Remagen [] ist eine verbandsfreie Stadt im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, am linken Ufer des Mittelrheins gelegen. Sie grenzt im Norden an den Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Remagen ist Standort des RheinAhrCampus. Bekannt wurde Remagen durch die am 7. März 1945 von der US-Army eingenommene Ludendorff-Brücke (Brücke von Remagen). Remagen ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographische Lage Remagen liegt im Unteren Mittelrheintal gegenüber der rechtsrheinischen Ortsgemeinde Erpel am Nordrand der Goldenen Meile, einer bis nach Bad Breisig reichenden fruchtbaren Talebene, die südlich des Ortsteils Kripp die Ahrmündung aufnimmt. Nach Nordwesten hin verengt sich das Stadtzentrum mit dem Rheintal; südwestlich erhebt sich der gut hohe Victoriaberg, an dessen Hängen sowie in Nebentälern sich die zusammenhängende Bebauung bis auf knapp erstreckt. Naturräumlich lassen sich das Stadtzentrum und der südlich benachbarte Ortsteil Kripp der Linz-Hönninger Talweitung mit der Goldenen Meile zuordnen, der westliche und größte Teil des Stadtgebiets mit den Ortsteilen Unkelbach, Oedingen, Bandorf und den oberen Höhenlagen von Oberwinter dem Oberwinterer Terrassen- und Hügelland, einem Terrassenriedelland mit aufgesetzten vulkanischen Hügeln,Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.); Ewald Glässer (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123. Selbstverlag, Bonn-Bad Godesberg 1978, ISBN 3-87994-328-1, S. 18. (=Geographische Landesaufnahme 1:200.000. Naturräumliche Gliederung Deutschlands) sowie die nördlich am Rhein gelegenen Ortsteile Oberwinter, Rolandseck und Rolandswerth der dort jedoch verengten Honnefer Talweitung mit der zu Remagen gehörenden Insel Nonnenwerth. Höchste Erhebung des Stadtgebietes ist mit der Scheidskopf mit seinem teilweise abgebauten Basaltkegel,Neue Informationstafel am Premium-Wanderweg, General-Anzeiger, 8. Juli 2014 seinen niedrigsten Punkt erreicht es mit gut am unteren Ende der Rheininsel Nonnenwerth am Eingang der Köln-Bonner Bucht.

Die Stadt Remagen grenzt im Norden an den Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg, im Osten und Nordosten über den Rhein an die Städte und Gemeinden Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen), Rheinbreitbach, Unkel, Erpel, Kasbach-Ohlenberg und Linz am Rhein, im Süden an die Stadt Sinzig, im Südwesten an die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, im Westen an die Gemeinde Grafschaft und im Nordwesten an die Gemeinde Wachtberg (Nordrhein-Westfalen).

Stadtgliederung Remagen hat sechs Ortsbezirke und acht Ortsteile:

+ Stadtgliederung Remagens Ortsbezirk Ortsteile Einwohner Remagen Remagen 7.849 Kripp Kripp 3.819 Oberwinter Bandorf, Oberwinter, Rolandseck 3.752 Oedingen Oedingen 1.024 Rolandswerth Rolandswerth 572 Unkelbach Unkelbach 1.145 Remagen 18.161 Einwohner (ohne Nebenwohnsitze), Stand 30. Juni 2024

Zur Gemarkung Remagen gehört auch der Ortsteil Kripp.

Geschichte Antike mini|In Remagen gefundener frühchristlicher Grabstein einer Meteriola

Der Ort Remagen geht auf ein römisches Kastell zurück, das vor gut 2000 Jahren errichtet wurde (um das Jahr 3 n. Chr.) und nach dem ursprünglich keltischen Namen Rigomagos, latinisiert Rigomagus, benannt wurde (mit rīgo- von kelt. rīgs = König und kelt. magos = Feld, Ebene – also „Königsfeld“); ähnliche Worterklärungen gelten auch für Nijmegen und für Neumagen. Nach 274/275 wurde das Kastell zur Festung ausgebaut. Der antike Name Rigomagus wird ein einziges Mal bei einem antiken Schriftsteller erwähnt. Zum Jahr 356 berichtet Ammianus Marcellinus, dass nach einem Germaneneinfall zwischen Koblenz und Köln nur das Rigomagum oppidum und ein Turm bei Köln unzerstört geblieben waren. Die auf einer römischen Straßenkarte beruhende Peutingersche Tafel verzeichnet Rigomagus zwischen Bonna (Bonn) und Antunnacum (Andernach).Kurt Kleemann: 2000 Jahre Remagen. Bausteine zur Geschichte der „Römerstadt“, in: HJbKAhrweiler 2001, S. 75. Die Anwesenheit von Christen und die Existenz einer Kirche werden schon für das 5. Jahrhundert nachgewiesen.Helga Hemgesberg: Die ersten Remagener Kirchen im Lichte eines frühchristlichen Schrankenfragments, in: Ann. Histor. Ver. Niederrh. 189 (1986), S. 9–34. Ausweis frühchristlichen Lebens in Remagen ist ein am Apollinarisberg gefundener Grabstein, der heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn aufbewahrt wird. Auf ihm wird einer Meteriola gedacht, mit der der Grabsetzer 23 Jahre verheiratet war und die vor mehr als acht Jahren seine soror in domino (Schwester im Herrn) wurde (vielleicht ist die Taufe gemeint).Geschichte des Erzbistums Köln. Band 1: Das Bistum Köln von den Anfängen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts, hg. v. Friedrich Wilhelm Ordinger, Bachem Köln 2. Aufl. 1971, S. 63.

Mittelalter mini|Luftaufnahme der Apollinariskirche mini|hochkant|Wallfahrtskirche St. Apollinaris

Drei Schenkungen an die Abtei Lorsch in Regomago bzw. in regomensi marca zwischen 770 und 773 gelten als erstmalige Erwähnungen Remagens im Mittelalter. Am 28. Juni 856 wird Remagen in einer Schenkungsurkunde des fränkischen Königs Lothar II. erwähnt. Ungefähr im Jahr 1000 hatten mehrere Klöster Besitz in Remagen. Für 1003 ist eine Kirche in Remagen erwähnt; Erzbischof Heribert von Köln übergab der Abtei Deutz am 1. April 1003 sämtliche Zehntrechte in Remagen.Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Band 9, S. 154 ff. Um 1065 wird Remagen unter den Tafelgütern des deutschen Königs aufgeführt.Bernhard Kossmann: Remagen, ein befestigter Königshof, in: HJbKAhrweiler 1971, S. 24.

Im 11. Jahrhundert gelangte eine in Remagen geschlagene Silbermünze bis auf die Färöer, wie der Münzfund von Sandur belegt. Andere Münzen gab es in Schatzfunden in den Ländern rund um die Ostsee. Eine genauere Aufarbeitung der Münzen von Remagen ist aber noch ausstehend. Um das Jahr 1110 errichteten die Benediktiner der Abtei Michaelsberg von Siegburg auf dem Martinsberg (heute Apollinarisberg) eine Propstei. 1122 wurde ein Nonnenkloster auf der Insel Nonnenwerth gegründet.

1164 soll der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel dieser Propstei Reliquien des heiligen Apollinaris übereignet haben. Der Name des heiligen Apollinaris wurde daraufhin auf den Berg und das Kloster übertragen, das noch heute besteht. Sichere Kunde vom Apollinaris-Kult erhalten wir aber erst Ende des 13. Jahrhunderts aus einer Ablassurkunde.Wisplinghoff, Germania Sacra Siegburg, S. 76. 1198 brannten Truppen des Philipp von Schwaben den Ort nieder.

1158 und 1189 wurde der rechtliche Status einer mittelalterlichen Stadt erreicht. Zu 1221 bezeichnet sich die Remagener Stadtgemeinde als civitas libera (freie, d. h. von niemandem sonst als dem deutschen König abhängige) Stadtgemeinde. Auch das gegen 1200 entstandene Stadtsiegel nennt den Status einer freien Stadt, der springende Wolf als Symboltier wurde in Bezug zu St. Remaklus gedeutet. 1248 wurden die noch dem Reich gehörenden Besitzungen und Rechte an den Grafen von Berg verpfändet, und nie wieder eingelöst. 1246 wurde die Pfarrkirche St. Peter und Paul geweiht. Für 1269 wird in den Quellen erstmals ein Bürgermeister genannt, 1306 Schöffen und Räte. 1357 gestattete Kaiser Karl IV. dem Grafen von Berg Gerhard I., Remagen mit Graben, Mauern, Türmen, Erkern, Toren zu befestigen.

Graf Wilhelm II. von Berg führte den Mauerbau durch und geriet dadurch in Konflikt mit dem Erzbischof von Köln. In einem Schiedsspruch vom 1386 wurde bestimmt, dass die Mauern niedergelegt werden mussten, andernfalls der Erzbischof das Recht hätte, sie selbst schleifen zu lassen. 1425 verpfändete Herzog Adolf VII. von Jülich-Berg eine Hälfte von Remagen (und ebenso von Sinzig) für 5.000 Gulden an den Erzbischof von Köln. 1452 wurde auch die andere Hälfte von Herzog Gerhard von Jülich-Berg an den Erzbischof verpfändet.

Die jüdischen Bewohner von Remagen waren von den Pogromen 1298 und 1348/49 betroffen. Für 1398, 1401 und 1409 sind Schutzbriefe mit Wohnrecht für Juden erwähnt. 1424 siedelten sich aus Köln vertriebene Juden in Remagen an.Germania Judaica II,2, S. 693; III, 2, S. 1233–1234. 1475 wurde Remagen im Verlauf der Kölner Stiftsfehde zwischen dem Kölner Erzbischof Ruprecht von der Pfalz und Hermann IV. von Hessen von burgundischen Truppen besetzt, wurde aber kurz darauf von einem von Kaiser Friedrich III. beauftragten Reichsaufgebot eingeschlossen und von Truppen unter Kurfürst Albrecht III. Achilles von Brandenburg eingenommen und geplündert.

Neuzeit mini|Remagen 1636 mini|Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg auf dem alten Friedhof

Am 4. Mai 1554 löste Herzog Wilhelm V. von Cleve, Jülich und Berg die eine Hälfte, am 19. Juli 1560 auch die andere Hälfte Remagens wieder ein; bis 1794 verblieb Remagen beim Herzogtum Jülich innerhalb des Amtes Sinzig-Remagen. Im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit fiel Remagen an den katholischen Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges brannten 1633 schwedische Truppen unter Feldmarschall Baudissin Stadt und Kirche nieder. 1642 wurde Remagen von Hessisch-Weimarischen Verbänden eingenommen; 1645 legte der kurkölnische General Melander Truppen in die Stadt. 1666 starb nahezu die Hälfte der Stadtbevölkerung an der Pest.

Anfang Oktober 1794 rückten französische Truppen in die Stadt ein. So wie das gesamte Linke Rheinufer wurde Remagen 1798 in das französische Staatsgebiet integriert und wurde Hauptort (chef-lieu) des Kantons Remagen im Arrondissement Bonn des Rhein-Mosel-Departements.

Im Rahmen der Säkularisation ab 1802 wurden die Kirchengüter eingezogen und verkauft; so 1807 auch die Propstei Apollinarisberg.

Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig unterstand Remagen 1814 zunächst der provisorischen Verwaltung des Generalgouvernements Niederrhein und kam 1815 gemäß den auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen zum Königreich Preußen. Unter der nunmehr preußischen Verwaltung war der Ort Sitz der Bürgermeisterei Remagen, die von 1815 an zum Kreis Ahrweiler im Regierungsbezirk Koblenz gehörte. Von 1822 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Region Teil der Rheinprovinz. Von 1839 bis 1843 wurde die Apollinariskirche errichtet und bis 1852 von den Düsseldorfer Nazarenern ausgemalt. Die unter der französischen Verwaltung verloren gegangenen Stadtrechte wurden Remagen am 2. Februar 1857 wieder verliehen. 1858/59 wurde der Ort durch die Eisenbahnlinie Köln – Koblenz an das Eisenbahnnetz angebunden.

1869 wurde die Remagener Synagoge eingeweiht.Hans Kleinpass: Die Einweihung der Synagoge in Remagen anno 1869, in: HJbK Ahrweiler 1991, S. 111. 1933 gab es noch 25 jüdische Einwohner (1724: 4 Familien, 1808: 35 Einwohner, 1863: 64 Einwohner in 14 Familien, 1895: 31 Einwohner). Während der Novemberpogrome zündete ein Kommando von SS-Männern am 10. November 1938 die Synagoge in Remagen (und andere Synagogen) an. Die Juden, die Remagen nicht hatten verlassen können, wurden am 25. April und im Juli 1942 nach Kraśniczyn (Polen) deportiert und wenig später in die Vernichtungslager Belzec oder Sobibor verschleppt.

mini|hochkant|Ludendorff-Brücke, Brückenkopf auf der Remagener Seite (2008) Im Ersten Weltkrieg erbaute man von 1916 bis 1918 über den Rhein aus militärischen Gründen eine Eisenbahnbrücke zwischen Remagen und Erpel. Sie wurde nach General Erich Ludendorff benannt. Nach der Fertigstellung des Tunnels durch die Erpeler Ley wurde am 1. September 1919 die Bahnstrecke eröffnet.

Am 7. März 1945 wurde die Ludendorff-Brücke durch US-Truppen erobert. Dies verkürzte den Zweiten Weltkrieg vermutlich um Wochen, obwohl die Brücke zehn Tage später einstürzte.