Das Verb (oder Verbum, Plural dann: Verba; Herleitung von oder einfach von verbum ‚Wort‘),Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8. Auflage, Hannover 1918 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 2, Sp. 3417–3419, Stichwort verbum. (bei zeno.org) deutsch auch Zeitwort, Tätigkeitswort und im Schulgebrauch unterer Klassen Tu(n)wort, ist in der Grammatik eine Wortart. Die Trennung zwischen Verb und Substantiv wird als die fundamentalste Unterscheidung im Bereich der Wortarten angesehen, da hierin die Aufteilung elementarer Sätze in das Prädikat und sein Subjekt angelegt ist. Bei Autoren der Antike wurden anfangs Bezeichnungen für „Verb“ und „Prädikat“ auch nicht eindeutig unterschieden.

Mit Blick auf diese Hauptunterscheidung wird diskutiert, ob alle Sprachen Verben und einen Kontrast zu Substantiven aufweisen müssen (während die übrigen Wortarten in einer Sprache eher abwesend sein könnten). Die Bestimmung von Wortarten in allgemeiner Form und unabhängig von der Grammatik einer Einzelsprache stößt aber auf Schwierigkeiten; so werden auch zur Bestimmung der Kategorie Verb in wechselnder Weise verschiedenartige Kriterien herangezogen, die sich auf die Bedeutung, das grammatische Verhalten oder die Formenbildung stützen.

Auf der Bedeutungsseite bezeichnen Verben typischerweise eine Tätigkeit, ein Geschehen oder einen Zustand, wie die Beispiele „arbeiten“, „herunterfallen“ bzw. „fehlen“. Eine Definition hierauf zu stützen, hat die Schwierigkeit, dass auch noch eine Reihe anderer Bedeutungstypen von Verben vorkommen, und umgekehrt können auf ihre eigene Weise auch Substantive Ereignisse oder Zustände bezeichnen („die Bemühungen“, „der Sturz“ bzw. „der Mangel“). Daher werden grammatische Eigenschaften in der Definition von Verben oft zusätzlich herangezogen oder sogar ausschließlich verwendet.

Im Mittelpunkt steht hierbei, dass Verben alleine als Prädikat des Satzes dienen können. In dieser Funktion hängen vom Verb dann grammatische Ergänzungen wie Subjekt und Objekt ab. Darüber hinaus tragen Verben in verschiedenen Sprachen grammatische Merkmale, die auch zur Bestimmung der Wortart mit herangezogen werden: Im Deutschen zeigen Verben in ihren sogenannten Personalformen eine Merkmalsübereinstimmung (Kongruenz) mit dem Subjekt des Satzes, zusätzlich zeigen sie Formen für Tempus (Zeitstufe) und Modus. Zusammengefasst spricht man hier auch von den Konjugationsformen des Verbs. In der deutschen Grammatik wird das Verb daher oft als „konjugierbare Wortart“ bestimmt. In vielen Sprachen sind andererseits gerade solche Konjugationsmerkmale völlig abwesend.

Etymologie Der Ausdruck Verbum ist eine gelehrte Entlehnung des 15. Jahrhunderts von „Wort, Ausdruck; Zeitwort“. Die gekürzte Form Verb taucht erst im 18. Jahrhundert auf.Verb. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS).

Das lateinische Wort verbum wurde für das griechische Wort verwandt,Begriffsgeschichte im Überblick in Ursula Bredel, Cäcilia Töpler: Verb. In: Ludger Hoffmann (Hrsg.): Handbuch der deutschen Wortarten. De Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021507-6, S. 823–901. Siehe S. 825. das allgemein „Rede, Wort, Ausspruch“ bedeutet,Gemoll Griechisches-deutsches Schul- und Handwörterbuch, Online. spezifischer aber bei Aristoteles auch das Prädikat in einem Urteil bezeichnet, also eine Aussage, die auf ein Subjekt bezogen ist.Jürgen Ziegler: Satz und Urteil. Untersuchungen zum Begriff der grammatischen Form. De Gruyter, Berlin 1984, ISBN 3-11-009984-5. Siehe vor allem S. 22.

Definition der Wortart Verb Wortarten werden meist durch ein Bündel verschiedenartiger Kriterien definiert, vor allem Eigenschaften der Wortbedeutung, der Formenbildung (Flexion) und syntaktische Eigenschaften. Je nach Einzelsprache ergeben sich aber unterschiedliche Merkmale, an denen die Einteilung dann konkret festgemacht werden kann.

Definitionen fürs Deutsche In der Germanistik wird meist eine dreiteilige Definition des Verbs gegeben:Auflistung nach Michail Kotin: Verb. In: Stefan Schierholz, Pál Uzonyi (Hrsg.): Grammatik: Formenlehre. (= Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (WSK), 1.1). Walter de Gruyter, Berlin 2022. Siehe S. 753. Das Verb ist die einzige „konjugierbare“ Wortart des Deutschen (d. h. hat Personal- und Tempusformen; daher auch Zeitwort genannt), bezeichnet (typischerweise) Tätigkeiten oder Geschehnisse (daher auch Tätigkeitswort genannt) und dient als Prädikat des Satzes (andere Wortarten können dabei lediglich hinzutreten).

Teilweise wird die Konjugation als alleiniges Definitionsmerkmal benutzt, mit der Begründung, dass die Angabe von typischen Bedeutungskategorien nur „Leerformeln“ ergebe, weil diese eben nie die gesamte Klasse erfassten.Karin Pittner, Judith Berman: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 4., aktualisierte Auflage. Narr, Tübingen 2010, ISBN 978-3-8233-6610-2. Siehe S. 15 und 18. Problematisch ist zudem, dass es auch Substantive gibt, deren Bedeutung zunächst als „Tätigkeit“ oder „Ereignis“ beschrieben werden müsste (Beispiele: „Zubereitung“, „Ereignis“, „Ankunft“).

Die schulgrammatische Bezeichnung Tätigkeitswort wird auch aus anderen Gründen kritisiert: Wenn diejenigen Verben zusammengestellt werden, die in einem Textkorpus am häufigsten sind, so kann man finden, dass Verben, die „Tätigkeiten“ bezeichnen, klar in der Minderzahl sind gegenüber Hilfsverben, Modalverben oder Nicht-Tätigkeits-Verben wie „kommen, wissen, bleiben, leben, liegen“.Matthias Granzow-Emden: Deutsche Grammatik verstehen und unterrichten. 3. Auflage. Narr/Francke/Attempto, Tübingen 2019. S. 23, Zusammenfassung einer Untersuchung von H. Glinz, 1977.

Ansätze zu einer allgemeingültigen Definition Die Formenbildung der Verben ist je nach Einzelsprache sehr verschieden; manche Sprachen zeigen diese auch gar nicht (Isolierender Sprachbau). Daher stützt man sich für eine allgemeine Bestimmung im Sprachvergleich (im Rahmen der Sprachtypologie) bevorzugt auf inhaltliche oder syntaktische Eigenschaften, um die Kategorie „Verb“ zu identifizieren.

Verben als Wörter, die zeitliche Dynamik codieren Auch wenn der Ansatz zu finden ist, dass Verben „prototypisch“ die Wörter sind, die Ereignisse bezeichnen, wird meist anerkannt, dass Bedeutungseigenschaften, mit denen Verben zuverlässig identifiziert werden, allgemeinerer Natur sein müssten (wenn es solche überhaupt gibt).

So gibt es den Ansatz, Verben als die Wortart zu identifizieren, deren bezeichnete Gegenstände die geringste „Zeitstabilität“ aufweisen,So auch Payne (1997), S. 47. also dynamische Situationen und zusätzlich gewisse statische Situationen, jedoch nicht die maximal zeitstabile Sorte der „Dinge“. Hiernach können Sprachen sich darin unterscheiden, ob sie den mittleren Bereich der Zeitstabilität, Zustände, auch noch der Klasse Verb zuschlagen oder in Form einer eigenen Wortart abtrennen (Adjektive).

Eine verfeinerte Version dieser Sicht besagt, dass Verben veränderliche Situationen in einer Weise bezeichnen, dass ihr Verlauf in der Zeit abgebildet wird. Unabhängig von grammatischer Formenbildung erhalten sie demnach in ihrer Interpretation Bedeutungsmerkmale wie Aktionsart, die Einzelheiten einer zeitlichen Gliederung betreffen. Im Unterschied hierzu bezieht sich die Bezeichnung des Verbs als „Zeitwort“ meist auf die Existenz von Tempusformen bzw. Aspektformen, die viele Sprachen aber nicht zeigen.

Es kann dann eingeräumt werden, dass auch Substantive Ereignisse bezeichnen können, aber im Gegensatz zu Verben würden sie Ereignisse als Gegenstände fassen, ohne ihren zeitlichen Verlauf zugänglich zu machen (anders gesagt: Ereignisse werden durch Substantive „reifiziert“).Vgl. Baker & Croft (2017), S. 182 oben, unter Verweis auf ältere Arbeiten von Langacker. In beiden Fällen orientiert sich die Definition an einem grundlegenden Bedeutungskontrast zwischen Verb- und Substantivbedeutungen, wobei Substantive sich dann durch ihre Verbindung zum Akt des Referierens (auf Dinge, aber unter Umständen auch Ereignisse) auszeichnen (siehe im Artikel Substantiv).

Verben als Wörter, die sich unmittelbar als Prädikat eignen Ein anderer Ansatz, der in verschiedenen Varianten ausformuliert worden ist, hebt darauf ab, dass Verben das Zentrum des Satzes bilden. Verben seien dann die Wortart, die als Prädikat eines Satzes direkt geeignet ist – also ohne zusätzliche grammatische Mittel zu erfordern. Dies kann insbesondere so gefasst werden, dass Verben im Satz eine strukturelle Beziehung zu einem Subjekt begründen.Mark Baker: Lexical Categories. Verbs, Nouns, and Adjectives. MIT Press, Cambridge (MA), 2003. Kurz zusammengefasst in Baker & Croft (2017), Abschnitt 2.3.3, S. 187 ff. Die Bedeutung dieses Kriteriums lässt sich an einem Vergleich zwischen einem Verb und einem Adjektiv im Deutschen zeigen, etwa dem Verb feiern und dem Adjektiv treu: „Die Fans feierten ihren Club.“ „die ihrem Club seit langem treuen Fans“ Beide Wörter haben in logischer Betrachtung zwei Argumente (Ergänzungen), in prädikatenlogischer Notation: treu (x,y) – („x ist dem y treu“) feiern (x,y) – („x feiert y“) Beide Wörter verlangen ein Objekt (y = „ihr Club“). Jedoch nur das Verb feiern verlangt auch ein Subjekt als seine Ergänzung – das Adjektiv treu bezieht sich ebenfalls auf eine x-Variable, diese jedoch entspricht in der Grammatik dem Substantiv, von dem die Adjektivkonstruktion selbst als Attribut abhängig ist (x = „die Fans“). Der Unterschied zum Verb ist also, dass das Adjektiv sein „logisches Subjekt“ nicht als seine grammatisch abhängige Ergänzung realisieren kann (dies geschähe dann innerhalb der Adjektivphrase). Ein Subjekt als Ergänzung wird erst möglich, wenn das Adjektiv mit einem Verb zusammen ein Prädikat bildet: „… weil die Fans ihrem Club seit langem treu sind.“ Das Kopulaverb sein ist dann genau der oben angedeutete Fall, in dem „zusätzliche Mittel“ erforderlich sind, um im Satz eine Prädikation zu bilden. – Ebenso wie Adjektive verhalten sich Präpositionen, z. B. ist die Bedeutung der Präposition in eine zweistellige Relation „x in y“, aber die Präposition hat grammatisch kein eigenes Subjekt.

(Was mit dem dargestellten Argument angesprochen ist, ist das Auftreten eines Subjekts als grammatische Ergänzung, die eine semantische Rolle erhält. Trotzdem kann es sein, dass zusätzliche grammatische Bedingungen zu erfüllen sind, um das Subjekt tatsächlich zu realisieren, etwa dass Nominativkasus nur bei finiten Verbformen verfügbar ist. Genaueres im Abschnitt #Das Verb als Zentrum des Satzes).

Das Verb als Sprachuniversale

Im Zusammenhang mit der Frage nach einer allgemeingültigen Definition des Verbs wird diskutiert, ob die Kategorie Verb in allen Sprachen vorliegt (also ein Sprachuniversale ist), bzw. ob alle Sprachen eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Substantiv (Nomen) und Verb enthalten.Walter Bisang: Word classes. In: Jae Jung Song (ed.): The Oxford handbook of language typology. Oxford University Press, 2010, S. 280–302. (Online: doi:10.1093/oxfordhb/9780199281251.013.0015). – Siehe Abschnitt 5. Verschiedene Sprachen sind als Beispiele dafür angeführt worden, dass dies nicht der Fall sein müsse, dies ist aber weiterhin Gegenstand von Kontroversen. Gegenbeispiele können so aussehen, dass sich zwar die typischen Funktionen von Substantiven und Verben trennen lassen, aber diese nicht bestimmten Wörtern oder Wortstämmen fest zugeordnet sind; es gäbe dann Verben zumindest nicht im klassischen Sinn einer festgefügten „Wortart“ (ein mögliches Beispiel ist die altchinesische Sprache„Late Archaic Chinese“ nach Bisang: Word classes, Abschnitt 5.1 (letzter Absatz).). Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Sprache alle Ausdrücke syntaktisch derselben Kategorie zuordnen könnte, etwa dass auch Prädikate sich nach verschiedenen Kriterien als „nominal“ erweisen (vgl. das Phänomen des Verbalnomens) oder dass alle Wörter im Grunde Prädikate sind (eine solche Analyse wurde für das Klassische Nahuatl vorgeschlagenBisang: Word classes, Abschnitt 5.2.).