Kierspe ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie liegt im westlichen Sauerland und gehört zum Märkischen Kreis.

Geographie mini|Luftbild mit Blick Richtung Osten. Unten mittig im Bild: Ortsausfahrt Pulverstraße / K 2 Richtung Rönsahl. mini|Sperrmauer der Kerspetalsperre

Geographische Lage Die Stadt Kierspe ist eine Flächengemeinde im südwestlichen Westfalen in der Grenzlage zwischen dem Bergischen Land und dem Sauerland. Durch die auseinandergezogene Lage des Ortes entlang der B 54, B 237 und der L 528 und aufgrund der Topografie ergibt sich eine städtebaulich ungünstige Ausgangssituation für das Ortszentrum.

Kierspe hat eine mittlere Höhenlage von 370 m über NN mit zum Teil erheblichen Abweichungen. Der höchste Punkt liegt mit 553 m über NN an der nördlichen Stadtgrenze, der tiefste im Volmetal bei 280 m über NN.

Kierspe liegt im westlichen Zipfel des Ebbegebirges, südlich des Stadtgebietes grenzt der Naturpark Bergisches Land an. Das westliche Stadtgebiet um die ehemalige Gemeinde Rönsahl gehört zur naturräumlichen Einheit Wipperquellgebiet innerhalb der Bergischen Hochflächen, das mittlere und östliche Stadtgebiet zur Kiersper Bucht innerhalb des Märkischen Oberlands. Der äußerste Nordwestzipfel des Stadtgebiets zwischen Rönsahl und der Kerspetalsperre zählt naturräumlich noch zum Bever-Neye-Kerspe-Rückenland, der Norden zu den Halver-Lüdenscheider Hochflächen. Am Naturraum Griesingrücken des Ebbegebirges hat der östliche Rand des Stadtgebiets einen größeren Anteil.Martin Bürgener: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Blatt 110: Arnsberg 1969 (Digitalisat der zugehörigen Karte, PDF; 5,9 MB). Nördlich der ehemals selbstständigen Gemeinde Rönsahl bildet die teilweise auf Kiersper Stadtgebiet liegende Kerspetalsperre eine Grenze zu Halver, der Fluss Wehe bildet östlich der Ortslagen Höhlen und Friedrichstal eine Grenze zu Meinerzhagen. Gespeist wird die Trinkwassertalsperre unter anderem durch den Hauptfluss die Kerspe und kleinere Flüsse wie den Antlenbach und den Erlenbach. Im nördlichen Stadtgebiet liegt die Jubachtalsperre, die ebenfalls der Trinkwasserversorgung dient. Durch das nördliche Stadtgebiet fließt die Volme, die südöstlich von Meinerzhagen kommt und das Stadtgebiet kurz nach der Ortslage Rhadermühle nördlich wieder verlässt. Rönsahl und Lingese fließen durch das südliche Stadtgebiet.

Flächennutzung

Von den 7.163 Hektar (ha) Gemeindefläche entfallen 769 ha auf Siedlungs- und Verkehrsflächen (10,7 % der Gesamtfläche), 3396 ha auf Wald (47,4 % der Gesamtfläche), 2884 ha auf landwirtschaftliche Flächen (40,3 % der Gesamtfläche) sowie 114 ha auf Wasser- und sonstige Flächen (0,2 % der Gesamtfläche).

Nachbargemeinden Kierspe grenzt im Nordwesten an Halver, im Norden an Lüdenscheid und im Osten an Meinerzhagen. Diese Kommunen gehören wie Kierspe zum Märkischen Kreis. Im Süden und Südwesten grenzt die Gemeinde an den Oberbergischen Kreis mit Marienheide (S) und Wipperfürth (SW).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet ist nicht in Ortsteile gegliedert.Hauptsatzung der Stadt Kierspe in der Fassung vom 12. Februar 2021 (PDF; 122 kB), abgerufen am 9. Juli 2026.

Kierspe ist räumlich unterteilt in den alten Ortskern um die Margarethenkirche, das „Dorf“, die Ortschaft Rönsahl und die im Volmetal gelegene Ortslage „Bahnhof“. Mit Anschluss des Ortes an die Bahnstrecke entstand seinerzeit diese jüngere Ortlage.

Ortslagen von Kierspe (Aufzählung unvollständig): mini|Ortsdurchfahrt (K44) Höhlen mini|Benninghausen Antlenberg Auf der Mark Bahnhof Becke Beckinghausen Beerenburg Belkenscheid Benninghausen Berken Berkenbaum Berkermühle Blechen Börlinghausen Bollwerk Bordinghausen Brake Breye Bruch Bungenroth Burg Bürhausen Dorf Dorn Dornensiepen Dörscheln Düren Dürenerhaus Eicken Eickener Mühle Eickerhof Eickmannsholt Elbringhausen Eltinghausen Feld Felderhof Fernhagen Friedrichstal Glietenberg Grünenbaum Grünenschlade Gut Haarbecke Haarhausen Halzenbach Hammecke Haustätte Hemecke Herlinghausen Hinterste Berg Hinterste Vornberg Höckinghausen Höferhof Höhlen Holt Hölterhaus Hüttebruch Immelscheid In der Grüne In der Mark Kierspehagen Kiersper Wöste Kiersper Löh Kiersper Oberhof Lammecke Linden Lingese Loh Lohfeld Meienborn Mittelheukelbach Mühlenschmidthausen Neue Brücke Neuenhaus Niederhohenholten Nott Oberheukelbach Oberhohenholten Oberhof Ohl Pielenhöhlen Quabecke Rhadermühle Rensiepen Rhinschen Schmidthausen Rönsahl Rönsahler Löh Rönsahler Wöste Romberg Sankel Schleipe Sessinghausen Sprotterhammer Stöcken Thal Varmert Vollme Vorderste Berg Vorderste Vornberg Vornholt Vorth Vortherhammer Wällen Werfelscheid Windfuhr Wolzenburg

Geschichte mini|Haus Rhade Der Name Kierspe wird in einer Schrift des Klosters Werden an der Ruhr zwischen 900 und 1130 erstmals urkundlich erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung des Hauses Rhade geht auf das Jahr 991 zurück, als Heribert, der Kölner Erzbischof, den Herrenhof Rhade, den er 1003 dem Benediktinerstift Deutz schenkte, erwarb.

Die Servatiuskirche in Rönsahl wurde 1260 wahrscheinlich an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. 1330 wurde die hölzerne Kirche im Ortszentrum durch eine Steinkirche ersetzt, an deren Platz heute die zwischen 1816 und 1817 erbaute evangelische Pfarrkirche St. Margaretha steht. Die mittelalterliche Kirche bildete den Mittelpunkt des Ortes. Die ringförmige Straßenführung um die Kirche ist noch heute erkennbar.

Politisch gehörte das Kierspe im Mittelalter und der Frühen Neuzeit zur Grafschaft Mark. Rönsahl lag zunächst im Herrschaftsbereich der Grafen von Berg, ehe der Ort 1367 ebenfalls an die Grafschaft Mark kam. Im Zuge der Reformation dieses Territoriums wurden auch die Einwohner Kierspes seit 1574 protestantisch. Im Spätmittelalter war die so genannte Thingslinde Verhandlungsort eines Femegerichts. In Rönsahl bestand von 1565 bis 1753 ein eigenes Gericht.

Wirtschaftlich bedeutend war schon im Mittelalter die Eisenverarbeitung. Es gab eine Reihe von Hammerwerken im heutigen Stadtgebiet. Ursprünglich basierte dieses Gewerbe auf lokalen Erzvorkommen. Eine Eisenhütte an der Jubach wurde vor einigen Jahren archäologisch untersucht.Hans Ludwig Knauer: Nachdem diese ausgebeutet waren, wurde das nötige Roheisen aus dem Siegerland bezogen. Die Bezeichnung „Eisenstraße“ weist auf diese Vergangenheit hin.

Der Ortsteil Rönsahl erlebte einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung durch die Pulverfabrikation. Davon zeugen noch einige herrschaftliche Villen im Ort. Bekannt wurde das Rönsahler Jagdpulver Diana.ksta.de

mini|Altes Amtshaus mit Bakelitmuseum und Geschäftsstelle der VHS Volmetal Der Beschluss von 1841, Kierspe und Rönsahl zu einem Amt zu erheben, wurde fünf Jahre später in die Tat umgesetzt.

1908 wurde das Amts- und spätere Rathaus Kierspe fertiggestellt. Nach vierjähriger Bauzeit wurde 1913 die Kerspetalsperre mit 16 Millionen m³ Stauraum in Betrieb genommen.

Das Amt Kierspe wurde 1968 das Amt zu Gunsten der künftigen Stadt Kierspe aufgelöst. Bereits 1969 wurde in Kierspe die erste Gesamtschule im ländlich-kleinstädtischen Raum Nordrhein-Westfalens gegründet. Im 1986 zog das Rathaus in die ehemalige Zentrale der Schraubenfabrik Knipping ein.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 128.

Seit 2012 läuft zusammen mit Halver, Schalksmühle und Meinerzhagen das Regionale Projekt Oben an der Volme. Die Gelder kommen zum Großteil von der Bundesrepublik und vom Land NRW. Beim Projekt soll es zu einer Stadtkernaufwertung in den vier Städten kommen. Die Volmetalbahn soll wieder für den Personenverkehr durchgängig aktiviert werden und der Volmetalradweg gebaut werden. Eine Kunst- und Kulturachse Art Volmetal ist in Entstehen. In Kierspe wurde der Volme-Freizeitpark gebaut. Im Projektgebiet soll es zur Revitalisierung der Volme im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie der EU kommen. Das Flussbett der Volme soll dabei renaturiert und der ökologische Wert deutlich erhöht werden. Homepage Bezirksregierung Arnsbergoben-an-der-volme.de Homepage Oben an der Volme

Eingemeindungen Die Stadt in den heutigen Grenzen entstand unter anderem im Zuge der kommunalen Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid am 1. Januar 1969: die beiden Gemeinden des Amtes Kierspe, Kierspe und Rönsahl, wurden zusammengefasst und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Lüdenscheid-Land kamen hinzu. Die daraus entstandene Großgemeinde bekam gleichzeitig das Stadtrecht verliehen.§ 7 des Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Altena und der kreisfreien Stadt Lüdenscheid Abgerufen am 27. April 2013. Leichte Veränderungen wurden zum 1. Januar 1975 umgesetzt, als Kierspe mit §12 Köln-Gesetz Teile des Stadtgebiets an Marienheide abtrat und gleichzeitig Gebiete der Gemeinde Klüppelberg (Oberbergischer Kreis) eingliederte.

Einwohnerstatistik mini|hochkant=1.5|Bevölkerungsentwicklung 1975 bis 2012 Die grafische Darstellung der Bevölkerungsentwicklung zeigt einen fast kontinuierlichen Anstieg der Einwohnerzahlen der Stadt Kierspe in den Jahren 1975 bis 2004. Seitdem nimmt die Einwohnerzahl wieder ab.

Jahr Einwohner 1634 2.570 1875 3.513 1905 5.002 1925 6.432 1935 6.899 1950 9.946 1961 10.530 1970 13.500 1974 13.577 1975 13.478 ¹ 1976 13.585 ¹ Jahr Einwohner 1977 13.750 ¹ 1978 13.803 ¹ 1979 14.020 ¹ 1980 14.436 ¹ 1981 14.536 ¹ 1982 14.532 ¹ 1983 14.656 ¹ 1984 14.588 ¹ 1985 14.665 ¹ 1986 14.731 ¹ 1987 14.933 Jahr Einwohner 1988 15.082 1989 15.789 1990 16.257 1991 16.574 1992 17.068 1993 17.416 1994 17.440 1995 17.541 1996 17.638 1997 17.917 1998 18.143 Jahr Einwohner 1999 18.324 2000 18.353 2001 18.299 2002 18.277 2003 18.225 2004 18.292 2005 18.209 2006 17.974 2007 17.772 2008 17.605 2009 17.376 Jahr Einwohner 2010 17.270 2011 17.103 2012 16.139 2013 16.116 2014 16.120 2015 16.300 2016 16.272 2017 16.210 2018 16.137 2019 16.119 2022 16.422

¹ Schätzung Ab 1975 Stichtag 31. Dezember – Landesdatenbank NRWLandesdatenbank NRW – Bevölkerungsstand nach Geschlecht – Gemeinden – Stichtag

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 41,4 % der Einwohner evangelisch, 19,4 % (3.179 Einwohner) römisch-katholisch und 39,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 33,4 % der Einwohner evangelisch, 17,5 % (2.904) katholisch. 49,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 31. Oktober 2024

Laut kirchlicher Statistik hatte Kierspe Ende Dezember 2019 16.119 Einwohner, davon 18,0 % (2.909) Katholiken.Bistum Essen Statistik 2019 Gemeinde St. Josef Seite 64, abgerufen am 16. Juli 2020 Die Zahl der evangelische Gemeindeglieder der Evangelische Kirchengemeinde Kierspe und Rönsahlist ist seit Jahren rückläufig: Von 8.419 Mitgliedern im Jahr 2000 ist sie bis Mai 2026 auf 4.843 gesunken – nahezu eine Halbierung.Wir hätten uns sehr einen anderen Weg gewünscht

Insbesondere getragen von russlanddeutschen Zuwanderern existieren baptistische Gemeinden am Ort.Friedrich W. Stallberg: Russlanddeutsche als Kleinstadtproblem. In: Axel Groenemeyer, Silvia Wieseler (Hrsg.): Soziologie Sozialer Probleme und Sozialer Kontrolle. Wiesbaden 2008, S. 559.

Politik Stadtrat Die Zusammensetzung des Rats der Stadt Kierspe seit 1975 zeigt die Tabelle. Während die SPD von 1975 bis 1994 stärkste Kraft war, ist es seitdem die CDU.