mini|hochkant=1.4|Anfang des Gloria in einem italienischen Choralbuch des 16. Jahrhunderts

Das Gloria (lateinisch „Ruhm“, „Ehre“) ist ein aus der römischen Messe stammender liturgischer Lobgesang. Er findet primär in den westkirchlichen und den davon abstammenden protestantischen Liturgien, seltener in den ostkirchlichen Gottesdiensten Verwendung. Meist bezeichnet er als Kurzform den Hymnus Gloria in excelsis Deo („Ehre sei Gott in der Höhe“). In Abgrenzung zum Gloria patri bezeichnet man ihn auch als „großes Gloria“ bzw. „große Doxologie“. Bei diesen beiden Glorias aus dem 4. Jahrhundert handelt es sich um die geläufigsten Doxologien der christlichen Kirchen.

Trotz der lateinischen Bezeichnung hat es seinen Ursprung im östlichen Christentum.

Der Begriff „Gloria“ bzw. „gloria dei“ Der lateinische Begriff „Ehre“, „Ruhm“, „Herrlichkeit“ ist im Christentum mit der hebräischen „Ehre“, „Herrlichkeit“, urspr. „Schwere“ und der altgriechischen „Ruhm“, „Ehre“, urspr. „Glanz“ gleichzusetzen. In den orthodoxen Kirchen steht er auch für .

Im Alten Testament bezeichnet die gloria dei die äußere Anerkennung der Ehre, die man Gott zuerkennen oder verweigern kann. In eschatologischer Perspektive bezieht sie sich auf die endgültige Verwirklichung seines Herrschaftsanspruchs. Schon in spricht diese Hoffnung aus dem hymnischen Überschwang der Seraphim. Die Hauptbedeutung der Ehre Gottes ist der Ausdruck seines göttlichen Wesens. Mit der zuerkannten Ehre wird dieses Wesen bejaht.

Die gloria dei zeigt das Wesen Gottes in seiner Schöpfung und seinen Taten. In diesem Sinne bezeichnet Calvin die Schöpfung als „Schauplatz der Ehre Gottes“: Sie kann in der Schöpfung gesehen werden, geht aber nicht darin auf.

Auch im Neuen Testament beschreibt die gloria dei primär die Aussage von der göttlichen Wesensart, es handelt sich also um eine Prädikation. Gott die Ehre zu geben geschieht in zweifacher Weise: In einer im Handeln vollzogenen Bejahung oder als lobpreisende Feststellung (Doxologie) dessen, was er ist. Diese Gottesprädikation wird im Neuen Testament auf Jesus Christus übertragen und streng christologisch ausgerichtet. Dabei überwiegt der Blick auf die Parusie und wird explizit auf die kommende Herrlichkeit des erhöhten Christus bezogen. Die gloria dei ist irdisch nur im Glauben sichtbar. Sie entsteht aus Jesu Tod: Die in Christus inkarnierte gloria dei ist als Verwirklichung der Liebe, Gnade und Wahrheit zu verstehen, die am Kreuz in entscheidender Weise offenbart und darin soteriologisch akzentuiert wird. Das Vertrauen auf die verheißene Lebensgemeinschaft mit Gott kann nur als andeutender Hinweis auf die Situation der theologie gloriae zur Sprache können. Diese Situation kann im Horizont des Vorletzten nur mit dem totaliter aliter des eschatologischen Vorbehalts signalisiert werden.

Dass die Ehre einem Menschen erwiesen wird, kommt im Alten Testament selten vor. Während im Alten Testament der Bezug des Gläubigen zur gloria dei sich stärker aufs Schauen richtet, verschiebt sich dieser Fokus im Neuen Testament hin zu einer Teilhabe an der gloria dei in Christus.

Lobpreis

Der Lobpreis ist für die christliche Liturgie konstitutiv. Die Gemeinde antwortet auf die Anrufung Gottes in der Liturgie und seine Heilszuwendung mit der Verherrlichung Gottes. Damit führt sie ein zentrales biblisches Handeln fort. Voraussetzung für den Lobpreis ist die Bejahung bzw. das Gutheißen des Seins Gottes. Im Lobpreis gibt die Gemeinde Gott die Ehre, sodass Welt und Person als Segen erscheinen und antwortend zu ihrem Ursprung zurückkehren. Die Notwendigkeit des Gotteslobs stellt eine Urerkenntnis menschlicher Religiosität dar. In der Liturgie findet die Klage ihren Raum nur im Zusammenhang des Lobpreises.

In der Liturgie wird der Lobpreis durch Gestus, Sprache und Gesang ausgedrückt. Er ist vor allem in der Feier der heiligen Messe und im Stundengebet verankert. Auch darüber hinaus weisen viele liturgische Einzeltexte Lobcharakter auf: Neben dem Gloria u. a. auch das Halleluja, die Akklamation vor und nach der Evangeliumslesung, und die beraka-Gebete der katholischen Gabenbereitung.

In der christlichen Liturgie sind nichtbiblische, poetisch-doxologisch strukturierte Gesänge und Gebete seit jeher in Gebrauch. Vor allem in der Westkirche ist ihr genuiner Ort meist das Stundengebet.

Der Text des Gloria in excelsis Entwicklung des Textes Der liturgische Gesang des Gloria in excelsis, auch „großes Gloria“ oder „große Doxologie“ genannt, entstammt dem Lob der Engel in der Weihnachtsgeschichte . Darum wird es auch Hymnus angelicus genannt. +Novum Testamentum GraecaeBiblia Sacra VulgataVulgata. Biblia Sacra iuxta vulgatam versionem. Stuttgart 1969, ISBN 3-438-05303-9.Vetus LatinaNovum Testamentum Latine, Textum Vaticanum. Stuttgart 1971EinheitsübersetzungLuther 2017Luther 1912Elberfelder Bibelδόξα ἐν ὑψίστοις θεῷ καὶ ἐπὶ γῆς εἰρήνη ἐν ἀνθρώποις εὐδοκίας. dóxa en hypsístois theō kaì epì gēs eirēnē en anthrōpois eudokíasgloria in altissimis Deo et in terra pax in hominibus bonae voluntatisGloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus bonae voluntatisEhre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden in den Menschen ⟨des⟩ Wohlgefallens!

Dieses biblische Wort wurde um einen Lobpreis des Vaters in jüdisch-christlicher Akklamationstradition und eine literneiartige Anrufung Jesu Christi mit trinitarischem Abschluss ergänzt. Trotz der antiarianischen Präzisierungen ist davon auszugehen, dass der Ursprung älter ist als die arianisierte Rezension am Ende der Constitutiones apostolorum VII.

Der griechische Text findet sich bereits im Codex Alexandrinus (5. Jahrhundert), die Apostolischen KonstitutionenConst. Apost. 7,47 (4. Jahrhundert) kennen ein an den Vater gerichtetes Gloria. Die älteste lateinische Fassung findet sich im Antiphonar von Bangor (um 690). Im 9. Jahrhundert war der Text ausgeformt. Bei Gloria in excelsis handelt es sich um den ältesten überlieferten Hymnus in lateinischer Sprache.

Die Aufnahme der ostkirchlichen Hymnen wie des Gloria in die lateinische Kirche zählen zu den bedeutendsten Übertragungen von Kirchengesängen in eine andere Sprache.

Heutiger Text Angelehnt an die biblischen Worte besteht auch das liturgische Gloria aus zwei Teilen:

Ein an Gott gerichteter fünfmaliger Lobpreis, der mit einer Doxologie abgeschlossen wird Eine an Christus gerichtete dreigliedrige Litanei, an die eine Doxologie und ein trinitarischer Abschluss anschließen

Das Gloria gleicht als umfassendes Gotteslob und Christusbekenntnis dem ebenfalls zweiteiligen Te Deum.

Inhaltlich stellt das Gloria eine kunstvolle Zusammensetzung aus lobpreisenden Psalmversen dar. Auch andere liturgische Gesänge wie das Agnus Dei, Sanctus oder Credo wurden aufgenommen. Unter Bezug auf verschiedene neutestamentliche Aussagen, , , betont der Text die göttliche Würde des erhöhten Christus.

Nach Verherrlichung und Dank des Vaters wendet sich der Gesang direkt an Christus als Lamm Gottes und Sohn. Zuletzt werden Christus und dem Heiligen Geist Heiligkeit und Herrschaft zugeschrieben. Griechisch Lateinisch DeutschΔόξα Σοι τῷ δείξαντι τὸ φῶς. Δόξα ἐν ὑψίστοις Θεῷ καὶ ἐπὶ γῆς εἰρήνη ἐν ἀνθρώποις εὐδοκίας. Ὑμνοῦμέν σε, εὐλογοῦμέν σε, προσκυνοῦμέν σε, δοξολογοῦμέν σε, εὐχαριστοῦμέν σοι, διὰ τὴν μεγάλην σου δόξαν. Κύριε Βασιλεῦ, ἐπουράνιε Θεέ, Πάτερ παντοκράτορ, Κύριε Υἱὲ μονογενές, Ἰησοῦ Χριστέ, καὶ Ἅγιον Πνεῦμα. Κύριε ὁ Θεός, ὁ ἀμνὸς τοῦ Θεοῦ, ὁ Υἱός τοῦ Πατρός, ὁ αἴρων τὴν ἁμαρτίαν τοῦ κόσμου, ἐλέησον ἡμᾶς, ὁ αἴρων τὰς ἁμαρτίας τοῦ κόσμου. Πρόσδεξαι τὴν δέησιν ἡμῶν, ὁ καθήμενος ἐν δεξιᾷ τοῦ Πατρός, καὶ ἐλέησον ἡμᾶς. Ὅτι σὺ εἶ μόνος Ἅγιος, σὺ εἶ μόνος Κύριος, Ἰησοῦς Χριστός, εἰς δόξαν Θεοῦ Πατρός. Ἀμήν. (griechische Fassung aus dem orthodoxen Orthros, siehe )Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis. Laudamus te, benedicimus te, adoramus te, glorificamus te, gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam, Domine Deus, Rex caelestis, Deus Pater omnipotens, Domine Fili unigenite, Jesu Christe, Domine Deus, Agnus Dei, Filius Patris, qui tollis peccata mundi, miserere nobis; qui tollis peccata mundi, suscipe deprecationem nostram. Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis. Quoniam tu solus Sanctus, tu solus Dominus, tu solus Altissimus, Jesu Christe, cum Sancto Spiritu: in gloria Dei Patris. Amen. (lateinische Fassung nach dem Messbuch der katholischen Kirche)Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade. Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, wir rühmen dich und danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit. Herr und Gott, König des Himmels, Gott und Vater, Herrscher über das All. Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus. Herr und Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser; du nimmst hinweg die Sünde der Welt: nimm an unser Gebet; du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser. Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters. Amen. (deutsche ökumenische Fassung von 1971, hier nach Gotteslob Nr. 583) Im evangelischen Gottesdienst kann das Gloria durch ein Glorialied ersetzt werden und außerhalb der Festtage auf den biblischen Anfang reduziert werden. Oft kommt es zu einer Dopplung aus einem gelesenen (oft reduzierten) bzw. dem Chor zugewiesenen Gloria und einem Glorialied der Gemeinde. +vollständiges Gloriaverkürztes Gloria Iverkürztes Gloria IIGloria-Lied: Allein Gott in der Höh sei Ehr I. Ehre sei Gott in der Höhe II. und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen I. Wir loben dich, wir beten dich an, II. wir preisen dich, wir sagen dir Dank I + II. um deiner großen Ehre willen, I. Herr Gott, himmlischer König, II. Gott, allmächtiger Vater. I + II. Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe, du Allerhöchster. I. Herr Gott, Lamm Gottes, II. ein Sohn des Vaters, I. der du hinnimmst die Sünd der Welt: erbarm dich unser, II. der du hinnimmst die Sünd der Welt: nimm an unser Gebet, I + II. der du sitzest zu der Rechten des Vaters: erbarm dich unser. I. Denn du bist allein heilig, II. du bist allein der Herr, I. du bist allein der Höchst, Jesu Christe, II. mit dem Heilgen Geist in der Herrlichkeit des Vaters. I + II. Amen. (mit Möglichkeit des Wechselgesangs, nach dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 180.1)Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen. (nach: Evangelisches Gottesdienstbuch, S. 66)Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade. (nach: Evangelisches Gottesdienstbuch, S. 70)Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat; nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende. (nach dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 179, Strophe 1)

Liturgische Verwendung Entwicklung als liturgisches Stück Das Wagnis der gottesdienstlichen Gemeinde, die es sich herausnimmt, in den Lobpreis der Engel einzustimmen, liegt begründet im leibhaften Wort und der Freiheit des Geistes Gottes. Mit der Akklamation der Engel „Gloria in excelsis deo“ () und „sanctus sanctus sanctus Dominus exercituum plena est omnis terra gloria eius“ () brechen Schrecken und Freude hervor, die zum Paradigma wurden, indem die biblischen Erzählungen immer wieder neu von der Gemeinde umgesetzt wurden und sie so in den liturgischen Lobpreis eingingen.