alt=Das Bahnhofsgebäude in Fröndenberg mit Ausblick zur Nachbarstadt Menden (Aufgenommen von der Haßleistraße in Fröndenberg)|mini|Das Bahnhofsgebäude in Fröndenberg mit Ausblick zur Nachbarstadt Menden

Fröndenberg/Ruhr ist eine kleine Mittelstadt in Nordrhein-Westfalen und gehört zum Kreis Unna. Bis zum 1. Juni 2003 führte die Stadt Fröndenberg/Ruhr den offiziellen Namen Stadt Fröndenberg.

Geographie mini|Blick auf die Stadt Fröndenberg aus Richtung Menden

Fröndenberg liegt im Süden des Kreises Unna und grenzt im Norden an die Stadt Unna, im Osten an die Gemeinde Wickede (Ruhr), im Süden an die Städte Menden (Sauerland) und Iserlohn und im Westen an die Gemeinde Holzwickede. Die Ruhr als südlicher Grenzfluss ist zugleich die Grenze des Kreises Unna zum Märkischen Kreis.

Fröndenberg liegt im Übergangsgebiet vom Ruhrgebiet im Nordwesten zur Soester Börde im Osten und zum Sauerland im Süden.

Von Westen nach Osten durchzieht der Haarstrang das Stadtgebiet, der nach Süden steil zum Ruhrtal und nach Norden sanft zum Hellweg abfällt. Der Henrichsknübel ist mit 245 Metern die höchste Erhebung der Stadt Fröndenberg. Auf dem Berg steht seit 1994 eine kleine Windkraftanlage.

Stadtgliederung Die Stadt Fröndenberg/Ruhr besteht aus folgenden vierzehn OrtsteilenGV. NRW 1967 S. 276 (Gemarkungen):

aus dem ehemaligen Kirchspiel und Steuergemeinde Bausenhagen:

aus dem ehemaligen Kirchspiel und Steuergemeinde Dellwig:

aus dem ehemaligen Kirchspiel und Steuergemeinde Frömern Frömern Ostbüren

aus dem ehemaligen Kirchspiel und Steuergemeinde Fröndenberg Fröndenberg

Zur heutigen Kernstadt Fröndenberg gehören die Ortslagen Hohenheide und Westick.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Seit 2015 wird in Fröndenberg-Dellwig an der Unnaer Straße ein Dorf aus der Eisenzeit ausgegraben. Auf der 10 ha großen, für ein Gewerbegebiet vorgesehenen Fläche fanden sich Spuren von Hauspfosten, Abfallgruben und Urnengräber mit Leichenbrand aus der Zeit zwischen 800 v. Chr. und der Zeitenwende.Überraschender Fund. Archäologen finden in Fröndenberg eine Siedlung aus Zeiten vor Christus. In: Westfälischer Anzeiger, 5. August 2015.

Neuzeitlicher Bergbau in Fröndenberg Die ältesten Grabungen nach Kohle werden auf 1575 datiert. Mit Stollen wurde erst im 18. Jahrhundert begonnen, als das Kloster Scheda sechs Jahre lang im Strickherdicker Siepen abbauen ließ.

Von 1820 bis 1847 nutzte die Zeche Frohe Ansicht denselben Stollen und ließ weitere bauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aufgrund der Kohleknappheit mittels eines Schrägschachtes unter den alten Stollen wieder Kohle abgebaut. 1953 wurde das Bergwerk dann nach einem Unglück mit einem Toten und mehreren Verschütteten endgültig stillgelegt.

Außerdem gab es in Fröndenberg im Tal des Voßacker-Baches die Zeche Zum wilden Mann, die wahrscheinlich bis 1857 Kohle förderte. Die Kohlevorräte waren aber vergleichsweise gering, sodass die Stollen rasch aufgelassen wurden.

Ein Wanderweg der Geotope erschließt die Örtlichkeiten. Der frühe Bergbau in Fröndenberg, das dortige Kettenschmiedemuseum, das Laufwasserkraftwerk Langschede und das nahegelegene Wasserwerk Halingen/Fröndenberg in Menden gehören zu den Themenrouten der Route der Industriekultur.

Möhnekatastrophe im Mai 1943 Durch die Zerstörung der Möhnetalsperre in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 flossen große Wassermassen aus dem Stausee in die Möhne und damit auch durch das etwa 20 km flussabwärts unter der Talsperre liegende Ruhrtal bei Fröndenberg. Die Flutwelle erreichte die Stadt in den äußersten Ortsteilen etwa zwei Stunden nach Zerstörung der Talsperre gegen 02.45 Uhr. Auf der heutigen Bahnhofstraße stand das Wasser beim Scheitelpunkt der Flutwelle am 17. Mai gegen 04.00 Uhr etwa 1,80 m hoch. Durch das Wasser wurden die Straßen- und die Eisenbahnbrücke über der Ruhr zerstört. Die inzwischen durch einen Neubau ersetzte alte Ruhrbrücke in Langschede hielt bis auf einige Beschädigungen dem Druck stand. Im Bahnhof wurden Lokomotiven und Waggons entgleist, zusammengeschoben und lagen teilweise auf der Seite. In Dellwig gab die Kuhbrücke unter der Last nach. Elf Häuser wurden im Stadtgebiet völlig zerstört, weitere 200 schwer bis leicht beschädigt. In den beiden großen Fabriken Union und Himmelmann ruhte der Betrieb für 18 bzw. 90 Tage. Am 1. Juli wurde eine Behelfsbrücke für den Eisenbahnverkehr zwischen Fröndenberg und Menden eröffnet, die benachbarte Straßenbrücke am 18. August.Stadt Fröndenberg: Fröndenberg und seine Stadtteile. 16./17. Mai 1943. Möhnekatastrophe. Die große Flut. Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-768-2. Durch die Flutwelle starben 36 Einwohner der Stadt.

An die Möhnekatastrophe erinnern heute noch zwei Pegelmarken. Die eine findet sich an einem Wohnhaus unweit des neuen Seniorenzentrums in der Karl-Wildschütz-Straße, die andere an einem Wohnhaus im Ortsteil Westick. Die Eisenbahnbrücke wurde nur eingleisig wiederaufgebaut. mini|Rathausgebäude der Stadt Fröndenberg in der Bahnhofstraße

Jüngere Stadtgeschichte Zu Anfang der 1980er Jahre unterschied sich das Ortsbild der Fröndenberger Stadtmitte deutlich von seinem heutigen Aussehen. Fröndenberg profitierte von den drei Sparten Kettenindustrie, Papierindustrie und Produktion von Fahrradteilen. Namentlich waren dies vor allem die Firmen Union (Ketten und Fahrradteile) und Weig-Himmelmann (Papierindustrie), die jahrzehntelang Silhouette, Arbeitsplatzangebot und Image der Stadt prägten. mini|Mahn- und Kriegerdenkmal in Fröndenberg an der Eulenstraße Die Firma Union wurde 1899 als Fa. Wilhelm Feuerhake & Co. gegründet. Sie profitierte vom Aufstieg des Fahrrades als billiges, bequemes und schnelles Fortbewegungsmittel. Dafür produzierte man hier Speichen, Nippel und Pedale. Die Firma lag in einem Areal etwa zwischen dem heutigen Marktplatz und der Von-Tirpitz-Straße. Ende der 1970er Jahre wurde der Platz zum Expandieren zu knapp, weshalb ein Umzug einige Kilometer weiter westlich auf das Gelände der ehemaligen Gummifabrik Atlantic an der Ardeyer Straße beschlossen wurde. Die Gebäude der Fabrik in der Stadtmitte sprengte man 1981 und überbaute das zwischenzeitlich als Sanierungsgebiet ausgewiesene Areal schließlich durch das heutige Wohn- und Geschäftsviertel sowie großzügige Parkplätze. Gleichzeitig wurde 1991 die Ortsumgehung mittels des Überwurfs am Bahnhof fertiggestellt und verkehrliche Missstände im Bereich Alleestraße und dem ehemaligen Bahnübergang (der noch heute als Fußgängerübergang erhalten ist) damit behoben. Die Firma Union wurde 1994 geschlossen.

Auf der anderen Seite der Bahn entstand 1854 am Ruhrufer die Papierfabrik Himmelmann. Sie war nach der Union der zweite wichtige Arbeitgeber der Stadt und wurde 1982 nach einer Firmenübernahme geschlossen. Zehn Jahre lang standen auf dem Himmelmann-Gelände noch die Fabrikgebäude. 1992 sprengte man Teile der Fabrik im Zuge von Dreharbeiten für den Film Schtonk, u. a. mit Götz George. Anschließend ist auch dieses Gelände eingeebnet worden. Nach anfänglichen Planungen zu einem Freizeitpark wurde schließlich ein frei zugänglicher Landschaftspark realisiert. Das ehemalige Strohlager der Himmelmann-Fabrik wurde zum Kettenschmiedemuseum Fröndenberg und zum Veranstaltungszentrum Kulturschmiede. Teile der Wände ohne Dach bilden das sogenannte Forum. Markantestes Objekt ist der 14 Meter hohe Hochleistungs-Trichterstoff-Fänger („Fröndenberger Trichter“), der als Industrierelikt erhalten geblieben ist und von Markus Lüpertz saniert und signiert wurde.Freizeitatlas und Stadtinformationssystem, Rubrik Geschichte (siehe Weblinks)Artikel zum Himmelmannpark unter (Private Seite) Ende 2010 wurde der Landschaftspark Ruhrufer in Anlehnung an den Werksnamen in Himmelmannpark umbenannt. Seitdem stehen an den Eingängen blaue Stahl-Stelen in Form eines F (für „Fröndenberg“). 2011 wurde unweit des Stauwehrs an der Ruhr der sogenannte Ruhrbalkon offiziell eröffnet, der sich in der Form eines Schiffsbugs als Aussichtsplattform einige Meter über die Ruhr erstreckt.

Während der COVID-19-Pandemie in Deutschland starben 2020 mindestens zwei Mitarbeiter (55 Jahre, 58 Jahre) und 16 Bewohner im Pflegeheim Schmallenbach-Haus. Es war einer der ersten größeren Ausbrüche des damals neuartigen Coronavirus in einer Pflegeeinrichtung. Die Stadt Fröndenberg hatte 2020 im gesamten Kreis Unna die meisten Todesfälle durch das Virus zu beklagen.

Verwaltungsgeschichte

Am 1. April 1902 wurde die Gemeinde Fröndenberg aus den bisherigen Gemeinden Dorf Fröndenberg, Stift Fröndenberg und Westick bei Fröndenberg gebildet. Sie gehörte zum Landkreis Hamm und wechselte am 17. Oktober 1930 in den nunmehrigen aus dem alten Kreis Hamm gebildeten Kreis Unna. Seit dem 28. Oktober 1952 ist Fröndenberg eine Stadt. Am 1. Januar 1968 wurden Altendorf, Bausenhagen, Frohnhausen, Frömern, Langschede, Neimen, Ostbüren, Stentrop, Strickherdicke und Warmen eingemeindet. Ein Teil der ehemaligen Gemeinde Bentrop kam am 1. Juli 1969 hinzu. Seit dem 1. Januar 1975 gehört Fröndenberg zu dem in seiner Ausdehnung völlig veränderten Kreis Unna.

Demographie Entwicklung der Einwohnerzahlen mini|400px|Einwohnerentwicklung von Fröndenberg von 1998 bis 2015

(jeweils zum 31. Dezember) Jahr Einwohner 1962 16.856 1965 16.894 1970 17.779 1975 19.289 1980 20.624 1985 20.040 1990 21.252 1995 22.145 2000 22.995 Jahr Einwohner 2005 23.128 2009 22.135 2010 22.007 2015 20.961 2018 20.766 2019 20.760 2020 21.396 2022 20.548

Einwohnerstatistik Nach den statistischen Daten des Demographie-, des Integrations- sowie des Sozialberichts, welche von Wegweiser-Kommune veröffentlicht wurden, ergeben sich für Fröndenberg/Ruhr folgende Werte:Kommunale Berichte mit statistischen Daten (Bertelsmann Stiftung). In: wegweiser-kommune.de, abgerufen am 21. Mai 2024.

Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 15,9 % (Stand: 2022) Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 23,8 % (Stand: 2022) Ausländeranteil: 9,3 % (Stand: 2022) Arbeitslosenanteil (im Verhältnis zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten): 6,2 % (Stand: 2022)

Bevölkerungsaufbau Alter Zahl der Einwohner (Stand 2020)bis 18 Jahre3 53419–27 Jahre1 86028–40 Jahre3 03241–65 Jahre8 157über 65 Jahre4 813Gesamte Einwohnerzahl21 396

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 40,0 % der Einwohner evangelisch, 37,7 % römisch-katholisch und 22,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Ende März 2020 waren 7577 Einwohner (35,4 %) evangelisch, 7442 (34,8 %) römisch-katholisch und 6339 (29,6 %) gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Stadt Fröndenberg Zahlen Daten Fakten, abgerufen am 18. April 2020 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich um 1 Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Mai 2022) 34,2 % der Einwohner evangelisch, 33,0 % katholisch und 32,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 4. September 2024.

Politik

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2020 in Fröndenberg (Ruhr) Die Sitze im Stadtrat verteilen sich nach dem Ergebnis der Kommunalwahl 2020 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: + Ratswahl 13. September 2020 in Fröndenberg (Ruhr) Partei Stimmen % (2020) % (2014) +/− Sitze (2020) Sitze (2014) +/− SPD 2.993 30,6 % 38,8 % −8,2 % 11 14 −3 CDU 2.910 29,8 % 34,5 % −4,7 % 10 12 −2 Bündnis 90/Die Grünen 1.835 18,8 % 12,1 % +6,7 % 6 4 +3 FWG 1.477 15,1 % 6,6 % +8,5 % 5 2 +3 FDP 368 3,8 % 3,9 % −0,1 % 1 1 ±0 Die LINKE 193 2,0 % 4,1 % −2,1 % 1 1 ±0 Gültige Stimmen 9.776 Ungültige Stimmen 202 Stimmen Insgesamt 9.978 34 34 ±0 Wahlberechtigte Insgesamt 17.822 56,0 % 54,6 % +1,4 %