mini|Wikipedia-Quelltext (Beispiel) mini|Einfache Wikitext-Beispiele im Bearbeitungs-Modus von TiddlyWiki Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“) ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden können (Web-2.0-Anwendung).

Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden (kollaboratives Schreiben, E-Collaboration). Ermöglicht wird dies durch ein vereinfachtes Content-Management-System, die sogenannte Wiki-Software oder Wiki-Engine.

Das bekannteste Wiki ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, welche die Wiki-Software MediaWiki einsetzt. Zudem nutzen auch viele Unternehmen Wikis als Teil des Wissensmanagementsystems in ihrem Intranet (standortübergreifend), siehe Enterprise Wiki. Ein einzelnes Dokument, eine Wiki-Seite, kann mit wenigen Klicks (Button Bearbeiten und Button Speichern oder Veröffentlichen) geändert werden. Zu diesem Zweck ist die Wiki-Seite zumeist in Form von Wikitext, einer leicht erlernbaren Auszeichnungssprache, gespeichert.

Die Abbildung rechts oben zeigt den Wikitext dieser Wiki-Seite im Bearbeitungs-Modus.

Name mini|Definition von wiki in Andrews’ A Dictionary of the Hawaiian Language (1865) mini|Wiki-Wiki-Bus am Flughafen Honolulu Der Miterfinder der Wikis, Ward Cunningham, wählte den Namen Wiki wegen einer Reise nach Hawaii. Bei der Ankunft am Flughafen auf Oʻahu sah er die Bezeichnung Wiki Wiki für den dortigen Schnellbus. Dabei übernahm er die Verdoppelung, die im Hawaiischen für eine Steigerung („sehr schnell“) steht. Cunningham betrachtet Wiki als eine Abkürzung für den eigentlichen Namen seines Wikis, WikiWikiWeb.Ward Cunningham: Correspondence on the Etymology of Wiki.

Da der Ausdruck also älter ist als das Wiki-Konzept oder die Wikipedia, erscheint er dementsprechend bereits in älteren Wörterbüchern und auch beim Schriftsteller Jack London. In seinem Werk Martin Eden von 1908 heißt es: „Das ist mein Neuestes, ganz anders als alles was ich bisher gemacht habe … Es ist eine Hawaii-Geschichte. Genannt habe ich sie Wiki-Wiki.“Jack London: Martin Eden. dtv, München 2016, 2. Auflage 2021, S. 351.

Wegen ihres Erfolgs denken die meisten Menschen beim Ausdruck Wiki an die Wikipedia. Oftmals verwenden sie den Ausdruck sogar als Abkürzung für die Wikipedia, ohne zu wissen, dass es sich dabei um die Bezeichnung für eine bestimmte Art von Software und ihre Anwendung handelt.

Definition mini|Visualisierung der kollaborativen Arbeit am Wiki-Projekt „Mathe für Nicht-Freaks“ Es gibt keine allgemein anerkannte Definition für Wikis und keine Einigkeit darüber, welche Merkmale ein Wiki ausmachen. Manche der in der Literatur angeführten Merkmale sind unbestimmt (wie „Einfachheit“) oder nicht ausschließlich für Wikis bedeutsam (wie die Versionierung von Seiteninhalt). Beispielsweise ist eine Verlinkung der Seiten zum Hypertext typisch für viele Wikis, aber nicht zwingend: Ein Wiki kann auch wie ein Handbuch mit einer allgemeinen Gliederung organisiert sein. Weitere diskutierte Merkmale heißen Offenheit, Kollaboration und Selbstbestimmtheit.

In ihrem 2001 veröffentlichten Buch „The Wiki Way: Quick Collaboration on the Web“ beschrieben Bo Leuf und Wiki-Miterfinder Ward Cunningham die grundlegenden Eigenschaften eines Wikis (frei übersetzt) wie folgt:

„Ein Wiki lädt alle Nutzer – nicht nur Experten – ein, jede Seite zu bearbeiten oder neue Seiten innerhalb des Wikis zu erstellen, und das nur mit einem standardmäßigen 'schlichten' Webbrowser ohne zusätzliche Add-ons.“ „Ein Wiki fördert sinnvolle thematische Verknüpfungen zwischen verschiedenen Seiten, indem es die Erstellung von Seitenlinks intuitiv einfach macht und anzeigt, ob die gewünschte Zielseite existiert oder nicht.“ „Ein Wiki ist keine sorgfältig gestaltete Website, die von Experten und professionellen Autoren erstellt und für Gelegenheitsbesucher konzipiert wurde. Stattdessen sucht es die Einbindung der typischen Besucher/Nutzer in einen fortlaufenden Prozess der Schöpfung und Zusammenarbeit, der die Landschaft der Website ständig verändert.“

Andrew Lih etwa definiert das Wiki-Konzept knapp als die „radikale Idee, es jedem zu erlauben, jede Seite einer Website offen zu bearbeiten“. Für Ebersbach, Glaser und Heigl ermöglicht Wiki-Software „die Entstehung assoziativer Hypertexte mit nicht-linearen Navigationsstrukturen.“ Ziko van Dijk definiert:

Von der Definition hängt ab, welche kollaborativen Systeme man einbeziehen möchte, unabhängig davon, ob sie den Ausdruck „Wiki“ im Namen führen oder nicht. Systeme für die Geschäftswelt, die sogenannten Enterprise-Wikis, ermöglichen es oftmals, zum Beispiel auch geschlossene Kommunikationsräume für Kleingruppen einzurichten oder einen eingebauten Kalender zu verwenden. Florian L. Mayer spricht hier von „Komplettsystemen mit Wiki-Funktionalität“.

Funktionsweise mini|Ein Wiki-Modell mit Berücksichtigung der beschriebenen Welt und der gesellschaftlichen Umgebung, der Modifizienten (Mitmacher, Bearbeiter), des Wiki-Eigentümers, des Wikis und der Rezipienten Als wesentlicher Unterschied zu anderen Content-Management-Systemen (CMS) bietet Wiki-Software weniger Gestaltungsmöglichkeiten für Layout und Design der Webseiten. Primäre Funktion ist hingegen ein Bearbeitungsmodus für jede Wiki-Seite, der es auch einem Neuling erlaubt, ohne große Einarbeitung Text und Inhalt der Seite zu ändern. Hierzu wird die Wiki-Seite im Bearbeitungsmodus häufig in einem WYSIWYG-Editor geöffnet oder in einer einfach erlernbaren, vereinfachten Auszeichnungssprache (beispielsweise Wikitext) angezeigt (oder wahlweise beides). Beide Varianten ermöglichen in der Regel insbesondere Schriftauszeichnung, Verlinkung, Listen und Aufzählungen sowie teils auch die Möglichkeit von Transklusionen für wiederholende Inhalte.

Im Unterschied zu den Content-Management-Systemen mit ihren teils genau geregelten Arbeitsabläufen (englisch workflows) etwa in Redaktionssystemen, setzen Wikis auf die Philosophie des offenen Zugriffs: idealerweise kann jeder Nutzer jeden Eintrag lesen und bearbeiten.Richard Cyganiak: Wiki und WCMS: Ein Vergleich (PDF; 72 kB), Seite 3. Wikis gelten als gegenüber einem klassischen CMS dann im Vorteil, wenn eine hohe Anzahl an Nutzern Informationen einstellt, so dass im Medium eine kritische Masse erreicht wird und es zu einem „Selbstläufer“ wird. Es gibt aber auch Wiki-Systeme, die eine Zugriffssteuerung (etwa via Access Control List) für bestimmte Seiten und Benutzergruppen (z. B. Abteilungen eines Unternehmens) erlauben.

Eine wesentliche Funktion der meisten Wiki-Produkte ist die Versionsverwaltung, die es den Nutzern im Fall von – durch den offenen Zugriff kaum vermeidlichen – Fehlern oder Vandalismus erlaubt, eine frühere Version einer Seite schnell wiederherzustellen.

Wie bei Hypertexten üblich, sind die einzelnen Seiten eines Wikis durch Querverweise (Hyperlinks) miteinander verbunden; dabei dient der Titel einer Seite meist auch als Linkadresse. Links auf nichtexistente Seiten werden dann nicht als Fehler angezeigt, sondern es erscheint ein Formular, um die neue Seite anzulegen. Eine Vernetzung mit anderen populären Wiki-Diensten wird teils durch sog. InterWiki-Verweise ermöglicht.

Die meisten Systeme sind als freie Software veröffentlicht, oft unter einer Version der gebräuchlichen GNU General Public License (GPL). Viele Wiki-Software-Systeme sind modular aufgebaut und bieten eine eigene Programmierschnittstelle, die es dem Benutzer ermöglicht, eigene Erweiterungen zu schreiben, ohne den gesamten Quellcode zu kennen.

Ein Wiki kann öffentlich zugänglich im World Wide Web verfügbar sein, in lokalen Netzwerken nur für eine bestimmte Nutzergruppe (z. B. als Intranet) eingesetzt werden oder auch auf einem einzelnen Rechner zur persönlichen Informationsorganisation verwendet werden, etwa in Form eines Desktop-Wikis. Beispiele für Desktop-Wiki-Software sind AcroWiki für Palm OS, Tomboy und Zim für Linux, VoodooPad für macOS, Gluebox (plattformunabhängig), ConnectedText und WikidPad für Windows, sowie TiddlyWiki, das client-seitig (ohne Server) als JavaScript in jedem Browser läuft. Bei öffentlich zugänglichen Wikis kann es Beschränkungen geben, zum Beispiel durch eine Pflicht zur Registrierung, so dass ein Benutzerkonto mit weiteren Zugriffsrechten verbunden ist.

Einteilungen von Wikis Wikis können für unterschiedliche Zwecke und in unterschiedlichen Umgebungen eingesetzt werden und mit unterschiedlicher Software betrieben werden. Eine allgemein akzeptierte Typologie und Terminologie gibt es nicht, doch lassen sich Tendenzen erkennen.

Häufig bezeichnet man Wikis nach ihrer sehr konkreten Funktion oder ihrem Thema, so dass eine Vielzahl von Bezeichnungen entstanden ist: „Fanwiki“ für popkulturelle Inhalte, „Stadtwiki“ oder „Regiowiki“ zur Geschichte oder aktuellen Zivilgesellschaft einer lokalen Einheit, „Unternehmenswiki“ („Enterprise-Wiki“, „Firmen-Wiki“, „Business-Wiki“, „Organisationswiki“) für eine Arbeitsplattform im Unternehmen oder eventuell einer anderen Organisation usw. Allerdings kann auch ein „Schulwiki“ sehr unterschiedlich verwendet werden, nämlich als (interne) Lernplattform, öffentliche Plattformen für die Lernenden oder als regelrechter Ersatz für eine herkömmliche Website.

In der Literatur finden sich ferner Ansätze für eine Zwei- oder Dreiteilung der Wikis. Dabei stehen offene und öffentliche Wikis wie die Wikipedia den geschlossenen und nichtöffentlichen (internen) Wikis einer Organisation gegenüber. Van Dijk verwendet unter anderem eine Unterscheidung danach, wem das Wiki zugutekommen soll. Rezipientenorientierte Wikis wie die Wikipedia sollen Lesern dienen; eigentümerorientierte Wikis wie die Unternehmenswikis helfen dabei, Unternehmensziele zu realisieren; modifizientenorientierte Wikis sind beispielsweise Lernplattformen zugunsten der bearbeitenden Lernenden; und inhaltsorientierte Wikis wie Wikimedia Commons helfen dabei, Inhalte zu sammeln und bereitzustellen.

Geschichte und Anwendungen Die Entwicklung des Wikis als Medium ist eng mit dem World Wide Web verbunden. Es wurde erst durch dieses zu einem Erfolgsmodell, auch wenn seine Vorläufer bis in die 1970er Jahre zurückgehen. Die Änderbarkeit der Seiten durch jedermann setzt zudem eine ursprüngliche Idee des World Wide Web konsequent um.

In der Softwareentwicklung wurde der Nutzen von Wikis für das Wissensmanagement in einem kollaborativen Umfeld zuerst erkannt, was vermutlich auf die Technikaffinität der Mitarbeiter zurückzuführen ist. Ein Wiki-System kann in der Softwareentwicklung, insbesondere der Erstellung von Dokumentationen, zur Verwaltung von Softwarefehlern oder der Koordination unter den Software-Entwicklern dienen. So wurden die ersten Wikis Mitte der 1990er Jahre von Software-Designern zur Produktverwaltung in IT-Projekten entwickelt. Insbesondere in Entwicklungsprojekten von Open-Source-Software – etwa bei Apache oder OpenOffice.org –, bei denen Menschen, die über Kontinente verstreut sind, zusammenarbeiten, fällt den Wikis eine Schlüsselrolle zu. Heute kommen Wikis in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz, bei denen inhaltliche Flexibilität mehr zählt als ein repräsentatives Layout. Dazu gehören Dokumentationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Vorläufer Einer der ersten Vorläufer des Wikis war das in der Carnegie Mellon University 1972 entwickelte ZOG-Datenbanksystem, das für mehrere Nutzer ausgelegt war und die Daten in strukturierten Textrahmen darstellte; verbunden waren sie durch Hyperlinks.