mini|hochkant=1.2|Frankreich während der deutschen Besatzungszeit von 1940 bis 1944 mini|hochkant=0.6|Lothringer Kreuz
Résistance (französisch) ist ein Sammelbegriff für französische, belgische und luxemburgische Bewegungen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs sowie gegen die mit der deutschen Besatzungsmacht kollaborierenden inländischen Institutionen und Bevölkerungsgruppen.
Die Widerstandsbewegungen in diesem Gebiet waren nicht einheitlich organisiert und geführt, sondern verfolgten im Sinne ihrer Trägerorganisationen verschiedene Ziele. Im Frühjahr 1943 gelang es Jean Moulin, einem Abgesandten General de Gaulles, in Frankreich die wichtigsten politischen Gruppierungen zumindest auf allgemein gehaltene gemeinsame Ziele festzulegen und eine politische Koordinierungsebene zu etablieren.
Gegen das von den Deutschen verwendete Hakenkreuz wurde in Frankreich auch das von de Gaulle abgeänderte Lothringer Kreuz von der Résistance als Symbol für den Befreiungskampf übernommen.
Résistance in Frankreich Organisation Comité Français de la Libération Nationale Von Lyon aus bemühte sich Jean Moulin im Auftrag de Gaulles lange Zeit, den Widerstand der verschiedenen Gruppen zur Résistance im Comité Français de la Libération Nationale (CFLN) zu vereinen, was ihm auch im Mai 1943 mit den wichtigsten Résistance-Gruppen Frankreichs gelang. Bis November 1942 war nur die „Nordzone“ Frankreichs besetzt gewesen; seitdem war auch die zuvor unbesetzte „Südzone“ Besatzungsgebiet (siehe Vichy-Regime).
Es fusionierten aus der Südzone (seit November 1942 besetztes Gebiet): die Gruppe Combat mit der Untergrundzeitung Combat um Henri Frenay die Gruppe Libération Sud mit der Untergrundzeitung Libération um Emmanuel d’Astier de la Vigerie die Gruppe Franc-Tireur mit der Untergrundzeitung Franc-Tireur unter der Leitung von Jean-Pierre Lévy die Francs-tireurs et partisans unter der Leitung von Pierre Fabien die Armée secrète unter der Leitung von Charles Delestraint der Front National mit der Untergrundzeitung Front national von Pierre Villon das Comité d’action socialiste um Pierre Brossolette
mit den Gruppen aus der Nordzone (seit Juni 1940 besetztes Gebiet): die Gruppe Organisation Civile et Militaire (OCM) die Gruppe Libération Nord die Gruppe Ceux de la Résistance die Gruppe Ceux de la Libération
Politischer und militärischer Arm Die Résistance entwickelte als politischen Arm eine Art politisches Untergrundparlament der verschiedenen Widerstandsgruppen, den Conseil national de la Résistance (CNR, dt.: Nationaler Widerstandsrat).
Dank des unermüdlichen Einsatzes von Jacques Bingen entstand Anfang 1944 auch ein militärischer Arm der Résistance, die Forces françaises de l’intérieur (FFI, dt.: Französische Streitkräfte im Inneren). Dazu schlossen sich am 1. Februar 1944 folgende Kräfte zusammen:
die gaullistische Armée secrète die kommunistischen Francs-tireurs et partisans die giraudistische Organisation de résistance de l’armée weitere isolierte militärische Résistancegruppen
Weitere Gruppen der Résistance in Frankreich mini|B-17 Bomber versorgen den Maquis in Vercors, 1944
In Frankreich existierten aber daneben zeitweilig oder dauerhaft auch weitere Résistancegruppen: die Résistance de Fer der französischen Eisenbahner die Gruppe France-Liberté die Gruppe Derhan die Gruppe la Dernière Colonne die Gruppe Musée de l’Homme die Gruppe Confrèrerie Notre-Dame um Gilbert Renault (Colonel Rémy) die Gruppe Manouchian die Organisation de résistance de l’armée die Armée des Volontaires (AV) um Dr. Bareiss das Netzwerk Mithridate das Netzwerk Agir das Netzwerk Hector das Netzwerk Brandy das Netzwerk Brutus das Netzwerk Gloria das Netzwerk Possum das Netzwerk Cohors das Netzwerk Ceux de la Manipule das Netzwerk Centurie das Netzwerk Pat O’Leary das Netzwerk Alliance, das hauptsächlich nachrichtendienstlich arbeitete das Fluchtnetzwerk Dutch-Paris um Johan Hendrik Weidner
Operationen mini|hochkant|Ein Mitglied der Forces françaises de l’intérieur, ca. 1944 mini|Entgleister Zug bei Saint-Rambert-en-Bugey, 6. Juli 1944 mini|Kampf um Paris im August 1944 mini|Nach der Befreiung von Paris werden der Kollaboration beschuldigte Französinnen durch die Straßen geführt – barfuß, Brandmale im Gesicht, den Kopf kahl geschoren
Die Résistance in Frankreich entstand unmittelbar nach der deutschen Okkupation und dem von Marschall Pétain mit Deutschland unterzeichneten Waffenstillstand vom 22. Juni 1940. Anfangs waren es nur wenige Tausend Menschen, die die deutsche Besetzung nicht einfach erdulden wollten. Ihr Ziel war das planmäßige Vorgehen gegen die Besatzer. Dazu mussten private Racheakte eingedämmt werden, die nicht selten waren. Tausende von Zivilisten und Soldaten waren vor den heranrückenden deutschen Truppen in den Süden Frankreichs geflüchtet. In Zeitungen wurden Suchanzeigen annonciert, um die auf der Flucht verlorenen Angehörigen wiederzufinden. Hier schrieb die Résistance Antwortbriefe, in denen die Betroffenen zur Mitarbeit aufgefordert wurden.
Später ging sie dazu über, die Alliierten über Bewaffnung und Bewegungen der deutschen Truppen zu informieren. Sabotageakte der Résistance sollten die militärischen Operationen der Alliierten unterstützen und die der Wehrmacht erschweren. Dazu entstanden nach und nach eigene Strukturen: Für jede französische Gemeinde wurde eine Akte angelegt, in der jeder Eisenbahntunnel, jede Langsamfahrstelle der Eisenbahn, jede Fabrik, Werkstatt und Werft vermerkt wurde. Tonnen von Munition und Waffen wurden versteckt, statt sie (gemäß Waffenstillstandsbestimmungen) an die Wehrmacht zu übergeben. Die Mitgliederlisten schrieb man auf schmale Papierstreifen aus Reispapier, die bei Verhaftungen besser heruntergeschluckt werden konnten. Darin standen der Name des Aufgenommenen, sein Beruf und seine Verbindungen, seine Unterbringungs- und Verpflegungsmöglichkeiten sowie seine Transportmittel (Lkw, Pkw, Motorrad, Fahrrad). Dort war auch registriert, ob derjenige für Sabotage-, Transport- oder Kommandoaufgaben eingeteilt war. Diese Listen wurden von Bankbeamten nachts geschrieben.
Die Pariser Metro war das erste „mobile“ Hauptquartier der französischen Résistance. Während der Fahrt konnten so Pläne gemacht und Nachrichten ausgetauscht werden. Das Abhören durch die Gegenseite war dadurch sehr erschwert. Vor allem konnte die Gestapo nur schwer Einzelne, die ein- oder ausstiegen, im Gewühl von Tausenden von Menschen identifizieren und beobachten. Dennoch blieben die geheimen Tätigkeiten nicht verborgen, woraufhin die Quartiere ständig gewechselt werden mussten. Im Laufe der Zeit strukturierte sich die Arbeit der Résistance arbeitsteilig: Quartiermacher beschafften in einem Dorf oder einer Stadt unauffällige Unterkünfte, deren Lage, Flucht- und Ausweichmöglichkeiten sie vorher geprüft hatten. Einem Stab der Résistance unterstanden zwanzig regionale, von Offizieren kommandierte Einheiten, die im Rhythmus von acht bis zehn Tagen ihren Standort wechselten. Dazu wurden in einem Dorf etwa zehn Häuser ausgesucht, in denen der Befehlsstand unterzubringen war.
Da die Funkübertragung von Nachrichten durch Funkpeilwagen der Deutschen gefährdet war, wurden sie häufig mündlich weitergegeben: Die Boten lernten dabei ihren Auftrag auswendig, so dass sie durch nichts Schriftliches identifizierbar waren. Kundschafter überprüften die Bewohner umliegender Häuser vor einem geplanten Coup und machten sich mit Zugangsmöglichkeiten, der Bewachung, ihren Wachwechseln, ihrer Bewaffnung und Alarmplänen vertraut. Für Kommando-Aufträge hatte sich das Corps Francs etabliert. Es waren in der Regel sportliche Männer unter vierzig Jahren, die als Gorilles bezeichnet wurden. Sie bildeten den Stoßtrupp, der bei einem Überfall den Angriff auf die deutschen Soldaten, Bewacher, Gestapo-Leute etc. führte.
Transportkommandos beschafften die häufig zu wechselnden Fahrzeuge, kundschafteten Routen und Straßensperren aus, machten sich mit der Strecke vertraut. Der Ortswechsel eines Kommandos oder Stabes vollzog sich in der Regel nachts über abgelegene Feldwege. Es wurden auch Transportmöglichkeiten in französischen und deutschen Zügen und auf regelmäßig kursierenden deutschen Armeelastwagen ausgekundschaftet und genutzt. Sie stellten die Männer, die die bei einem Überfall möglicherweise zu erbeutenden Waffen und Munition verluden und transportierten. Ein Zerstörungskommando setzte nach einem Überfall die Örtlichkeit in Brand oder sprengte sie.
Saboteure waren häufig Frauen,Zu Frauen in der Resistance vgl. Ulla Plener: Frauenalltag in der französischen Résistance. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Heft III/2007; sowie Ulla Plener: Frauen aus Deutschland in der französischen Résistance. 2. Auflage. Berlin 2006. Jugendliche und ältere Männer, die weniger durch Muskelkraft, sondern mehr durch List ihr Ziel erreichten: Instrukteure wie Nancy Wake, die vom britischen Special Operations Executive ausgebildet waren, brachten ihnen bei, wie man Brandbomben platziert, Sprengladungen an Eisenbahnschienen fixiert, durch die Besatzer beschlagnahmte Ware unbrauchbar macht, einen Menschen geräuschlos erwürgt, Waffen auseinandernimmt, reinigt und handhabt. Diese Sabotagekommandos sprengten Brücken, Eisenbahntunnel, Telegrafenmasten.
In den französischen Gebirgen operierte die Résistance vom Maquis aus. Diese unzugänglichen Gebiete waren durch umliegende Schluchten und Pässe geschützt und konnten deshalb durch Schützenstände, Maschinengewehre und Artillerie von wenigen Leuten selbst bei einer starken feindlichen Übermacht gehalten werden. Das wichtigste und größte Maquis lag im Vercors.
Zeilen aus Paul Verlaines Gedicht Chanson d’automne (1866) wurden von den Alliierten als Signal an die französische Résistance über BBC am Abend des 5. Juni gesendet. Damit wurde die innerhalb von 48 Stunden bevorstehenden Landung in Frankreich (6. Juni 1944, Operation Overlord) mitgeteilt. Die ersten Zeilen des Gedichts Les sanglots longs / des violons / de l’automne (Seufzer gleiten / Die saiten / Des herbsts entlang), teilte dem Widerstand am 1. Juni 1944 bereits mit, dass innerhalb zweier Wochen die Landung beginnt. Die darauffolgenden Zeilen Blessent mon coeur / d’une langueur / monotone (Treffen mein herz / Mit einem schmerz / Dumpf und bang.) waren der Aufruf vom 5. Juni mit den Sabotageaktionen zu beginnen (poetische Nachdichtung Stefan George).
Die Wirksamkeit und das Vorgehen der Résistance gegen Kollaborateure wird seit den 1970er Jahren in der französischen Öffentlichkeit verstärkt diskutiert.
Fluchthilfe und Zuflucht Die Résistance und ihre Ableger bauten verschiedene Organisationen auf, um Menschen zu helfen, über die Grenze in neutrale Staaten zu kommen oder sich in Frankreich oder Benelux mit falschen Papieren zu verbergen. Tausende abgeschossene Piloten wurden gepflegt und über Netzwerke wie Komet außer Landes gebracht. Jüdischen Familien und Kindern wurden von französischen Familien Unterschlupf geboten.Tsilla Hershco: The Jewish Resistance in France during World War II: The Gap between History and Memory. Jerusalem Center for Public Affairs, 1. März 2007, abgerufen am 15. Juni 2015. Junge Wehrpflichtige aus Elsaß-Lothringen (Malgré-nous), die als Deutsche galten und sich durch die Flucht ins besetzte oder unbesetzte Frankreich der deutschen Zwangsrekrutierung entzogen, und junge Franzosen, denen die Deportation zur Zwangsarbeit oder die Verpflichtung im Rahmen des Service du travail drohte, wurden unterstützt und teilweise für den aktiven Widerstand rekrutiert.
Unterstützung durch Résistance-Literatur