mini|alt=Leuchtdiodenampel in Örnsköldsvik, Schweden|Schwedischer Lichtsignalgeber
mini|hochkant|Verkehrsturm am Potsdamer Platz in Berlin mit der ersten Ampelanlage Deutschlands, in Betrieb genommen im Dezember 1924 mini|hochkant|Zeichen 131 der StVO – Lichtzeichenanlage (Deutschland)
Ampel (von „kleine Flasche [speziell für Salben und Öle]“,Ampel. In: Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. (zeno.org). spätere übertragene Bedeutung „Leuchte“) ist die allgemeinsprachliche Bezeichnung für einen Signalgeber einer Lichtsignalanlage (LSA) oder Lichtzeichenanlage (LZA). Die Bezeichnung steht zudem für die „Ampelanlage“ als Ganzes. Diese dient der Steuerung des Straßen- und Schienenverkehrs. Ampeln ordnen für Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten an, indem sie gesteuerte Signale abgeben. Diese nach Form und Farbe verschiedenartigen Verkehrszeichen haben jeweils eine andere Bedeutung und wirken nur für die jeweilige Geh- oder Fahrtrichtung des zu regelnden Verkehrs.
Bezeichnung Rechtliche Bezeichnung
In den verkehrsrechtlichen Verordnungen der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Verkehrsampel unterschiedlich bezeichnet. So wird sie als Verkehrseinrichtung in Deutschland nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) als Lichtzeichenanlage (LZA) bezeichnet. In der österreichischen Straßenverkehrsordnung () und in der Signalisationsverordnung (SSV) zum Schweizer Strassenverkehrsgesetz wird die Bezeichnung Lichtsignalanlage (LSA) verwendet.
Der in der deutschen StVO verwendete Begriff Lichtzeichenanlage hat in Österreich eine rechtlich andere Bedeutung, da er nach dem österreichischen Eisenbahngesetz nur Anlagen an Eisenbahnkreuzungen bezeichnet.
In der deutschen StVO erfolgt zudem in eine Unterteilung nach Wechsellichtzeichen, Dauerlichtzeichen und Grünpfeil. Als Ampel wird dabei gewöhnlich ausschließlich ersteres bezeichnet.
Technische Bezeichnung
In technischen Regelwerken in Deutschland (Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen) und in der Schweiz (Schweizer Normen (SN) des Schweizerischen Verbands der Straßen- und Verkehrsfachleute) ist der Begriff Lichtsignalanlage gebräuchlich. In Österreich (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (RVS 05.04.3) der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr) wird die genauere Bezeichnung „Verkehrslichtsignalanlage“ (VLSA) verwendet. Die Abkürzung LSA ist jedoch in Österreich unter Fachleuten ebenso wie in Deutschland und in der Schweiz üblich.
Umgangssprachliche Bezeichnungen
Die in der Alltagssprache für eine Lichtsignalanlage verwendeten Begriffe „Ampelanlage“ oder kürzer „Ampel“ gehen auf die ähnlichen Hängeleuchten zurück, die man früher ebenfalls als Ampeln bezeichnete, mehr dazu unter Etymologie. Die ersten Signalgeber waren an Drahtseilen hängend über dem Mittelpunkt der Kreuzung befestigt (Heuerampel) und erinnerten so an Hängeleuchten. Im Laufe der Zeit trat die Wortbedeutung als Verkehrsampel immer mehr in den Vordergrund. Vor allem bei Anbringung oberhalb des Straßenkörpers findet man auch heute noch häufig eine hängende Befestigung, in einigen Regionen auch weiterhin pendelnd an Drahtseilen.
Die umgangssprachlich verwendete Bezeichnung Ampel diente als Quelle von weiteren Wortschöpfungen in der deutschen Sprache. So lassen sich die Begriffe Ampelkoalition oder die Ampel als Lebensmittelkennzeichnung auf die drei Ampelfarben zurückführen.
Wegen der vielfältigen offiziellen Bezeichnungen wird hier im Artikel meist das umgangssprachliche Synonym Ampel verwendet.
Etymologie des Wortes Ampel
mini|hochkant|Ampel mit Ewigem Licht in einer katholischen Kirche mini|hochkant|Beamter mit einem manuell betriebenen Verkehrszeichen, Philadelphia, 1922
Der Begriff Ampel ist eine Entlehnung aus (eigentlich , dann ) „kolbenförmiges Gefäß mit zwei Henkeln, kleine Flasche“ (siehe Ampulle und Pulle), einem Diminutiv von lateinisch „zweihenkliges Tongefäß“ (mit Nebenform ), das selbst dem gleichbedeutenden altgriechischen entlehnt ist. Als Ampel – , , – wurde zunächst ein „kleines Gefäß für Öl oder andere Flüssigkeiten“ bezeichnet, meist zu geweihtem Gebrauch bestimmt, im Mittelalter vor allem das Ewige Licht in der Kirche (ein von der Decke herabhängendes, fortwährend brennendes Öllämpchen) und vom 14. Jahrhundert an die Lichtquelle im Hause (dort seit dem 16. Jahrhundert mit „Lampe“ konkurrierend). Früher waren auch manuell betriebene Verkehrszeichen im Einsatz.
Eine Neubelebung erfuhr der Begriff Ampel als Kurzwort für Verkehrsampel im 20. Jahrhundert. –
Geschichte
mini|links|Verkehrsturm am Potsdamer Platz im Jahr 1930
Die erste Lichtsignalanlage der Welt wurde am 10. Dezember 1868Traffic Lights in the UK in London auf dem Parliament Square aufgestellt. Sie wurde mit Gaslicht betrieben und explodierte nach kurzer Zeit.
Erst nach der Verbreitung des elektrischen Lichts in den Großstädten wurden ab 1912 wieder Lichtsignalanlagen zur Verkehrsregelung aufgestellt. Die am 5. August 1914 installierte Lichtsignalanlage in Cleveland, USA, gilt als erste elektrische Verkehrsampel der Welt und hatte nur zwei Lampen, rot und grün. Die ersten dreifarbigen Lichtsignalanlagen hielten 1920 in Detroit und New York Einzug. In Europa wurde die erste dreifarbige Lichtsignalanlage – mit noch mechanischer Steuerung – 1922 in Paris (Rue de Rivoli/Boulevard de Sébastopol) eingerichtet.
In Deutschland ging die erste Lichtzeichenanlage mit dem Verkehrsturm am Potsdamer Platz in Berlin am 15. Dezember 1924 in Betrieb.15. Dezember 1924: Abnahme des Verkehrsturms durch die städtische Baupolizei, der erste Beamte besteigt den Turm In: Vossische Zeitung, 3. Januar 1925, Auslandsausgabe, S. 1, abgerufen am 3. Juni 2019. Am 23. November 1925 folgten weitere Anlagen an drei Kreuzungen der Leipziger Straße (Wilhelmstraße, Mauerstraße und Friedrichstraße). Um 1933 existierten auf der Potsdamer Straße bereits sieben, auf der Leipziger Straße acht Ampeln.BZ-Karte (Sonderkarte) B Groß-Berlin, herausgegeben von der B.Z. am Mittag, digitalisiert auf Landkartenarchiv.de; laut Jahresangabe ungefähr von 1938, wegen Straßennamen wie Reichskanzlerplatz und Platz der Republik, die bereits im Frühjahr 1933 geändert wurden, eindeutig älter.
Die erste Lichtzeichenanlage Hamburgs wurde am 14. November 1925 an der Kreuzung Mönckebergstraße und Steintorwall in Betrieb genommen; entwickelt wurde sie vom Hamburger Ingenieur Paul Arnheim. Wenige Monate später folgten weitere, unter anderem am Stephansplatz, dessen Verkehr bis dahin von sechs mit jeweils zwei Polizisten besetzten Posten geregelt worden war.1925: Hamburgs erste Ampel geht in Betrieb, Hamburger Morgenpost vom 8. Februar 2016 (Archivversion). In der Quelle ist irrtümlich vom Glockengießerwall die Rede, der aber die Mönckebergstraße gar nicht kreuzt, gemeint ist der Steintorwall! Für die an einigen Stellen erwähnte Aussage, dass die erste Ampel Deutschlands bereits 1922 am Hamburger Stephansplatz aufgestellt wurde, gibt es keinen nachprüfbaren und plausiblen Beleg.
1925 folgten Mailand (Piazza Duomo) und Rom (Via del Tritone/Via Due Macelli), 1926 London (Piccadilly Circus) und Wien (Opernkreuzung), 1927 München (Bahnhofsplatz) und Prag (Hybernská/Dlážděná/Havlíčkova), 1928 Den Haag (Niederlande), Bremen (Brill), Essen (Alfredstraße/Bismarckstraße) und Nürnberg (Königstor), 1929 Barcelona, 1930 Frankfurt am Main (Kaiserstraße/Neue Mainzer Straße), Leningrad, Moskau und Tokio, 1931 Hannover (Kröpcke). Kleinere Großstädte wie Braunschweig und Krefeld (1951), Basel,query.staatsarchiv.bs.ch Helsinki (1952), Luzern (1952), Gelsenkirchen (1953), Heilbronn (1954) und Bremerhaven (1957) erhielten ihre ersten Lichtsignalanlagen in den 1950er Jahren.
Weil sich die Verkehrsteilnehmer erst allmählich an Ampeln gewöhnten und ihre Verbindlichkeit anfangs nicht ernst nahmen, gab es Erfindungen, die das optische Signal durch ein akustisches unterstrichen, wie diese eines Londoner Ingenieurs:
Verwendung
mini|Behelfsampel (Deutschland)
Der Einsatz von Ampelanlagen hat unterschiedliche Gründe, beispielsweise um den Verkehrsfluss zu regeln und gefährliche oder gefahrenträchtige Verkehrssituationen zu unterbinden (Verkehrssicherheit). Im Straßenverkehr sind dies Kreuzungen und Einmündungen sowie Engstellen, zum Beispiel bei Baustellen oder Brücken.
Kreuzungen und Einmündungen
Ampeln werden aus folgenden Gründen an Kreuzungen oder Einmündungen (Knotenpunkten) eingesetzt: Die Anlage kann der Optimierung des Verkehrsflusses dienen. Bei hohen Verkehrsdichten, beispielsweise bei mehreren Fahrstreifen oder Fahrbahnen pro Richtung, erlauben Ampelanlagen die beste Kontrolle des Verkehrsdurchsatzes. Sie können zur Entschärfung von Gefahren an komplizierten oder unübersichtlichen Kreuzungen beitragen. Bei Knotenpunkten mit mehr als vier Richtungen kann die Regelung mit Verkehrsschildern unklar oder unübersichtlich sein und zu Unfällen führen. Eine Lichtzeichenanlage vereinfacht solche Situationen durch klare Anweisungen, eventuell ergänzt durch zusätzliche Warnlichter, beispielsweise wenn dem Gegenverkehr Vorrang gewährt werden muss. An Kreuzungen mit entsprechendem Verkehrsaufkommen, an denen aus Platzgründen kein Kreisverkehr eingerichtet werden kann, können sie eingesetzt werden. An Baustellen und bei Kranarbeiten werden mobile Ampeln für die Verkehrssicherung eingesetzt. Mobile Ampeln gehören zur Verkehrstechnik. mini|alternativtext=mobile Ampel zur Verkehrssicherung und Baustellensicherung.|Mobile Ampel
Nur für Kreuzungen oder Einmündungen mit schnellen und starken Kfz-Verkehren oder Straßenbahntrassen oder ähnlich geregelte Busspuren sind Lichtsignalanlagen im Straßenverkehr erforderlich bzw. nur hier haben sie sich als Standard durchgesetzt. Auch bei sehr hohen Fuß- oder Radverkehrsaufkommen sind sie nicht erforderlich, bzw. nur an deren Kreuzungsstellen mit Kfz- oder Bahnverkehr.
Fußgängerverkehr
Um Fußgängern ein sicheres Überqueren von verkehrsreichen Fahrbahnen auf Straßen zu ermöglichen, werden Fußgängersignalanlagen (auch „Fußgängerschutzanlagen“ genannt) eingesetzt. Diese Anlagen werden häufig mit einer Anforderung (fast immer per Knopfdruck) durch die Fußgänger betrieben. Dabei sind Varianten möglich, bei denen die Signalgeber für den Fahrzeugverkehr in der Grundstellung auf „Dunkel“ geschaltet sind. Nach Anforderung durch den Fußgänger schalten die Fahrzeugsignale von Dunkel über Gelb auf Rot.
Die erste auf Anforderung schaltende Fußgängerampel in Deutschland wurde 1937 im Berliner Tiergarten installiert: „Hier kann der Fußgänger, wenn er die Fahrbahn überschreiten will, die Ampel selbst durch Auslösen eines Kontaktes auf Rot einschalten und damit den ganzen Fährverkehr auf der Hauptstraße, der durch den Tiergarten führt und außerordentlich stark ist, vorübergehend zum Halten bringen. Bekanntlich ist der Fußgängerverkehr in diesen Parkanlagen äußerst gering. Auf diese Weise wird der Verkehr nicht unnötig gestoppt.“