Die Grippeimpfung, auch als Grippeschutzimpfung bezeichnet, ist eine Impfung gegen die Viruserkrankung Influenza („echte Grippe“).

Infektionen mit dem Influenzavirus sind sehr häufig, so in England jährlich bei etwa 18 % der Bevölkerung.Andrew C. Hayward u. a.: Comparative community burden and severity of seasonal and pandemic influenza: results of the Flu Watch cohort study. In: The Lancet, Band 2, Heft 6, P445-454, 1. Juni 2014, doi:10.1016/S2213-2600(14)70034-7. Bereits mit sechs Jahren haben nahezu alle Kinder in den Niederlanden Infektionen mit mindestens einem der Virus-Subtypen durchgemacht.R. Bodewes, G. de Mutsert, F. R. van der Klis, M. Ventresca, S. Wilks, D. J. Smith, M. Koopmans, R. A. Fouchier, A. D. Osterhaus, G. F. Rimmelzwaan: Prevalence of antibodies against seasonal influenza A and B viruses in children in Netherlands. In: Clinical and vaccine immunology: CVI. Band 18, Nummer 3, März 2011, S. 469–476, doi:10.1128/CVI.00396-10, PMID 21209157, . Zwar erkrankt durchschnittlich nur etwa ein Drittel der Infizierten mit FieberKlinische Symptomatik nach Influenza-Infektion. Robert Koch-Institut, 19. Januar 2018; abgerufen am 17. Juni 2019 und die meisten der Infizierten erholen sich innerhalb einer Woche ohne medizinische Maßnahme von den Symptomen.WHO: Most people recover from fever and other symptoms within a week without requiring medical attention Aber die große Häufigkeit der Infektionen führt doch zu einer bedeutsamen Zahl gefährlicher Komplikationen insbesondere bei Älteren und Vorerkrankten und zu einer weltweiten Belastung der Gesundheitssysteme und Wirtschaft.WHO: Seasonal influenza represents a year-round disease burden. It causes illnesses that range in severity and sometimes lead to hospitalization and death, online 2019, abgerufen am 12. Juni 2019

Erste Impfungen der allgemeinen Bevölkerung erfolgen daher bereits seit 1942. Die Impfung soll vor Beginn der Influenza-Saison erfolgen, also auf der Nordhalbkugel vorzugsweise in den Monaten Oktober und November. Aufgrund der Vielzahl von Virusstämmen und der Schwierigkeit, vorherzusagen, welche davon prävalent werden, liegt die Wirksamkeit der bisher zugelassenen Influenzaimpfstoffe unter starken Schwankungen im Durchschnitt bei ca. 50 %;Wie hoch ist die Wirksamkeit der Influenzaimpfung? Robert Koch-Institut; abgerufen am 13. Oktober 2020 sie liegt damit seit Jahrzehnten deutlich unterhalb derjenigen von Impfstoffen gegen andere Erreger.Esther Kissling u. a.: Rapid communication – Interim 2018/19 influenza vaccine effectiveness: six European studies, October 2018 to January 2019. online 21. Februar 2019; abgerufen am 5. Juni 2019Seasonal Flu Vaccine Effectiveness Studies. Centers for Disease Control and Prevention (CDC); abgerufen am 2. Juni 2019 Es gibt aber bisher keinen besseren medizinischen Schutz gegen Influenza. Die bisherigen Influenzaimpfstoffe müssen jährlich neu an die gerade zirkulierenden Influenza-Viren angepasst werden, daher wird empfohlen, sich jedes Jahr neu zu impfen. Der Impfstoff wird meist in einen Muskel gespritzt (intramuskulär), es gibt aber auch Produkte, die in die Haut (intradermal) bzw. unter die Haut (subkutan) gespritzt oder in die Nase gesprüht werden. Es werden bisher trivalente Vakzine (Dreifach-Impfstoffe) und quadri-/tetravalente Vakzine (Vierfach-Impfstoffe) verwendet, um Schutz vor den wichtigsten drei oder vier zirkulierenden Virenstämmen zu ermöglichen.

Die Influenza-Impfung schützt nicht vor den harmloseren „grippalen Infekten“ (auch: „Erkältungen“ oder „Verkühlungen“), da sie von anderen Erregern hervorgerufen werden. Auch ein Schutz vor dem SARS-CoV-2-Virus, das die COVID-19-Erkrankung auslösen kann, wird durch die Grippeimpfung nicht gewährt, jedoch reduziert sie das Risiko einer gleichzeitigen Infektion von Grippe und COVID-19.https://gesundheitsexpertin.wordpress.com/2020/10/05/grippeimpfung-und-corona/

Impfindikationen mini|Influenzaimpfung beim US-amerikanischen Militär: Der Impfstoff wird in den Deltamuskel injiziert.

WHO Derzeit empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Influenzaimpfungen für Schwangere zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft (auch im ersten Trimenon) Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren Personen über 65 Jahren Personen mit chronischen Erkrankungen Beschäftigte im Gesundheitswesen.

In Deutschland Die beim Robert Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt derzeit die Impfung fürSaisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Robert Koch-Institut, Stand 17. Dezember 2018; abgerufen am 12. Juni 2019Cornelius Remschmidt u. a.: Hintergrundpapier der STIKO: Evaluation der bestehenden Influenzaimpfempfehlung für Indikationsgruppen und für Senioren (Standardimpfung ab 60 Jahren). In: Bundesgesundheitsblatt, 2016, 59, S. 1606–1622, doi:10.1007/s00103-016-2467-8, rki.de (PDF; 1,8 MB) 4. November 2016; abgerufen am 11. November 2019Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. In: Epidemiologisches Bulletin, 2016, 34, S. 301–340, doi:10.17886/EpiBull-2016-051.4 alle Personen ab 60 Jahre (sogenannte Standard-Indikation, kurz „S“) sowie unter bestimmten Bedingungen für weitere Personen (sogenannte Indikations-Impfungen, kurz „I“): alle Schwangeren abweichend von der WHO in der Regel erst ab dem 2. Trimenon, damit die im ersten Trimenon ohnehin gehäuft vorkommenden Fehlgeburten nicht der Impfung angelastet werden.Martina Lenzen-Schulte: Grippeimpfung: Abstand halten und Hände waschen. In: FAZ, 1. Oktober 2016; abgerufen am 28. Juni 2019 Bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens sollen sich Schwangere allerdings bereits im 1. Trimenon impfen lassen. Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z. B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z. B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV) Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z. B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression. Personen mit erhöhter Gefährdung (z. B. medizinisches Personal) Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können. Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (die Impfung schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, aber es werden damit problematische Doppelinfektionen vermieden) sowie als sogenannte Reise-Indikation (kurz „R“) für Reisende, die weder der Standard- noch der Indikations-Gruppe angehören, nach Risikoabwägung entsprechend Exposition und Impfstoffverfügbarkeit. In diesen Gruppen sollte die Durchimpfungsrate auf über 70 % gesteigert werden. Tatsächlich ließen sich in der Saison 2016/17 nur knapp 35 % der Personen ab 60 Jahre impfen. In den Saisons 2008/09 und 2009/10 war in Deutschland noch knapp die Hälfte aller Menschen dieser Altersgruppe gegen Influenza geimpft. Danach gingen die Zahlen zurück. Seit der Saison 2012/13 scheinen die Impfquoten auf einem Niveau zu stagnieren – bei gut einem Drittel aller Menschen über 60.Wie viele Menschen lassen sich gegen die saisonale Influenza impfen? Robert Koch-Institut; abgerufen am 6. Juni 2019Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als höchstes Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands beschließt die Übernahme der Kosten für die Grippeimpfung für alle gesetzlich Versicherten, für die sie durch die STIKO empfohlen ist, als jährliche Impfung im Herbst mit einem Impfstoff mit aktueller, von der WHO empfohlener Antigenkombination. Für privat Krankenversicherte gelten ähnliche Regelungen.

In Baden-Württemberg wird die Grippeimpfung abweichend durch das Sozialministerium ohne Einschränkung empfohlen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen deshalb auf freiwilliger Basis die Kosten für alle Versicherten.

Seit der Herbst- und Wintersaison 2022 ist es den öffentlichen Apotheken flächendeckend erlaubt, Grippeschutzimpfungen durchzuführen („Regelversorgung“). Bisher waren Influenza-Impfungen in der Apotheke nur in regional begrenzten Modellvorhaben möglich.Bundestag beschließt Grippeimpfungen in Apotheken, apotheke-adhoc vom 19. Mai 2022, abgerufen am 27. Mai 2022Grippeschutz: Zusatzangebot durch Apotheken kann geringe Impfquote in Bevölkerung steigern, PM vom 20. Mai 2022, abgerufen am 27. Mai 2022

In Österreich Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) überwacht die Influenzasituation in Österreich über ein Influenza-Surveillance-System. Dieses erfasst Daten aus einem klinischen und einem virologischen Sentinelsurveillance-System sowie aus Meldungen von Influenzavirusnachweisen von fünf virologischen Laboratorien. Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz veröffentlicht die Stellungnahmen des Nationalen Impfgremiums auch bezüglich Influenza.Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (Hrsg.): Empfehlung Influenza-Impfung („Grippeimpfung“), Saison 2018/2019: Stellungnahme des Nationalen Impfgremiums, (PDF) Version 8.2 vom 10. Oktober 2018; abgerufen am 17. Juni 2019 Für die Saison 2018/2019 wird die Influenzaimpfung gemäß „Impfplan Österreich 2019“Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz: Impfplan Österreich 2019, Version 1, S. 37 ff., cdc.gov (PDF; 691 kB) abgerufen am 17. Juni 2019 empfohlen „grundsätzlich“ für alle Personen ab dem vollendeten 6. Lebensmonat „besonders dringlich“ für Personen mit erhöhter Gefährdung infolge einer chronischen Erkrankung (chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen außer Hypertonie), Erkrankungen der Nieren, neurologische Erkrankungen, Stoffwechselkrankheiten (einschließlich Diabetes mellitus) und bei Immundefekten hospitalisierte Personen mit erhöhter Gefährdung für Influenza-Komplikationen Kinder/Jugendliche ab dem 7. Lebensmonat bis zu 18 Jahren unter Langzeit-ASS-Therapie (zur Verhütung eines Reye-Syndroms im Rahmen einer fieberhaften Influenza; es ist zu beachten, dass unter dieser Therapie eine Lebendimpfung altersunabhängig kontraindiziert ist) stark übergewichtige Personen (Body-Mass-Index (BMI) ≥ 40) Personen mit HIV-Infektion oder anderen immunsuppressiven Erkrankungen oder Therapien Bei schwerer T-Zell- oder B-Zell-Suppression durch Immunsuppressiva/Biologika (z. B. Antikörper gegen CD20-positive B-Zellen): Impfung ein Monat vor Therapiebeginn Schwangere und Frauen, die während der Influenzasaison schwanger werden wollen Personen im Umfeld von Neugeborenen Personen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr Betreuungspersonen (z. B. in Spitälern, Altersheimen und im Haushalt) und Haushaltskontakte der zuvor genannten Risikogruppen Personen aus Gesundheitsberufen Personen mit häufigem Publikumskontakt alle Reisenden: Impfung spätestens ca. 2 Wochen vor Reiseantritt für Schutz während der Reise (z. B. am Flughafen, im Flugzeug) und am Reiseziel

In der Schweiz