mini|hochkant=1.4|Schloss Wiligrad als Zweiflügelanlage mit einem Treppenturm im Hofwinkel, Unterteilung in Herrschaftsflügel und Wirtschaftsflügel, mit einer Flügelspreizung von 135 ° mini|hochkant=1.4|Schloss Wiligrad von Osten aus der Luft gesehen mini|hochkant=1.4|Blick vom Schlosspark über den Schweriner Außensee

Das Schloss Wiligrad mit seinen Parkanlagen liegt am Steilufer des Schweriner Sees zwischen Lübstorf und Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte mini|Schloss Wiligrad 1905, Blick auf die Nordseite mini|Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent zu Braunschweig und Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla, Herzogin zu Mecklenburg

Das Schloss Wiligrad wurde von 1896 bis 1898 nach Plänen von Albrecht Haupt und im Auftrag des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg und seiner Frau Herzogin Elisabeth errichtet. Den Bau und die Einrichtung finanzierte Herzogin Elisabeth mit dem von ihrer Mutter ererbten Vermögen.Adolf Langfeld: Mein Leben. Erinnerungen des mecklenburg-schwerinschen Staatsministers i. R. D. Dr. Adolf Langfeld. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1930, S. 236. Dem auf der Feldmark Zickhusen erbauten Schloss wurde im März 1898 der Name Schloss Wiligrad beigefügt.Mitteilung vom 30. März 1898. In: Regierungsblatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Das Schloss blieb bis 1945 in herzoglichem Besitz.

1896–1918 Anlässlich des Kaisermanövers, das ab dem 3. September 1904 stattfand, weilte die Kaiserin mit ihrem Gefolge im Schloss Wiligrad. Kaiser Wilhelm II. residierte hingegen für die Zeit des Manövers im Schweriner Schloss. Während des Aufenthalts auf Schloss Wiligrad wurde die Verlobung des Kronprinzen Wilhelm von Preußen mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin bekanntgegeben.

In dieser Zeit war Wiligrad Ort wichtiger Entscheidungen und beliebter Treffpunkt. Neben den Besuchen des Kaisers und der Kaiserin waren in der Hauschronik des Schlosses auch zahlreiche Besuche aus den europäischen und asiatischen Fürstenhäusern verzeichnet. Nicht nur der Hochadel weilte auf Schloss Wiligrad, auch Staatsmänner, Senatoren der Hansestädte, Künstler und Schriftsteller besuchten den Herzog auf Schloss Wiligrad. Das Schloss war zudem Ort zahlreicher Feierlichkeiten, wie dem Geburtstag der Herzogin am 28. Februar 1899. Die Gebäude der noch jungen Residenz in Wiligrad trugen aus diesem Anlass reichen Flaggenschmuck.Neue Annalen 1899. In: Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Staatskalender 1900. Schwerin 1900, S. 523.

Als Präsident der Deutschen KolonialgesellschaftArchiv Zentralstelle des Deutschen Kolonialinstitut Hamburg, 0088330002, 12. Januar 1905. lud der Herzog häufig politische Entscheidungsträger nach Wiligrad ein. Johann Albrecht galt als ausdrücklicher Unterstützer der expansiven Kolonialpolitik von Kaiser Wilhelm II. Als Vorsitzender der Deutschen Kolonialgesellschaft äußerte er bei der Sitzung des Kolonialrats am 28. Oktober 1895 sein Verständnis zu den Überlegungen der Deportation von Strafgefangenen nach Südwestafrika.Golf Dornseif: Deportation und Kolonialwirtschaft im Zeitenwandel. Die Hausherrin war in dieser Zeit die Ehrenvorsitzende des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien.Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. II. Band H–O. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 130 f.

Am 1. Juni 1907 empfing der Herzog im Schloss Wiligrad eine Abordnung der Landes-Versammlung des Herzogtums Braunschweig unter Führung des Staatsministers von Otto, um in feierlicher Erklärung die Wahl zum Regenten des Herzogtums Braunschweig anzunehmen.

Herzogin zu Mecklenburg Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach verstarb an den Folgen einer schweren Nierenerkrankung am 10. Juli 1908 auf Schloss Wiligrad.Die Woche. Band 10, Ausgabe 29, Verlag August Scherl, Berlin 1908.

Am 15. Dezember 1909 vermählte sich der Herzog erneut, mit der Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla, deren Hochzeitsreise von Schloss Wiligrad nach Ostasien führte.Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon. II. Band H–O. Quelle & Meyer, Leipzig 1920, S. 131.

In der Zeit bis zur Novemberrevolution 1918 war Schloss Wiligrad weiterhin ein Ort, der Gäste aus dem Hochadel Europas begrüßen durfte. So war 1915 der bulgarische König Ferdinand I. und sein Gefolge zu Gast in Wiligrad.Tagebuch-Auszüge (1915) des herzoglichen Sekretär Johannes Passow (1879–1969) über den Schloss-Alltag Wiligrad.

Am 8. November 1918 erfolgte die Anerkennung der von Sozialdemokraten getragenen Volksregierung durch Großherzog Friedrich Franz IV. Der Großherzog erklärte am 14. November 1918 seine Abdankung, womit die Monarchie in Mecklenburg endete.

1918–1945 Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg verstarb am Nachmittag des 16. Februar 1920 in dem von ihm erbauten Schloss zu Wiligrad. Wie der Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde im Juli 1921 in einem Nachruf schrieb, waren seine letzten Tage durch Schmerz und Bitterkeit getrübt.Bericht des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Vereinsjahre vom 1. Juli 1919 bis 1. Juli 1921, Band 85. Er wurde im Familiengrabmal im Doberaner Münster an der Seite seiner ersten Frau beigesetzt.Grabmal Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. In: muenster-doberan.de. Abgerufen am 27. Januar 2018.

Ab 1921 wurde in den unteren Räumlichkeiten des Schlosses ein Museum eingerichtet.LHAS Bestand: 5.12-7/1 Nr. 6877, Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten, Schloßmuseum Wiligrad. In diesem waren Ausstellungsstücke zu sehen, die der Herzog von seinen Weltreisen und den Reisen in die deutschen Kolonialgebiete mitgebracht hatte.Evelin Haase: Die ethnographische Sammlung Herzog Johann Albrechts. Verlag Olms-Weidmann, Hildesheim 2004. Unabhängig von der Nutzung als Museum bewohnte die herzogliche Familie weiterhin das Schloss Wiligrad.

Auf dem Schlossgelände, im ehemaligen Kavaliershaus, wurde ab 1922 die evangelische Bauernhochschule Wiligrad eingerichtet.Karl Schmaltz: Kirchengeschichte Mecklenburg. Band 3. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1952, S. 481. Die zunächst von Kantor Schröder und dann von Jugendpastor Gottfried Holtz geleitet wurde. Der Erste Weltkrieg und seine Nachwirkungen machten es notwendig, Nachwuchs in den landwirtschaftlichen Berufen auszubilden. Die Schule bildete im späteren zeitlichen Verlauf auch Frauen aus. Bis 1932 hatte die Bauernschule ihren Standort in Wiligrad.LHAS Bestand: 5.12-7/1 Nr. 5809 a, Evangelische Bauernhochschulen in Wiligrad und Friedrichsthal, Laufzeit 1921–1931. In den 1930er Jahren wurde im jetzt als Waldhaus bezeichneten Gebäude ein Hospiz eingerichtet.LKAS Bestand: 03.01.01.01./1420, Oberkirchenrat Schwerin Generalia, Kirchenwesen und Kirchenregiment, Das Hospiz Wiligrad, Laufzeit: 1934–1947.Karl Schmaltz: Kirchengeschichte Mecklenburg. Band 3, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1952, S. 489.

Nachdem Großherzog Friedrich Franz IV. 1919 aus dem dänischen Exil zurückgekehrt war, bewohnte er mit seiner Familie neben Jagdschloss Gelbensande und Schloss Ludwigslust zeitweise auch Schloss Wiligrad. Dort wuchs auch der letzte Erbgroßherzog Friedrich Franz Herzog zu Mecklenburg auf. Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten pflegte dieser Kontakt zu Heinrich Himmler und anderen Persönlichkeiten der NSDAP, in der er seit Mai 1931 ParteimitgliedBernd Kasten: Herren und Knechte: Gesellschaftlicher und politischer Wandel in Mecklenburg-Schwerin 1867–1945. (= Quellen und Studien aus den Landesarchiven Mecklenburg-Vorpommerns. Band 11). Edition Temmen, Bremen 2011, ISBN 978-3-8378-4014-8, S. 427 f. war. Im Jahr 1935 wurde er in den Rang eines SS-Obersturmführers befördert.SS-Dienstaltersliste vom 1. Dezember 1936, Dienstgrade Reichsführer SS bis SS-Untersturmführer, SS-Personalhauptamt

Ab 1942 wurden Schloss Wiligrad und dessen Gewölbe für die Auslagerung von Archivgut genutzt, um dieses vor den alliierten Bombenangriffen zu schützen.LHAS Bestand: 05.12.04/03 Nr. 7787, Sicherung eines Teiles des Schriftgutes des Siedlungsamtes vor Feindeingriffen durch Einlagerung im Schloss Wiligrad, Laufzeit: 1942–1945. Ein Großteil des Schlossinventars wurde bis 1945 ausgelagert.

Am 2. Mai 1945 erreichten amerikanische und englische Truppenteile Lübstorf und Schloss Wiligrad. Da es zu keinen Kriegshandlungen kam, blieben das Schloss und sein Umfeld unbeschädigt. Die herzogliche Familie war bereits im April in Richtung Schleswig-Holstein geflüchtet. Großherzog Friedrich Franz IV. und sein Sohn Christian Ludwig besuchten im Juni 1945 nochmals Schloss Wiligrad, nachdem das Gebiet nicht von der Roten Armee besetzt worden war. Es kam zu einem Zusammentreffen von Großherzog Friedrich Franz IV. und Generalmajor Colin Muir Barber, um eine Rückkehr der herzoglichen Familie zu erörtern.

Bis zum Kriegsende 1945 gehörte das Schloss Wiligrad zum Besitz des abgedankten Großherzogs und wurde von der in Schwerin ansässigen Großherzoglichen Vermögensverwaltung verwaltet.LHAS Bestand: 12.3-1, Hofbauamt/Großherzogliche Vermögensverwaltung, Schloss Wiligrad. Im selben Jahr erfolgte die Enteignung der herzoglichen Familie.

1945–1990 mini|Schloss Wiligrad mit Löwendenkmal und Park, Ansicht vom Zufahrtsweg aus

1945, mit Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das Schloss Hauptquartier der 15. Schottischen Infanterie-Division unter Generalmajor Barber. Generalmajor Barber und Generalmajor Ljaschtschenko verhandelten am 20. Juni 1945 in Vollmacht ihrer Befehlshaber Montgomery und Rokossowski über den Grenzverlauf und den Gebietsaustausch zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungszone.Claus Dieter Steyer: Schlösser, Parks und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2012, ISBN 978-3-89479-470-5, S. 17. Das aus den Verhandlungen folgende Gadebuscher Abkommen wurde am 13. November 1945 in Gadebusch im „Goldenen Löwen“ unterzeichnet.Richard Erich Der Austausch von lauenburgischen Grenzgebieten durch die Besatzungsmächte im November 1945. In: Lauenburgische Heimat. Heft Nr. 87, S. 34–52. Nach der Gebietsübergabe diente das Schlossgebäude der Roten Armee als Typhuslazarett,Claus Dieter Steyer: Schlösser, Parks und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2012, S. 18. die Wirtschaftsgebäude hingegen als Flüchtlingsunterkünfte.

1947 wurde Schloss Wiligrad Standort der Landesparteischule der SED, in der bis zu 100 Schüler ihre Schulungen erhielten. In der Landesparteischule August-Bebel fanden auch die Landesdelegiertenkonferenzen der SED statt.LHAS Bestand: 10.34-1 SED Landesleitung Mecklenburg 1948–1952. In dieser frühen Nutzungsphase kam es im Kellergeschoss des Seitenflügels zu einem Brand, der im Eiskeller ausbrach. Es folgten polizeiliche und parteiinterne Untersuchungen.LHAS Bestand: 10.34-1 Parteigut der KPD/SED, Ermittlung der Brandursache Eiskeller Wiligrad, Landesparteischule Wiligrad, 417, Laufzeit 1945–1951.

Im Jahr 1951 kam es zur Enttarnung einer angeblich trotzkistisch agierenden Gruppe an der Schule, wie aus einem Bericht über die vermeintliche Bandentätigkeit vom 6. November 1951 hervorgeht.LHAS Bestand: 10.34-1, SED Landesleitung Mecklenburg, Akte 140, S. 3, Bl. 59.