Die Konjunkturtheorie untersucht und beschreibt die Ursachen und Auswirkungen der Konjunktur und des Konjunkturzyklus. Im Jahre 1937 wurde von Gottfried Haberler, im Auftrag des damaligen Völkerbundes, eine Systematik sowie ein Überblick über die ersten Konjunkturtheorien erstellt.

Darin unterschied er fünf Gruppen der Konjunkturtheorie:

Rein-monetäre Theorien Überinvestitionstheorien Unterkonsumtionstheorien Psychologische Theorien Erntetheorien

Gottfried von Haberler gilt als Pionier der Konjunkturtheorien. Seit seiner Aufstellung der oben genannten Theorien haben Vertreter dieser Theorien diverse Ursachen für Konjunkturzyklen in Betracht gezogen und weitere Theorien aufgestellt.Alfred Maußner: Konjunkturtheorie. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1994, ISBN 3-540-57790-4, S. 25 ff. Andere oder ähnliche Theorien werden auch als „Überproduktionstheorien“ oder „Überakkumulationstheorien“ bezeichnet. Letztere spielt vor allem in der marxistischen Krisentheorie eine Rolle.Alfred Müller: Die marxsche Konjunkturtheorie - Eine überakkumulationstheoretische Interpretation. Dissertation 1983, veröffentlicht Köln 2009.

Vorkeynesianische Konjunkturtheorien Rein-monetäre Konjunkturtheorie

Hier spielt die Kreditgewährung der Geschäftsbanken die zentrale Rolle. Ein Aufschwung kommt dann zustande, wenn die Banken den Kreditzins senken. Der Handel reagiert mit einer Ausdehnung seines Lagerbestandes, was wiederum dazu führt, dass die Hersteller ihre Produktion erhöhen, um die Nachfrage des Handels zu befriedigen. Dies erhöht auch das Einkommen der Haushalte und steigert somit die Konsumnachfrage. Der Handel stockt seinen Lagerbestand weiter auf.

Im Zuge dieses Aufschwungs nimmt auch stetig der Bedarf der Haushalte nach Bargeld zu. D. h., es kommt zu einem Abfluss des Zentralbankgeldes bei den Geschäftsbanken. Stellt die Notenbank/Zentralbank nicht bereitwillig und zu unveränderten Kosten Zentralbankgeld zur Verfügung, können die Geschäftsbanken den wachsenden Kreditbedarf nur mit höheren Zinsen abdecken. Durch den Aufschwung kommt es zu einem Preisanstieg, was die Importe fördert und die Exporte benachteiligt. Dadurch kommt es zu einer Verschlechterung der Handelsbilanz, was zu einem Abschwung führt.

Stehen die in- und ausländische Währung in fester Parität zum Gold, kommt es statt einer Abwertung zum Goldexport. Gleichzeitig sinkt die Zentralbankgeldmenge, da sie mit dem Goldbestand verbunden ist. Daraufhin steigen die Zinsen und beenden somit den Aufschwung. Der Handel baut infolge der gestiegenen Zinsen seine Lagerbestände ab. Der darauf folgende Nachfrageausfall veranlasst die Hersteller, ihre Beschäftigung zu reduzieren, was wiederum zu einem niedrigeren Einkommen der Haushalte führt. Damit geht auch die Konsumgüternachfrage zurück und verstärkt die konjunkturelle Talfahrt. Auch der Bargeldbestand der Nichtbanken sinkt. Preissenkungen verschlechtern die Terms of Trade, wodurch sich die Handelsbilanz wieder verbessert und es zum Goldimport kommt. Dabei kann auch die Zentralbankgeldmenge wieder steigen. Dadurch erweitert sich der Kreditspielraum der Geschäftsbanken, es kommt erneut zur Senkung der Zinsen und ein neuer Aufschwung wird wieder eingeleitet.

Monetäre Überinvestitionstheorie

Hier wird der Grund für Konjunkturzyklen in einem permanenten Ungleichgewicht zwischen der Produktion von Investitionsgütern und Konsumgütern vermutet. Die Produktionsstruktur ist dann ausgewogen, wenn die geplanten Ersparnisse mit der Nachfrage nach Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen übereinstimmen. Die Vertreter (Friedrich August von Hayek (1899–1992) und Wilhelm Röpke (1899–1966)) dieser Theorie gehen davon aus, dass die Geschäftsbanken den Aufschwung einleiten, da billige Kredite die Kosten einer kapitalintensiven Produktion verringern könnten und somit die Nachfrage nach Produktivgütern (Investitionsgütern) gesteigert wird.

Dabei (so die Theorie) geht der expansive Impuls von einer Differenz zwischen dem Geldzins und dem natürlichen Zins aus.

Nicht-monetäre Überinvestitionstheorie

Laut den Vertretern (Gustav Cassel (1866–1945) und Arthur Spiethoff (1873–1957)) dieser Theorie wird der Aufschwung durch Investitionen bzw. aufgrund des technischen Fortschritts ausgelöst, mit denen neue Märkte erschlossen werden. Dabei ist zu beachten, dass die Bankkredite zwar diese Projekte ermöglichen, aber sie nicht auslösen. Es wird aber dennoch die Produktion der Investitionsgüterindustrie erhöht und damit wächst das Einkommen der Haushalte. Wenn die Kapazitäten der Konsumgüterindustrie ausgelastet sind, wird diese nach weiteren Produktionsmitteln nachfragen und dadurch den Impuls erhöhen.

Man spricht auch vom Akzeleratorprinzip, d. h. einerseits wird der Aufschwung gesteigert und anderseits bei dessen Erlahmen der Abschwung eingeleitet. Der Aufschwung wird deshalb gebremst, weil die Ersparnisse nicht mit den Investitionen Schritt halten können. Das bedeutet, wenn der Kreditboom zum Stocken kommt, erhöhen die Banken ihre Zinsen. Dadurch können einige der bereits angefangenen Investitionsprojekte nicht weiter finanziert werden, wodurch die vorhandenen und kapitalintensiven Produktionstechniken unrentabel werden. Des Weiteren lässt die Nachfrage nach Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen nach. Die Folge ist, dass das Einkommen der Haushalte stagniert und der Abschwung durch den Akzeleratoreffekt eingeleitet wird.

Unterkonsumtionstheorie

Es handelt sich hier um eine Reihe von Argumenten, mit denen man versucht, den Abschwung zu erklären. Dabei enthalten sie keine eigenständige Erklärung für den Konjunkturzyklus und gehen davon aus, dass eine mangelnde Konsumnachfrage zur Unterbeschäftigung führen kann. Des Weiteren müssen hier zwei Argumentationslinien unterschieden werden.

Die erste wird u. a. von John Hobson (1858–1940) vertreten, dieser kehrt die Argumentation in ihr Gegenteil um. D. h., dass nicht der Mangel, sondern eine zu große Ersparnis den Abschwung anleitet. Er geht davon aus, dass der getragene Aufschwung der Produktionsgüterindustrie dazu führt, dass am Ende der Ausreifungszeit der Investitionen die Konsumgütermärkte zugleich mit neuen Produkten überschwemmt werden. Damit würden die Preise verfallen und Verluste entstehen, worauf die Investitionsnachfrage der Konsumgüterindustrie wieder nachlässt. Verbunden mit dem Rückgang der Produktion der Investitionsgüter und der Einkommen der Haushalte, sinkt auch die Konsumnachfrage und der Abschwung tritt ein.

Die zweite Argumentation kommt vom Emil Lederer (1882–1939), er vertritt die Ansicht der mangelnden Konsumnachfrage. Demnach steigt der Preis im Aufschwung stärker als die Löhne, wodurch sich die Einkommensverteilung zugunsten der Kapitaleinkommensbezieher verschiebt. Dadurch kommt es zu einer höheren Sparquote, welche sich negativ auf die Konsumnachfrage der Gesamtwirtschaft auswirkt und wiederum den kumulativen Abschwungsprozess einleitet.

Schumpetersche Konjunkturtheorien

Joseph Schumpeter begründete in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1911) als Treiber des Konjunkturzyklus das Wechselspiel zwischen Unternehmen als Innovatoren oder „Schumpetersche Pionierunternehmer“ und Imitatoren. Ausgangslage, als „rein gedankliche Hilfskonstruktion“Frank Schohl, S. 13. ist ein Walrasianische Gleichgewicht, in dem die Unternehmensgewinne null sind, alle Gewinne sind wegkonkurriert. Auf dieser Grundlage können „Pionierunternehmer“ Innovationen planen. Schumpeter zufolge stellt sich jeder innovative Unternehmer zunächst als Monopolist dar mit einem vorübergehenden Monopolgewinn. Wenn Nachahmer auftreten, kommt es zum Konjunkturaufschwung, aber die Stellung der schöpferischen Unternehmer wird durch die Konkurrenz der Imitatoren schwächer. Während zunächst die Innovatoren das Marktgleichgewicht stören, bildet sich mit der Verbreitung der Imitatoren allmählich wieder ein neues Gleichgewicht, das wieder durch Unternehmensgewinne von null gekennzeichnet ist, heraus, das den Ausgangspunkt für einen neuen Zyklus bildet. Schumpeter erkannte damit das Wechselspiel aus Innovation und Imitation als Triebkraft des Wettbewerbs. Es bildet die Grundlage für eine Reihe von Konjunkturmodellen.Frank Schohl: Die markttheoretische Erklärung der Konjunktur. Tübingen 1999; G. Haag, W. Weidlich, G. Mensch: The Schumpeter Clock. In: D. Batten, J. Casti, B. Johansson (Hrsg.): Economic Evolution and Structural Adjustment. Berlin 1987, S. 187–226; Wolfgang Weidlich, Günter Haag: Concepts and Models of a Quantitative Sociology - The Dynamics of Interacting Populations. Berlin / Heidelberg / New York 1983. Kapitel 5 „Non-Equilibrium Theory of Investment: ‚The Schumpeter Clock‘“

Psychologische Theorien

Auch hierbei handelt es sich um eine nichtselbstständige Konjunkturtheorie. Es werden lediglich Verweise verschiedener Vertreter (Arthur C.Pigou (1877–1959) und John M. Keynes (1883–1946)) auf die Bedeutung von Preis- und Absatzerwartungen als möglicher Verstärker für Aufschwung und Abschwung definiert.

So führen die durch den Aufschwung erzielten Gewinne der Unternehmen zu einer positiven Grundstimmung, welche die Rentabilität von Investitionen überschätzen lässt. Sind die realen Erwartungen dagegen enttäuschend für das Unternehmen, kommt es zu einem übertriebenen Pessimismus. Diese führt dazu, dass die Einschränkungen für Investitionen sich erhöhen und damit der Abschwung (Depression) beschleunigt wird. Durch einen Nachfragerückgang schwindet wieder die Mutlosigkeit und es kommt ein vorsichtiger Optimismus für Investitionen auf, was wiederum einen Aufschwung bewirken kann.

Neoklassische Konjunkturtheorien

Die neoklassischen Konjunkturtheorien lassen sich in den Monetarismus und die Neue Klassische Makroökonomik unterteilen. Die monetaristische Theorie befasst sich ausschließlich mit dem Inflationsproblem und nur im Ausnahmefall mit Konjunkturfragen. Ein wichtiger Vertreter ist Milton Friedman. Die Neue Klassische Makroökonomik (engl. Abkürzung NCM) geht ebenfalls von Markträumung aus, aber im Gegensatz zum Monetarismus werden hier rationale Erwartungen unterstellt.Gunther Tichy: Konjunkturpolitik, Quantitative Stabilisierungspolitik bei Unsicherheiten. 4. Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1999, ISBN 3-540-65910-2, S. 79 ff. Ein wichtiger Vertreter der Neuen Klassischen Makroökonomik ist Robert Emerson Lucas.

Exogene Konjunkturtheorien

Diese umfassen einerseits die Gleichgewichtstheorie des Konjunkturzyklus, nach der Konjunkturschwankungen auf monetäre Störungen zurückzuführen sind, und andererseits die Theorie realer Konjunkturzyklen, die Konjunkturzyklen durch reale Störungen erklärt,Jürgen Heubes: Konjunktur und Wachstum. Vahlen Verlag, München 1991, ISBN 3-8006-1485-5, S. 28 ff. wie Veränderungen der verfügbaren Technologie.

Endogene Konjunkturtheorien

Zu diesen zählen zum einen Modelle, in denen Konjunkturzyklen auf eine nicht-lineare innere Dynamik (intrinsic dynamics) der Wirtschaft zurückgehen, und zum anderen die Sunspot-Theorie, die den Konjunkturverlauf mittels einer modifizierten Theorie rationaler Erwartungen definiert.

Monetaristische Konjunkturmodelle (Monetarismus)