziert, z. B. die Programme Eurocopter usw. Dennoch bezieht auch die diese Industrie ihre Vorprodukte von speziellen Unternehmen, die als Vertragshersteller agieren.
Literatur
Einzelnachweise
Fertigung Kategorie:Produktionswirtschaft * Kategorie:Industriezweig Kategorie:Produzierendes Unternehmen Kategorie:Unternehmensart Kategorie:Globalisierung