Star Trek II: Der Zorn des Khan (Originaltitel Star Trek II: The Wrath of Khan, englisch für „Der Zorn von Khan“) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1982. Er basiert auf der populären Fernsehserie Raumschiff Enterprise (Originaltitel Star Trek) und setzt deren 1966 von NBC ausgestrahlte Episode Der schlafende Tiger (Originaltitel Space Seed) etwa 15 Jahre später im Kino fort: Khan, ein durch Eugenik entstandener Mensch, entkommt seinem Exil und will sich an James T. Kirk für seine Verbannung rächen. Er bemächtigt sich der Genesis-Technologie, die gleichzeitig Leben erschaffen und zerstören kann, und will schließlich durch deren Missbrauch Kirk mit in den Tod reißen.

Der Regisseur und Drehbuchautor Nicholas Meyer definierte mit dem Produzenten Harve Bennett Star Trek für das Kino neu. Die Atmosphäre sollte wirklichkeitsnäher und militärischer sein als im Vorgängerfilm. Insbesondere thematisierte er das fortgeschrittene Alter der Hauptdarsteller. Vor der Veröffentlichung sorgte der Filmtod der beliebten Figur Mr. Spock für große Aufmerksamkeit und Proteste von Fans. Auch Serien-Erfinder Gene Roddenberry stemmte sich gegen einige Ideen des Projekts. Der Erfolg der Produktion bei Publikum und Kritik garantierte weitere Fortsetzungen und bewog den Spock-Darsteller Leonard Nimoy zu seinem Verbleib bei der Filmserie. Heute gilt Star Trek II als eine der gelungensten und innerhalb Star Treks einflussreichsten Leinwandadaptionen. 2024 erfolgte die Aufnahme in das National Film Registry.

Handlung

Die Besatzung des Föderationsraumschiffs Reliant ist im 23. Jahrhundert auf der Suche nach einem unbelebten Planeten, der für einen Test des Genesis-Projekts geeignet ist. Das geheime Vorhaben, unter der Leitung von Dr. Carol Marcus und ihrem Sohn Dr. David Marcus entwickelt, soll durch Terraforming tote Planeten in zur Besiedlung geeignete Welten verwandeln. Bei der Erkundung eines Wüstenplaneten stoßen Captain Terrell und sein erster Offizier, Commander Chekov, auf Khan, einen durch Eugenik entstandenen Menschen. Er und seine Gefolgsleute sind fünfzehn Jahre zuvor von Captain Kirk auf diesem Planeten ins Exil verbannt worden. Khan macht Chekov und Terrell mit bewusstseinsverändernden Parasiten gefügig, die durch das Ohr ins Gehirn der beiden Gefangenen kriechen, und kapert die Reliant, um die Genesis-Technologie in seine Gewalt zu bekommen und Rache an Kirk zu üben.

Der alternde Admiral Kirk befindet sich unterdessen auf Inspektion an Bord seines einstigen Raumschiffs Enterprise, auf dem unter seinem Freund Captain Spock Kadetten ausgebildet werden. Als Dr. Carol Marcus einen Hilferuf sendet, übernimmt Kirk das Kommando. Auf dem Weg zur Wissenschaftsstation trifft die Enterprise auf die Reliant, die plötzlich das Feuer eröffnet. Obwohl sein Raumschiff schwer beschädigt ist, gelingt es Kirk, indem er aus der Ferne die Kontrolle über die Computer der Reliant übernimmt, den wieder aufgetauchten Erzfeind Khan kampfunfähig zu machen und ihn in die Flucht zu schlagen.

Auf der Raumstation angelangt, findet Kirk einen Großteil der Wissenschaftler ermordet vor. Terrell und Chekov ließ Khan zwar lebend, aber offenbar traumatisiert zurück. Auf der Suche nach Dr. Carol Marcus und der in einem Torpedo untergebrachten Genesis-Vorrichtung lässt sich Kirk mit seinem Außentrupp in das ausgehöhlte Innere des nahen Planetoiden Regula beamen. Dort trifft er nicht nur Dr. Carol Marcus, mit der er vor Jahren eine Beziehung hatte: Er wird erstmals mit dem gemeinsamen Sohn David konfrontiert, der Kirk die Schuld an der Situation gibt. Terrell und Chekov versuchen im Auftrag Khans mit Waffengewalt, von Kirk und Dr. Carol Marcus die Genesis-Technologie zu erpressen. Terrell schafft es jedoch mit äußerster Anstrengung, sich dem willenskontrollierenden Einfluss des Parasiten zu widersetzen, die Waffe auf sich selbst zu richten und sich zu erschießen; Chekov wird unter den ihm von dem Parasiten zugefügten Schmerzen ohnmächtig, daraufhin verlässt der Parasit den am Boden liegenden Chekov durch das blutende Ohr.

Tatsächlich offenbart sich das Planeteninnere als fruchtbare Landschaft: In der Höhle wurde das Genesis-Projekt erfolgreich getestet. Auch ist die Enterprise nicht so stark beschädigt, wie Khan glauben gemacht wurde: Captain Spock kann Kirk und die anderen bald an Bord beamen. Kirk lockt die Reliant mit dem rachsüchtigen Khan an Bord in den Mutara-Nebel, der die wichtigsten Sicherheitsfunktionen beider Raumschiffe außer Kraft setzt: Nur so ist die angeschlagene Enterprise der technisch überlegenen Reliant ebenbürtig.

Dank Kirks größerer Erfahrung kann die Enterprise die Reliant besiegen. Doch als der schwer verwundete Khan das Genesis-Projektil aktiviert, um Kirk mit sich in den Tod zu reißen, kann nur die Selbstlosigkeit Spocks das Raumschiff und seine Besatzung retten: Er repariert den Reaktor, damit die Enterprise rechtzeitig mit Warpgeschwindigkeit vor der Explosion flüchten kann. Zuvor vermittelt Spock allerdings dem Schiffsarzt Doktor McCoy mithilfe einer Gedankenverschmelzung seine Seele („die Katra“). Spock stirbt aufgrund der ionisierenden Strahlung des Reaktors. Er wird auf dem durch die Explosion des Genesis-Projektils neu geschaffenen Planeten beigesetzt.

Vor dem Abspann spricht Spock aus dem Off: „Der Weltraum bleibt die große Herausforderung. Das Raumschiff Enterprise stößt auf seinen Reisen in immer neue Gebiete vor. Es bleibt seine Aufgabe, ungewöhnliche neue Welten zu erkunden, auf die Suche zu gehen nach neuen Lebensformen. Mutig stößt die Enterprise dorthin vor, wo noch kein Mensch gewesen ist.“

Produktionsgeschichte

Drehbuchentwicklung Neuer Produzent Als lang erwartete Produktion hatte sich der Vorgängerfilm Star Trek: Der Film zum großen kommerziellen Erfolg entwickelt. Doch das künstlerische Ergebnis enttäuschte Publikum wie Kritik. Die Studioleitung Paramounts beschloss dennoch, einen zweiten, auf der Fernsehserie Star Trek basierenden Film zu produzieren. Erst als Fernsehfilm geplant, sollte es schließlich doch eine weitere Kinoproduktion sein. Die Herstellungskosten durften allerdings mit rund elf Millionen Dollar nur etwa ein Viertel des für Star Trek: Der Film aufgewandten Budgets betragen. Gene Roddenberry, Schöpfer Star Treks, musste seine Stelle als Produzent räumen, da das Studio ihn für das überzogene Budget und die schlechte Rezeption verantwortlich machte. An seine Stelle trat Harve Bennett. Der erfahrene Produzent von Fernsehserien wie Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann versprach, das knappe Budget einzuhalten und den neuen Film spannender zu gestalten.

Bennett hatte bis dahin noch keinen Kinofilm produziert. Er holte sich für die komplexe Aufgabe Unterstützung durch Robert Sallin, einen erfahrenen Produzenten und Regisseur von Werbefilmen. Seiner Unerfahrenheit mit Kinoproduktionen war es geschuldet, dass er Sallin vertraglich den Titel des Producers zusicherte und sich selbst als weniger bedeutenden Executive Producer einsetzte: Letztere Position ist nur bei Fernsehproduktionen die wichtigere. Weil er Star Trek kaum kannte, ließ sich Bennett nach eigenen Angaben alle Folgen der Fernsehserie zeigen. Bei der Suche nach einem geeigneten Stoff ließ er sich von der Episode Der schlafende Tiger (Space Seed) inspirieren: Ricardo Montalbán spielte darin einen durch Genmanipulation erschaffenen Supermenschen und Tyrannen, der schließlich von Captain Kirk besiegt und mit seinen Gefolgsleuten auf einen Planeten verbannt wird. Diese Geschichte eignete sich laut Bennett ausgezeichnet für eine Fortsetzung. Die starke antagonistische Kraft von der durch Montalban charismatisch verkörperten Figur sollte dem neuen Star-Trek-Film jene Dramatik geben, die dem ersten Film gefehlt hatte.

Für die Ausarbeitung des Drehbuchs zog Bennett den Autor Jack B. Sowards heran. Mit Ideen von Bennett, Robert Sallin und Art Director Michael Minor entstanden mehrere stark unterschiedliche Drehbuchfassungen; Arbeitstitel waren unter anderem: Star Trek: The Omega System, Star Trek: The Genesis Project und Star Trek: Worlds That Never Were. Aus der frühen Phase der Drehbuchentwicklung stammt Bennetts Idee einer Superwaffe der Föderation, des Omega-Systems. Unzufrieden mit dessen rein zerstörerischer Wirkung, entwickelte er daraus mit Mike Minor das Genesis-Projekt zur Erschaffung neuer Welten, das als Waffe missbraucht werden kann.Vgl. Cinefantastique (1982), S. 53. Dennoch gelang es dem Team nicht, aus den einzelnen, vielversprechenden Elementen eine kohärente Geschichte zu bauen. Auch die Handlungsebene der Khan-Figur blieb weitgehend eine Randerscheinung bei den verschiedenen Fassungen. In der Version des mit Star Trek vertrauten Drehbuchautors Sam Peeples verschwand Khan sogar vollständig aus dem Skript. Das Projekt, dessen Zeitplan weit fortgeschritten war, drohte zu scheitern.

mini|hochkant|Regisseur Nicholas Meyer (2008) In dieser Krise stieß Nicholas Meyer zum Projekt. Der junge, erfolgreiche Autor (The Seven Percent Solution) konnte mit Flucht in die Zukunft ein respektables Regiedebüt vorweisen und wurde Bennett durch eine bei Paramount arbeitende Freundin als Regisseur empfohlen. Hoch motiviert, bei einer vergleichsweise großen Produktion die künstlerische Leitung zu übernehmen, bemühte er sich um die Lösung der Drehbuchprobleme: Zusammen mit den Produzenten Bennett und Sallin erstellte er eine Liste vielversprechender Elemente der bisherigen sechs Drehbücher. Aus dieser Aufzählung von Plots, Szenen, Figuren und Dialogzeilen formte Meyer, der die Serie kaum kannte, innerhalb von zwölf Tagen ein weiteres Drehbuch. Weil die Zeit für vertragliche Formalitäten zu knapp war, verzichtete er auf die Nennung als Autor. Später begründete Meyer diese Entscheidung nicht nur mit seiner Naivität: Auf diese Weise befreite er sich auch von zusätzlichem Druck, sollten seine Bemühungen enttäuschen.

Die Produzenten zeigten sich vom neuen Entwurf überzeugt, doch bei einigen Schauspielern regte sich Skepsis. William Shatner wetterte am stärksten gegen das Skript. Meyer legte diesem innerhalb von nur zwei Tagen eine neue Fassung vor, auf die Shatner begeistert reagierte. Die Thematisierung seines beziehungsweise Kirks Alters bereitete Shatner dennoch großes Unbehagen. Bennett und Meyer gelang es schließlich, Shatner umzustimmen und diesen wesentlichen Aspekt des Drehbuchs zu erhalten, doch verschwand jeder Hinweis auf das genaue Alter Kirks aus dem fertigen Skript.

Spocks Tod mini|hochkant|Spock-Darsteller Leonard Nimoy, etwa ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten Schon früh war Spocks Tod fester Bestandteil des Films. Auf diese Weise gelang es Harve Bennett, den zunächst unmotivierten Leonard Nimoy dafür zu interessieren, die Rolle des beliebten Vulkaniers erneut zu übernehmen. Die Sterbeszene, die als Ausstieg Nimoys aus dem Franchise geplant war, sollte das Publikum unvermittelt in der ersten Hälfte des Films treffen. Die Nachricht von Spocks geplantem Tod drang jedoch an die Öffentlichkeit. Bennett verdächtigte später Gene Roddenberry: Der Schöpfer Star Treks stemmte sich vehement gegen Entwicklungen, die das Projekt nahm; Spocks Tod und die starke Betonung militärischer Elemente wollte er vermeiden. Seine Einwände wurden ignoriert.