Der Vogelsberg ist ein Mittelgebirge in Hessen; er erreicht am Taufstein eine Höhe von . Er ist Teil des Osthessischen Berglandes und das größte geschlossene Massiv aus Basalt in Europa. Große Teile seiner Hochlagen nimmt der 883 km² große Naturpark Vulkanregion Vogelsberg ein; den Verbreitungsbereich der vulkanischen Gesteine (hauptsächlich Basalt) überdeckt die Fläche des mit rund 2500 km² weit größer ausgewiesenen Geoparks Vulkanregion Vogelsberg. Über den Vogelsberg verläuft auch die Rhein-Weser-Wasserscheide. Vom Oberwald, dem Herzstück des Vogelsbergs, strahlen nach allen Himmelsrichtungen Bäche und Flüsse aus: Ohm (Nordwesten), Schwalm (Norden), Lauter und Altfell (Nordosten), Lüder (Osten), Nidda und Nidder (Südwesten).

Geografische Lage mini|Aussicht vom Bismarckturm auf dem Taufstein (2015) mini|Landschaft im Vogelsberg im Jahr 2012 (Goldener Steinrück). Der Vogelsberg liegt im Vogelsbergkreis rund 60 km nordöstlich von Frankfurt zwischen Alsfeld, Fulda, Büdingen und Nidda. Im östlichen Norden schließt sich in einigem Abstand der Knüll an, im Osten die Rhön, im Südosten der Spessart und im Südwesten die tiefliegende Wetterau, die in gleicher Richtung in die südhessische Niederungslandschaft des Rhein-Main-Gebiets übergeht. Demgegenüber geht der Vogelsberg in nordwestliche Richtungen in Teile des Westhessischen Berglandes über, die den Vogelsberg noch im Namen tragen (Vorderer Vogelsberg) und ebenso Basaltgesteine wie der Hohe Vogelsberg aufweisen.

Geologische Entstehung mini|Blick vom Vorderen Vogelsberg zwischen Wermertshausen und Rüddingshausen zum „eigentlichen“ Vogelsberg Der Vogelsberg ist mit 2500 km² das größte zusammenhängende Vulkangebiet Mitteleuropas. Er ist kein ehemaliger Schildvulkan, sondern besteht aus vielen Einzelvulkanen, die sich überlagern. Er setzt sich demnach aus einer Vielzahl von übereinandergeschichteten Basaltdecken zusammen, die vom Oberwald, dem zentralen, 600 bis hochliegenden Plateaubereich, ringförmig und treppenartig zu seinen Rändern herabführen. Die heutige Gestalt, die an einen großen, flach schildförmigen Vulkan mit einer zentralen Erhebung erinnert, ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von Hebungsvorgängen und auf allen Seiten wirkender Abtragung.

Das eiszeitliche Frostklima im Pleistozän veränderte die Oberflächengestaltung durch die Ausbildung von Schuttdecken, durch Solifluktionsvorgänge und Frostsprengung der Gesteine mit Bildung von Blockstreu, Blockhalden und Blockmeeren. Gleichzeitig erfolgten Ablagerungen von Löß, der in den Randgebieten große Bedeutung für die Landwirtschaft hat und gelegentlich als Lößlehm in Eiskeilhorizonten auftritt, jedoch auch auf dem Oberwald zu finden ist.Willi Schulze: Exkursion 28: Der Vogelsberg. In: Gießener Geographischer Exkursionsführer, Band III, Brühlscher Verlag, Gießen 1982, ISBN 3-922300-13-8, S. 75.

Die vulkanische Tätigkeit im Vogelsberg ist ebenso wie die des nördlich davon gelegenen bis Adelebsen in Niedersachsen reichenden Nordhessischen Vulkangebiets mit der Bruchtektonik verbunden, die im Tertiär zur Entstehung der Niederhessischen Senke führte. Sie begann in Nordhessen vor etwa 20 Millionen Jahren im unteren Miozän, hatte ein Maximum vor etwa 13–12 Millionen Jahren und erlosch vor etwa 7 Millionen Jahren im oberen Miozän. Der Vulkanismus des Vogelsbergs war vor allem im Mittelmiozän aktiv, nach Kalium-Argon-Datierungen vor 18,5–10 Millionen Jahren, mit einem Maximum der Tätigkeit vor 17–15 Millionen Jahren.

Jüngere Untersuchungen haben gezeigt, dass auf dem Gebiet des Vogelsberges bereits in der Oberkreide vulkanische Aktivität auftrat, wobei die entsprechenden Vulkanbauten allerdings in der Zwischenzeit vollständig abgetragen wurden. Im Raum Ranstadt konnten jedoch in Bohrungen vulkanische Gesteine gefunden werden, die radiometrisch auf ein entsprechendes Alter datiert wurden.

Durch den Vulkanismus wurden vor allem basaltische Lavaergüsse und pyroklastische Ablagerungen gebildet. In der Abfolge der vulkanischen Produkte wurden zu Beginn Alkalibasalte und Basanite gefördert, dann kamen Alkali-Olivin-Basalte zur Ablagerung, die sich mit Tholeiiten und Trachyten abwechselten. Die vulkanischen Förderprodukte überlagern ein Fundament aus Buntsandstein und tertiären Sanden, in kleinen Gebieten im Osten auch Gesteine des Muschelkalks und des Keupers.

Die Erosion nach dem Miozän hat die ursprünglich bis in das Gebiet des Untermains reichenden zusammenhängenden Basaltdecken bis auf den zentralen Komplex in isolierte Vorkommen zerlegt. Unter tropischen bis subtropischen Bedingungen wurden die Vulkangesteine durch lateritische Verwitterung in rote Tone umgewandelt. An manchen Stellen kam es zur Ansammlung von roter Tonerde und der Bildung von Bauxit sowie der Konzentration des in Basalten enthaltenen Eisens zu Eisenerzen. Diese Vorkommen wurden lange Zeit zur Rohstoffgewinnung abgebaut, außerdem war und ist der Basalt ein überregional begehrtes Rohmaterial für die Schotter- und Natursteingewinnung.

Naturräumliche Gliederung Die Gliederung des Vogelsberges in Einzelnaturräume folgt zum einen dem Relief des Gebirges vom Höhenschwerpunkt nach außen, zum anderen den sich radial ausbreitenden Haupt-Einzugsgebieten von Eder (Schwalm), Unterer Fulda (v. a. Schlitz und Lüder), Main (Kinzig und Nidda) und Lahn (Ohm).

Folgende Naturräume werden unterschieden: 350 Unterer Vogelsberg 350.1 Nördlicher Unterer Vogelsberg 350.2 Nordwestlicher Unterer Vogelsberg 350.3 Östlicher Unterer Vogelsberg 350.4 Westlicher Unterer Vogelsberg 350.5 Südlicher Unterer Vogelsberg 350.6 Gieseler Forst 351 Hoher Vogelsberg 351.0 Westlicher Hoher Vogelsberg 351.1 Östlicher Hoher Vogelsberg 351.2 Oberwald

Böden und Gesteine sind in allen Teilen des Vogelsberges – der Gieseler Forst ausgenommen – in etwa gleich, jedoch sinkt zum Zentrum hin die jährliche Durchschnittstemperatur merklich (bis zu 5 K) und die Jahresniederschläge steigen zum Oberwald hin auf bis zu 1200 mm an.

Die Basaltfläche des Vogelsberges setzt sich nach Westen und Norden auch in benachbarte Naturräume fort, während der Gieseler Forst im Osten bereits, wie auch die sich in alle östlichen Richtungen anschließenden Naturräume, auf Buntsandstein steht.

Tektonische Heraushebung und flächenhafte Abtragung des Reliefs bei gleichzeitiger Herausbildung des radialen Talnetzes seit dem Altpliozän führte zur Ausbildung einer älteren, im Plateaubereich des Oberwaldes noch erhaltenen Rumpffläche und einer randlichen Hauptverebnungsfläche mit Talwannenzone. Das Vogelsbergmassiv weist Geröllhalden aus Basalt und Tuff auf, ein Feuchtgebiet rund um den Geiselstein sowie das Hochmoor Breungeshainer Heide im Bereich der Niddaquelle. Zahlreiche Wanderwege durchziehen nicht nur den Oberwald, siehe Wanderwege im Vogelsberg.

Oberwald mini|Blick vom Horst nach Nordwesten zum Oberwald mini|Naturdenkmal Uhuklippen, März 2009 Der Oberwald (351.2) ist das Zentrum des Vogelsberges und komplett bewaldet; seine Außengrenze folgt etwa der 600-m-Höhenlinie. In den äußeren Teilen des Vogelsberges dagegen mischen sich Wiesen- und Acker- unter Waldflächen.

Große Teile des Oberwalds stehen unter Naturschutz. So wird der (Buchen-)Wald im Naturschutzgebiet Taufstein bereits seit 1906 sich selbst überlassen.

Am Nordhang des Taufsteins liegen große Blockhalden aus Basalt.

Äußerer Hoher Vogelsberg Die Tallagen des Westlichen (351.0) und Östlichen (351.1) Hohen Vogelsberges liegen im Norden meistens über , im Westen zum Teil bis unter Höhe. In der Hauptsache folgt die Grenzziehung den Quellgebiets-Wasserscheiden der wichtigsten Flüsse und insbesondere der von Südost nach Nordwest verlaufenden Rhein-Weser-Wasserscheide, nach Osten z. T. der zwischen Lahn und Main.

Weil große Teile des ursprünglichen Waldes gerodet sind und der Niederschlag 1000 mm pro Jahr übertrifft, setzt die Schneeschmelze früh ein. Dies und die wenig durchlässigen Basaltlehmböden führen zu häufigen Hochwassern.

In diesem Teil des Vogelsberges wechseln sich in lockerer Abfolge flussquellenreiche Waldstücke, Feuchtgebiete, Magerrasen und Bachtäler ab; daneben gibt es hier auch ein Hochmoor und im Südosten einige Stillgewässer, die Vogelsberger Seen.

Unterer Vogelsberg (ohne Gieseler Forst) Der basaltische Teil des Unteren Vogelsberges (350.1-350.5) weist Höhenlagen zwischen 300 und auf, an der westlichen bis südwestlichen Nahtlinie zur Wetterau auch z. T. unter .

Die Abgrenzung zum Büdinger Wald nach Süden, zum Landrücken nach Südosten und zum Gieseler Forst (s. u.) nach Osten hält sich weniger ans Relief als vielmehr an den geologischen Übergang von Basalt zu Buntsandstein.

Auch zum Fulda-Haune-Tafelland hin, das dem Knüll im Nordosten vorgelagert ist, gibt es diesen geologischen Übergang, dazwischen liegt hier noch der Großenlüder-Lauterbacher Graben. Im Norden dagegen endet der Vulkanit erst im anschließenden Nördlichen Vogelsberg-Vorland, also außerhalb des eigentlichen Vogelsberges. Auch der außerhalb vom Letzteren im Nordwesten vorgelagerte Vordere Vogelsberg bleibt über weite Teile basalthaltig. Nach Westen hin erstreckt sich die Basaltzone bis weit in die flachwellige Wetterau hinaus; diese Niederung schließt sich am Mittel- und Unterlauf des Horloff unmittelbar an.

Naturlandschaftlich ist das inselartig bewaldete Gebiet ein Perlgras-Buchenwaldgebiet.

Gieseler Forst mini|300px|Der vegetationsfreie „Monte Kali“ zwischen Giesel im Norden und Neuhof von Süden

Im Gieseler Forst (350.6), der rund 130 km² groß ist, schiebt sich der Vogelsberg mit Höhenlagen von immerhin bis über bis direkt an die Fuldaer Senke nach Osten. Der einzige auf Buntsandstein liegende Teil des Vogelsberges ist naturräumlich deutlich von den basaltischen Teilen des Unteren Vogelsberges abgetrennt.

Neben der fast den ganzen Naturraum bedeckenden Bewaldung (u. a. Kiefernforste) existieren an den mächtigen Abraumhalden und Spitzkegeln der bei Neuhof abgebauten Kalisalz-Lagerstätten auch weitgehend vegetationsfreie Gebiete.

Angrenzende Naturräume Im Folgenden werden, im Uhrzeigersinn und beginnend im Nordwesten, die Übergänge des Vogelsberges in die angrenzenden Naturräume beschrieben.

Vorderer Vogelsberg Im Vorderen Vogelsberg (Haupteinheit 349) mit dem Lumda-Plateau (Naturraum 349.0) als zentraler, den Großteil der Fläche einnehmenden Hochfläche schiebt sich die Basaltplatte des Vogelsberges bis weit ins Westhessische Bergland hinein, wo sie erst kurz vor dem Marburg-Gießener Lahntal abbricht. Mit dem eigentlichen Plateau ist der Untere Vogelsberg nur über einen schmalen Korridor entlang der Lahn-Main-Wasserscheide verbunden, während nordöstlich davon, im Ohmtal, ein Talgraben morphologisch die Grenze setzt. Auch südwestlich des Korridors, im Laubacher Hügelland, flacht der Vordere gegenüber dem Unteren Vogelsberg deutlich ab.

Nördliches Vogelsberg-Vorland Nahezu fließend geht der Nordwestliche Untere Vogelsberg über in das Nördliche Vogelsberg-Vorland (Naturraum 346.2), den südlichen Teil der Oberhessischen Schwelle (Haupteinheit 346), die entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide den Vogelsberg mit dem Kellerwald verbindet. Die Landschaft bleibt bis unmittelbar vor dem Neustädter Sattel, der zentralen Senke der Schwelle, auf knapp Höhe. Erst im mittleren Bereich des Vorlandes wird der Basalt allmählich durch Buntsandstein abgelöst.

Der Charakter als Hochplateau mit kaum nennenswerter Zertalung in Ost-West-Richtung wird auch darin deutlich, dass die aus dem Vogelsberg kommende Antrift diesen Naturraum in Nachbarschaft zur Wasserscheide in Süd-Nord-Richtung passiert. Das Hauptfließgewässer im Westen, die Klein, verläuft hingegen in nordwestlicher Richtung und folgt einem kontinuierlichen wie raschen Abfall der Höhenstufen des Vogelsberges zum flachen Amöneburger Becken, wo die Klein auf unter 200 m auf die Ohm trifft.

Westhessische Senke