Nuthe-Urstromtal ist eine Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Mit einer Fläche von 341,31 km² ist Nuthe-Urstromtal die flächengrößte Gemeinde ohne Stadtrecht in Deutschland.

Geografie Die Gemeinde liegt westlich und östlich der Bundesstraße 101 zwischen Trebbin, Luckenwalde und Jüterbog. Namensgeber für die Gemeinde sind der Fluss Nuthe und das Baruther Urstromtal, das sich in der letzten Eiszeit bildete und die nördlich gelegenen Platten Zauche und Teltow vom südlich gelegenen Fläming trennt.

Mit 341,31 km² ist sie die flächengrößte Gemeinde ohne Stadtrecht in Deutschland. Die dünnbesiedelte Gemeinde verfügt über kein gewachsenes historisches Zentrum, sondern orientierte sich bei ihrer Bildung im Jahr 1993 an naturräumlich-geografischen Grenzen zwischen den Städten Trebbin, Luckenwalde, Jüterbog und Baruth.

Geologie Südöstlicher Urstrom-/Flämingteil In den unbesiedelten Flemmingwiesen in der Urstromtalung erreichte das Eis seine maximale südliche Ausdehnung. Die Gemeindedörfer ziehen sich hier parallel zum Tal an seinem Nord- und Südrand hin. Die Dörfer an der Talungssüdgrenze liegen unterhalb des Niederen Fläming, der in Teilen zur Gemeinde gehört. Der zur Gemarkung Stülpe zählende Golmbergzug, mit 178 Metern höchste Erhebung des Niederen Fläming, wird als Bestandteil der Werbig-Petkuser-Staffel als Endmoräne aus der Saaleeiszeit gedeutet. Der Höhenunterschied des Berges zum Niveau des Urstromtals beträgt auf eine Entfernung von nur 1 Kilometer rund 120 Meter. Es ist damit eines der reliefenergiestärksten Gebiete in Brandenburg. Von einigen unbewaldeten Kuppen öffnet sich ein weiter Blick nach Norden – bei besonders klarem Wetter bis nach Berlin und Potsdam (mehr als 60 Kilometer). Der Golmberg und die auf der Fläminghöhe westlich anschließende Jänickendorfer Heide begrenzen das Gemeindegebiet nach Süden.

Nordwestlicher Nutheteil 14 der 23 Dörfer und rund zwei Fünftel der nordwestlichen Fläche liegen im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Die Charakteristika des Naturparks mit Feldern, Streuobstwiesen, sanften Hügeln, Schafherden, Feuchtwiesen, Luchen, Mooren, Wassermühlen und naturbelassenen Eschen-Alleen prägen auch das Landschaftsbild der Gesamtgemeinde, hinzu kommen dichte Nadel- und Mischwälder. Im Oberlauf des Pfefferfließ ist seit 2003 das Naturschutzgebiet Oberes Pfefferfließ ausgewiesen, dass den stark mäandrierenden Bach nachhaltig bewahren will. Die neuen Seen, die sich am Unterlauf des Fließes bei Stangenhagen mit dem Abschalten der Schöpfwerke seit 1991 bilden und zu einer Moor-Renaturierung führen, reichen bis an die Gemeinde heran.

Gemeindegliederung Nach ihrer Hauptsatzung besteht die Gemeinde aus 23 Ortsteilen:

Hinzu kommen folgende WohnplätzeKommunalverzeichnis der Landesverwaltung Brandenburg: Gemeinde Nuthe-Urstromtal:

Die Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Ruhlsdorf.

Geschichte mini|links|Nuthe im Urstromtal bei Ahrensdorf Am 20. Mai 1992 erteilte der Minister des Innern seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Nuthe-Urstromtal zunächst mit Sitz in der amtsfreien Stadt Luckenwalde. Die Bildung kam mit der Veröffentlichung der Bekanntmachung am 15. Juni 1992 zustande. Zum Zeitpunkt der Gründung umfasste das Amt zunächst 20 Gemeinden: Berkenbrück, Dobbrikow, Dümde, Felgentreu, Frankenförde, Gottow, Hennickendorf, Holbeck, Jänickendorf, Kemnitz, Lynow, Märtensmühle, Nettgendorf, Ruhlsdorf, Scharfenbrück, Schönefeld, Schöneweide, Stülpe, Woltersdorf und Zülichendorf.

Zum 6. Dezember 1993 schlossen sich die 20 Gemeinden zur neuen Gemeinde Nuthe-Urstromtal zusammen. Gleichzeitig wurde das Amt Nuthe-Urstromtal aufgelöst, und die neue Gemeinde wurde amtsfrei. Ahrensdorf und Liebätz, vor dem Zusammenschluss Ortsteile der Gemeinde Märtensmühle, wurden eigenständige Ortsteile innerhalb der neuen Gemeinde.

Da sich die Gemeinde erst 1993 gebildet hat, gibt es keine gemeinsame Geschichte, vielmehr wurde die Geschichte dieser Dörfer von den Städten Jüterbog, Luckenwalde und vor allem auch vom Kloster Zinna geprägt. 1285 und 1307 wurden einige der Dörfer, die zu dieser Zeit zu Luckenwalde zählten, gemeinsam mit Luckenwalde an das Zisterzienserkloster Zinna verkauft. Im Amtserbbuch des Klosters Zinna vermerkten die Mönche (das erwähnte Dorf Melne gibt es nicht mehr):

Anno 1307 kauften wir den Sumpf Straßburg in der Hälfte seiner Länge mit den fünf Dörfern Dobbrichow, Netkendorf, Hentkendorf, Melne und Mertensmohle von einem Heinrich von Trebbin, Herrn in Blankensee.

mini|Schloss Stülpe Geschichten um eine Marienkapelle und einen Schatz ranken sich um den Golmberg, der auf der Gemarkung von Stülpe liegt (siehe dazu und auch zum folgenden Golmberg). Das erhaltene Schloss in Stülpe ist mit der märkischen Uradelsfamilie Rochow verbunden, die im Mittelalter zu den einflussreichsten Familien insbesondere in der Zauche gehörte. Bauherr des Barockbaus war im Jahr 1754 Adam Ernst von Rochow. An gleicher Stelle stand bereits sehr wahrscheinlich im 12. Jahrhundert eine Burg, die der magdeburgische Erzbischof als Sicherung eines Übergangs durch das sumpfige Urstromtal hatte anlegen lassen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts ging die Burg in den Besitz der Ritter von Schlieben über, bevor 1537 Hans von Hake aus der ebenfalls sehr einflussreichen Familie von Hake, die hauptsächlich in Kleinmachnow saß, Boden und Gemäuer in Stülpe erwarb, bis sie 1648 an die Rochows gingen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Felgentreu ein Außenlager des Zuchthauses Luckau für bis zu 60 Häftlinge errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden ebenfalls im Ort in einem Stacheldrahtverhau sowjetische Kriegsgefangene aus dem „Stammlager III A“ interniert und zur Feldarbeit gezwungen. Im Außenkommando hatte sich eine Widerstandsgruppe von 75 Personen unter dem Namen „Aktion Rote Faust“ gebildet, die von Georg Makurat und Wilhelm Mayer organisiert wurde. An dessen Wohnhaus Dobbrikow 27 wurde 1980 eine Gedenktafel angebracht, die daran erinnert, dass sich hier „das Zentrum der internationalen Widerstandsgruppe 'Aktion Rote Faust'“ befand.

Zwischen 1936 und 1941 bestand mit dem Landwerk Ahrensdorf eine Ausbildungsstätte der Hachschara-Bewegung, in der jüdische Jugendliche auf ihre Auswanderung nach Palästina vorbereitet wurden. Nordöstlich des Ortsausgangs an der Löwendorfer Straße erinnert seit 1997 eine Gedenktafel an 48 in der Shoa ermordete Jugendliche.

Im Ortsteil Hennickendorf bestand bis September 2007 die Wilhelm-Leuschner-Kaserne der Bundeswehr, in der zuletzt die 6. und 7. / Instandsetzungsbataillon 410 stationiert waren.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1993 6 988 1995 7 148 2000 7 371 2005 7 165 2010 6 790 2015 6 703 Jahr Einwohner 2020 6 565 2021 6 578 2022 6 385 2023 6 370 2024 6 325 2025 6 249

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberHistorisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Teltow-Fläming. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Nuthe-Urstromtal besteht aus 18 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 72,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Gemeinsam für Nuthe-Urstromtal 13,9 % 3 26,0 % 5 AfD 18,2 % 3 22,3 % 4 Gemeinschaft Unabhängiger Wähler 6,5 % 1 16,2 % 3 SPD 12,5 % 2 7,8 % 1 CDU 13,4 % 2 6,7 % 1 Neutral aus Nuthe-Urstromtal – – 5,4 % 1 FDP 2,7 % 1 4,9 % 1 Die Linke 13,1 % 2 4,4 % 1 Einzelbewerberin Diana Zabel 2,6 % 1 3,2 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,6 % 1 2,9 % – Freie Liste Parteilos 9,3 % 2 – – Einzelbewerberin Bärbel Kuhlbrodt 1,9 % – – – Einzelbewerber Dirk Böhm-Wirt 0,7 % – – – Einzelbewerberin Maud Spark 0,5 % – – – Insgesamt 100 % 18 100 % 18

Bürgermeister 1993–2009: Winand Jansen (SPD)Kommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 33 2009–2017: Monika Nestler (Die Linke)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 27. September 2009 seit 2017: Stefan Scheddin (parteilos)

Scheddin wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 mit 50,8 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 mit 92,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Flagge Die Flagge der Gemeinde ist Grün - Gelb (1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift: „GEMEINDE NUTHE-URSTROMTAL • LANDKREIS TELTOW-FLÄMING“.

Sehenswürdigkeiten und Kultur In der Liste der Baudenkmale in Nuthe-Urstromtal und in der Liste der Bodendenkmale in Nuthe-Urstromtal stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke Ahrensdorf: Gedenkstele für die Hachschara-Stätte.Koordinaten Gedenkstele für die Hachschara-Stätte Im Jagdschloss Ahrensdorf wurden zwischen 1936 und 1941 jüdische Jugendliche auf die Ausreise nach Palästina vorbereitet. Dümde: Die Dorfkirche Dümde ist eine Fachwerkkirche aus dem Jahr 1793, die 1881 um einen Kirchturm ergänzt wurde. Die Ausstattung stammt aus der Bauzeit. Dobbrikow: Die Kirche entstand in den Jahren 1184 bis 1194 als feudaler Profanbau mit einer Kapelle und wurde erst im 15. Jahrhundert zur Kirche gewidmet. Sie ist aus Feldstein errichtet, während der Anbau sowie die Sakristei im 19. Jahrhundert mit Mauerziegeln ausgeführt wurden, die sich deutlich von dem übrigen Baukörper absetzen. Der Fachwerkturm entstand um 1700. Im Innern befinden sich ein Altar aus dem Jahr 1648, eine Kanzel aus dem Jahr 1679 sowie ein Opferstock aus dem 16. Jahrhundert. Gottsdorf: Obermühle, Klinkenmühle, beide am Pfefferfließ (siehe dort) Jänickendorf: Die Dorfkirche Jänickendorf entstand in den Jahren 1833 bis 1835 im Rundbogenstil. In den 1960er Jahren wurde die Kirchenausstattung weitgehend ausgetauscht. Kemnitz: letztes für diese märkische Region typisches so genanntes Nuthe-Nieplitz-Haus (früher auch Spiekerhus) erhalten und saniert. Es ist ein Mittelflurhaus aus Fachwerk, jedoch ergänzt um eine durchfahrbare Laube über die gesamte Breite der Erdgeschosszone des Giebels bzw. um einen kleinen seitlichen Vorbau ebenfalls auf der Giebelseite. Dieser Vorbau wurde anfangs als Speicher genutzt (siehe Bild). Ruhlsdorf: Die Dorfkirche Ruhlsdorf ist ein neugotischer Backsteinbau aus dem Jahr 1904. Im Innern befindet sich eine bauzeitliche Ausstattung. Schöneweide: Die Dorfkirche Schöneweide wurde im Jahr 1753 errichtet und brannte im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 aus. 1954 ließ die Kirchengemeinde das Bauwerk restaurieren. Die Kirchenausstattung ist einheitlich modern. Auf der Empore steht ein Harmonium der schwedischen Harmoniumfabrik Olof Lindholm aus den 1920er Jahren. Stülpe: Gutshaus Stülpe aus 1754, und Dorfkirche Stülpe, ursprünglich 1562 erbaut. An der Nordseite der Kirche besagt ein Epitaph, dass dort Rochus von Rochow (* 9. Februar 1797; † 6. Dezember 1819), seine Großmutter Juliane Eleonore (* 15. März 1734; † 6. November 1806), geb. von Voß, die 1752 den Kreiskommissarius Adam Ernst II. von Rochow (der das Schloss in Stülpe errichten ließ), heiratete, sowie ihr zweiter Gemahl Gottlieb Ludwig von Beville (* 28. Juli 1734; † 9. April 1810) ruhen.