Zeneggen (walliserdeutsch Zeneggu mit Betonung auf der mittleren SilbeIwar Werlen (Hrsg.): Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch. Band 1: Einleitung, Gemeindenamen, Flurnamen A – C. Narr Franck Attempto, Tübingen 2024, Sp. 52.) ist eine Munizipalgemeinde und eine Burgergemeinde im Bezirk Visp sowie eine Pfarrgemeinde des Dekanats Visp im deutschsprachigen Teil des Schweizer Kantons Wallis.

Wappen 1930 entwarf der damalige Präsident Josef Kenzelmann das Gemeindewappen von Zeneggen. Die zwei Löwen im oberen Teil stehen für die Zugehörigkeit zum Bezirk Visp, das gelbe Feld versinnbildet die Roggenäcker (Zeneggen war zu jener Zeit ein ausgesprochenes Roggendorf), die weissen Balken die markanten Felsbänder, die grünen Streifen das Wald-, Wies- und Rebland.Klaus Kenzelmann: Die Geschichte des Augstbordwassers.

Geografie Zeneggen liegt im Zentrum des Oberwallis südwestlich von Visp am Westufer der Vispa auf einer sonnigen Aussichtskanzel oberhalb des Rhone- bzw. Vispertals am Fusse der Moosalp inmitten einer Hochgebirgslandschaft. Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von knapp 8 km² und erstreckt sich vom Ufer der Vispa auf einer Höhe von ca. bis in eine Höhe von (westlich der Voralpe Diebja). Die Gemeinde, die eine typische Streusiedlung ist, besteht aus den Weilern Alt Zeneggen, Egga, Esch, Trolera, Sisetsch, Ze Stadlu, Unner dum Biel, Widum, Wiecherried und Gstei, die allesamt am Berg hoch über dem Talgrund liegen. Nachbargemeinden von Zeneggen sind im Norden Visp, im Osten Visperterminen, im Süden Stalden, im Südwesten Törbel, im Westen Bürchen und im Nordwesten Raron.

Die bis über hohen Berge der Berner Alpen im Norden und Walliser Alpen im Süden halten feuchte Luftmassen ab und sorgen für ein sehr sonniges, trockenes kontinentales Klima. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt weniger als 80 cm.E. Landolt: Unsere Alpenflora. Verlag Schweizer Alpenclub, 5. Auflage, 1984, S. 45 f.

Ortsname Der Ortsname Zeneggen setzt sich aus der mit dem Artikel verschmolzenen Präposition zen ‘zu den’ und Egga, Dativ Singular und Plural Eggu, ‘Eck, vor- und einspringender Winkel, Bergvorsprung, Bergkante, langgezogene Anhöhe am Berghang’ zusammen. Er wird erstmals 1283 und erneut 1299 als (ze dien) Euggun bezeugt. Der Weiler Sisetsch ist schon 1282 als Sisych erwähnt.

Geschichte Die Geschichte von ZeneggenT. Kenzelmann, in: Kleine Wunderwelt Zeneggen. Dreispitz-Verlag, 2. Auflage, Wichtrach 1978Kapitel Allgemeine Geschichte der Gemeinde Zeneggen. In: Erwin Jossen: Zeneggen – Sonnenterrasse im Vispertal (illustrierte Dorfmonografie), Rotten-Verlag, Visp 2006, ISBN 978-3-905756-12-8Detlef Gerritzen: Informationen zur Geschichte von Zeneggen (online) kompakte Informationen zur Geschichte von Zeneggen (online, pdf) als Siedlungsraum reicht bis in die Bronzezeit zurück. Zwischen 1900 und 1600 v. Chr. hinterliessen frühbronzezeitliche Bewohner beim Weiler Sisetsch Schalensteine, deren Bedeutung unklar (Kultstätten, Gewinnung von Gesteinsstaub?) ist.

Um 1250 v. Chr. befand sich auf dem Kasteltschuggen eine mittel-bronzezeitliche HöhensiedlungM. David-Elbiali: Les influences culturelles en Valais au debut du Bronze final au travers de decouvertes de Zeneggen-Kasteltschuggen. In: Jahrbuch der Schweiz. Ges. f. Ur- und Frühgeschichte, Bd. 77, 1994, S. 35–52 (online, pdf)Das Wallis vor der Geschichte, Sitten Kantonsmuseum, Sept. 1986, S. 298–301 (Dr. R. Degen: Zeneggen Kasteltschuggen), 324, 330/1, 354. Deren Bewohner dürften von der Viehzucht gelebt haben (Knochenfunde aus dem Siedlungsgebiet zeigen mehrheitlich Haustiere, kaum Wild). Trockenmauern sind heute noch gut erkennbar. Die diversen Funde aus mehreren Ausgrabungen wie Keramik und Bronzeobjekte (Dolch-/Meisselklingen) werden heute im Kantonsmuseum in Sion aufbewahrt. Zwischen 450 v. Chr. und 100 n. Chr. existierte eine jung-eisenzeitliche (Frühlatène) keltische Siedlung (Uberer) beim Weiler Sisetsch. In den Äckern zwischen Sisetsch und Widum wurden 6–10 Gräbern mit zahlreichen Fundstücken aus Bronze (Armspangen, Fibeln und verzierte Armbänder) und Topfsteinbruchstücke (meist aus Giltstein) aus einer Topfsteinverarbeitungstelle entdeckt (heutiger Aufbewahrungsort: kantonales archäologisches Museum in Sion). Das Material für die Topfsteine dürfte aus dem nahen Steinbruch «zur Grube» stammen.

Das erste erhaltene schriftliche Dokument über Zeneggen betreffend Wasserankauf aus dem Jungbach stammt aus dem Jahre 1150. Die Sicherstellung des Wässerwassers ist auch in den folgenden Jahrhunderten für Zeneggen ein zentrales Problem, wie diverse Urkunden über Nutzung und Wartung der Augstbordwasserleitung und später über Wasserzukauf aus dem Ginalstal belegen. Bis etwa 1500 wird Zeneggen nur unter dem Namen des mittleren Weilers «im Sisetsch» erwähnt. Nach dem 16. Jh. führte die Bevölkerung aufgrund mehrstufiger Mischwirtschaft (Viehhaltung, Acker- und Rebbau) eine jahreszeitliche Wanderung zwischen den verschiedenen Weilern und Voralpen durch. Um ca. 1600 wurden Kalkverarbeitung und Schmiedehandwerk von Zeneggern ausgeübt.

Im Jahre 1608 erfolgten der Bau des ersten Gotteshauses (alte Kapelle neben Burgerhaus, Abbruch in letzten Jahrhundert beim Strassenbau), im Jahre 1611 der Bau des heute noch genutzten Burgerhauses und im Jahre 1666 der Bau der Dreifaltigkeitskapelle (am Standort der heutigen Pfarrkirche). Im Jahre 1716 wird Zeneggen Rektorat (Kirche ohne Status Pfarrkirche) mit eigenem Geistlichen. Im Jahre 1718 erfolgte der Bau des Pfarrhauses, welches 1792 erweitert wurde. Im Jahre 1751 wurde die Dreifaltigkeitskapelle vergrössert und um den Glockenturm ergänzt (in den beiden Folgejahren werden die beiden ersten Glocken gegossen; spätere Ergänzungen – 1763 und 1846 – um weitere Glocken ermöglichten das Zenegger GlockenspielAudio Glockenspiel Pfarrkirche Zeneggen (online)Video Glockenspiel Pfarrkirche Zeneggen (online)). Im Jahre 1754 erhielt Zeneggen den Status einer Pfarrei (erst 1795–1819 kann man sich von diversen Abgaben an die Mutterkirche in Visp und bischöfliche Tafel befreien). Im Jahre 1819 erfolgte der Bau der Kapelle auf dem Biel zu Ehren der 14 Nothelfer.Vierzehn-Nothelfer-Kapelle auf dem Biel oberhalb Zeneggen (online) Zwischen 1877 und 1881 wurde die heutige Pfarrkirche am Standort der Dreifaltigkeitskapelle errichtet. Der Glockenturm wurde übernommen. Renovationen erfolgten in den Jahren 1932/33 (u. a. Glasfenster), 1955 und in den 1970er/1980er JahrenGeschichte der Pfarrei Zeneggen (online). Zeneggen besass von 1754 bis 2013 einen eigenen Pfarrer, seit 2013 wird die Pfarrei von einem Seelsorgeteam geleitetSeelsorger der Pfarrei Zeneggen (online).

Im Jahre 1855 versiegten mehrerer Quellen nach einem heftigen Erdbeben. Zwischen 1865 und 1900 schlossen sich 20 Zenegger der Auswanderungswelle nach Amerika an (u. a. wegen wiederholter Trockenheit). Zwischen 1916 und 1918 während des Ersten Weltkriegs erfolgte der Abbau von Asbest («Bergflachs») auf dem Gemeindegebiet.

Meilensteine bzgl. Entwicklung der Infrastruktur waren Installation der ersten Telefonverbindung (1920), Anschluss ans Stromnetz (1927), Bau der Strasse nach Zeneggen (1931–1934), Bau des ersten Hotels (1936), Bau der neuen Augstbordwasserleitung / Trinkwasserversorgung (1947–1951), Vervollständigung des Trinkwassernetzes (1960–1970), Fertigstellung von Mehrzweckhalle und neuem Schulhaus (1994), Neubau Dorfladen mit Bistro und integriertem Tourismusbüro (2011) und Erstellung des neuen Wohnquartiers "Steinachra" (2023–2024)neues Wohnquartier in Zeneggen (Steinachra) (online).

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1798 1802 1850 1900 1950 2000 2010 2012 2014 2016 2022 Einwohner 170 160 190 228 201 235 276 268 278 280 312

Sehenswürdigkeiten

Neben dem malerischen Ortsbild in einer imposanten Hochgebirgsszenerie, den historischen Gebäuden (PfarrkirchePfarrkirche Zeneggen (online), BielkapelleBielkapelle Zeneggen (online), BurgerhausAbschnitt Burgerhaus in Detlef Gerritzen: Informationen zur Geschichte von Zeneggen (online)) und historischen Plätzen (KastelFotogalerie zum Kasteltschuggen (online), KalkofenAbschnitt historischer Kalkofen in Detlef Gerritzen: Informationen zur Geschichte von Zeneggen (online), AsbestgrubeAsbestgewinnung in Zeneggen (online)) verdienen insbesondere die artenreiche Fauna und Flora, die wertvolle Kulturlandschaft mit Magerwiesen/-weiden, die historischen BewässerungssystemeF.G. Stebler: Die Vispertaler Sonnenberge, Kapitel Bewässerung (online)F.G. Stebler: Die Vispertaler Sonnenberge, Kapitel Augstbordwasserleitung (online) und die Zenegger VoralpenDie "Voralpe" entspricht in unserer Region dem Maiensäss (Diebje, HellelaF.G. Stebler: Die Vispertaler Sonnenberge, Kapitel Voralpe Hellelen (online), Sal) eine besondere Erwähnung.

Natur und Kulturlandschaft Zeneggen besitzt eine der wertvollsten naturnahen Kulturlandschaften der SchweizDetlef Gerritzen: Natur in Zeneggen (online). Das strukturvielfältige Gelände von extensiv genutzten Magerwiesen/-weidenBundesinventar Trockenwiesen & Trockenweiden (online), RebbergenDer Verein VinEsch hat sich zum Ziel gesetzt, einen historischen Rebberg auf dem Gemeindegebiet mit seinen Trockenmauern, Reben (insbesondere auch Raritäten) als Zeugen der Walliser Kultur zu erhalten (online), Obstbaumbeständen neben Trockensteppen, Wäldern (Flaumeiche/Föhre, Lärche/Fichte, Lärche/Arve) und felsigen Zonen in unterschiedlichen Höhenlagen und Expositionen bietet zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten Heimat. Besonders erwähnenswert ist die Artenvielfalt bei SingvögelnAbschnitt Vögel in Zeneggen in Detlef Gerritzen: Natur in Zeneggen (online), InsektenInsekten in Zeneggen (online) (Schmetterlinge, Heuschrecken, WespenJacob Forster, Töpferwespe (online, pdf)) und alpinen BlumenAbschnitt Alpenflora in Detlef Gerritzen: Natur in Zeneggen (online)Sabine Joss, Blütenwanderungen in den Schweizer Alpen, AT-Verlag, Aarau und München, 2014, ISBN 978-3-03800-751-7; Kapitel „Berg-Anemonen bei Zeneggen“ (S. 32 – 38)Sabine Joss, Blüten an kahlen Hängen, Natuerlich 3/2015, Frühlingswanderung in Zeneggen . Wesentliche Elemente dieser traditionsreichen Kulturlandschaft stellen die zahlreichen hölzernen Stadel bzw. Speicher, Trockenmauern und Suonen (historische Bewässerungssysteme) dar. Verschiedene nationale ProjekteFonds Landschaft Schweiz-Projekt «Kulturlandschaft Zeneggen 2000» (online)Ökovernetzungsprojekte BUWEG versuchen diese besondere Werte auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Diverse Zonen auf dem Gemeindegebiet (obere und mittlere Hellela, Haselfurra, Riedboden, Widum) stellen offiziell ausgewiesene Schutzgebiete im Natur- und Landschaftsschutz im Kanton Wallis dar (siehe Liste der Schutzgebiete im Kanton Wallis).

Geologie Die komplexe Oberflächenstruktur und die vielfältigen geologischen Formationen auf dem Gebiet der Gemeinde ZeneggenGeologische Situation Zeneggen und Umgebung (Bundesamt für Landestopografie swisstopo) (online) sind das Resultat eines in unserer Region kompliziert verlaufenden Prozesses der Gebirgsbildung (siehe auch Artikel Penninikum) und anschliessender Erosionsprozesse, insbesondere durch Einwirkung gewaltiger EiszeitgletscherEiszeitliches Maximum (Zeneggen und Umgebung) (online) (Rhonegletscher, VispertalgletscherWalther Staub: Die letzten eiszeitlichen Gletscherstadien im Gebirge zwischen Visp und dem Turtmanntal (Wallis). In: Geographica Helvetica, Band 1 (1946), Heft 3, S. 287–289 (online, pdf)).