mini|Johannes Heesters (1964) rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|200px|Unterschrift Johannes Heesters niederländischer Schauspieler Johannes „Jopi(e)“ Heesters, eigentlich Johan Marius Nicolaas Heesters, (* 5. Dezember 1903 in Amersfoort, Niederlande; † 24. Dezember 2011 in Starnberg, Deutschland) war ein von 1936 bis zu seinem Tod in Deutschland lebender und arbeitender niederländischer Schauspieler und Sänger (Tenor), der nach allgemeinen Angaben die niederländische und österreichische Staatsbürgerschaft besaß. Er galt in seinen letzten Lebensjahren als der weltweit älteste noch aktive darstellende Künstler. Insgesamt stand er 90 Jahre auf der Bühne und 87 Jahre vor der Kamera.

Leben Ausbildung und erste Erfolge mini|links|Heesters 1919 im Alter von 16 Jahren Der jüngste von vier Söhnen des Kaufmanns Jacobus Heesters (1865–1946) und seiner Ehefrau Geertruida Jacoba, geborene van den Heuvel (1866–1951), begann nach seiner Schulzeit zunächst eine kaufmännische Lehre. Mit 16 Jahren fasste Heesters den Entschluss, Schauspieler zu werden, und gründete eine eigene Theatergruppe.Christine Dössel: Zum Tod von Johannes Heesters. In: Sueddeutsche.de. 27. Dezember 2011, abgerufen am 6. November 2012. Er absolvierte eine Gesangs- und Schauspielausbildung am Amsterdamer Operettentheater und erhielt bald eine Reihe von Engagements; 1921 hatte er seine ersten Bühnenauftritte in Stücken von William Shakespeare und August Strindberg.Volker Schmidt: Nachruf auf Johannes Heesters. In: Zeit.de. 24. Dezember 2011, abgerufen am 6. November 2012.

1924 spielte er eine Nebenrolle in seinem ersten Film, dem Stummfilm Cirque Hollandais, unter der Regie von Theo Frenkel. Im Dezember 1927 sang er bei Harry Frommermann vor, der die Gesangsgruppe Comedian Harmonists gründete, lehnte ein Engagement jedoch ab, als dieser ihm sagte, er würde für die nächsten Monate keine Gage bezahlen können.Peter Czada, Günter Große: Comedian Harmonists. Ein Vokalensemble erobert die Welt. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 978-3-89468-082-4, S. 15. mini|Heesters 1928 mit Louisa „Wiske“ Ghijs, die zwei Jahre später seine Ehefrau wurde 1930 heiratete Heesters die belgische Schauspielerin Louisa Ghijs (genannt Wiske), mit der er bis zu ihrem Tod 1985 verheiratet blieb. Der Ehe entstammen zwei Töchter, Louise Paula „Wiesje“ Herold-Heesters (* 1931, Pianistin in Wien) und Nicole Heesters (* 1937, Schauspielerin in Hamburg). Heesters’ Schwiegersohn war der Bühnenbildner Pit Fischer, zu seinen Enkeln gehört die Schauspielerin Saskia Fischer.

1932 übernahm er seine erste Gesangsrolle und spielte in der Folge in diversen Operetten. 1934 debütierte er mit Millöckers Bettelstudent an der Wiener Volksoper. 1935 entstand in den Wien-Film-Ateliers der Film Alles für die Firma, in dessen parallel gedrehter niederländischer Sprachfassung De vier Mullers Heesters in der Rolle des Otto zu sehen war. Es folgten Bühnenauftritte in Salzburg und in der Tschechoslowakei. In: Het Vaderland, 18. Februar 1935, abgerufen am 16. Mai 2011. Im gleichen Jahr kündigte die Amsterdamer Majestic-Film die Produktion eines letztlich nie realisierten „großen holländischen Operettenfilms“ (Regie: Haro van Peski) mit Heesters in der Hauptrolle an. In: Het Vaderland, 29. Juli 1935, abgerufen am 16. Mai 2011.

Heesters im nationalsozialistischen Deutschen Reich 1936 wechselte Heesters, abgeworben an die dortige Komische Oper, nach Berlin, wo er fortan in zahlreichen Operettenverfilmungen und Musikfilmen mitwirkte. Noch im selben Jahr spielte er unter der Regie von Georg Jacoby in der UFA-Verfilmung des Bettelstudenten; es folgten die Musikfilme Das Hofkonzert (1936) und Gasparone (1937). Vom Berliner Publikum erhielt er seinen Spitznamen „Jopie“.Biographie. Johannes Heesters. Bei: WhosWho.de. Online-Lexikon. Am Silvestertag 1938 gab er erstmals den Grafen Danilo in der Lustigen Witwe am Münchner Gärtnerplatztheater – eine Rolle, die er danach über viereinhalb Jahrzehnte hinweg bis 1983 mehr als 1600-mal spielte und zu seiner Paraderolle ausbaute. Adolf Hitler besuchte mehrere der ersten Aufführungen. Die vor der Besetzung des Landes durch die Wehrmacht im Jahr 1940 unabhängige Presse in den Niederlanden verfolgte die Karriere Heesters’ im Deutschen Reich überwiegend mit Wohlwollen. Seine deutschen Filme erhielten in den Niederlanden praktisch ausnahmslos positive Kritiken und liefen auch nach 1940 mit großem Erfolg in den dortigen Kinos.

Heesters fiel bei niederländischen Widerstandsgruppen zunehmend in Ungnade. Deshalb war er in seinem Heimatland kein Publikumsliebling, sondern wurde teilweise als Kollaborateur bzw. als Mitläufer aus Karrieregründen betrachtet, der in deutschen Diensten gestanden habe, als sein Heimatland von der Wehrmacht besetzt war.Jürgen Trimborn:

Heesters wurde mehrmals vorgeworfen, dass er in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland aufgetreten war. In den 1990er Jahren wurde bekannt, dass Heesters – wie 500 weitere Schauspieler – von Joseph Goebbels 1944 auf die sogenannte Gottbegnadeten-Liste gesetzt worden war. Heesters bekam den Zusatz „Ausländer“.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 227.Oliver Rathkolb: Führertreu und gottbegnadet. Künstlereliten im Dritten Reich. Wien 1991, S. 177.

Sympathiebekundungen von ihm für das Regime sind nicht bekannt. Er nahm weder die deutsche Staatsangehörigkeit an, noch war er NSDAP-Mitglied. Noch 1938 gastierte er in den Niederlanden in einer Theatergruppe unter der Leitung des aus Hitler-Deutschland in die Niederlande geflohenen jüdischen Künstlers Fritz Hirsch. Andererseits distanzierte er sich nicht explizit vom Nationalsozialismus und der deutschen Politik. Heesters gab später an, er sei an Politik nicht interessiert gewesen und habe versucht, seine Familie herauszuhalten und zu schützen.

Heesters in der Nachkriegszeit Heesters’ Filme wurden – im Gegensatz zu einigen Filmen mit Heinz Rühmann – nach dem Krieg vom Alliierten Kontrollrat nicht als NS-Propaganda eingestuft, sie hätten dem NS-Regime nur zur Ablenkung und Ruhigstellung der Bevölkerung gedient. Die 1944 von der Terra Film produzierte Operettenverfilmung Die Fledermaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Schnittmeisterin Alice Ludwig fertiggestellt. Am 16. August 1946 wurde der Film in Ost-Berlin als erste deutschsprachige Produktion in der sowjetischen Besatzungszone uraufgeführt. Die Terra-Film blieb im Presseheft zum Film ungenannt. Der unpolitische Film erwies sich als großer Erfolg und spielte in der Folgezeit 20 Millionen Mark ein. Die Firma Artkino zeigte den Film mit beachtlichem Erfolg in New York und anderen Städten der USA. 1949 war der Film auch in Kinos der französischen Besatzungszone zu sehen.Begleitheft der DVD Die Fledermaus, Black Hill Pictures GmbH (Bestell-Nr. 82876578559), 2003.

Heesters konnte seine Karriere nach dem Krieg fortsetzen und sang in Wien, München und Berlin. Das Auftrittslied des Grafen Danilo – Da geh’ ich ins Maxim – aus der Operette Die lustige Witwe von Franz Lehár wurde durch Heesters zum Evergreen.

1953 engagierte ihn Otto Preminger für den Film Die Jungfrau auf dem Dach nach Hollywood. In den 1960er und 1970er Jahren war er in zahlreichen Fernsehfilmen, Theateraufzeichnungen und Fernsehshows zu sehen.

1978 erschienen seine Memoiren: Es kommt auf die Sekunde an. mini|hochkant|Simone Rethel, zweite Ehefrau von Johannes Heesters 1992 heiratete Heesters die Schauspielerin Simone Rethel. Von 1996 bis zum Sommer 2001 spielte er neben seiner Frau in dem von Curth Flatow für ihn geschriebenen Stück Ein gesegnetes Alter. Dies trug ihm 1997 sogar einen Vermerk im Guinness-Buch der Rekorde ein – als weltweit ältester Schauspieler, der über 250-mal en suite in der Hauptrolle eines Drei-Stunden-Stücks auf der Bühne stand. Im Jahr 2005 ging Heesters mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg auf Tournee und gastierte in sieben deutschen Großstädten. Zudem war er unmittelbar vor seinem 102. Geburtstag Stargast bei einer Feierveranstaltung zum 140-jährigen Bestehen des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München.

Im Dezember 2006 gastierte Heesters als Solist gemeinsam mit Katja Riemann im Konzertprogramm Stars go swing der Big Band The Capital Dance Orchestra in mehreren Vorstellungen im Admiralspalast Berlin.

Heesters erhielt insgesamt zehnmal den Bambi. 2001 wurde er mit der Platin Romy für sein Lebenswerk geehrt. 2004 trat er in Köln viermal in der Rolle des Herrn im Jedermann von Hofmannsthal auf. Bei der Jubiläumsgala 2004 der Elblandfestspiele Wittenberge wurde ihm der Titel Kammersänger durch den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Intendant Heiko Reissig verliehen. Von August bis Oktober 2006 fand die erste Ausstellung über Heesters in der Berliner Akademie der Künste statt, die er persönlich mit einem Liederabend eröffnete. Ausstellung. Auf: ADK.de. 24. August 2006.

Am Neujahrstag 2008 stürzte Heesters in seinem Ferienhaus im österreichischen Alpbach und zog sich schwere Verletzungen zu, von denen er sich aber rasch erholte.Sturz am Neujahrsmorgen: Johannes Heesters geht es besser. Auf: Spiegel.de. 2. Januar 2008.

Mitte Februar 2008 trat Heesters nach mehr als 40 Jahren wieder in seinem Heimatland, in seiner Geburtsstadt Amersfoort, auf. In den 1960er Jahren war er in Amsterdam von der Bühne gebuht worden,Nazi-era singer returns to stage. Auf: BBC.co.uk. 17. Februar 2008. nun aber erhielt er stehende Ovationen. Im selben Jahr übernahm Heesters eine Nebenrolle in der Komödie 1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde von Til Schweiger. Dies war sein erster Auftritt in einem Kinofilm seit Otto – Der Film aus dem Jahr 1985. mini|Johannes Heesters als Kaiser Franz Joseph I. (2008) Im Dezember 2008 sorgte Heesters mit einer Äußerung für Aufsehen.Thomas Burmeister: Johannes Heesters: „Hitler war ein guter Kerl“. In: stern.de. Stern, 4. Dezember 2008, abgerufen am 18. Juni 2021. In einem Interview für die niederländische Satire-Fernsehshow De Jakhalzen (deutsch: Die Schakale) wurde dem bald 105-Jährigen vor laufender Kamera die Frage gestellt: . Heesters antwortete: Auf die Nachfrage des Interviewers sagte Heesters: Nach einem Einwand seiner Frau, Hitler sei doch kein „guter Kerl“ gewesen, schränkte er ein: Daraufhin wies sie ihn mit Hinweis auf Hitlers Verbrechen zurecht.Johan Heesters – De Wereld Draait Door. Video des Interviews. In: bnnvara.nl. BNNVARA, 1. September 2011, abgerufen am 18. Juni 2021. Später kritisierte sie, die Antwort sei ihrem Mann „in den Mund gelegt“ worden.Gerichtsurteil: Historiker darf weiter von Heesters’ SS-Auftritt sprechen. In: spiegel.de. Der Spiegel, 16. Dezember 2008, abgerufen am 18. Juni 2021. Er blieb zunächst bei seiner Äußerung und entschuldigte sich wenige Tage später in der Fernsehsendung Wetten, dass..?Henning Otten: Johannes Heesters’ Mea Culpa bei „Wetten, dass..“? In: tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 14. Dezember 2008, abgerufen am 18. Juni 2021. Der Stern wies darauf hin, dass der hochbetagte Heesters das provozierende Satirespiel kaum durchschaut hatte.

Rechtsstreit um Auftritt im KZ Vorwurf im Jahr 1976 1976 warf ein niederländischer Journalist Heesters vor, 1941 das KZ Dachau besichtigt und einen vergnügten Auftritt vor der SS gehabt zu haben. „Heesters singt für SS“ titelten Zeitungen und zeigten ein Foto, auf dem das Dachauer Häftlingsorchester vor Heesters musiziert. Der KZ-Kommandant Alexander Piorkowski hatte ihn eingeladen. Heesters stritt den Besuch nicht ab, wohl aber, dort aufgetreten zu sein. Er betonte, als Ensemblemitglied des Münchner Gärtnerplatztheaters für nationalsozialistische Propaganda benutzt worden zu sein und den Besuch im KZ bereut zu haben. Im Jahr 1978 schrieb er in seiner Autobiografie: Johannes Heesters: KZ-Besuch ohne Gesang? Auf: Spiegel.de. 22. August 2006.

Klage auf Unterlassung und Widerruf