Die Auto Union AG war ein Automobilkonzern, der 1932 auf Betreiben der Sächsischen Staatsbank gebildet wurde. Er entstand aus der Fusion des Kleinwagen- und Motorradproduzenten Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG mit seiner Tochtergesellschaft Audiwerke AG in Zwickau, der Horchwerke AG (ebenfalls Zwickau) und dem Automobilwerk Siegmar der Wanderer-Werke in Schönau bei Chemnitz. Im Juni 1932 wurde der Konzern in das Handelsregister in Chemnitz eingetragen. Die Hauptverwaltung war anfangs in Zschopau und nicht am Unternehmenssitz in Chemnitz. Sie wurde erst 1936 in die umgebauten und erweiterten Gebäude der ehemaligen Chemnitzer Presto-Werke verlegt.DKW Nachrichten – Sonderheft, Richard Bruhn zum 65. Geburtstag, Beitrag: „DIE AUTO UNION AG“, Seite 5: Zitat: „Sitz des Unternehmens war zunächst Zschopau, ab 1936 Chemnitz“, AB 340 (65113) Printed in Germany 1951.Martin Kukowski: Die Chemnitzer Auto Union AG und die „Demokratisierung“ der Wirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1948. ISBN 3-515-08059-7.

Das Firmenzeichen mit den ineinander verschlungenen Ringen symbolisierte den Zusammenschluss der vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer, die jedoch eigenständig blieben.Das Rad der Zeit, 3. Auflage, Delius Klasing, ISBN 3-7688-1011-9, S. 105 und 109. Allein die zwischen 1934 und 1939 bei Horch in Zwickau entwickelten Grand-Prix-Rennwagen trugen den Namen „Auto Union“.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Auto-Union-Konzern zweitgrößter deutscher Automobilproduzent nach der Adam Opel AG.

Geschichte der Auto Union AG

mini|Die ehemalige Unternehmenszentrale in Chemnitz (Architektur: Karl Johann Benirschke; Innenausbau: Erich Basarke) + Zulassungen von Auto-Union-Kfz in Deutschland nach Jahr Jahr Marke Gesamt 50 px|verweis = Audi 50 px|verweis = DKW 60 px|verweis = Horch 95 px|verweis = Wanderer Werke Automobile Motorräder 1933 627 10.300 10.956 1268 4265 27.416 1934 1122 20.779 24.523 1534 5155 53.113 1935 716 28.240 36.847 2029 7169 75.001 1936 844 40.018 43.581 2014 8086 95.543 1937 758 42.143 48.210 2024 9840 102.975 1938 332 39.839 44.637 2223 8790 95.821

Weltwirtschaftskrise und Gründung des staatlichen Automobilkonzerns Die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG war 1928 mit 65.000 produzierten Motorrädern größter Motorradhersteller der Welt. Im selben Jahr übernahm deren Inhaber Jørgen Skafte Rasmussen mit Krediten der Sächsischen Staatsbank die Aktienmehrheit der Audiwerke AG in Zwickau. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet Rasmussens Konzern Anfang der 1930er Jahre in eine angespannte Finanzlage. Die Sächsische Staatsbank, die ihrerseits seit 1929 mit 25 % an der Zschopauer Motorenwerke AG beteiligt war, sperrte sich weiteren Krediten. Rasmussen und Richard Bruhn, Vertrauensmann der Staatsbank, entwickelten daraufhin den Plan, die Zschopauer Motorenwerke mit ihrer Tochter Audiwerke und der ebenfalls in Schieflage geratenen Horchwerke AG zu vereinigen. Zusätzlich war es möglich, mit den Wanderer-Werken in Schönau bei Chemnitz einen Pachtvertrag auf zehn Jahre für das moderne, erst fünf Jahre zuvor in Betrieb genommene, Fahrzeugwerk Siegmar (, heute Jagdschänkenstraße)Adressbuch für Chemnitz 1933, Seite 579: AUTO UNION A.-G., WERK WANDERER, auf adressbuecher.genealogy.net, abgerufen am 21. April 2019Gaswerk Siegmar und Auto-Union-Werk Foto von 1930 auf fotocommunity.de, abgerufen am 21. April 2019 abzuschließen. Daneben gab es noch Verhandlungen über die Einbeziehung von Hanomag und Brennabor, die jedoch nicht zum Erfolg führten. Süddeutsche Unternehmen der Kraftfahrtzeugindustrie protestierten gegen die Pläne zur Auto Union. Am 8. Januar 1932 legte Reinhold Maier als Wirtschaftsminister des Freistaates Württemberg bei der Reichsregierung Beschwerde gegen die Protektion der Auto Union durch das Land Sachsen ein. Nach Rückfragen, Stellungnahmen und Prüfungen kam man von Seiten der Reichsregierung zu der Haltung, dass die Konsolidierung der sächsischen Kraftfahrzeugindustrie „vom gesamtdeutschen Standpunkt aus als den Anfang der Rationalisierungsmaßnahmen“ betrachtet werden kann, der „zur Gesundung der deutschen Kraftwagenindustrie“ einen unverzichtbaren Beitrag leisten könne.

Am 29. Juni 1932 wurde rückwirkend zum 1. November 1931 die Auto Union AG gegründet und in das Handelsregister des Amtsgerichts Chemnitz eingetragen. Die vorher sanierten und umstrukturierten Zschopauer Motorenwerke waren als nunmehrige Auto Union AG aufnehmendes Unternehmen für die beiden zuvor entschuldeten Kapitalgesellschaften Audiwerke und Horchwerke,Martin Kukowski: Die Chemnitzer Auto Union AG und die „Demokratisierung“ der Wirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1948. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08059-7, S. 22. die mit der Konzerngründung im Zuge eines Aktientausches als Unternehmen de facto aufgelöst und zu Teilen des neuen Konzerns wurden.Audi Automobilwerke AG Zwickau, Staatsarchiv Chemnitz, 9.9. - Fahrzeug- und MotorenbauHorchwerke AG Zwickau, Staatsarchiv Chemnitz, 9.9. - Fahrzeug- und Motorenbau Die zwei Aktiengesellschaften waren damit nicht mehr existent und beide Fahrzeughersteller wurden als Auto Union AG, Werk Horch bzw. Auto Union AG, Werk Audi weitergeführt. Auto-Union-Firmenzeichen waren die vier ineinander verschlungenen Ringe als Symbol für die beibehaltenen Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer.

Als ordentliche Vorstandsmitglieder wurden berufen: Richard Bruhn (Sächsische Staatsbank, Vorstandsvorsitzender), Claus Detlof von Oertzen (Wanderer Werke, Bereiche Gesamtverkauf, Öffentlichkeitsarbeit, Behörden, bis 1935) sowie Jörgen Skafte Rasmussen (DKW, Bereich Technik, bis 1934). Als stellvertretende Vorstandsmitglieder wurden berufen: Carl Hahn (DKW, Bereich Verkauf) und William Werner (Horch, Bereich Technik, ab 1934 ordentliches Vorstandsmitglied).

Mit Gründung der Auto Union war als Unternehmenssitz Chemnitz festgelegt worden. Nur unter dieser Bedingung hatte sich die Stadt Chemnitz mit einem Aktienkapital von 750.000 Reichsmark an der Gesellschaft beteiligt.Von der Wolfsjägersiedlung zum Hightech Standort. Verlag Heimatland Sachsen GmbH Chemnitz, 2001. Die Hauptverwaltung blieb dennoch bis 1936 in Zschopau im DKW-Stammwerk und wurde erst 1936 nach Chemnitz in das ehemalige Verwaltungsgebäude der Presto-Werke verlegt. Richard Bruhn zum 65. Geburtstag, Beitrag: „DIE AUTO UNION AG“, S. 5: Zitat: „Sitz des Unternehmens war zunächst Zschopau, ab 1936 Chemnitz“, AB 340 (65113) Printed in Germany 1951. Nach der Sächsischen Staatsbank (und damit dem sächsischen Staat) war die Stadt Chemnitz zweitgrößter Aktionär. Bei der Staatsbank befanden sich zunächst 75 % und bald 90 % des Aktienkapitals des neuen Konzerns.

Der wirtschaftliche Erfolg der Auto Union AG gründete sich vordergründig auf einem umfassenden und marktgerechten Typenprogramm – vom Kraftrad der Marke DKW bis hin zu Luxus-Pkws der Marke Horch. Forschung und Entwicklung wurden konzernweit in Chemnitz gebündelt sowie eine markenübergreifende Fertigungsrationalisierung eingeleitet, um kostengünstiger als Mitbewerber anzubieten.

In den 1930er Jahren begann der Export und der Vertrieb der Auto-Union-Marken in Österreich über den Generalvertreter Fritz Tarbuk, einen vormaligen Offizier der k. u. k. Kriegsmarine, der seit 1920 in Wien ein Automobilhandelsunternehmen für verschiedene Hersteller betrieb.

Die Auto Union AG hatte 1934 einen Umsatzanteil von ca. 22 % am Personenwagengeschäft. Sie stand damit nach der Adam Opel AG mit 41 % an zweiter Stelle. Den kleinsten Umsatz im Gesamtkonzern hatte die Marke Audi. Die Umsatzanteile der einzelnen Marken an der gesamten Automobilproduktion 1938 betrugen in Deutschland: DKW 17,9 %, Wanderer 4,4 %, Horch 1,0 % und Audi 0,1 %. Der Umsatz entwickelte sich von 65 Millionen Reichsmark im Jahr 1933 auf rund 273 Millionen Reichsmark im Jahr 1939, wobei 1939 jeweils rund 61.000 Personenkraftwagen und DKW Krafträder produziert wurden.Hans Pohl, Stephanie Habeth, Beate Brüninghaus: Die Daimler-Benz AG in den Jahren 1933 bis 1945. In: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Herausgegeben von Hans Pohl und Wilhelm Treue, Beiheft 47, Franz Steiner Verlag 1987, ISBN 3-515-04733-6.

Das Zschopauer Werk DKW baute Motorräder der Marke DKW, Zweitaktmotoren für die DKW-Pkw sowie Einbaumotoren für Motorradhersteller und Landmaschinentechnik wie Einachsschlepper. Mit den im Zwickauer Werk Audi produzierten preiswerten DKW „Frontwagen“ begann die Volksmotorisierung in Deutschland. Die größeren DKW-Wagen mit Hinterradantrieb kamen aus dem Berliner Werk Spandau. Das Mittelklassesegment der Auto Union AG waren die Wanderer-Modelle aus dem Werk Siegmar bei Chemnitz. Die Marke Audi bot Fahrzeuge der oberen Mittelklasse mit Frontantrieb (außer Audi 920), die im Zwickauer Werk Horch produziert wurden. Die Marke Horch wiederum vereinigte Prestige und Tradition und hatte im Deutschen Reich der 1930er Jahre mit mehr als 50 % den höchsten Anteil in der Luxusklasse. Die Zahl der Auto-Union-Beschäftigten wuchs von rund 8.000 im Jahr 1932 auf 23.000 Mitarbeiter im Jahr 1938.

Grand-Prix-Rennsport mini|Auto Union Typ D, Grand-Prix-Rennwagen von 1939 mit Doppelkompressor-V12-Motor,3 Liter Hubraum, 485 PS.

Die Entwicklung der Auto-Union-Rennabteilung bei Horch in Zwickau leitete von 1934 bis 1937 Ferdinand Porsche. Ab 1938 war Robert Eberan von Eberhorst Leiter der Rennabteilung. Die Mittelmotor­wagen der Silberpfeil-Ära (1934 bis 1939) waren die einzigen Konkurrenten, die die Mercedes-Benz-Rennwagen besiegen konnten.Film der Audi AG: Die Silberpfeile aus Zwickau, Peter Kirchberg, Video 1992. Bernd Rosemeyer, Hans Stuck, Ernst von Delius, Rudolf HassePeter Vann: Neusilber. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02161-7, S. 58., Hermann Paul Müller und Tazio Nuvolari waren die Fahrer. 1936 gewann Rosemeyer auf Auto Union die Grand-Prix-Europameisterschaft.„Traumautoarchiv“. Aufgerufen am 19. Februar 2014.

Der Auto-Union-Rennwagen Typ A mit Sechzehnzylinder-V-Motor war einer der ersten und der erste erfolgreiche Mittelmotor-Rennwagen. Hierbei war das Antriebsaggregat hinter dem Fahrer angeordnet, ein technisches Konzept, das sich bis heute im Hochleistungsrennsport gehalten hat. Die Grand-Prix-Rennwagen der Typen A bis D (1934–1939) waren technisch ihrer Zeit weit voraus, jedoch schwer zu beherrschen und erforderten höchstes fahrerisches Können. Der Aufwand der Auto Union AG für die Beteiligung am Rennsport betrug zwischen 1933 und 1942, als alle Entwicklungsarbeiten eingestellt wurden, mehr als 14 Millionen Reichsmark.Peter Vann: Neusilber. Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02161-7. Staatliche Beihilfen deckten zu etwa 20 Prozent die Kosten.Uwe Day: Mythos ex machina. Medienkonstrukt „Silberpfeil“ als massenkulturelle Ikone der NS-Modernisierung. Dissertationsschrift, 2004, S. 97 Relativ gesehen war das nicht einmal ein Prozent des Gesamtumsatzes der Auto Union AG.Film der Audi AG: Die Silberpfeile aus Zwickau, Zitat Peter Kirchberg: „Der Aufwand für den Grand-Prix-Sport betrug bei der Auto Union für Entwicklung, Konstruktion, Bau und Einsatz der Rennwagen zwischen 1933 und 1942, als alle Entwicklungsarbeiten eingestellt wurden, exakt 14.188.460 Reichsmark. Das war nicht nur für die damaligen Verhältnisse sehr viel Geld. Aber misst man diese Summe am Umsatz, so erreichte sie nicht einmal 1 % davon.“ (Originalquelle im Staatsarchiv Dresden ist der Auto-Union-Ordner Totalkostennachweis des Sportaufwandes 1939/40), Video 1992. Die Grand-Prix-Rennwagen stehen bis heute für Qualitätsarbeit und Innovationskraft des Konzerns.

Kriegswirtschaft