mini|hochkant=1.3|Ausschnitt des Freskos von „Paulus und Thekla“ aus dem 6. Jahrhundert in der Paulus- und Theklagrotte am Nordhang des Bülbül Dağı („Nachtigallenberg“) oberhalb der Ruinen des antiken Ephesus. Inspiriert durch die „“ aus dem 2. Jahrhundert. Paulus ist im Bild mit beschriftet, Thekla in der Variante . Die Mutter befindet sich (nicht abgebildet) links neben Paulus, aus dem Fenster eines Hauses auf die beiden blickend. mini|hochkant|Die heilige Thekla, Fresko in der Verklärungskathedrale in Tschernihiw, Ukraine mini|hochkant|Heilige Thekla in der Pfarrkirche in Judenburg mini| hochkant| Heilige Thekla, Gemälde von Franz Thöne 1902 für das Franziskanerkloster Paderborn Thekla von Ikonium (, ) war den apokryphen Berichten der Paulusakten zufolge eine heilige Jungfrau und Schülerin des Apostels Paulus im ersten Jahrhundert. Sie wird in der katholischen Kirche als Heilige und in den orthodoxen Kirchen als Apostelgleiche und Protomärtyrin verehrt. Ihre Gedenktage sind der 23. September (katholisch), der 24. September (orthodox) und der 26. Juli (Alt-Jerusalemer LiturgieCharles Renoux: L'Hymnaire de Saint-Sabas (Ve–VIIIe siècle), Bd. 2 (Patrologia Orientalis 53, 1), Turnhout 2015, 565 Anm. 1.). Ihre Attribute sind der Löwe, wilde Tiere im Allgemeinen und der Scheiterhaufen.
Überlieferung Über Thekla berichten nur die Akten des Paulus und der Thekla aus dem 2. Jahrhundert mit legendarischen Elementen. Die Akten berichten über eine vornehme Jungfrau aus Ikonium, die den Apostel Paulus hörte und ihm folgte. Sie verschaffte sich Zutritt zum Gefängnis. Infolge des Gelübdes eines jungfräulichen Lebens um Christi willen wurde sie von ihrer Familie und ihrem Bräutigam, Thamyris, verstoßen und als Christin denunziert. Bei der Hinrichtung wurde sie durch Wunder vor den wilden Tieren gerettet. Nach dem Tod des Apostels Paulus lebte sie bis ins hohe Alter als Eremitin in einer Höhle bei Seleukia am Kalykadnos.
Der historische Kern dieser Überlieferung ist umstritten. Der Wiener Koptologe Hans Förster hält es zumindest für „nicht unmöglich“Hans Förster: Transitus Mariae. Beiträge zur koptischen Überlieferung, Berlin, Walter de Gruyter 2006, S. 201., dass es in Ikonium eine Thekla gab, die durch Paulus zum Christentum bekehrt wurde. Carl Schmidt dagegen glaubt, dass selbst der oft behauptete „geschichtliche Kern noch der Legende angehört“Carl Schmidt: Acta Pauli. Aus der Heidelberger koptischen Papyrushandschrift Nr. 1, Nachdruck: Hildesheim, Georg Olms Verlagsbuchhandlung 1965, S. 206..
Wirkungsgeschichte Die Akten des Paulus und der Thekla wurden in einige Sprachen, wie koptisch, syrisch, armenisch, äthiopisch, arabisch und lateinisch übersetzt. Mehrere erhaltene Handschriften zeugen von einer hohen Verbreitung dieses Textes. Die Akten werden zuerst bei Tertullian erwähnt. Dieser kritisiert, dass eine Frau lehre und taufe, und wertet die Akten als Fälschung:
Andere Kirchenschriftsteller zeigen in ihren Texten eine hohe Wertschätzung für die Zeugin des Glaubens. Aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts stammt die Vita et miracula S. Theclae, die sich auf die Akten stützt und über Wunder am Grab der Heiligen berichtet. Diese wurden möglicherweise von dem orthodoxen Bischof von Seleukia, Basileios, verfasst. In Seleukia entwickelte sich an der Stelle, wo Thekla gelehrt und getauft haben soll, in der Spätantike ein bekannter Wallfahrtsort, heute Ayathekla genannt. Ein ebenso bedeutender Wallfahrtsort ist eine Höhle (arabisch Mağarat Mār Taqlā) im syrischen Bergort Maalula (Kloster der Heiligen Thekla). Paul Heyse veröffentlichte 1858 eine Versnovelle in Hexametern, die auf der Überlieferung zur Thekla von Ikonium beruht.
Literatur Karl Schlau: : ein Beitrag zur christlichen Literaturgeschichte, Hinrichs, Leipzig 1877. Richard Adelbert Lipsius: , 2. Band 1. Hälfte. Schwetzschke und Sohn, Braunschweig 1887. Richard Adelbert Lipsius, Maximilian Bonnet: , Hermann Mendelsohn, Leipzig 1891. Griechischer und lateinischer Text. Edgar Hennecke: in Verbindung mit Fachgelehrten, Tübingen 1904. Carl Holzhey: Die Thekla-Akten. Ihre Verbreitung und Beurteilung in der Kirche (= Veröffentlichungen aus dem Kirchenhistorischen Seminar München. II. Reihe, Nummer 5). Verlag der J. J. Lentner’schen Buchhandlung, München 1905 (online, mit deutscher Übersetzung). Gilbert Dagron: Vie et miracles de Sainte Thècle. Texte grec, traduction et commentaire. (= Subsidia hagiographica Bd. 62). Societe des Bollandistes, Brüssel 1978. Die Taten des Paulus und der Thekla. In: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Neutestamentliche Apokryphen. Band 2. Tübingen 1989. Stephen J. Davis: The Cult of Saint Thecla. A Tradition of Women’s Piety in Late Antiquity. (Oxford early christian studies). Oxford University Press, New York 2001, ISBN 0-19-954871-4. Scott Fitzgerald Johnson: The Life and Miracles of Thekla. A Literary Study. (Hellenic Studies; Bd. 13). Center for Hellenic Studies, Washington, D.C. 2006, ISBN 0-674-01961-X. Claudia Nauerth, Rüdiger Warns: Thekla. Ihre Bilder in der frühchristlichen Kunst. (Göttinger Orientforschungen Reihe2 = Studien zur spätantiken und frühchristlichen Kunst Bd. 3). Harrassowitz, Wiesbaden 1981, ISBN 3-447-02171-3. Veronika Niederhofer: Konversion in den Paulus- und Theklaakten. Eine narrative Form der Paulusrezeption. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-155143-7. Pseudo-Basilius von Seleukia: "Vita et Miracula Sanctae Theclae = Leben und Wunder der heiligen Thekla." (Fontes Christiani; Band 93). Griechisch-Deutsch. Herder, Freiburg, Basel, Wien 2021, ISBN 978-3451-32946-3.
Weblinks
The Life of the Great Martyr Thecla of Iconium. The Acts of Paul and Thecla. St. Pachomius Orthodox Library, 1995.
Einzelnachweise
Kategorie:Person um Apostel Paulus Kategorie:Heiliger (1. Jahrhundert) Kategorie:Jungfrau Kategorie:Eremit Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 1. oder 2. Jahrhundert Kategorie:Frau