mini|Meinerzhagen Meinerzhagen ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt im Westen des Sauerlands und gehört zum Märkischen Kreis. Im Landesentwicklungsplan ist Meinerzhagen als Mittelzentrum mit zentralörtlicher Bedeutung ausgewiesen. Die Stadt ist geprägt durch eine lange Tradition metallverarbeitender Betriebe, aber auch durch ihr Angebot für den Fremdenverkehr.
Geografie Geografische Lage Meinerzhagen liegt im Süden des Märkischen Kreises und im Westteil des Sauerlands. Hier beginnt das in nordwestlicher Richtung verlaufende Volmetal. Nach Osten hin erstreckt sich das Ebbegebirge. Westlich grenzt das Gemeindegebiet an das Bergische Land. Die wichtigsten Verkehrswege sind die A 45 („Sauerlandlinie“) mit der Anschlussstelle Meinerzhagen und die B 54.
Am Südostrand der Gemeinde auf entspringt die Volme, die 49,8 km weit nach Norden fließt und in Hagen in die Ruhr mündet. Unweit der Volmequelle entspringt die Agger, die nach Süden fließt und bei Siegburg in die Sieg mündet. Auch ihr Zufluss Hesmicke fließt durch das Stadtgebiet. Im Norden des Stadtgebietes entspringt die Verse, ein Zufluss zur Lenne. Weitere Wasserläufe sind die Lister und die Ihne, die in den Biggesee münden. Knapp jenseits der westlichen Stadtgrenze, bei Marienheide-Börlinghausen, entspringt die Wipper, die im späteren Verlauf Wupper heißt.
Die höchste Erhebung im Stadtgebiet liegt mit Höhe nahe der Nordhelle bei Valbert. Die Nordhelle ist die höchste Erhebung im Märkischen Kreis. Der niedrigste Punkt im Stadtgebiet liegt mit in der Ortschaft Niederbadinghagen.
Die vielen Flussläufe und Talsperren in und um Meinerzhagen bilden zahlreiche Wasserschutzgebiete. In ihnen wird Trinkwasser gewonnen, vor allem für den Bedarf im Ruhrgebiet. Sie stellen aber auch Anziehungspunkte für Wanderer und – soweit erlaubt – Badegäste dar.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Süden im Uhrzeigersinn): Drolshagen, Gummersbach, Marienheide, Kierspe, Lüdenscheid, Herscheid, Attendorn. Nur wenige Kilometer von der Stadtgrenze entfernt liegen Olpe, Bergneustadt und Plettenberg.
Ausdehnung des Stadtgebiets Die Stadt selbst macht nur einen geringen Teil des Gemeindegebiets aus. Weite Teile dieses Gebietes unterliegen land- und forstwirtschaftlicher Nutzung und machen seine ländliche Prägung aus.
Stadtgliederung Etwa 4/5 der Einwohner von Meinerzhagen leben in der Kernstadt. Der größere Teil der übrigen Einwohner lebt in Valbert. Der restliche Teil entfällt auf eine große Zahl von Dörfern und Ortschaften. Im Folgenden werden die Stadtteile und Ortslagen von Meinerzhagen in alphabetischer Reihenfolge genannt:
Am Lingelchen An der Hardt Baberg Badinghagen Beckerhof Berg Berlinghausen Beutringhausen Blomberg Börlinghausen Bomme Borneck Brachtenberg Breddershaus Buntelichte Buschhausen Buschhöh Butmicke Darmche Denndorf Drögenpütt Dürhölten Ebberg Echternhagen Eckertsmühle Eick Elminghausen Eseloh Eulenberg Freisemicke Fumberg Genkel Gerringhausen Gräfingholz Grotewiese Grünenbecke Grünental Grünewald Güntenbecke Häusger Mühle Hahnenbecke Hardenberg Hasendenn Haumche Haumchermühle Haustadt Heed Heerhof Hemcherhagen Herberg Herringhausen Herweg Hesselbecke Hinter der Höh Höh Hösinghausen Hohenhengstenberg Hohlinden Holbecke Hülseberg Hunswinkel Ihne Imhausen Ingemert Ingemerterhammer Ingemertermühle Ingemertstraße Kittmicke Korbecke Kotten Kropplenberg Krummenerl Langenohl Lengelscheid Lesmicke Listerhammer Listringhausen Meinerzhagen Mettgenberg Mittel-Worbscheid Mittelhagen Möllsiepen Mühlhofe Neu-Grünental Neuemühle Neuhohlinden Niederbadinghagen Niederhengstenberg Nocken Nordhellen Ober-Worbscheid Oberingemert Österfeld Ohl Pütthof Redlendorf Reuen Rinkscheid Rollsiepen Rosenburg Schaffeld Schallershaus Scherl Scherlerwieden Schleifkotten Schlenke Schlund Schmittepaul Schnüffel Schoppen Schürfelde Schwenke Sebastopol Sellenrade Siepen Sinderhauf Sinderhof Singerbrink Spädinghausen Steinsgüntenbecke Steinsmark Stoltenberg Sulenbecke Sundfeld Tarrenbrink Unter-Worbscheid Unterm Berge Valbert Vestenberg Volmehof Vorderhagen Voßsiepen Wehe Weißenpferd Werkshagen Werlsiepen Westebbe Wickeschliede Wiebche Wiebelsaat Wieden Wilkenberg Willertshagen Windebruch Winzenberg Wormgermühle
Wüstung Harkenstiel ist die Wüstung einer ehemaligen Hofschaft.
Geschichte mini|Innenstadt mini|hochkant|Eingangsportal mit Inschrift Amt Meinerzhagen mini|Evangelische Jesus-Christus-Kirche und katholische Pfarrkirche St. Maria Immaculata mini|Stadthalle Der Überlieferung nach soll Meinerzhagen seinen Namen von dem Einsiedlermönch Meinhardus erhalten haben, was sich allerdings nicht belegen lässt. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1067, ist wahrscheinlich aber erst 100 Jahre später entstanden. Laut dieser Urkunde schenkte der Erzbischof Anno II. von Köln der Stiftskirche des heiligen Georg jährlich fünf Pfund in kölnischer Währung vom Zehnten in Meinerzhagen. In einer weiteren Urkunde von 1174 übernahm Graf Engelbert I. von Berg die Einziehung des Zehnten der Pfarrei zu Meinerzhagen. Um 1220 entstand die spätromanische, dreischiffige Emporenbasilika in rheinischem Stil. Meinerzhagen wurde ein Marienwallfahrtsort. Zu dieser Zeit lag es an der wichtigen Heidenstraße, auch Köln-Kassler-Landstraße genannt, die seit dem 8. Jahrhundert Köln und Kassel verband und von dort aus weiter nach Leipzig führte.
Meinerzhagen wurde mit der Burg Waldenburg und Drolshagen am 20. Januar 1248 von Mechthild von Sayn für 2000 Mark an den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden verkauft.
1311 ließ Graf Engelbert II. von der Mark wegen ständiger Gebietsstreitigkeiten um Meinerzhagen als symbolischen Akt ein von Erzbischof Heinrich II. errichtetes Kreuz umstürzen. Ab etwa 1440 bis 1460 wechselte der Ort wegen des Bruderzwistes zwischen den Grafen Adolf und Gerhard von der Mark mehrmals den Besitzer.
1567 wurde die Reformation durch Friedrich Beurhaus, Gottfried Zimmer und Christoph Bech eingeführt. Die Verfolgung von Hexen war weniger ausgeprägt als im Herzogtum Westfalen. Die Pest und der Dreißigjährige Krieg forderten 1634 zahlreiche Opfer. 1640 verlor Ulrich Christian von Gyldenlöve, ein Sohn des Dänenkönigs Christian IV., in einem Gefecht mit niederländischen Truppen in Meinerzhagen sein Leben.
1765 verlieh der preußische König Friedrich II. Meinerzhagen die Stadtrechte. 1846 wurde das Amt Meinerzhagen zur gemeinsamen Verwaltung von Meinerzhagen und Valbert errichtet. 1865 wurden Meinerzhagen die Stadtrechte wieder aberkannt. In den Jahren 1797, 1894 und 1913 zerstörten Großbrände jeweils große Teile des Ortes.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der märkische Teil des Sauerlands ein wichtiges Zentrum der frühindustriellen Entwicklung. Der Raum Iserlohn-Lüdenscheid-Altena gehörte zu den weltweit größten montanindustriellen Zentren der damaligen Welt. Während das kurkölnische Hochsauerland in Folge des Kulturkampfes bis zur Zeit des Nationalsozialismus politisch von der klassenübergreifenden katholischen Zentrumspartei dominiert blieb, entwickelte sich im märkischen Sauerland früh die sozialistische Arbeiterbewegung. Schon während der europaweiten bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 kam es zum Iserlohner Aufstand von 1849. Die Entwicklung der Arbeiterbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts strahlte auch nach Meinerzhagen aus. Die Fertigstellung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn im Jahre 1892 begünstigte die industrielle Entwicklung. Die lohnabhängigen Industriearbeiter arbeiteten vor allem in den Meinerzhagener Metallwerken Sassenberg und Co., aus denen 1910 die Meinerzhagen bis heute prägenden Otto-Fuchs-Werke entstanden.
Während der Novemberrevolution von 1918 bildeten gut eine Woche nach dem Kieler Matrosenaufstand und der Gründung des ersten revolutionären Arbeiter- und Soldatenrats in Deutschland auch in Meinerzhagen Arbeiter aus der USPD und SPD am 12. November 1918 mit Unterstützung aus Lüdenscheid einen Soldatenrat, der – wie die Meinerzhagener Zeitung am 14. November 1918 berichtete – nach einer „zusammengerufenen Versammlung im Kaisersaal“ von den „Genossen Carl Groll, Emil Groll, Nathan Stern, Emil Stern, Willy Kohl, Fritz Kohl jr., Ernst Keßler und Hugo Vedder“ gebildet wurde.Vgl. auch Dietmar Simon: Arbeiterbewegung in der Provinz. Soziale Konflikte und sozialistische Politik in Lüdenscheid im 19. und 20. Jahrhundert, Essen: Klartext Verlag, S. 228–234.
In der Zeit der Weimarer Republik bildete sich im protestantischen Teil des Sauerlands bald jedoch auch eine faschistische Bewegung heraus. In den umliegenden Städten waren schon früh Ortsgruppen der NSDAP gegründet worden: u. a. 1921/23 in Menden, 1923 in Lüdenscheid,friedensgruppe-luedenscheid.de. 1926 in Plettenbergalt-plettenberg.de. und in Halver sowie um etwa dieselbe Zeit in Herscheid und Werdohl. In Meinerzhagen entstanden die NS-Organisationen mit der Unterstützung der Plettenberger NSDAP, die schon in den späten 1920er Jahren Heinrich Himmler, den antisemitischen Pastor und NSDAP-Reichsredner Ludwig Münchmeyer und den späteren Reichsminister des Innern Wilhelm Frick zu Reden eingeladen hatte und mit der Meinerzhagener NSDAP nun ähnliche Veranstaltungen organisierte. Dennoch blieben vor dem Hintergrund der Bedeutung der metallverarbeitenden Industrie im Kreis Altena, zu denen das Amt und die Gemeinde Meinerzhagen in dieser Zeit gehörten, bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise v. a. die marxistischen Arbeiterparteien SPD und später die KPD stark. Insbesondere seit 1928 sank die von Anfang an relativ geringe Bedeutung der bürgerlich-rechtskonservativen DNVP, der linksliberalen DDP und des klassenübergreifend-katholischen Zentrums. Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise stieg bei der Reichstagswahl 1930 die Zahl der NSDAP-Wähler im Kreis Altena von 933 auf 11.956 um mehr als das Zehnfache. Die NSDAP erhielt damit 22,1 % der gültigen Stimmen (3,8 Prozentpunkte mehr als im gesamten Deutschen Reich). Trotzdem verfügten die Arbeiterparteien SPD und KPD mit 27,4 % bzw. 12,1 % als Hauptkonkurrenten der NSDAP im Kreis Altena noch ungefähr über die doppelte Stimmenanzahl (die SPD erhielt 2,9 Prozentpunkte mehr, die KPD einen Prozentpunkt weniger als im Reichsdurchschnitt). Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit einem Stimmenanteil von 40,7 % zum ersten Mal stärkste Partei im Kreis Altena und erhielt dabei 3,4 Prozentpunkte mehr als im Reichsdurchschnitt. Die SPD kam auf 21,8 % der Stimmen (21,6 % reichsweit), während sich die drittstärkste KPD auf 15,2 % der Stimmen (14,3 % reichsweit) verbesserte. Bei der letzten Reichstagswahl vor der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 6. November 1932 sank der Stimmenanteil der NSDAP auf 36,7 % (33,1 % reichsweit), SPD und KPD kamen auf 19,3 % bzw. 19,1 % (20,4 % bzw. 16,9 % reichsweit).