mini|hochkant=1.3|Dorfkirche Falkenhagen.

Falkenhagen (Mark), früher nur Falkenhagen, ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg. Die (Groß-)Gemeinde Falkenhagen wurde am 1. Februar 2005 in Falkenhagen (Mark) umbenannt.Bravours Brandenburg: Änderung des Namens der Gemeinde Falkenhagen. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 28. Dezember 2004. In: Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 16. Jahrgang, 2005, Nummer 2, Potsdam, 19. Januar 2005, S. 20; PDF, (0,4 MB). Der Kernort, heute ein Gemeindeteil, trägt dagegen weiterhin den Namen Falkenhagen. Falkenhagen (Mark) wird vom Amt Seelow-Land verwaltet.

Geografie Der Ort liegt auf der Lebusplatte, einer Grundmoräne der Weichsel-Eiszeit, im südwestlichen Vorland der Eisrandlage der Frankfurter Staffel an einer Stelle, wo eine subglaziale Rinne diese Platte und die Eisrandlage quert. Innerhalb der Rinne ist der Ort von Nord über Ost bis Süden von sechs Seen und weiteren Kleingewässern umgeben.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Gemeindeteilen Falkenhagen, Regenmantel und Georgenthal sowie den Wohnplätzen Grüner Baum, Helenenruh, Jochenshof und Luisenhof.

Geschichte Grabfelder der frühen, mittleren und späten Bronzezeit am Seehotel Luisenhof zeugen von sehr früher Besiedlung. Während der slawischen oder polnischen Herrschaft entstand hier wahrscheinlich eines der beiden Schlösser Thorin oder Rukkowe, welche in einer Urkunde von 1336 vorkommen, aber nicht zugeordnet werden können. Die größte frühgotische Feldsteinkirche Ostbrandenburgs wurde als Basilika-Bischofssitz im 13. Jahrhundert gebaut.

Die erste urkundliche Erwähnung Falkenhagens als Castrum et districtus stammt aus dem Jahr 1313. Im Jahr 1321 war Falkenhagen ein oppidum an der Fernhandelsstraße Magdeburg–Posen. 1375 war Ritter Johann von Wulkow und ab 1412 die Familie von Uchtenhagen, Familie von Bernfelde und die Familie von Scharpelow Besitzer. Um 1400 war Falkenhagen eine Diözese mit 26 Kirchen des Bistums Lebus.

1472 kam für über 300 Jahre die ostelbische, aus dem Raum Magdeburg ursprünglich stammende, Familie von Hohendorff. Diese besaß zeitgleich das Gut im nahen Worin.Vgl. u. a. Georg Schmidt: Genealogische Collectaneen. 1. Heft, In: Ad. M. Hildebrandt: Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. XV. Jahrgang, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag, Berlin 1887, S. 305.Wolfgang Podehl: Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Untersuchung zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung von Altmark, Neumark und Havelland. Hochschulschrift-Zugleich Diss. Univ. Marburg, Fachbereich Geschichtswissenschaft 1973, In: Mitteldeutsche Forschungen. Band. 76; Böhlau, Köln/Wien 1975, ISBN 3-412-01975-5, S. 399. lange im Zusammenhang mit dem 22 km entfernten Gut in Falkenhagen. 1600 hatte die Stadt Falkenhagen eine Schule. 1624 lebten in Falkenhagen 535 Einwohner. 1650 nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bestand die Stadt nur noch aus 52 Hofstellen.

mini|links|Schloss Falkenhagen um 1857/58, in Sammlung Alexander Duncker. Bis zum 17. Jahrhundert hatte Falkenhagen Stadtrechte. Etrwa Anfang der 1770er Jahre endete die Herrschaft der von Hohendorffs in der Region. 1773 kaufte Legationrath Johann Anton von Junck Falkenhagen und baute ein Lustschloss. 1792 heiratete Albertine von Junck Franz Alexander von Kleist. Das Paar zog 1793 nach Falkenhagen in das neu erbaute Schloss. Die hier entstandene Schrift Das Glück der Ehe ist seiner Frau gewidmet. 1797 verstarb Franz Alexander von Kleist. 1796 wurde Falkenhagen an Reichsgraf zu Münster-Meinhöfel verkauft. 1799 wurde Graf von der Goltz Besitzer von Falkenhagen.

Die beiden Seitenschiffe der Kirche wurden 1801 abgebrochen. 1805 erwarb Freiherr von Eckardstein das Schloss, ca. 1815 verwandelte es seine Frau Lisette, geb. von Blumenthal, in ein Herrenhaus und legte einen Park an. 1830 folgten Julius von Eckardstein (1806–1844) und seine Ehefrau Reichsgräfin Wilhelmine Finck von Finckenstein (1817–1871). Im Jahr 1852 wurde zwischen Wasser und Wald das Neue Schloss im Tudorstil erbaut. 1862 kaufte Hugo Schulz-Petershagen (1823–1899) Schloss und Anwesen Falkenhagen. Sein Nachfolger wurde sein wohlhabender zweitjüngster Sohn Dr. jur. Walter Schulz (1865–1927), der eine eigene Familienlinie begründete und seit 1920 den Doppelnamen Schulz-Falkenhagen führen durfte. Das Rittergut Falkenhagen, mit Vorwerk Regenmantel, hatte Anfang der 1920er Jahre einen Gesamtumfang von 1964 ha. Dazu gehörte jener Zeit auch Gut Petershagen mit 926 ha Land. Letzter Schulz auf Falkenhagen war Walter jun. Schulz-Falkenhagen (1922–1943).

1923 wurde das Seengebiet Landschaftsschutzgebiet. Vor 1930 war für den minderjährigen Eigentümer dessen Vetter, Rittmeister d. R. Günther Schulz von Heinersdorf (1881–1938), der gesetzliche Vertreter und Gutsverwalter. Die Gutsleitung selbst führten einige Oberinspektoren.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 233.

1938/39 wurden die Eigentümer der Grundstücke an der Ostseite des Schwarzen Sees durch die Nationalsozialisten enteignet und das Schloss Falkenhagen 1939 abgerissen. An dieser Stelle entstand unter dem Tarnnamen Seewerk ein geheimes Rüstungswerk.Martin Kaule: Faszination Bunker: Steinerne Zeugnisse der europäischen Geschichte. Ch. Links Verlag, Berlin 2014, S. 92. 1940/43 wurde ein unterirdisches Werk zur Herstellung von Chlortrifluorid (N-Stoff) und von 1943/45 eine Sarin-Großanlage errichtet. Die Fertigstellung war frühestens für Mai/Juni 1945 geplant. Im Februar 1945 wurde die komplette Chemiefabrik evakuiert und im April kampflos von sowjetischen Truppen übernommen.

1950 erfolgte der Neubau der Schule und 1954 die Gründung der LPG. Von 1958 bis 1964 wurde der Bunker Falkenhagen durch die GSSD zur ABC-sicheren Ernstfall-Einsatzkommandozentrale des Warschauer Pakts umgebaut. Zwischen 1958 und 1962 wurde in Teilen der Wehrmachtsanlage Plasma-Forschung betrieben. 1962 kam es zur Gründung des Institutes für Werkstoffbearbeitung (Halbleitertechnik). 1995 entstand mit dem Seehotel Luisenhof ein Hotelneubau am Gabelsee. Seit 1998 ist das OderlandCamp mit über 200 Betten eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland, Ziel für zahlreiche Schulfahrten und Reisen von Kindertagesstätten.

Falkenhagen gehörte seit 1817 zum Kreis Lebus in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Seelow im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 879 1890 710 1910 792 1925 874 1933 737 1939 752 Jahr Einwohner 1946 1.076 1950 1.238 1964 1.152 1971 1.110 1981 990 1985 967 Jahr Einwohner 1990 930 1995 881 2000 781 2005 768 2010 752 2015 711 Jahr Einwohner 2020 678 2021 676 2022 677 2023 682 2024 670 2025 669

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 30–33.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011; ab 2022 auf Basis des Zensus 2022.Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022. (PDF; 0,4 MB) statistik-berlin-brandenburg.de

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Falkenhagen besteht aus acht Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis: wahlergebnisse.brandenburg.de

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Wählergruppe Falkenhagen 27,2 % 2 SPD 26,0 % 2 CDU 21,7 % 2 Einzelbewerberin Maria Plontasch 14,8 % 1 FDP 10,3 % 1

Bürgermeister 1998–2003: Lothar Papenfuß (SPD)Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Märkisch-Oderland. Wahlen.Brandenburg.de 2003–2008: Wolfgang Trohl (SPD)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 26. 2008–2014: Bernhard FahndrichKommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 9. seit 2014: Bärbel Mede (SPD)Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014. Wahlen.Bbrandenburg.de/BM-WahlenErgebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019. Wahlen.Brandenburg.de

Mede wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einem Gegenkandidaten mit 51,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9.6.2024. Wahlen.Brandenburg.de

Wappen

Flagge Die Flagge ist Blau – Weiß – Grün (1:3:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Gemeindepartnerschaft Seit dem Jahr 2006 besteht eine Partnerschaft mit der polnischen Gemeinde Kłodawa.

Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Falkenhagen (Mark) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.

Die Dorfkirche wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Basilika mit einem dreischiffigen Langhaus errichtet. Der mächtige Feldsteinbau mit Mauern bis zu zwei Meter Stärke und einer breiten Westfassade ist eine ehemalige Bischofskirche. 1801 trugen Handwerker die Seitenschiffe ab und schlossen die Arkadenbögen. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine Kanzel aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts sowie eine hölzerne Fünte aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Verkehr Falkenhagen (Mark) ist über die Landesstraße L 37 mit der Bundesstraße 5 und damit mit Berlin und Frankfurt (Oder) verbunden. Über die L 37 ist in nördlicher Richtung die Bundesstraße 167 und damit die Kreisstadt Seelow erreichbar.

Der Haltepunkt Falkenhagen lag an der Bahnstrecke Fürstenwalde–Wriezen. 1969 wurde der Personenverkehr eingestellt.

Persönlichkeiten Ernst Engels (1845–1899), Jurist, Bergrat und Mitglied des Deutschen Reichstags, in Falkenhagen geboren Georg Deuter (* 1945), New-Age-Musiker, in Falkenhagen geboren

Literatur Udo Geiseler, Ulrike Hoffmann-Bröcker: Falkenhagen. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz (Hrsg.): Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog (856 Seiten, 275 farbige, 825 SW-Abb.). Band 2. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 123–125. Theodor Goecke (Schriftleitung): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band 6,1: Wilhelm Jung, Friedrich Solger, Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Lebus. Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband, Meisenbach Riffarth & Co., Berlin 1909, S. 45 ff. ZBC

Weblinks

Seite über Falkenhagen (Mark). Amt Seelow-Land. Historie über Falkenhagen (Mark). Falkenhagen-Mark.de

Einzelnachweise

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