mini|Walter Kolb beobachtet als Präsident des Deutschen Turner-Bunds Darbietungen beim Badischen Landesturnfest Walter Kolb (* 22. Januar 1902 in Bonn; † 20. September 1956 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Politiker (SPD). Gemeinsam mit Adickes und Landmann gehörte Kolb zu den Oberbürgermeistern von Frankfurt am Main, die dessen Weg zur modernen Großstadt im 20. Jahrhundert prägten.Hock, Sabine: Kolb, Walter. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe)

Leben

Herkunft und frühe Jahre Kolb wurde 1902 in Bonn als Sohn des Kaufmanns Eduard Kolb (1865–1943) und der aus Koblenz stammenden Försterstochter Clementine Stichter (1866–1933) geboren. In Bonn besuchte er das humanistische Gymnasium. Von 1920 bis 1924 studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Bonn und in München. 1920 erfolgte sein Eintritt in die SPD. Im Jahr 1922 gründete er das Republikanische Studentenkartell, das sich für Demokratie und gegen Antisemitismus an den Hochschulen einsetzte. 1923 wurde er von der französischen Besatzungsverwaltung verhaftet und monatelang in Untersuchungshaft gehalten. Während dieses Gefängnisaufenthalts legte Kolb sein Erstes Staatsexamen ab.http://www.historische-eschborn.de/berichte/Hessen/Walter_Kolb_OB/walter_kolb_ob.html

Seine erste Stelle als Gerichtsreferendar trat er 1924 an und wechselte 1931 als Angestellter des Landwirtschaftsministeriums nach Berlin. Seine politische Karriere erreichte einen ersten Höhepunkt, als er 1932 Landrat des Landkreises Herrschaft Schmalkalden und damit im Alter von 30 Jahren zum damals jüngsten Landrat im Freistaat Preußen wurde.

Kolb gehörte während der Weimarer Republik der Republikschutzorganisation Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an.

Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 Wegen seiner Kritik am Nationalsozialismus wurde Kolb nach der Machtergreifung 1933Kolb, Walter auf www.frankfurt1933-1945.de in den Ruhestand versetzt, offiziell begründet mit Einsparmaßnahmen. Nach anfänglichen Auswanderungsplänen gründete Kolb schließlich eine Anwaltskanzlei in Bonn, wo er rassisch und politisch Verfolgte betreute und dafür mehrfach Haftstrafen erhielt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Kolb 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Er wurde 1944 mit dem Attentat auf Hitler in Verbindung gebracht und verhaftet, obwohl es keine Verbindung zwischen ihm und den Attentätern gab. 1945 gelang es ihm, aus einem Gefangenentransport zu fliehen und bis zum Kriegsende unterzutauchen.

Wirken als Oberbürgermeister Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kolb zunächst Oberbürgermeister (1945/46) und Oberstadtdirektor (1946) der Stadt Düsseldorf. Am 25. Juli 1946 wurde er als erster nach dem Krieg frei gewählter Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt. Am 1. Augusthttps://www.stadtgeschichte-ffm.de/de/info-und-service/frankfurter-geschichte/stadtchronik/1946 trat er das Amt als Nachfolger des CDU-Politikers Kurt Blaum an.

Zu Kolbs wichtigsten Aufgaben zählte der Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Stadt und damit das Schaffen von Wohnraum. Unter anderem war er Initiator der Wiederherstellung der Frankfurter Altstadt mit Römer, Kaiserdom St. Bartholomäus und originalgetreuer Rekonstruktion des Goethehauses. Am 17. Oktober 1946 rief er die Aktion Bürgereinsatz ins Leben und beteiligte sich mit einem Presslufthammer am Römerberg an den Aufräumarbeiten. Zu den später umstrittenen Entscheidungen zählte jedoch auch, dass der Wiederaufbau der Altstadt auf einzelne, herausragende Gebäude beschränkt und die ehemalige Altstadt größtenteils mit zeitgenössischen Wohnhäusern überbaut wurde.

Auch die Wiederbelebung der Messe und der Ausbau des Frankfurter Flughafens zählten zu seinen Arbeitsschwerpunkten. Die erste Frankfurter Friedensmesse ist die Internationale Herbstmesse 1948, wenige Monate nach der Währungsreform. Ab 1946 bemüht sich Kolb bei der US-amerikanischen Militärregierung auch um die Freigabe des Victory Parks. So wurde seinerzeit das Frankfurter Waldstadion (heute: Deutsche Bank Park) nebst Stadionbad genannt, beides im Krieg nicht zerstört. Seine vorgebrachten Behauptungen und Argumente, das Stadionbad diene der Vorbeugung gegen Seuchen, das Waldstadion einem unverzichtbaren Beitrag zur Jugenderziehung, wurden nicht akzeptiert. Erst am 1. Juli 1950 konnte Kolb Stadion und Stadionbad wieder der Bevölkerung übergeben.Victory Park–Das beschlagnahmte Stadion auf frankfurt1933-1945.de. Zwischen 1953 und 1955 ließ Kolb das Waldstadion zur zweitgrößten deutschen Sportarena für 87.000 Zuschauer ausbauen. Ebenso sein Verdienst war die Ansiedlung einflussreicher Sportverbände in Frankfurt, des Deutschen Turner-Bundes, des Deutschen Sportbundes, des Deutschen Fußball-Bundes und weiterer.

Im Jahr 1946 ermutigte Kolb den von den Nazis vertriebenen Sozialphilosophen Max Horkheimer zur Rückkehr nach Frankfurt am Main und überwand schließlich dessen Bedenken, in das Land der Täter zu remigrieren. Im Herbst desselben Jahres wies Kolb das Frankfurter Stadtarchiv (heute: Institut für Stadtgeschichte) an, Akten zu sammeln, die die Judenverfolgung in der NS-Zeit betreffen. Daraus entstand am 17. Mai 1961 die Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden.Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933–1945 auf frankfurt1933-1945.de.

Mit großem persönlichen Engagement setzte er sich in ganz Deutschland für den Wiederaufbau der Paulskirche ein. Ganz Deutschland müsse

Pünktlich zur Jahrhundertfeier der Frankfurter Nationalversammlung wurde die Kirche am 18. Mai 1948 vollendet. Die Frankfurter Bürger hatten in dieser Zeit jedoch ganz andere Sorgen, sie wünschten sich ein Dach über dem Kopf und genügend Essen.

Erfolglos blieb Kolbs vehementer Einsatz in der Hauptstadtfrage der Bundesrepublik Deutschland. Der Parlamentarische Rat und später auch der Deutsche Bundestag stimmten im Mai 1949 gegen Frankfurt. Das vorsorglich errichtete Plenargebäude für den Bundestag an der Bertramswiese erhielt den spöttischen Titel Kolbs Badewanne. Es wurde später vom Hessischen Rundfunk als Sendesaal ausgebaut, der bis heute genutzt wird. Erfolgreicher war Kolb mit seinem nächsten Ziel, den Finanzplatz Frankfurt am Main zum wirtschaftlichen Zentrum Westdeutschlands zu entwickeln. Im Jahr 1947 nahm der Bizonen-Wirtschaftsrat seinen Sitz in Frankfurt am Main, 1948 wurde die Bank Deutscher Länder eröffnet. Daraus entstand später die Deutsche Bundesbank.

Kolb wurde 1950 in den Hessischen Landtag gewählt. Der kahlköpfige Kolb galt wegen seiner großen Leibesfülle als markante Erscheinung. Bekannt wurde er auch für seine Angewohnheit, in seinen frühen Amtsjahren täglich durch den Main zu schwimmen.

Am 25. Todestag Friedrich Eberts am 28. Februar 1950 wurde das nach der Machtergreifung 1933 von der Paulskirche entfernte Denkmal zu Ehren des Reichspräsidenten durch Kolb und den hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock wieder eingeweiht.http://www.ffmhist.de/ffm33-45/portal01/portal01.php?ziel=t_ak_paulskirche_1848 Die Neuerrichtung des Friedrich-Ebert-Denkmals 1950, ffmhist.de.

Auf Kolbs Anregung und in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Sportamt fand 1951 das erste Lohrbergfest statt, das Frankfurter Bergsportfest mit rein leichtathletischen Wettkämpfen für Kinder und Jugendliche Frankfurter Sportvereine. Nach seinem Tod wird dabei jeweils der Walter-Kolb-Gedächtnispreis verliehen, ein Wanderpokal. Kolb weihte am 31. Mai 1953 anlässlich des 3. Lohrbergfestes das Frankfurter Friedrich-Ludwig-Jahn-Denkmal an der Wettkampffläche ein.Turnverein Seckbach 1875#Lohrbergfest Turnverein Seckbach 1875, Lohrbergfest.Lohrberg, Lohrbergfest.

Am 18. März 1954 wurde Kolb für eine zweite Amtszeit von zwölf Jahren als Frankfurter Oberbürgermeister wiedergewählt und hatte dieses Amt bis zu seinem Tod 1956 inne.

Krankheit und Tod Bereits zum Zeitpunkt seiner erneuten Wahl zum Oberbürgermeister im Jahr 1954 war Walter Kolb schwer an Diabetes erkrankt und hatte mehrere Herzinfarkte erlitten. Er verstarb am 20. September 1956 an Herzversagen. Mehr als 100.000 Menschen begleiteten seinen Trauerzug und belegten seine große Beliebtheit bei den Frankfurter Bürgern. Beigesetzt wurde er auf dem Frankfurter Hauptfriedhof in einem städtischen Ehrengrab (Gewann A 55a).Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf Frankfurter Friedhöfen, Frankfurt am Main 1985, S. 7.

Familie Kolb war seit 1932 mit Anna Maria Elisabeth geb. Trimborn (1908–1984) verheiratet, der Tochter von Peter Trimborn. Mit ihr hatte er eine Tochter, die bereits nach einem Tag starb (1940), und Sohn Walter (1944–1961), der bei einem Autounfall in der Schweiz tödlich verunglückte.

Weitere Ämter mini|Gedenkplakette des DTB für Walter Kolb an der Ernst-Moritz-Arndt-Turnhalle in Hamburg 1948 holte Kolb das Turnfest nach Frankfurt am Main, das sich noch nicht wieder Deutsches Turnfest, sondern bescheidener Frankfurter Turnfest nannte. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es noch an einem übergeordneten Turnverband, aber auch an entsprechenden Genehmigungen der Alliierten.Sorg, Heinrich: Von der Stunde Null bis zur Gründung des Deutschen Sportbundes, in: Jahrbuch des Sports 1955/56, Frankfurt am Main, 1955.Woller, Hans: Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1986, ISBN 978-3-486-53841-0. Die Neu-Organisation des Deutschen Turner-Bundes (DTB) wurde über die Grenzen der Besatzungszonen hinweg angestrebt. Dabei handelte es sich um ein Politikum, da diesem Ziel die Direktive 23 des Alliierten Kontrollrats vom 17. Dezember 1945 entgegenstand. Sie befasste sich mit der Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportwesens in DeutschlandAugustin, Sebastian: Der Neuaufbau des Sports in Westdeutschland und der BRD nach dem 2. Weltkrieg, Seminararbeit, Deutsche Sporthochschule, Köln, 2005, S. 5, ISBN 978-3-638-38538-1. und verbot alle bestehenden Vereine in Deutschland. Erst ab 2. August 1946 wurden in der US-amerikanischen Zone allmählich wieder Verordnungen geschaffen, um Vereine auf Ortsebene gründen zu könnenOMGUS an OMGB, 2. August 1946, in: StA Nürnberg, LRA Fürth (1962), Nr. 106a.OMGUS an MinPräs Hoegner, 16. August 1946, in: StA Nürnberg, LRA Fürth (1962), Nr. 106a.Bay. Innenministerium an alle Regierungspräsidenten, 22. November 1946, in: StA Nürnberg, LRA Fürth (1962), Nr. 106a., die allerdings erst ab Januar 1947 griffen.Merkblatt des LRA Fürth, 23. Januar 1947, in: StA Nürnberg, LRA Fürth (1962), Nr. 106a.Bay. Innenministerium an alle Regierungspräsidenten, 30. Juni 1947, in: StA Nürnberg, LRA Fürth (1962), Nr. 106a. Übergeordnete Verbände konnten noch nicht wieder entstehen. Der neu formierte Deutsche Arbeitsausschuss Turnen (DAT) stellte sich dieser Herausforderung, Kolb wurde 1949 zu dessen Vorsitzenden ernannt und unternahm vielfältige diplomatische und politische Vorstöße. 1950 scheiterte ein erster Anlauf zur Neugründung des Deutschen Turner-Bundes durch ein Veto Frankreichs in der Alliierten Hohen Kommission. Am 2. September 1950 gelang es dann – die Gründungsversammlung fand in der Frankfurter Paulskirche statt. Kolb wurde Vorsitzender des DTB, eine Funktion, die er bis zu seinem Tod ausübte.

Kolb hielt die Positionen als Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrs-Aktiengesellschaft Rhein-Main (VAG), als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der 1954 daraus hervorgegangenen Flughafen Aktiengesellschaft Frankfurt/Main (FAG) und war Aufsichtsratsvorsitzender der Messe- und Ausstellungs GmbH.Hock, Sabine: 1902–2002. Zum 100jährigen Geburtstag von Walter Kolb: „Seid einig für unsere Stadt.“ Walter Kolb – Frankfurter Oberbürgermeister 1946–1956. Faltblatt der Walter-Kolb-Stiftung, Frankfurt am Main, Dezember 2001.

Mitgliedschaften Kolb war Mitglied des Bundes der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands.Heinrich Schleich: Gemeinschaft für Christentum und Sozialismus – Bund der Religiösen Sozialisten Deutschlands E.V. in: Frankfurter Kirchliches Jahrbuch 1958, Frankfurt 1958.

Ehrungen