Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Abkürzung: HNE Eberswalde bzw. HNEE) wurde 1830 zunächst als Höhere Forstlehranstalt in Eberswalde (Brandenburg) gegründet und besteht in der jetzigen Form seit 1992. Der Präsident der HNEE war von Dezember 1998 bis Februar 2021 Wilhelm-Günther Vahrson. Seit September 2021 ist Matthias Barth Präsident der Hochschule.

Das Angebot an Studiengängen und -inhalten ist seit der Wiedergründung als Fachhochschule Eberswalde 1992 konsequent auf nachhaltige Entwicklung, Umwelt und Naturschutz ausgerichtet, womit sie bezüglich eines „grünen“ Lehrprofils in Deutschland führend ist. 2010 wurde die Fachhochschule Eberswalde in Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) umbenannt.Der Name ist Programm: Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Pressemitteilung vom 26. März 2010. Am 1. März 2015 entfiel das Kürzel (FH) im Namen der Hochschule.

Geschichte mini|1793 errichtetes Gebäude der Alten Forstakademie an der Schicklerstraße mini|1874–1876 errichtete Neue Forstakademie Die forstliche Lehre in Eberswalde hat eine wechselvolle Entwicklung hinter sich. Sie entstand aus den forstlichen Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Auf Betreiben von Georg Ludwig Hartig wurde 1821 an der Berliner Universität eine Forstakademie gegründet. Zu ihrem ersten Leiter wurde Wilhelm Pfeil (1783–1859) ernannt. Aufgabe der Forstakademie sollte es sein, „die forsttechnische, wissenschaftlich begründete Ausbildung für den Forstverwaltungsdienst“ in Preußen sicherzustellen. 1830 wurde die Akademie als Höhere Forstlehranstalt unter Leitung Pfeils nach Neustadt-Eberswalde verlegt. Als Lehrgebäude kaufte der Staat das 1793 für den Bankier und Besitzer der Stahl- und Eisenwarenfabrik David Schickler errichtete massive zweigeschossige Wohnhaus. Das Gebäude wurde 1913 um eine Etage reduziert. Im Haupteingang des heute eingeschossigen Putzbaus mit Walmdach ist zur Erinnerung ein Medaillon mit dem Bildnis Pfeils eingelassen.

Am 1. Mai 1830 begannen die Vorlesungen, zunächst mit den drei Professoren Pfeil, Friedrich Wilhelm Schneider und Julius Theodor Christian Ratzeburg. Aus Berlin kamen 25 Studenten mit nach Eberswalde, wo dann noch weitere 15 immatrikuliert wurden.Das Jubiläum der Forstakademie Ebverswalde, Berliner Volkszeitung, 10. August 1905. Nicht alle Studenten waren nach Eberswalde umgezogen, die Lehrkräfte Georg Ludwig und Theodor Hartig hielten noch bis 1838 forstliche Vorlesungen an der Berliner Universität.

1868 wurde die Forstlehranstalt Eberswalde in Königl. Forstakademie Eberswalde umbenannt. 1874 bis 1876 wurde in der Schicklerstraße 5 ein neues Verwaltungs- und Hörsaalgebäude im Stil der Neorenaissance errichtet (Neue Forstakademie). Aus Anlass des 75-jährigen Jubiläums der Königlichen Forstakademie im Jahr 1905 fanden im August mehrtägige Festveranstaltungen statt und ein Denkmal für den Landforstmeister Bernhard Danckelmann wurde feierlich enthüllt.

1921 folgte die Umwandlung in eine Forstliche Hochschule mit Rektoratverfassung, Promotions- und Berufungsrecht. Erster Promovent wurde Johann Albrecht von Monroy, der im Juni 1924 zum Doktor der Forstwissenschaften promoviert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es unter dem damals tätigen Gründungsdekan Johannes Schubert – ihm zu Ehren wurde 1995 die Johannes-Schubert-Stiftung gegründetGeschichte der Johannes-Schubert-Stiftung – 1946 einen Neubeginn als Forstwirtschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin in Eberswalde. Die Fakultät wurde jedoch 1963 aus politischen Gründen geschlossen.Studentenstreich mit schlimmen Folgen, abgerufen am 14. Mai 2017. In Eberswalde verblieb lediglich das Institut für Forstwissenschaften. Die forstliche Hochschulausbildung in der DDR fand von da an nur noch an der Fakultät Forstwissenschaften der Technischen Universität Dresden in Tharandt und verwaltungsintern für die Länder Thüringen und Sachsen an der Fachhochschule für Forstwirtschaft in Schwarzburg statt. Robert Albert lehrte noch bis 1950 in Eberswalde.

Erst 1992 begann in Eberswalde wieder der Unterricht, als im Zuge der Wiedervereinigung die Fachhochschule Eberswalde neu begründet wurde. Hierbei entstanden der Waldcampus in der Alfred-Möller-Straße, welcher die Fachbereiche Wald und Umwelt (bis 2007 Forstwirtschaft) sowie Holzingenieurwesen (bis 2015 Holztechnik) beheimatet, und der Stadtcampus in der Friedrich-Ebert-Straße/Schicklerstraße, wo die Fachbereiche Landschaftsnutzung und Naturschutz sowie Nachhaltige Wirtschaft (bis 2011 Wirtschaft) untergebracht sind. Am 26. März 2010 wurde die Fachhochschule umbenannt und erhielt den Namen Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH). Seit dem 1. März 2015 verzichtet die Hochschule auf das Kürzel (FH).

Standorte mini|Waldcampus Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung teilt sich auf drei Standorte auf: den Stadtcampus, den Waldcampus und den Forstbotanischen Garten. Auf dem Gelände des Stadtcampus befinden sich u. a. das Präsidialgebäude, die Verwaltung, das Zentrale Ökologische Labor und die Bibliothek der Hochschule, deren Fassade aus Fotobeton von dem Fotokünstler Thomas Ruff gestaltet wurde.Einweihung der neue Bibliothek in Eberswalde Das Architekturbüro Herzog & de Meuron erhielt für die gelungene Integration des neuen Gebäudes in das Umfeld der Stadt einen Architekturpreis.3. Brandenburgischer Architekturpreis

Auf dem Waldcampus befinden sich neben den hochschuleigenen Werkstätten und Vorlesungsgebäuden das Thünen-Institut für Waldökosysteme, das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde und die Materialprüfanstalt Eberswalde.

Der Forstbotanische Garten Eberswalde wurde gemeinsam mit der Höheren Forstanstalt 1830 in Eberswalde gegründet. Er wurde als Lehrgarten geführt und sollte den Studenten auf anschauliche Weise die Kenntnis von heimischen und fremdländischen Gehölzen näherbringen. Auch heute dient der 8 ha große Forstbotanische Garten, der zu den ältesten in Europa zählt, der Forstwissenschaft und Hochschullehre. Darüber hinaus erfüllt er noch weitere wichtige Funktionen für den Naturschutz und die Öffentlichkeit: Demonstration und Erhaltung gefährdeter Bereiche der Natur, Bildungsfunktion, Umwelterziehung, Erholung. Er beherbergt über 1200 Gehölzsippen aus aller Welt, eine lebende Sammlung einheimischer und fremdländischer Bäume und Sträucher, seltene heimische, vom Aussterben bedrohte Pflanzen sowie ganze Pflanzengesellschaften. Besonderheiten sind außerdem die Sonderanlagen (wie das Afrikanum, das Ostasiatenquartier oder das Alpinum), das natürliche Quellmoor mit bis zu zwei Meter hohem Riesen-Schachtelhalm und ein Kräutergarten als Einblick in die Naturheilkunde. Außerdem befindet sich auf dem Gelände der geologische Lehrpfad für Findlinge. Zur zentralen Einrichtung des Forstbotanischen Gartens zählt auch das Funktionsgebäude mit Gewächshaus, Labor- und Büroräumen, einer gärtnerischen Bibliothek und der umfangreichen Holzprobensammlung.Forstbotanischer Garten Eberswalde.

Studienangebote An den vier Fachbereichen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde werden 2015 acht Bachelor-Studiengänge mit Kapazität von jährlich 383 Studienplätzen und neun Master-Studiengänge mit Kapazität von jährlich 226 Studienplätzen angeboten. Um dieses Studienangebot bewerben sich jedes Jahr rund 2.200 Studieninteressierte.Semesterstart an der Eberswalde Hochschule, Pressemitteilung vom 25. September 2014.

Zu erwerbende Abschlüsse sind der Bachelor of Science, Bachelor of Engineering oder Bachelor of Arts und der Master of Science oder Master of Arts. Praxisnahe Lehre und Forschung sowie innovative Studiengänge machen die HNE Eberswalde zu einem attraktiven Wissenschaftsstandort. Das besondere Profil der Hochschule mit der Fokussierung rund um das Thema Nachhaltigkeit führt dazu, dass das Studium bundesweit nachgefragt wird.Webauftritt der HNE Eberswalde beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Aufgrund der hohen Attraktivität der Studienplätze werden auf die meisten Studiengänge ein Numerus clausus erhoben.Informationen zu den Zulassungszahlen 2014 Seit der Neugründung im Jahr 1992 haben bereits 5000 Absolventen ihr Studium an der HNE Eberswalde abgeschlossen (Stand: Mai 2015).

Bachelorstudiengänge mini|Stadtcampus an der Friedrich-Ebert-Straße Forstwirtschaft Holzingenieurwesen (auch dual) International Forest Ecosystem Management Landschaftsnutzung und Naturschutz Ökolandbau und Vermarktung (auch dual) Nachhaltige Ökonomie & Management Mechatronik im Holzingenieurwesen (dual)

Masterstudiengänge Bildung – Nachhaltigkeit – Transformation Biosphere Reserves Management Forest Information Technology Forestry System Transformation Global Change Management Holztechnik Nachhaltige Regionalentwicklung Nachhaltiges Tourismusmanagement Nachhaltige Unternehmensführung Ökologische Landwirtschaft und Ernährungssysteme Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement Sustainable Entrepreneurship & Social Innovation

Forschungsschwerpunkte Die HNEE zählt bundesweit zu den forschungsstärksten Fachhochschulen in Deutschland. Als bundesweit einzige Hochschule, die auf die Forschungsschwerpunkte „nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums“ sowie „nachhaltige Produktion und Nutzung von Naturstoffen“ fokussiert ist, ist die HNEE Vorreiterin in diesen Themenfeldern. Der langjährige Präsident Wilhelm-Günther Vahrson strebte ein fachbereichsübergreifendes Promotionskolleg an der HNEE an.Forschungsstarke Fachhochschule fordert Promotionsrecht, Pressemitteilung vom 20. April 2015.

Bereits im Jahr 2009 erhielt die HNE Eberswalde 4 von 15 Forschungsprofessuren, die an die fünf brandenburgischen Fachhochschulen vergeben wurden. Seit September 2021 sind 11 Forschungsprofessuren aktiv, darunter die Professorinnen und Professoren Ibisch, Häring, Luthardt, Molitor, Mund, Rieger, Kramer, Mann, Pape, Schleip und Conrad.Forschungsprofessuren an der HNE Eberswalde

Zu den Forschungsschwerpunkten gehören:Forschungsschwerpunkte der HNE Eberswalde

Nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums mit einer interdisziplinären Ausrichtung auf Natur-, Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften:

Landschaft als ökologische Basis Waldökologie und Monitoring Land- und Waldnutzung mit unterschiedlichen Formen nachhaltigen Landmanagements Nachhaltiges Wald- und Ökosystemmanagement und Naturschutz

Nachhaltige Produktion und Nutzung von Naturstoffen mit einem werkstoff- und ingenieurwissenschaftlichen Schwerpunkt: Potenziale von Holz in der Bioökonomie Verfahrenstechnik, Mechatronik sowie Prozess- und Produktentwicklung entlang betrieblicher Wertschöpfungsketten Bauen mit Holz und moderner Holzbau

Nachhaltiges Management begrenzter Ressourcen mit einem sozialwissenschaftlich-ökonomischen Fokus:

Die Gesellschaft mit ihren Ansprüchen an und Rahmensetzungen für die Landnutzung Unternehmerische Verantwortung, Unternehmensentwicklung und -management im Kontext nachhaltiger Ökonomie Nachhaltiger Tourismus Umweltgovernance, Transformation und Ökonik

Nachhaltigkeit Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist schon seit den Anfängen der Hochschule fest in Lehre und Forschung verankert. Das Thema „nachhaltige Entwicklung“ ist an der HNE Eberswalde beständig weiterentwickelt worden. Unter dem Motto „Mit der Natur für den Menschen“ agiert die Hochschule im Einklang mit Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.Porträt der HNE Eberswalde