Kamen (niederdeutsch KaomenWilhelm Schleef: Dortmunder Wörterbuch. (PDF; 3,9 MB). Böhlau, Graz/Köln 1967, .) ist eine nordrhein-westfälische Hansestadt des östlichen Ruhrgebietes und gehört zum Kreis Unna. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts waren sowohl die Schreibweisen „Camen“ als auch „Kamen“ üblich. 1903 wurde die heutige Form des Ortsnamens amtlich festgelegt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 276.
mini|295px|Kamen mit Heilige Familie (links) und Pauluskirche (rechts)
Geografie mini|hochkant|Schiefer Turm der Pauluskirche mini|Alter Markt
Kamen liegt am Südrand der Westfälischen Bucht und unmittelbar nördlich des ersten Höhenrückens der mitteldeutschen Hügelzone, des Haarstrangs, und nahe der Hellweg-Zone, die durch die Kreisstadt und südliche Nachbarstadt Unna zentriert ist.
Kamen wird von Osten nach Westen von dem Flüsschen Seseke durchströmt, das im westlichen Stadtgebiet den aus dem Dortmunder Osten kommenden Körnebach aufnimmt. Im Rahmen des Sesekeprogramms wurde beide Wasserläufe renaturiert und fließen nun teils in künstlichen Mäandern.
Kamen liegt in der Südwestecke des Kamener Kreuzes, einem der wichtigsten Straßenverbindungspunkte Deutschlands. Das Stadtgebiet wird in Ost-West-Richtung durch die Eisenbahn-Magistrale Dortmund–Hamm gegliedert, was bis zur Schaffung der bahnüberbrückenden Hochstraße (B 233) Anfang der 1970er Jahre wegen des schienengleichen Bahnübergangs ein gewaltiges Verkehrsproblem für den innerstädtischen und regionalen Nord-Süd-Verkehr nach sich zog.
Weite Teile des Kamener Stadtgebiets sind landwirtschaftlich geprägt. In der Stadt befinden sich kleine Grünzonen mit dem Postpark, dem Stadtpark, dem Koppelteich-Park, dem Park am Galgenberg und der baumbestandenen Seseke-Aue (siehe Foto). Nahe den Stadtgrenzen finden sich zwei Waldgebiete, der Kurler Busch jenseits der Stadtgrenze zu Dortmund im Westen und im Osten das Naturschutzgebiet Holzplatz, das teilweise zu Bönen gehört. Vollständig auf Kamener Gebiet liegt das Heerener Holz, ein rund 65 Hektar großes, bewaldetes Naturschutzgebiet. Die einzelnen Ortschaften von Kamen sind durch Ackerland voneinander getrennt; das Kamener Umland gehört zum Randgebiet der sehr fruchtbaren und ertragreichen Werl-Unnaer Börde.
Gliederung und angrenzende Gemeinden Kamen grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Städte und Gemeinden Bergkamen, Hamm, Bönen, Unna, Dortmund und Lünen.
Stadtgliederung Die Stadt Kamen gliedert sich in vier Ortschaften und sechs Stadtteile
Ortschaften: Kamen-Mitte (mit Rottum und Derne) Heeren-Werve Methler (mit Westick und Wasserkurl) Südkamen (mit Kamen-Süd) Stadtteile:
Stadtteil Einwohner Fläche[km²] Bevölkerungsdichte[EW/km²] Kamen-Mitte 20.847 7,4 2.817 Methler(mit Westick und Wasserkurl) 11.393 12,6 904 Heeren-Werve 8.225 10,1 814 Südkamen(mit Kamen-Süd) 4.579 6,0 763 Derne 68 2,5 27 Rottum 85 2,3 37 Gesamt 45.197 40,9 1.105
Die Einwohnerzahlen haben den Stand vom Dezember 2023 und umfassen Haupt- und Nebenwohnsitze.
Methler
mini|Seseke in Kamen
Der Bereich, der heute als Stadtteil Methler bezeichnet wird, hat eine über 1100-jährige Geschichte und bestand vor der kommunalen Neuordnung von 1968 aus den selbständigen Gemeinden Methler, Westick und Wasserkurl. Die Ortslage Kaiserau war nie eine eigenständige Gemeinde, sondern ursprünglich eine Bergarbeitersiedlung, die sich auf den Gemeindegebieten von Westick und Methler befand. Der Name „Kaiserau“ wurde bundesweit durch die Sportschule Kaiserau bekannt, die inzwischen in SportCentrum Kaiserau umbenannt wurde. Hier trainierte die deutsche Fußballnationalmannschaft zu den Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 1990. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war die spanische Nationalmannschaft zu Gast.
Hauptverbindungsstrecke zwischen der Kamener Innenstadt und Methler ist die Westicker Straße, die sich nach einem großzügigen Ausbau in den 1970er Jahren zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt hatte. Durch den Bau mehrerer Kreisverkehre wurde dieser Entwicklung begegnet.
Südkamen
Südkamen entstand als Wohnbereich um ehemalige landwirtschaftliche Hofstellen herum. Mit der formellen Zusammenlegung der Siedlungsbereiche Kamen-Süd und Südkamen entstand der heutige Stadtteil Südkamen, der heute eine umfangreiche soziale Infrastruktur (Seniorenzentrum, Behindertenwerkstätten, Grundschule, Kindergärten, evangelische und katholische Gemeindehäuser) bietet. Insbesondere die großflächigen Gewerbegebiete Zollpost und Kamen Karree haben eine wichtige Versorgungsfunktion für die gesamte Stadt Kamen (Verbrauchermarkt, Möbelhaus, Gartenmarkt, Baumarkt u. a.) und über die Stadtgrenzen hinaus.
Kamen-Süd Kamen-Süd ist eigentlich Teil der Kamener Stadt, wird jedoch durch die Eisenbahnlinie von der nördlich gelegenen Innenstadt getrennt. Die für Autos nutzbaren Verbindungen zum Innenstadtbereich sind die Hochstraße der B233, die aufgrund der langen Rampen für jeden Nord-Süd-Weg mindestens drei Kilometer zu fahren erfordert und nicht als Fußweg oder per Fahrrad genutzt werden kann, sowie die Südkamener Spange (K 40n), die die Bahnlinie etwa 1,3 km südwestlich des Kamener Bahnhofs unterquert. Fußgänger und Radfahrer können darüber hinaus eine Unterführung östlich des Bahnhofs nutzen.
Aufgrund dieser Trennung versteht sich Kamen-Süd als eigener Stadtteil und war lange auch von Südkamen durch einige hunderte Meter Ackerland getrennt. Insbesondere durch die Erschließung von Wohngebieten im südlichen Ortsteil in den 1980er Jahren ist Kamen-Süd mit Südkamen inzwischen zusammengewachsen. Daher wurde bereits damals der Stadtteil Kamen-Süd mit dem Stadtteil Südkamen zusammengelegt. Heute gibt es somit (gemäß § 1 Absatz 2 der Hauptsatzung der Stadt Kamen) nur noch den Stadtteil Südkamen.
Heeren-Werve
Heeren-Werve liegt südöstlich von Kamen-Mitte zwischen Bönen, Unna und dem Kamener Stadtkern.
Heeren mit dem Stammsitz Haus Heeren des märkischen Uradelsgeschlechts von der Recke war eine eigene Bauerschaft und hat bis heute einen ausgeprägten Ortskern. Die Heerener sind in ihrem Selbstverständnis zumeist nicht erst Kamener, sondern eben Heerener. Der Weg zur Stadt Kamen ist mit über vier Kilometern recht weit.
Auch der Ortsteil Werve hat einen eigenen kleinen Dorfkern und ist sowohl westfälisch ländlich als auch aus der Bergbauzeit geprägt. Getrennt werden Heeren und Werve durch den Mühlbach. Zu erreichen ist der jeweils andere Teil des Dorfes über eine von vier Brücken.
Rottum Rottum liegt nordöstlich des Kamener Kreuzes, wo sich die Bundesautobahnen A 1 und A 2 kreuzen. In dennoch sehr ruhiger Lage leben im Moment etwa neunzig Menschen in Rottum, das nach Derne der zweitkleinste Stadtteil ist. Infolge des Getrenntseins durch zwei Autobahntrassen orientiert sich Rottum eher zum benachbarten Bönen-Nordbögge und zu Hamm.
Derne Derne ist eine verstreute Bauerschaft im Osten von Kamen, von der Innenstadt durch die A 1 getrennt. Der wohl bekannteste Anziehungspunkt von Derne ist das Segelfluggelände Kamen-Heeren an der Grenze zu Heeren-Werve. Hier findet jedes Jahr im Mai das Drachenflugfestival „Kite“ mit internationaler Beteiligung statt, das mit seinen zahlreichen ausgefallenen Drachen und seinem bunten Rahmenprogramm Zuschauer aus der ganzen Region anlockt.
Geschichte
Am 1. Januar 1968 wurden die vorher selbständigen Orte Derne, Heeren-Werve, Methler, Rottum und Südkamen eingemeindet.
Demographie Einwohnerentwicklung Die Einwohnerentwicklung weist eine typische Kurve der Ruhrgebiets-Industrialisierung aus. In Kamen stiegen die Einwohnerzahlen mit dem Abteufen der Zechen Monopol und Königsborn in den 1870er Jahren. Am 1. Dezember 1910 hatten die Gemeinden auf dem heutigen Kamener Stadtgebiet zusammengenommen 21.091 Einwohner (Kamen: 10.754, Methler: 2.368, Westick: 2.615, Wasserkurl: 549, Heeren-Werve: 4.032, Südkamen: 593, Derne: 67, Rottum: 113).
Nach der Eingemeindung von Heeren und Methler und der Montankrise stabilisierte sich die Einwohnerzahl knapp unterhalb der förderungsrelevanten 50.000er Schallmauer. Seit dem Ende der 1990er Jahre ist sie rückläufig. 1997 lebten in Kamen laut Landesdatenbank NRW 47.004 Einwohner, 2007 waren es noch 45.494, 2017 waren es 43.275. Bis 2050 soll die Einwohnerzahl auf rund 39.000 schrumpfen.
Einwohnerstatistik Nach den statistischen Daten des Demographie-, des Integrations- sowie des Sozialberichts, die von Wegweiser-Kommune veröffentlicht wurden, ergeben sich für Kamen folgende Werte (Stand: 2022):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 16,1 % Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 24,6 % Medianalter: 49,5 Jahre Ausländeranteil: 11,2 % Arbeitslosenanteil (im Verhältnis zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten): 9,4 %
Religion Die erste christliche Kirche in Kamen war eine kleine Holzkirche aus der Zeit Karls des Großen, die im frühen 12. Jahrhundert durch die Severinskirche ersetzt wurde. Um 1560 hatte sich die Reformation in Kamen endgültig durchgesetzt. Die Gemeinden an St. Severin in Kamen, St. Margarete in Methler und der Pfarrkirche in Heeren nahmen zunächst den evangelisch-lutherischen Glauben an. Um 1600 wechselten die Gemeinden in der Stadt und in Heeren zum reformierten Bekenntnis, während die Gemeinde in Methler und eine Minderheit in der Stadt lutherisch blieben. Nachdem den lutherischen Stadtbewohnern fast 150 Jahre lang Gottesdienste nur in Privatwohnungen (Exercitium privatum) gestattet waren, wurde ihnen 1714 nach mehreren Bittschriften an den König und gegen den Widerstand der reformierten Gemeinde die öffentliche Religionsausübung genehmigt. Ab 1715 fanden die Gottesdienste zunächst in einem „steinernen Haus“ an der damaligen Rothstraße (heute Adenauerstraße) statt, bis es 1742 abgerissen und mit dem Bau der Lutherkirche begonnen wurde. Sie wurde am 2. August 1744 feierlich eingeweiht.
Obwohl beide evangelischen Gemeinden bereits 1824 der Preußischen Union beigetreten waren und damit die Bezeichnungen „reformiert“ bzw. „lutherisch“ aufgegeben hatten, schlossen sie sich erst 1920 nach langem Zwist zusammen. Im Zuge dessen wurde die ehemalige Severinskirche, die zwischenzeitlich einfach „Reformierte Kirche“ genannt worden war, in Pauluskirche umbenannt. Die kleinere Lutherkirche wird wegen kontinuierlich sinkender Mitgliederzahlen im März 2026 geschlossen; besonders seit 2020 haben die Austritte deutlich zugenommen. 2022 gehörten in ganz Kamen noch knapp 15.600 Menschen und damit 36,9 % der Einwohner der evangelischen Kirche an.
Nach der Reformation lebten im Kirchspiel Kamen nur noch 457 Katholiken. Erst durch den Zuzug von Arbeitskräften infolge des Bergbaus im 19. Jahrhundert entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die katholischen Gemeinden mit den drei Kirchen Heilige Familie in Kamen, St. Marien Kaiserau in Methler und Herz Jesu in Heeren-Werve. Die Gemeinden aus Kamen-Mitte und Methler schlossen sich 2008 zum Pastoralverbund Kamen-Kaiserau zusammen und fusionierten 2021 zur Pfarrei Heilig Kreuz Kamen. Die Herz-Jesu-Gemeinde gehörte seit 2003 zusammen mit den Nachbargemeinden St. Bonifatius Altenbögge und Christ-König Bönen zum Pastoralverbund Bönen-Heeren, bis die drei Gemeinden 2019 zur neuen Pfarrgemeinde St. Barbara Bönen und Heeren verschmolzen. 2022 zählte die katholische Kirche in Kamen rund 9.500 Mitglieder (22,6 % der Einwohner).