mini|hochkant=0.75|Turm der evangelischen Kirche in Letschin Letschin ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg.

Geografie Die Gemeinde Letschin liegt im Oderbruch und grenzt im Nordwesten und Norden an das Amt Barnim-Oderbruch, im Osten an den polnischen Landkreis Myślibórz, im Südosten und Süden an das Amt Golzow und die amtsfreie Stadt Seelow, im Südwesten und Westen an das Amt Seelow-Land.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Letschin gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung in zehn Ortsteile:

Dazu kommen die Wohnplätze

Geschichte mini|Blick auf das ehemalige Spinnerdorf Rehfeld, heute zu Sophienthal mini|hochkant|Gedächtnis- und Friedenseiche, 1814 zur Erinnerung an die Opfer Letschins in den Befreiungskriegen gepflanzt mini|hochkant|Denkmal für die Letschiner Kriegsopfer

Der Ort Letschin wurde 1336 erstmals urkundlich erwähnt. Als ursprünglich rein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, das mit Frondiensten, Kriegen und Überschwemmungen zu kämpfen hatte, entwickelte sich Letschin zu einer Gemeinde von überörtlicher Bedeutung. Händler und Handwerker siedelten sich an. Johann Gottlieb Koppe führte ab etwa 1830 den Anbau von Zuckerrüben ein und errichtete eine Zuckerfabrik. Somit hatten die Bauern ein stabiles Einkommen, was sich positiv auf Letschin auswirkte. Es wurden Chausseen gebaut und Bahnlinien nach Wriezen (Bahnstrecke Fürstenwalde–Wriezen), Seelow, Frankfurt (Oder) sowie Eberswalde (Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder)) eröffnet.

Letschin erhielt 1863 die Marktgerechtigkeit und erhielt kleinstädtischen Charakter mit Geschäften, Gaststätten, Hotels, Festsälen, Schulen und einer Druckerei.

1905 errichtete die Gemeinde für König Friedrich II. von Preußen als Dank für die von ihm veranlasste Trockenlegung des Oderbruchs ein Denkmal nach einem Entwurf von Hans Weddo von Glümer. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Standbild von Bewohnern Letschins vor dem Einschmelzen gerettet und eingelagert. 1990 wurde es wieder aufgestellt.

Da der Ort im Zweiten Weltkrieg bei der Schlacht um die Seelower Höhen in der Hauptkampflinie lag, wurde er im April 1945 stark zerstört. Wohngebäude, Betriebe und Geschäfte sowie das Schiff der evangelischen Kirche fielen den Kampfhandlungen zum Opfer. Während Letschin Teil des Landkreises Lebus war, gehörte der heutige Ortsteil Zelliner Loose bis 1945 zur Neumark, die seitdem weitestgehend zu Polen gehört.

Letschin gehörte seit 1816 zum Landkreis Lebus in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Seelow (bis 1990 im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder), 1990–1993 im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform 1993 liegt die Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland.

Die heutige Gemeinde entstand 2003 durch den Zusammenschluss von elfAnm. Amt Letschin bestand ursprünglich aus 12 Gemeinden, doch Altbarnim trat 1997 in das Amt Barnim-Oderbruch über. ehemals selbstständigen Gemeinden, die sich bereits vorher zum Amt Letschin zusammengeschlossen hatten.

Eingemeindungen

Die Gemeinden Solikante und Wilhelmsaue wurden am 1. Februar 1974 eingegliedert. Sophienthal und Steintoch gehören seit dem 31. Dezember 1997 zur Gemeinde Letschin. Am 26. Oktober 2003 folgten die Gemeinden des ehemaligen Amtes Letschin Gieshof-Zelliner Loose, Groß Neuendorf, Kiehnwerder, Kienitz, Neubarnim, Ortwig und Sietzing.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3.555 1890 3.140 1910 3.180 1925 3.185 1933 3.249 1939 3.023 Jahr Einwohner 1946 2.876 1950 3.460 1964 2.771 1971 2.657 1981 2.432 1985 2.407 Jahr Einwohner 1990 2.450 1995 2.287 2000 3.042 2005 4.785 2010 4.329 2015 4.035 Jahr Einwohner 2020 3.978 2021 3.983 2022 3.848 2023 3.799 2024 3.735 2025 3.713

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland (PDF) S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. (XLSX) statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Letschin besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft Letschin 42,0 % 7 24,7 % 4 AfD – – 18,8 % 2 Wir im Oderbruch 15,7 % 2 15,8 % 3 SPD 23,3 % 4 13,7 % 2 CDU 10,4 % 2 12,6 % 2 Zukunft Letschin – – 7,9 % 1 Die Linke 8,5 % 1 4,7 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 1,9 % – Insgesamt 100 % 16 100 % 15

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2003–2005: Jutta Lieske (SPD) seit 2005: Michael Böttcher (Freie Wählergemeinschaft Letschin)

Böttcher wurde am 13. Februar 2005 erstmals zum Bürgermeister der Gemeinde Letschin gewählt. In der Bürgermeisterwahl am 17. Januar 2021 wurde er ohne Gegenkandidat mit 90,8 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 17. Januar 2021 Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Weiß - Grün - Weiß (1:2:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift .

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Letschin mini|Fachwerkkirche in Sietzing mini|Sowjetisches Ehrenmal auf dem ehemaligen Dorfanger von Letschin

Evangelische Kirche, 1812 erbaut, sie bestimmt das Ortsbild von Letschin. Infolge der bis 1815 währenden Napoleonischen Kriege konnte sie zunächst nur ohne Turm ausgeführt werden. 1815 wurde Karl Friedrich Schinkel beauftragt, einen Turm zu entwerfen, der 1818/1819 nach seinen Plänen errichtet wurde.Eva Börsch-Supan: Kirchen als „Monumente“ der Befreiungskriege. In: Uwe Michas u. a.: Karl Friedrich Schinkel. Architekt, Maler, Möbelgestalter, Bühnenbildner und Kunstphilosoph. Großer, Berlin 2006, ISBN 3-910134-24-6, S. 17–23, hier S. 18 (= Die Mark Brandenburg, Band 61). Die Kirche sowie viele Bauten des Letschiner Baumeisters Carl Schüler wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Ruine des Kirchenschiffs wurde 1972/1973 abgerissen. Der unter Denkmalschutz stehende, 37 Meter hohe schinkelsche Kirchturm wurde 2002/2003 restauriert. Fachwerkkirche im Ortsteil Sophienthal, 1945 zerstört. Mit Spendenmitteln und der Hilfe örtlicher Handwerker wurde eine neue Kirche nach dem Original-Vorbild erbaut. Diese mutet mit ihren Fachwerkmauern aus rotleuchtendem Backstein wie eine Kleinausgabe der Kirche in Dippmannsdorf an. Der erste Gottesdienst fand am 28. Mai 2006 statt, nachdem Bischof Wolfgang Huber die Kirche eingeweiht hatte. Apotheke, die die Eltern von Theodor Fontane in Letschin betrieben mini|hochkant|Denkmal für Friedrich den Großen Denkmal für Friedrich den Großen von Hans Weddo von Glümer aus dem Jahr 1905 mini|hochkant|Gedenkstein am Von Haerlem-Blick Gedenkstein für den Oberdeichinspektor von Haerlem am Von Haerlem-Blick auf dem Oderdeich bei Sophienthal Denkmal für die Letschiner Opfer der deutschen Einigungskriege, später umgewidmet zum Denkmal für die Opfer aller Kriege von den deutschen Einigungskriegen bis zum Zweiten Weltkrieg Jüdischer Friedhof Groß Neuendorf Alte Schule in Letschin, heute findet man dort Büros und das Coworking Oderbruch

Ausstellungen und Museen Alte Schmiede Groß Neuendorf Letschiner Heimatstuben Haus Birkenweg Eisenbahnmuseum am Bahnhof Letschin (Signaltechnik, Modellbahnen, historische Landmaschinen)

Verkehr Letschin liegt an der Landesstraße L 33 zwischen Wriezen und Gorgast.

Der Bahnhof Letschin liegt an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder), auf der die von der Niederbarnimer Eisenbahn betriebene Regionalbahnlinie RB 60 Eberswalde–Frankfurt (Oder) seit 2024 stündlich verkehrt. Davor gab es lediglich einen Zwei-Stunden-Takt (Kursbuch-Nr. 209.60).

Persönlichkeiten Ehrenbürger 4. Juli 2017: Helmut Schraube (* 1937), Feuerwehrmann 15. März 2013: Lothar Böttcher (* 1941), Lehrer 16. Juni 2011: Ruth Schwetschke (1927–2021) 16. Juni 2011: Günther Fetting (1941–2015), Lehrer, Bürgermeister 26. April 2024: Norbert Kaul (* 1944), Tierarzt

Söhne und Töchter der Gemeinde Gustav Haake (1838–1905), Reichstagsabgeordneter (Deutsche Reichspartei) Paul Hinze (1906–1945), Widerstandskämpfer Helmut Jachnow (* 1939), Slawist, in Kienitz geboren Monika Herz (* 1951), Schlagersängerin Wolfgang Bartsch (*1942-2025), Chronist

Mit Letschin verbundene Persönlichkeiten Louis Henry Fontane (1796–1867), ab 1838 Apotheker in Letschin, Vater Theodor FontanesFontaneseite, ausführliche Biographie, abgerufen am 9. Juli 2017. Theodor Fontane (1819–1898), Schriftsteller, hielt sich oft bei seiner Familie in Letschin auf, wo er auch Teile seiner Apothekerausbildung absolvierte; seine mehrfach verfilmte Kriminalnovelle Unterm Birnbaum handelt in Letschin Erna Roder (1916–2007), Malerin, lebte im Ortsteil Kienitz, starb in Letschin Helmut Krüger (1926–2022), Kirchenmusiker, wirkte an den Kirchen von Groß Neuendorf, Kienitz und Ortwig. Seine dort gesammelten Erfahrungen veröffentlichte er 1967 in dem Buch Kleiner Chor – ganz groß. Hermann Klenner (* 1926), Jurist, Hochschulprofessor, Ende der 1950er Jahre Bürgermeister von Letschin Christiane Wartenberg (* 1948), bildende Künstlerin, lebt im Ortsteil Ortwig Harald K. Schulze (* 1952), Maler und Grafiker Peter Käks (1950–2024), Gewichtheber, lebte in Letschin

Weblinks

Homepage der Gemeinde Letschin Eintrag im Kommunalverzeichnis Brandenburg Förderverein Wilhelmsaue e. V. Homepage des Eisenbahnvereins Homepage der Schule Sophienthal in der RBB-Sendung Landschleicher vom 12. Juli 2009 Coworking Oderbruch in der Alten Schule in Letschin

Einzelnachweise Hauptsatzung der Gemeinde Letschin vom 20. November 2008. (PDF; 125 kB) Beitrag zur Statistik. 19.15 Landkreis Märkisch-Oderland. (PDF) Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik, Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Zusammenschluss der Gemeinden Letschin, Sophienthal und Steintoch (Amt Letschin) zu einer neuen Gemeinde Letschin. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 10. November 1997. In: Amtsblatt für Brandenburg, Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 8. Jahrgang, Nummer 48, 3. Dezember 1997, S. 950.

Bildung einer neuen amtsfreien Gemeinde Letschin. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 4. April 2002. In: Amtsblatt für Brandenburg, Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 13. Jahrgang, Nummer 18, 2. Mai 2002, S. 501/2 (PDF; 730 kB)

Kategorie:Ort im Landkreis Märkisch-Oderland Kategorie:Ort im Land Lebus Kategorie:Ersterwähnung 1336 Kategorie:Gemeindegründung 2003