mini|Fabrik und Stammhaus in Kilchberg Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG ist ein international tätiger Schweizer Schokoladenhersteller mit Sitz in Kilchberg am Zürichsee.
Geschichte mini|Werk in Aachen mini|Aktie über 500 Franken der Chocoladefabrik Lindt & Sprüngli AG vom 1. September 1930 mini|Die echte Lindt (1912) mini|Personaleingang der Lindt & Sprüngli-Fabrik in Kilchberg/ZH Die Ursprünge von Lindt & Sprüngli liegen in den beiden Schokoladenmanufakturen von Rudolf Sprüngli in HorgenDie Zürcher Confiserie David Sprüngli & Sohn kaufte 1846 die ehemalige Schmiede im Schleifetobel in Horgen und richtete dort ihre erste Schokoladefabrik ein, deren anfängliches Wasserrad vom Heubach betrieben wurde. Quelle: Horgner Jahrheft 2017. und Zürich (ehemalige Werdmühle, heute Werdmühleplatz) sowie von Rodolphe LindtBenedikt Meyer: Die süsse Seite der Schweiz Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 14. Oktober 2019 in Bern. Sprünglis Sohn Rudolf Sprüngli-Schifferli (1847–1926) übernahm die Firma seines Vaters 1891. Ein Jahr später wurde die Confiserie Sprüngli als eigenes Unternehmen ausgegliedert. Im Jahre 1899 baute Rudolf Sprüngli die Fabrik in Kilchberg und wandelte die Firma im selben Jahr in eine Aktiengesellschaft um. Die Chocolat Sprüngli AG übernahm bald darauf die Berner Schokoladenmanufaktur von Rodolphe Lindt mitsamt dem Patent für dessen Conchierverfahren. Die Aktiengesellschaft Vereinigte Berner und Zürcher Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli war geboren. Das alte Lindt-Haus im Berner Mattenquartier ist auch heute noch mit dem Firmenlogo bemalt. Seit 1986 ist Lindt & Sprüngli an der Börse notiert. Im Jahre 2024 wurde eine Erweiterung des Werks in Olten eröffnet, welches laut Lindt das grösste Kakaomassenwerk des Unternehmens ist.
Übernahmen und Tochterfirmen
Europa In Deutschland wurde 1935 mit der Leonard Monheim AG, Berlin, ein Lizenzvertrag für die Fertigung geschlossen. 1988 übernahm Lindt & Sprüngli die Fertigung dort selbst und produziert seitdem einen Grossteil der international vertriebenen Artikel in Aachen nahe dem Westbahnhof. Das Werk in Aachen fungiert als Kompetenzzentrum für Hohlfiguren.FAZ, 4. April 2015, S. 28.
Die Lindt & Sprüngli SA in Frankreich gelangte 1989 vollständig in den Besitz des Stammhauses. 1993 wurde die langjährige Lizenznehmerin Bulgheroni SpA im italienischen Induno Olona als Lindt & Sprüngli SpA in das Unternehmen integriert.
Im darauf folgenden Jahr erfolgte in Österreich die Gründung der Lindt & Sprüngli (Austria) GmbH und die Integrierung der Wiener Confiserie Hofbauer in das Unternehmen.
Im Jahre 1998 wurde die italienische Gesellschaft «Caffarel» in Turin aufgekauft. Caffarel wurde Anfang 2022 mit der Lindt & Sprüngli SpA unter dem Namen Caffarel zusammengelegt.
Weiterhin hat Lindt Niederlassungen in Polen, Spanien, Grossbritannien, Schweden, Tschechien und den Niederlanden.
USA 1989 eröffnete Lindt ein Produktions- und Verwaltungsgebäude in Stratham, New Hampshire, USA. Anfang 1998 übernahm Lindt die «Ghirardelli Chocolate Company» in San Francisco, die älteste durchgehend produzierende amerikanische Schokoladenfabrik.
Im Juli 2014 gab Lindt & Sprüngli die Übernahme des traditionsreichen US-amerikanischen Süsswarenherstellers Russell Stover Candies Inc. bekannt, die bislang grösste in der Unternehmensgeschichte. Mit Russell Stover, das auch die Marke Whitman’s besitzt und in den USA einen Marktanteil bei Pralinés von 60 % hat, wurde Lindt & Sprüngli zum drittgrössten Unternehmen der Schokoladenbranche in Nordamerika und ist dort nun auch mit seinen anderen Marken flächendeckend präsent.Grossübernahme in den USA: Lindt & Sprüngli kauft die Pralinés von «Forrest Gump», NZZ.ch, 14. Juli 2014. Die Produktpalette von Russel Stover war allerdings viel zu breit und deren Verkäufe zu stark saisonal geprägt. Lindt und Sprüngli versuchte, diese Abhängigkeit von Weihnachten, Valentinstag und Ostern zu verringern und hoffte so, das amerikanische Geschäft, das einen Drittel des Firmenumsatzes erzielte, zu verstetigen.Die Stärke von Lindt und Sprüngli schmilzt dahin, NZZ, 17. Januar 2018, Seite 25.
Weitere Tochterfirmen In Australien gründete Lindt 1997 eine Niederlassung. Weitere Tochterfirmen finden sich in Kanada, China, Hongkong, Japan, Brasilien, Shanghai, Chile, Indien, Saudi-Arabien und Südafrika.
Umsatz Im Jahre 2021 konnte Lindt einen Umsatz von 4,6 Milliarden Franken erzielen, ein Anstieg von 14,2 Prozent zum Vorjahr. Der Gewinn konnte um 53,2 Prozent auf 490,5 Millionen Franken erhöht werden. Im Jahr zuvor war der Umsatz um 6,1 Prozent auf 4,02 Milliarden Franken gesunken. 2025 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 5,92 Milliarden Franken und einen Gewinn von 727 Millionen Franken.
Unternehmensstruktur mini|Geschäft-Cafes Seit 1994 werden alle Gruppenfirmen, darunter auch das bisherige Schweizer Stammhaus Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli (Schweiz) AG, als hundertprozentige Tochterfirmen von einer internationalen Konzernleitung im Rahmen der Holding-Gesellschaft Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli Aktiengesellschaft geführt. Die Aktienmehrheit liegt gemäss Firmenangaben weiterhin in Schweizer Händen.
Wechsel in der Konzernleitung Als CEO war von 1993 an Ernst Tanner tätig, bis er 2016 von Dieter Weisskopf abgelöst wurde. Tanner führt zudem den Verwaltungsrat als Präsident an. Weisskopf hielt die Position des CEO für sechs Jahre inne, bis im Oktober 2022 Adalbert Lechner, der zuvor als Chef von Lindt Deutschland arbeitete, sie übernahm. Zudem stiess zum 1. September 2022 Daniel Studer zur Konzernleitung hinzu.
Aktivitäten in Deutschland Das Geschäft in Deutschland wird von der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH in Aachen betrieben, welche am Markt unter der Marke Lindt auftritt. Sie ist eine 100%ige Tochter der Schweizer Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG. Im Jahr 2021 erwirtschafteten durchschnittlich 2895 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 886 Mio. Euro.Jahresabschluss per 31. Dezember 2021, bundesanzeiger.de, abgerufen am 15. Dezember 2023
Produkte mini|Logo der Marke Lindt Lindt & Sprüngli stellt neben einer Vielzahl von verschiedensten Tafelschokoladen auch Pralinen her. Dazu kommen saisonale Produkte wie Weihnachtsmänner oder Osterartikel. Zunehmende Bedeutung erhalten Schokoladentafeln mit hohen Kakaoanteilen (> 60 Prozent) oder exotischen Zutaten wie Pfeffer, zerkleinerten Chilischoten oder mit Hafermilch. In diversen europäischen Ländern bietet Lindt & Sprüngli eine Schokoladen- bzw. Haselnusscreme als Brotaufstrich an. Seit 2020 bietet das Unternehmen auch Vegane Schokolade unter der Marke "Hello Vegan" an. Seit 2021 produziert Lindt Schokolade, welche neben Kakaopulver aus Kakaobohnen auch Pulver aus dem Fruchtfleisch der Kakaofrucht verwendet und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich entwickelt wurde.
Seit 2026 sind die Produkte von Lindt & Sprüngli von der Rainforest Alliance zertifiziert. Zuvor wurden die Produkte von keiner externen Stelle nach Nachhaltigkeits- und Sozialkriterien zertifiziert.Ben Cooper: Sustainability Watch – Interview with Piera Waibel, Lindt & Sprungli. just-food.com vom 2. Januar 2014. Nach Unternehmensangaben seien jedoch 79 % aller Kakaobohnen extern verifiziert worden und man habe seit 2005 mit einem eigenen Partner in Ghana direkt zusammen gearbeitet, der lückenlose Rückverfolgbarkeit ermögliche.
Goldhase mini|Verschiedene Goldhasen Der Goldhase ist ein Hohlkörper aus Schokolade in Form eines sitzenden Hasen, der für die Osterzeit hergestellt wird. Er hat neben einer goldfarbenen Verpackung ein Glöckchen an einem meist roten Halsband. Das Produkt wurde erstmals 1952 in Deutschland verkauft und wird in über 60 Ländern vertrieben. Lindt. Abgerufen am 25. März 2018. In über 50 Ländern werden jährlich etwa 150 Millionen Goldhasen hergestellt.
Der Goldhase wird in den Grössen 10 g, 50 g, 100 g, 200 g, 500 g und 1000 g sowie in den Sorten Vollmilch (rotes Halsband), Edelbitter (braunes Halsband) und (meist die 100-g-Versionen) Nuss (grünes Halsband), Pistazie (hellgrünes Halsband), Keks (gelbes Halsband mit Punkten), aus weisser Schokolade (cremefarbenes Halsband), weisser Schokolade mit Erdbeeren (rosa Halsband) und vegan (grünes Halsband mit gelber Einfassung oben und unten) produziert. Darüber hinaus sind verschiedene Merchandise-Artikel wie Kleidung, Geschirr, Schlüsselanhänger oder ein Goldhase als Kuscheltier erhältlich.
Lindt & Sprüngli hat den Goldhasen im Jahr 2000 in der EU und ein Jahr später in Deutschland als Marke eintragen lassen.Richter lehnt Monopol für Lindt-Goldhasen ab. Zeit Online, 28. März 2013, abgerufen am 25. März 2018. Darauf stützend ging das Unternehmen in den anschliessenden Jahren gegen ähnliche Produkte anderer Hersteller rechtlich vor. Siehe dazu den Abschnitt Rechtsstreitigkeiten.
Eine Sonderedition des Goldhasen erschien 2022 anlässlich seines 70. Geburtstages. Der bekannte Goldton wurde in der Sonderedition durch eine glitzernde Hologramm-Folie ersetzt. Weiterhin erschien auch eine Version in Roségold.
Produktkritiken Das Schokoladenmagazin Chclt.net vergibt an Lindt-Schokoladen Geschmacksbenotungen zwischen 71 und 90 (aus 100) Punkten und merkt eine geschmackliche «Familienähnlichkeit» an.Lindt-Schokoladen im Test Chclt.net, abgerufen am 21. Februar 2021. Der deutsche Schokoladenkritiker Georg Bernardini bewertet die Qualität der getesteten Lindt-Produkte zusammenfassend mit nur 2 von 6 möglichen Punkten und bemängelt die teilweise Verwendung naturidentischer Aromastoffe, lobt allerdings die «Kreativität der Produktentwickler» des Unternehmens.Bernardini, Georg: Der Schokoladentester. Die besten Schokoladen und Pralinen der Welt. Was dahinter steckt und worauf wir gerne verzichten (Bonn 2012), S. 390–392, ISBN 978-3-00-039820-9. Der Preis der Hasen und Häschen sorgte 2026 für Ärger bis hin zum Aufruf zum Boykott in einigen Medien.
Rechtsstreitigkeiten Der Oberste Gerichtshof in Wien hat am 26. März 2012 in einem insgesamt zehn Jahre dauernden Streit gegen den österreichischen Hersteller Hauswirth entschieden, dass der Goldene Schokohase mit roter Schleife, auch Goldhase genannt, in der Form nur noch von Lindt & Sprüngli in Österreich verkauft werden darf. Am 24. Mai 2012 unterlag Lindt & Sprüngli am Europäischen Gerichtshof bei dem Versuch, den Goldhasen europaweit als Marke schützen zu lassen. Das Unternehmen konnte in dem seit 2004 laufenden Antragsverfahren nicht nachweisen, dass der europäische Durchschnittsverbraucher vom Äusseren des Hasen auf dessen Hersteller schliesse. Ein Schutz in der gesamten EU war daher nicht möglich.
Am 28. März 2013 wies der Bundesgerichtshof in Karlsruhe eine Nichtzulassungsbeschwerde von Lindt & Sprüngli gegen eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main zurück, der zufolge die fränkische Firma Riegelein ebenfalls einen Schokoladenhasen vertreiben dürfe, der sich in Sitzposition befindet. Der deutsche Hersteller bietet seinen Hasen in einer etwas dunkleren, bronzefarbenen Folie an. Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs wurde eine Verwechslungsgefahr zwischen den beiden Produkten endgültig verneint.Goldhase von Lindt muss Konkurrenz dulden. welt.de, 28. März 2013.
Am 18. Dezember 2012 wurde bekannt, dass Lindt & Sprüngli in einem Verfahren vor dem Landgericht Köln gegen das Unternehmen Haribo wegen der Ähnlichkeit des Schokoladenbären «Lindt-Teddy» mit den Haribo Goldbären unterlag und den Schokobären deshalb aus dem Handel nehmen muss. Im April 2014 hob das Oberlandesgericht Köln jedoch das Urteil auf, sodass die Bären vorerst weiterverkauft werden dürfen.Schoko-Teddy sieht Goldbär nicht zu ähnlich. Handelsblatt vom 11. April 2014. Abgerufen am 20. Januar 2015.