Werne (1939 amtlich Werne a./Lippe; bis 1976 offiziell: Werne an der Lippe) liegt im südlichen Münsterland an der Lippe und ist mit gut 30.000 Einwohnern eine mittlere kreisangehörige Stadt, die zum nordrhein-westfälischen Kreis Unna und damit zum Regierungsbezirk Arnsberg gehört.

Geografie Lage Werne ist ein im Süden des Münsterlands gelegenes Mittelzentrum. Südlich der Stadt verläuft der Fluss Lippe. Dieser markiert die historische Südgrenze des Hochstifts Münster. Das Stadtgebiet von Werne hat im Süden Anteil am Lippetal, einer von Grünland geprägten Kulturlandschaft, und im Norden an den Lipper Höhen, deren offene Kulturlandschaft durch Ackerland geprägt ist. Werne ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Die Lippeaue wird als Gebiet für den Schutz der Natur definiert.Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen vom 11. Mai 1995. Orientiert am Landesentwicklungsplan definiert das Bundesamt für Naturschutz den Innenstadtbereich und den Ortsteil Stockum als dem Verdichtungsraum Ruhrgebiet zugehörig, jedoch nicht die geringer besiedelten Flächen des Stadtgebiets, einschließlich der Lippeaue. (offline). Werne liegt wegen seiner Zugehörigkeit zum Kreis Unna innerhalb des Verbandsgebiets des Regionalverbands Ruhr.

mini|750px|center|Marktplatz

Ausdehnung des Stadtgebiets Größte West-Ost-Ausdehnung: 13,0 km Größte Nord-Süd-Ausdehnung: 7,8 km Länge der Stadtgrenze: 50,5 km

Stadtgliederung Die Stadt Werne gliedert sich in die Kernstadt und mehrere Ortsteile nebst kleineren Bauerschaften. Einwohnerstärkster Ortsteil ist der mittlerweile mit der Kernstadt verschmolzene Ortsteil Evenkamp (bedingt durch die nach 1900 entstandenen Bergarbeitersiedlungen der ehemaligen Zeche Werne in der Bauerschaft Evenkamp), gefolgt von Stockum im Osten der Stadt, in Richtung Hamm. Nördlich von Stockum gelangt man in den Stadtteil Horst. Von dort weiter in Richtung Herbern liegt die Bauerschaft Wessel. Diese drei Ortsteile bildeten bis 1974 die Gemeinde Stockum.

Nördlich der Stadt Werne liegen die Bauerschaften Holthausen und Schmintrup (Richtung Herbern). Im Westen (Richtung Selm und Lünen) befinden sich Ehringhausen, Varnhövel, Lenklar und Langern.

Nachbargemeinden

Die nächstgelegenen Oberzentren sind Dortmund in einer Entfernung von etwa 25 km und Münster, rund 40 km entfernt. Die nächste Großstadt ist Hamm, rund 14 km entfernt.

Geschichte Um 800 ließ Liudger, der erste Bischof von Münster, im Auftrag Karls des Großen am südlichen Rand des Dreingaus eine Kapelle erbauen. Dieser Akt begründet die Pfarrei Werne. Damit sollte der christliche Glaube, den die Bevölkerung zum größten Teil angenommen hatte, gefestigt und gestärkt werden. 834 wurde Werne erstmals in einer lateinischen Urkunde erwähnt. Diese beinhaltet einen Grundstückstausch zwischen einem gewissen Frithuard und Gerfrid, dem zweiten Bischof von Münster, und ist heute in der Universitätsbibliothek von Leiden (Niederlande) zu finden. Es heißt dort: „… in pago dreginni in villa quae dicitur werina“ (im Dreingau, an dem Ort, der Werne genannt wird). Diese urkundliche Eintragung bedeutet, dass um die Kapelle herum bereits ein kleines Gemeinwesen entstanden sein musste, das der Erwähnung wert war.

mini|hochkant|Wärmehäuschen und Eingang des Karl-Pollender-Stadtmuseums

Um die auf dem bischöflichen Haupthof gelegene Kirche siedelten sich vom 9. Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert Gewerbetreibende an. So entstand im Laufe der Zeit innerhalb der Bauerschaft Werne das Weichbild Werne. 1139 gehörten die Kirche und die Pfarrei von Werne dem neu gegründeten Kloster Cappenberg an. Werne erhielt eine steinerne Kirche im romanischen Stil. In der Zeit von 1192 bis 1195 wurde Werne zur Zollstelle erhoben und unterstand direkt der bischöflichen Gerichtsbarkeit.

1253 gründete sich das Städtebündnis zwischen Münster, Dortmund, Soest und Lippstadt gegen die Willkür der Landesherrn an der Lippebrücke in Werne (Werner Bund). Dieses langanhaltende Städtebündnis gilt heute noch als der Vorläufer der „Westfälischen Hanse“.

Die ersten Anfänge einer Befestigung Wernes entstanden 1302. Der Kirchhof wurde mit einem Wall und einem Graben umgeben.

Werne erhielt 1362 durch seinen Landesherrn, den Bischof Adolf von Münster, die Bestätigung, auf Simon-Juda einen freien Markt (Sim-Jü) abzuhalten.

Nachdem Werne das Befestigungsrecht erhalten hatte, wurde der gesamte Ort 1383 mit Wall, Palisaden und Graben befestigt.

Werne erhielt 1385 das Wigboldrecht (minderes Stadtrecht). Im Jahre 1395 existierte – urkundlich verbrieft – bereits ein Stadtrat.

Graf Adolf IV. von der Mark brannte die Stadt 1400 nieder. Ab 1415 erhielt Werne eine vollständige Befestigung mit Mauern, Toren und Türmen. 1446 fand die erste Vereinigung der landtagsfähigen Städte im Oberstift Münster statt, darunter auch Werne. Etwa 1470 wurde Werne eine Hansestadt. mini|hochkant|Historisches Rathaus Das historische Rathaus wurde in der Zeit von 1512 bis 1561 erbaut.

mini|hochkant|Kapuzinerkloster mini|Fachwerkhäuser an der Christophoruskirche mini|Fachwerk am Stadtmuseum mini|Brunnen am Steinhaus

1585 wurde der Verteidigungsgürtel der Stadt durch eine Wallanlage verstärkt. Bei der größten Feuerkatastrophe in Werne im Jahr 1586 fielen 43 Häuser den Flammen zum Opfer. Zum Beginn des 17. Jahrhunderts erhielt die Stadt das Münzrecht.

Während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 wurde Werne mehrmals besetzt, geplündert und gebrandschatzt. Im Jahre 1623 blieb Werne eine Plünderung durch Herzog Christian von Braunschweig erspart, obwohl dieser zuvor mehrere Städte geplündert hatte. Vermutlich ist er im Nebel vom Weg abgekommen. Seit 1623 wird jährlich bis zum heutigen Tage eine Dankprozession von der Geistlichkeit zusammen mit den Werner Bürgern und den Traditionsvereinen am zweiten Sonntag nach Fronleichnam durchgeführt.

Auf dem Höhepunkt der Hexenverfolgung wurden im Amt Werne 1629 etwa 60 Menschen als Hexen getötet, davon mindestens 25 in Davensberg und Umgebung sowie sechs in Capelle. In Werne selbst wurde 1619 Elsa Hilligenhover als Hexe hingerichtet, ein weiterer Angeklagter starb im Gefängnis.

1636 und 1637 grassierte die Pest in Werne und forderte 313 Tote bei rund 1.000 Einwohnern.

1658 sandten einige Werner Ratsherren ein Gesuch an Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen mit der Bitte, in Werne ein Kapuzinerkloster einrichten zu dürfen. Die Kapuziner kamen 1659 nach Werne – zwei Kapuzinerpatres zogen in Werne ein. Sie bauten von 1671 bis 1673 das Kloster und von 1677 bis 1681 die Kirche. Dass sich die Suche nach einem passenden Grundstück für den Bau des Klosters so langwierig gestalten und erst zwölf Jahre später zum Erfolg führen würde, konnte man damals kaum abschätzen. Erst 1671, nach mancherlei Schwierigkeiten und vielen Schreiben zwischen Fürstbischof, Domkapitel und Stadt Werne, wurde endlich der Grundstein zum Klostergebäude auf dem Schüttenwall zwischen Neu- und Steintor gelegt. Im September 1673 war der Bau so weit fortgeschritten, dass die erste Kapuzinerfamilie, bestehend aus dem Guardian Theodat von Münster mit sechs Patres und vier Brüdern, einziehen konnte. Am 10. August 1677 legte im Auftrage von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen der Propst von Cappenberg, Werner Theodor von Westrem, den Grundstein zur Klosterkirche, die, geplant vom Bruder Ambrosius von Oelde, 1680 fertiggestellt wurde. Dass auch die Werner Bürger einen großen Anteil am Bau dieser Kirche hatten, wird noch heute durch das Chronogramm über dem Eingangsportal verewigt: „Deo uni trino et S. S. Petro et Paulo patronis – Me benefaCtores et fratres ope et LaboranDo eXstrVXerVnt.“ (Dem dreieinigen Gott und den Patronen St. Petrus und St. Paulus – 1680 haben mich die Wohltäter und Brüder durch ihre Arbeit und ihre Spenden erbaut).

Johann Bernhard Moormann siedelte sich 1725 in Werne an und gründete 1737 eine Brauerei und Brennerei, aus der die Hefefabrik Uniferm hervorging.UNIFERM. Lebensmittelhersteller aus Werne. wer-zu-wem.de. Abgerufen am 6. Februar 2024.

Die Stadt Werne litt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an Geldmangel. Diesem ein wenig abzuhelfen, sollten die Steine der alten Stadtmauer samt Toren und Türmen an den Meistbietenden auf Abbruch verkauft werden. Viele Werner Bürger nahmen 1777 dieses Angebot, ihr Fachwerk wenigstens zum Teil durch Stein zu ersetzen, wahr. Auch die Stadt behielt einen Teil der Steine ein, um die wichtigste Straße von Werne endlich von Schlamm und tiefen Löchern zu befreien und zu pflastern (die „Steinstraße“). Die Stadtmauern und kleine Türme wurden 1779 abgerissen. 1821 wurde als vorletztes Tor das Burgtor, 1843 das letzte Stadttor, das Neutor, abgebrochen. Die eingravierte Inschrift ist uns bis heute überliefert: „Do men. scref. m. cccc. XIII. do lechde, men. disen. toren. an.“ (1413 legte man dieses Tor an).

1803 wurde das Oberstift Münster als Teil des Hochstifts Münster durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. Werne wurde preußisch.

Werne wurde 1808 durch Napoleon I. dem Großherzogtum Berg angegliedert; es wurde eine Munizipalität Werne gebildet, der die Stadt und das Kirchspiel angehören. Die Sympathie für die Franzosen erlosch bald, als Napoleon auch in Westfalen junge Männer für seinen Russlandfeldzug einziehen ließ. Im Museum ausgestellte Steckbriefe von Deserteuren aus Werne und Umgebung zeugen von dieser Zwangsrekrutierung.

Nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (Oktober 1813) zogen die Franzosen aus dem Großherzogtum ab. Als bereits zuvor preußischer Besitz fiel die Region schon Ende 1813 an Preußen zurück.Johann Josef Scotti: Sammlung der Gesetze und Verordnungen …, Band 3 (Großherzogtum Berg), Wolf, Düsseldorf 1822, S. 1516 (Landesbibliothek Bonn). Werne wurde 1815 der Provinz Westfalen zugeordnet.

Obwohl sich Freiherr vom Stein sehr dafür eingesetzt hatte, dass Werne 1816 zur Kreisstadt des neuen Kreises bestimmt wird, erhielt Lüdinghausen diesen Vorzug.Heinrich A. Mertens, Josef Limbach: Aus der Geschichte des Kreises Lüdinghausen 1803–1974. Verlag Lonnemann, Selm 1974 (ohne ISBN).

Im Jahr 1831 wurde die bisherige Bürgermeisterei in die Stadt und die Landgemeinde Werne geteilt. Am 1. November 1922 wurde die Landgemeinde wieder in die Stadt eingegliedert.

1836 bekam Werne eine Verwaltung nach der revidierten preußischen Städteordnung von 1831. 1843 wurde aus den Gemeinden Werne-Land, Stockum, Capelle und Herbern das neue Amt Werne gebildet. Herbern wurde jedoch 1844 ein selbständiges Amt.

Die öffentliche Sparkasse der Stadt Werne wurde 1857 gegründet.

Das St.-Christophorus-Hospital Werne wurde 1858 gestiftet.Schön, dass es sie gibt – die Geschichte. krankenhaus-werne.de. Abgerufen am 8. Juni 2026.

In den Jahren 1873 und 1874 wurde bei Bohrungen nach Kohlefeldern eine Solequelle entdeckt. Das Thermalbad Werne wurde eröffnet. 1878 wurde die Anlage vergrößert und die Aktiengesellschaft „Thermalbad Werne“ gegründet. 1897 konnte die Stadt die Summe von 230.000 Mark zum Ankauf des Bades nicht aufbringen – deshalb erwarb der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein die Anlage.

Die Zeche Werne wurde 1899 abgeteuft. Dieses Ereignis stellte für die Stadt den späten Beginn der Industrialisierung dar.

Die evangelische Martin-Luther-Kirche in der Wichernstraße wurde 1904 eingeweiht.

Die Solequelle versiegte 1905 und wurde erst 1935 neu erschlossen.