Der Franziskanerknoten ist ein dreifacher Überhandknoten, der als dekorativer Stopperknoten zur Verdickung eines Seiles eingesetzt wird. Er wird auch als militärischer Zierknoten genutzt.

Namen und Geschichte mini|links|150px|Das älteste, noch zu Lebzeiten entstandene Bild des Franz von Assisi, ein Wandgemälde im Sacro Speco in Subiaco. Der Name Franziskanerknoten leitet sich von der Nutzung des Knotens durch mehrere kontemplative Orden ab: Die Angehörigen der franziskanischen Orden (gegründet 1220) binden ihren Habit mit einer Kordel (Zingulum), deren Ende mehrere dreifache Überhandknoten zieren.

Frühmittelalterliche Quellen für Freundschaftsknoten wurden von Gertrude SmolaD'Arcy Jonathan Dacre Boulton: The knights of the crown: the monarchical orders of knighthood in later medieval Europe, 1325-1520. Boydell Press, Woodbridge 2000, ISBN 0-85115-795-5. (The Company of the Knot) und Ulrike ZischkaUlrike Zischka: Zur sakralen und profanen Anwendung des Knotenmotivs als magisches Mittel, Symbol oder Dekor? Tuduv-Verlagsgesellschaft, 1977, ISBN 3-88073-038-5. erforscht. Sie legen dar, dass südeuropäische religiöse und weltliche Ritterorden die Knoten als Symbol der Freundschaft in ihr Erscheinungsbild übernahmen. Daher erreicht uns der Knoten seit dem 13. Jahrhundert als eine neue symbolische Form. Ursprünglich stellten sie die feierlichen Schwüre der Mitglieder verschiedener religiöser Orden dar. Franziskus von Assisi (1181–1226) trägt auf einem Gemälde eines unbekannten Meisters von 1222 einen Dreifachknoten am Zingulum (Gürtel). Jeder dieser dreifachen Überhandknoten im Ende des herabhängenden Zingulums weist auf die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams hin.Jede Windung stand für einen der drei Gelübde. Die gesamte Anzahl der in einem Abstand geknüpften Franziskanerknoten ist sehr unterschiedlich und hat nichts mit einer größeren Gläubigkeit etc. zu tun. Vielmehr sind die Anzahl der Knoten auf die Seillänge als Verkürzung zu verstehen. Zu diesen drei Eiden des Franziskanischen Eid-Knotens fügten die „Klarissen“-Nonnen einen vierten Eid hinzu, den „Stabilitas loci“, der ihre Ortsgebundenheit symbolisiert.Das Gelübde der stabilitas loci bedeutet im engeren Sinne, in dem Kloster für immer zu bleiben, in das man eingetreten ist. Im weiteren Sinne kann stabilitas loci auch bedeuten, zu der Klostergemeinschaft zu gehören, in die man eingetreten ist (stabilitas in congregatione).

Ein Zingulum mit zwei dreifachen Überhandknoten schmückten einige Türrahmen von Häusern in Assisi in der mittelitalienischen Provinz Umbrien, ihre Bewohner zeigten damit die Verbundenheit zum Franziskaner-Orden.Übersetzung aus:

Anwendung hochkant=0.7|mini|Der Ordensgründer Franziskus von Assisi (Tafelbild von Guido di Graciano, nach 1270, Siena, Pinacoteca Nazionale), mit seiner Art das Zingulum zu tragen, gab dem Knoten seinen NamenBesonderheit: Die Darstellung zeigt vier gleiche Knoten mit jeweils drei Wicklungen Durch seine Symmetrie ist der Knoten sehr dekorativ. Die Franziskaner nutzen ihn am Zingulum der Ordenstracht. Er ähnelt sehr dem Wurfknoten und wird auch gelegentlich so benannt. Diese Bezeichnung ist aber nicht richtig, da er mit seinem geringen Gewicht dafür nicht geeignet ist. Beim Makramee oder Scoubidou ein Zierknoten z. B. am Schnurende.

Knüpfen Die einfache und schnelle Herstellung kommt z. B. auch im Zweistrang-Bändselknoten vor. Dabei werden drei Törns um die stehende Part herumgewickelt und zum Abschluss wird das Ende durch alle Törns (vom letzten bis zum ersten Törn) gesteckt und dichtgeholt. Das Ergebnis ist ein dreifacher Überhandknoten, der sich in die gewünschten Windungen legt.

Verwechslungen Das optisch ähnliche Aussehen zwischen Franziskanerknoten und Wurfknoten führt immer wieder zu Verwechslungen. Beide Knoten werden aber mit verschiedenen Herstellungsweisen geknüpft. Hierbei ist die Reihenfolge der Wicklungen (wie im Bild nummeriert) zu beachten. Das Ergebnis ist in der unterschiedlichen Ausgangsrichtung der Enden zu erkennen.A: Beim Wurfknoten (hier eine 5-fache Ausführung) steht das Seilende fast rechtwinklig abB: Beim richtig geknüpften Franziskanerknoten (Abbildung zeigt die Knotenvorderseite mit 5 statt 3 Wicklungen) ragt das Ende in gerader Linie aus den Wicklungen heraus. Herstellung: Im unteren linken Bild und rechts nach der Version B 200px|mini|Oben: RückseiteUnten: Wicklungen locker gelegt und Ende durchgeführt.300px|mini|Verwechslungsmöglichkeiten zwischenA = WurfknotenB = Franziskanerknoten–Knüpfweise

Alternativen siehe unter: Mehrfacher Überhandknoten

Abweichungen mini|Anzahl und Ausführung verschiedener Franziskanerknoten

Die Uneinigkeit bei der Anzahl und Ausführungen des Franziskanerknoten ist auf nebenstehendem Bild erkenntlich. (vlnr.) 5er, 2er- und 3er Wicklungen am Franziskanerknoten, danach am 4. Zingulum zwei „Wurfknoten“ mit 3er und 4er Wicklungen. Wird der Franziskanerknoten um einen Seil oder Stab herum geknüpft, entsteht ein dem Würgeknoten ähnlicher Bindeknoten, dem er nach ABoK #1240 entspricht.

Einzelnachweise

Weblinks

Franziskaner- oder Kapuzinerknoten? engl. Seite mit Hinweis auf die verschiedenen Auslegungen

Kategorie:Seemannsknoten Kategorie:Zierknoten Kategorie:Stopperknoten, Takling oder Spleiß