mini|Renovierte Zipser Häuser im Zipserei-Viertel () in Vișeu de Sus (deutsch: Oberwischau), Kreis Maramureș, Rumänien. Die Zipser in Rumänien (, ) sind Nachkommen einer ausgewanderten Gruppe deutschsprachiger Zipser Sachsen aus der Zips in der heutigen Slowakei, die teilweise bis heute in Rumänien leben. Sie bilden eine Untergruppe der Rumäniendeutschen im Kreis Maramureș sowie in Teilen der Südwestbukowina (heute: Kreis Suceava) und im Banater Gebirge. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten auch Zipser in der heute zur Ukraine gehörenden Karpatenukraine und wohl auch in der kroatischen Region Slawonien und der serbischen autonomen Provinz Vojvodina. Diese Zipser wurden meistens Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert in schon bestehenden Ortschaften angesiedelt, wo sie in neuen Ortsteilen mit charakteristischem Baustil zusammenlebten, die Zipserei genannt werden, nur selten gründeten sie neue Dörfer.

Geschichte Vorgeschichte

Die Bezeichnung „Zipser“ stammt von Einwanderern aus der Zips (ungarisch: Szepes, slowakisch: Spiš) (damals Oberungarn, heute Slowakei). Die Geschichte der deutschsprachigen Zipser begann mit ersten Ansiedlungen im 12. Jahrhundert im Rahmen der hochmittelalterlichen Ostsiedlung. Die Mehrheit siedelte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, angeworben mit Privilegien der ungarischen Könige, besonders dem Zipser Freibrief 1271, die denen der Siebenbürger Sachsen ähnlich waren, darunter Abgabenfreiheit vom ungarischen Adel und autonome Selbstverwaltung nach eigener Rechtstradition. Die Einwanderung endete im 14. Jahrhundert.Duncan B. Gardiner: German place names in Slovakia. In: Foundation for East European Family HistoryStudies, 1997. Die Zipser Sachsen entwickelten mit der Zipser Willkür von 1370 ein autonomes Recht nach eigener Tradition, das einzige deutsche Landrecht in der Slowakei (neben mehreren Stadtrechten). Die Zipser Sachsen bildeten vom 13. Jahrhundert bis in die Frühe Neuzeit (16.–18. Jahrhundert) die größte und die wirtschaftlich und zumindest in den ersten beiden Jahrhunderten auch politisch dominierende Bevölkerungsgruppe der Zips, aber nie die einzige Bevölkerungsgruppe der Region. Ihre Privilegien standen im Laufe des 14.–18. Jahrhundert immer stärker unter politischem Druck durch den ungarischen Adel (einige Hochadelsgeschlechter wählten ihren Stammsitz in der Zips), der nicht an vielen abgabenbefreiten Bewohnern interessiert war und entweder durch eine feudale Besiedlung mit abgabepflichtigen slowakischen Bauern oder durch Einschränkung oder Abschaffung der Privilegien seine Machtbasis zu erweitern versuchte. Die Zipser Sachsen wehrten sich dagegen durch Gründung von Städtebünden, die sich dagegen entweder militärisch verteidigten oder sich in engen Beziehungen zu den ungarischen Königen und zur Zentralregierung ihre Privilegien mehrfach bestätigen ließen. Trotzdem mussten einige ländliche Gebiete und weniger bedeutende Städte Einschränkungen und Verluste der Privilegien hinnehmen. Für diese Teile der nun abgabepflichtigen Zipser schwand auch die Unterscheidung zur übrigen Bevölkerung und es setzte in den folgenden Generationen eine allmähliche Assimilation ein. Dieser Prozess der Slowakisierung wurde von der Reformation gebremst, als die meisten Zipser Sachsen im Gegensatz zu nichtdeutschsprachigen Bewohnern die evangelisch-lutherische Konfession annahmen, wodurch nicht nur das erhaltene autonome Rechtsleben, sondern auch das kirchliche Gemeindeleben in deutscher Sprache stattfand. Die Gegenreformation im 17./18. Jahrhundert beschleunigte jedoch die Slowakisierung wieder, da sich während dieser Zeit ein Teil der Zipser Sachsen und viele Slowaken dem römisch-katholischen Glauben zuwandten und zahlreiche slowakischsprachige katholische Städtebürger in die Zipser Städte zogen. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges bezeichnete sich etwa ein Viertel der Bewohner der Zips als Zipser Sachsen, etwa die Hälfte als Slowaken und etwa ein Viertel als von anderer Nationalität, meistens als Ungarn (seit 1876 forcierte die ungarische Regierung eine Magyarisierung, durch die ihr Anteil von ca. 1 Prozent auf über 11 Prozent stieg) oder als Ruthenen.

Durch diese historischen Erfahrungen bildeten die Zipser Sachsen eine spezifische „Zipser Identität“, die oft als Mehrfachidentität beschrieben wird: Im Mittelpunkt stand die regionale Identität als „Zipser (Sachsen)“, auch durch ihre vom übrigen deutschen Sprachgebiet räumlich isolierte Heimat in einer Sprachinsel, und die traditionelle Loyalität zur ungarischen Monarchie und Zentralregierung, verbunden mit der Identität als ungarische Untertanen, später als Ungarn im staatsbürgerlichen Sinne. Die Identitätsfrage, ob sie durch die deutsche Sprache und (teilweise) lutherische Konfession und Kultur auch Deutsche sind, wurde zwar meistens nicht abgelehnt, war aber vor den 1920er/30er Jahren von untergeordneter, drittrangiger Bedeutung.

Die Zips und die Zipser Sachsen erlebten im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, die neben Landwirtschaft besonders auf dem Fernhandel der Zipser Handelsstädte (besonders in der Oberzips) zwischen Ungarn und Polen sowie einem Boom des Bergbaus der Bergstädte der Unterzips im Ungarischen/Slowakischen Erzgebirge beruhte. Als beide Wirtschaftszweige im 17./18. Jahrhundert durch allmähliche Erschöpfung der Lagerstätten und abnehmende wirtschaftliche Bedeutung Polens und Ungarns stagnierten, verarmten besonders versorgende und dienstleistende Berufsschichten, wie Handwerker, abgabepflichtige Bauern, Holzfäller und Köhler (für den Bergbau). Zudem erreichte die Industrialisierung die Region kaum. So entschieden sich im 18./19. Jahrhundert viele Bewohner der Zips zur Auswanderung.

Ansiedlungen und Geschichte außerhalb der Zips

Im 17./18. Jahrhundert expandierte das Habsburgerreich weit ins östliche Europa. Es übernahm nach dem Großen Türkenkrieg mit dem Frieden von Karlowitz 1699 große Teile des vorher osmanisch beherrschten Mittel- und Südungarn., darunter Slawonien und das Fürstentum Siebenbürgen. Mit dem Frieden von Passarowitz 1718 und bestätigt im Frieden von Belgrad 1739 kam noch das Banat hinzu, darauf folgte mit der Ersten Polnischen Teilung 1770 Galizien und dem Frieden von Küçük Kaynarca 1774 die Bukowina. Nach den evangelisch-magnatischen Kuruzenaufständen in Ungarn bis 1711 unternahm das Habsburgerreich unter den Kaisern Karl VI. (1711–40), Maria Theresia (1740–80) und Joseph II. (1765–90) erhebliche Anstrengungen, um die teilweise entvölkerten Regionen neu zu besiedeln (Karlinische Kolonisation, Theresianische Kolonisation, Josephinische Kolonisation). Die Ansiedlungen, von denen manche im ersten Versuch scheiterten, wurden in der Regierungszeit von Kaiser Franz II./I. (1792–1835) beendet. Als Siedler wurden oft Deutschsprachige wie Rheinländer, Schwaben, Badener, Hessen, Tiroler, Deutschböhmen, Österreicher und Steirer angeworben, aber auch Tschechen, Slowaken, Polen, Ungarn, Russinen und andere.

Zipser Sachsen wurden vorwiegend in Gebirgsregionen der Maramuresch, Südwest-Bukowina, Karpatenukraine und des Banater Gebirges, aber auch nach Kroatien und in die Vojvodina angeworben. Die meisten Zipser wurden in schon bestehenden Ortschaften angesiedelt, nur selten gründeten sie neue Dörfer. In den Ortschaften gründeten sie neue Ortsteile mit traditionellen Zipser Häusern, die Zipserei genannt werden und von den Vierteln ebenfalls angesiedelter Siedler aus dem geschlossenen deutschen Sprachgebiet (manchmal Teitscherei „Deutscherei“ genannt) und den Ortsteilen anderer Bevölkerungsgruppen getrennt waren, aber nach Beschreibungen (vgl. z. B. Reportagen unter „Weblinks“) oft in spannungsfreier Nachbarschaft mit allen Bevölkerungsgruppen zusammenlebten. Zu den Gründen für die Ansiedlung in älteren Orten gehörten die Planung, dass sie neue Wirtschaftszweige, wie Bergbau und Verhüttung, Eisenbearbeitung, Gebirgsforstwirtschaft und Holzindustrie verbreiten sollten, aber auch ihre eigene Initiative, weil sie das nachbarschaftliche Zusammenleben mit Menschen anderer Sprache, Kultur oder Religion schon aus der Zips gewöhnt waren.

Auf die erste Welle von Ansiedlungen der Zipser in den 1770er–90er Jahren gehen die meisten Zipser-Siedlungen der Maramuresch und der benachbarten Karpatenukraine zurück. Zumeist waren sie Holzfäller, Köhler, Flößer und Waldarbeiter („Holzknechte“), die bisher den Bergbau und die Hüttenindustrie der Unterzips (östliches Ungarisches Erzgebirge) mit Holz und Holzkohle versorgten, dessen Lagerstätten aber erschöpft waren. Ihr ursprünglicher Zweck war, die einträglichen, seit den 1720er Jahren in habsburgischem Besitz befindlichen staatlichen Salzbergwerke in Rohnen (, , heute südlicher Ortsteil von Rona de Sus), von Altwerk (Ocna Șugatag) und von Slatina (heute Solotwyno, kurz hinter der ukrainischen Grenze) mit ihrem immensen Holzbedarf (z. B. für die Flöße zum Transport des Steinsalzes, für Schleusen, für Gangzimmerungen im Bergbau, Salinen und für Holzkohle für die Salzsiedereien) zu versorgen. Weil dieser Holzeinschlag zuvor zu Entwaldungen in den Waldkarpaten geführt hatte, wurde eine kameralistische Forstwirtschaft etabliert, für die neben Zipser Waldarbeitern auch solche aus dem Salzkammergut, die in der Versorgung des Salzbergbaus erfahren waren, angeworben wurden. Die Zuwanderer aus den Alpen etablierten auch die in den Karpaten bis dahin unbekannte Almhaltung von Hochlandrindern, die sich auch in der Folklore niederschlägt.Beschreibung der Geschichte auf der Website der Heimatortgemeinschaft von Oberwischau/Rumänien. Die Kolonisation hatte größtenteils vor dem Toleranzpatent stattgefunden, als die habsburgische Verwaltung noch darauf bedacht war, die Vergünstigungen nur katholischen Siedlern zukommen zu lassen, während an späteren Ansiedlungen auch viele evangelisch-lutherische Zipser beteiligt waren.

Eine wichtige Rolle für die Ansiedlung von Zipser Bergleuten (und zuarbeitenden Holzfällern und Köhlern) in der Südwestbukowina spielte der Bergbauunternehmer Ritter Anton Manz von Mariensee (1757–1830). Der Bergbau wurde Mitte des 19. Jahrhunderts meist als unrentabel aufgegeben, weil die Lagerstätten nicht ausreichten, woraufhin zahlreiche Auswanderungen nach Amerika die Zipser Bevölkerung verringerten.Emanuel Turczynski: Geschichte der Bukowina in der Neuzeit. Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer mitteleuropäisch geprägten Landschaft. Wiesbaden 1993, S. 36–38. Der in diesem Video: , in Minute 1:50–3:36 in der Bukowina (sein am Anfang eingeblendetes Wohnhaus ist der ganz charakteristische Landhausstil der Südwestbukowina) interviewte Gesprächspartner von Claus Stephanie (der erwähnte evangelische Kirchenkurator von Weingarten/Cârlibaba Veche?) erzählt dieselbe Entstehungsgeschichte der Zipser-Siedlungen der Südwestbukowina. Er spricht Standarddeutsch mit deutlichen schlesisch-basierten phonetischen und syntaktischen Einflüssen.

Eine dritte Ansiedlungswelle von Zipsern ging in einige Ortschaften im Banater Bergland, besonders Anina mit Ortsteilen Steierdorf und Sigismund, sowie Sekul. Diese Zipser waren Bergleute, seltener Holzfäller aus Schmölnitz (Smolník in der Unterzips), die erst relativ spät, in den 1850er Jahren in die seit den 1770er Jahren eröffneten Steinkohle-Bergwerke gingen, nachdem schon einige frühere Ansiedlungswellen von Bergleuten aus der Steiermark, dem Salzkammergut, den deutschsprachigen Teilen Böhmens, aber auch zahlreiche andere rumänische, ungarische, slowakische u. v. a. Bergleute angesiedelt wurden, die aber aus Unzufriedenheit über die Verhältnisse mehrfach teilweise oder fast komplett wieder abwanderten.Website der Steierdorf-Aninaer Deutschen, siehe Upload bei „Die Leute–Ansiedlung“.

Siedlungen der Zipser Ortschaften in Rumänien