Das Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt ist das ethnologische Museum Kölns. Es ist das einzige städtische ethnologische Museum in Nordrhein-Westfalen und liegt in der Kölner Innenstadt.
Am 22. Oktober 2010 fand die Neueröffnung des Museums im Kulturquartier am Neumarkt statt. Museumsdirektorin ist seit dem 1. Januar 2019 Nanette Jacomijn Snoep. Da ihr Vertrag nicht verlängert wird, wird sie zum Jahresende 2026 ausscheiden. Nanette Snoep. Stadt Köln verlängert Vertrag der RJM-Direktorin nicht, von Michael Kohler, Kölner Stadt-Anzeiger Kultur & Medien, 4. Februar 2026:
Geschichte der Museumsgebäude mini|links|In diesem Gründerzeitbau am Ubierring war das Museum bis 2010 untergebracht. (Foto: 2010) Das Museum befand sich am Ubierring in einem Gründerzeitgebäude, das im Zweiten Weltkrieg durch zwei Bombentreffer teilzerstört wurde. Mehrfach hat Hochwasser die Depots des Museums überschwemmt.
2002 begannen mit dem Abriss der Josef-Haubrich-Kunsthalle die Bauarbeiten für ein neues Museumsgebäude nach Plänen des Braunschweiger Architekturbüros Schneider + Sendelbach. Verschiedene Baustopps und Planänderungen infolge der Finanzlage der Stadt Köln verzögerten mehrfach die Fertigstellung.
Am 22. Oktober 2010 wurde das Museum im neu erbauten Kulturquartier am Neumarkt nach mehr als achtjähriger Bauzeit wieder eröffnet. Der Museumskomplex im Zentrum Kölns bietet Raum für das neue Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt und das Museum Schnütgen – Kunst des Mittelalters, sowie für das JuniorMuseum und den Veranstaltungssaal der Volkshochschule. Beide Gebäude sind mit einem ebenfalls neu erbauten Durchgang verbunden, der gleichzeitig der Präsentation mittelalterlicher Glasfenster dient. Ein Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Kulturquartiers wird von beiden Museen sowie der VHS genutzt. Der Museumsshop, die Information, die Kasse und die Garderobe werden ebenfalls gemeinsam genutzt.
Geschichte der Sammlungen mini|Rautenstrauch-Joest-Museum – Ubierring 45 (um 1910) Das Museum besitzt eine der zehn größten und bedeutendsten ethnografischen Sammlungen Deutschlands. Die Sammlungen umfassen mehr als 65.000 Objekte aus Ozeanien, Afrika, Asien und Amerika. Das Museum verfügt über eine umfassende Kamerun-Sammlung. Von den ursprünglich 3344 Inventarnummern gehörten noch 3164 zum Bestand im Jahr 2023.
Den Grundstock der Sammlung bildet der Nachlass des Kölner Geografen und Völkerkundlers Wilhelm Joest (1852–1897). Zwei Jahre nach Joests frühem Tod auf einer Forschungsreise schenkte seine Schwester Adele Rautenstrauch gemeinsam mit ihrem Mann, dem Kaufmann Eugen von Rautenstrauch, die 3.400 Objekte umfassende Sammlung ihres Bruders der Stadt Köln. Sie förderte außerdem nach dem Tode ihres Mannes mit einer Spende von 250.000 Mark die Errichtung des Museums am Ubierring 45, das nach Plänen von Erwin Crones am 12. November 1906 eröffnet wurde.
Am Ende des Ersten Weltkriegs, als die Engländer Köln besetzt hatten, funktionierten sie das Bauwerk zu einem Lazarett um, wodurch die eigentlichen Exponate bedroht waren.Das Kölner Rautenstrauch-Museum als englisches Lazarett, Berliner Tageblatt, 25. November 1920.
Das Museumsgebäude wurde nach einem Bombentreffer am 28. Februar 1945 geschlossen und erst am 7. Juli 1967 wiedereröffnet. Nach Umzug in das neu erbaute Kulturquartier an der Cäcilienstraße wurde das Museum am 22. Oktober 2010 wiedereröffnet.
Eine wichtige Erweiterung der Sammlung seit dem Zweiten Weltkrieg war der Erwerb der Sammlung ozeanischer und afrikanischer Kunst des Düsseldorfer Künstlers Klaus Clausmeyer 1966 durch die Stadt Köln.Gisela Völker (Hrsg.): Kunst der Welt im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln. Prestel, München 1999, ISBN 3-7913-2179-X. Ebenfalls zur Sammlung beigetragen haben der Kölner Bankierssohn Max von Oppenheim und in neuerer Zeit Irene und Peter Ludwig sowie Hans Wilhelm Siegel.
hochkant|mini|Eingangshalle, im September 2011 Im Jahr 2018 wurde aufgrund eines Beschlusses des Rats der Stadt Köln ein Maori-Schädel im Besitz des Museums an das Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa zurückgegeben.
Mit der Neueröffnung 2010 wurde das Ausstellungskonzept von der klassischen Einteilung in geographische Großräume auf eine thematische Anordnung umgestellt. Unter dem Motto „Der Mensch in seinen Welten“ zeigt die Ausstellung in verschiedenen Abteilungen folgende Themen: Begegnung und Aneignung: Grenzüberschreitungen, Der verstellte Blick: Vorurteile, Die Welt in der Vitrine: Museum, Ansichtssachen?!: Kunst, Türen im Übergang, Lebensräume – Lebensformen: Wohnen, Der Körper als Bühne: Kleidung und Schmuck, Der inszenierte Abschied: Tod und Jenseits, Vielfalt des Glaubens: Religionen, ZwischenWelten: Rituale.
Durch diesen Kulturen-vergleichenden Ansatz – unter Einbeziehung der europäischen Kultur – soll das gleichberechtigte Dasein und die Ebenbürtigkeit aller Kulturen betont werden. Die Auseinandersetzung mit fernen Kulturen soll dabei zur Reflexion und Relativierung der eigenen kulturellen Perspektive anregen.
mini|hochkant|Videoguide (2011) Seit November 2011 können gehörlose Besucher einen Videoguide erhalten, der sie durch die Dauerausstellung führt. Bereits an der Information werden sie auf einem Bildschirm mit einem Video in Gebärdensprache begrüßt und auf die Videoguides hingewiesen, die das Rautenstrauch-Joest-Museum als erstes Kölner Museum eingeführt hat.
Ausstellungsobjekte (Auswahl) hochkant|mini| Reisspeicher (ca. 1935) aus Sulawesi, Indonesien im Foyer des Kulturquartieres (2011) mini|Gamelan Instrumentenensemble mini|Thema des Raumes: Ansichtssachen?! Kunst (2011) mini|hochkant|Thema des Raumes: Die Welt in der Vitrine: Museum (2011) mini|Ein Durga-Altar (2011) mini|Thema des Raumes: ZwischenWelten: Rituale – Maskenvielfalt (2011) Foyer Das Wahrzeichen und größte Exponat des Museums ist ein über 7,50 m hoher, prächtig verzierter Reisspeicher (ca. 1935) aus Sulawesi, Indonesien, der im Foyer des Gebäudes originalgetreu wieder aufgebaut wurde.
Einstimmung: Musik Gamelan-Orchester aus Zentraljava, Indonesien, Anfang 20. JahrhundertEinstimmung: Gamelan, mit ausführlichem Katalogtext (als PDF) zu Gamelan
Ansichtssachen?!: Kunst Figur einer Gottheit dinonga eidu, Nukuoro, Karolinen, 19. Jahrhundert Skulpturen minsereh, Mende, Sierra Leone, 19. Jahrhundert Aufsatzmaske magbo, Yoruba, Nigeria, 19. Jahrhundert Stelenfragment, Piedras Negras, Guatemala, Maya-Spätklassik, 662 n. Chr. Skulptur, Dogon, Tintam-Region, Mali, 15.–17. Jahrhundert Statue einer Gottheit, Emroin, Babar, Babar-Archipel, Indonesien, 19. Jahrhundert Figur eines Gefesselten, vermutlich Jaina, Campeche, Mexiko, Maya-Spätklassik, 500–800 n. Chr. Opfergestell mit weiblicher Ahnenfigur luli, Luhuleli, Leti, Indonesien, 19. Jahrhundert
Lebensräume – Lebensformen: Wohnen Tuareg-Zelt, Niger, 2. Hälfte 20. Jahrhundert Männerhaus, Atsj, Zentral-Asmat, Westneuguinea, 2. Hälfte 20. Jahrhundert
Der Körper als Bühne: Kleidung und Schmuck Hochzeitsschmuck für eine Braut, Kabylen, Maghreb, Algerien, 19. Jahrhundert Federmantel ʻahu ʻula, Hawaii, Polynesien, vor 1824
Der inszenierte Abschied: Tod und Jenseits Porträtgefäß, Moche IV, Peru, ca. 4. Jahrhundert n. Chr. Lendentuch, Chimú, Peru, ca. 1300–1370 n. Chr. Totenboot der Māori, Bay of Plenty, Nordinsel Neuseelands, vor 1840 Zwillingsfiguren ibeji, Yoruba, Nigeria, Anfang 20. Jahrhundert
Vielfalt des Glaubens: Religionen Votivtafel mit stehendem Buddha, Mon, Pegu-Reich, Myanmar, 7.–9. Jahrhundert Elfköpfiger Bodhisattva Avalokiteshvara, Tibet, Südtibet, China, 15./16. Jahrhundert Stehender Gott Shiva, Kambodscha, Angkor-Periode, 2. Hälfte 9. Jahrhundert
Zwischenwelten: Rituale Maske tapuanu, Mortlock-Inseln, Zentrale Karolinen, um 1900 Maske der achtzehn Krankheitsdämonen Daha Ata Sanni Yaku, Südwestküste, Sri Lanka, Ende 19. Jahrhundert Quetzalcoatl-Ehecatl, Zentralmexiko, Azteken, ca. 1480–1519 n. Chr. Interventionen
CONVERSATIONS, von Nando Nkrumah, 2020 STAGEAWEAR, 2022 B/OR/DER ST/OR/IES, 2023
Benin-Bronzen
mini|Unterzeichnung der Vereinbarung zur Eigentumsübertragung der Benin-Bronzen der Stadt Köln an Nigeria am 15. Dezember 2022
Im Februar 1897 raubte die britische Armee schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Kunstwerke aus dem Königspalast von Benin (im heutigen Bundesstaat Edo in Nigeria). Die Objekte wurden danach in Museen weltweit verstreut; das Rautenstrauch-Joest-Museum erhielt 92 (oder 96Die Sammlung von höfischen Kunstwerken aus dem Königreich Benin (Edo State, Nigeria) des RJM. Rautenstrauch-Joest-Museum, abgerufen am 11. Mai 2023) Werke höfischer Kunst zwischen 1899 und 1967 im Rahmen von 15 Schenkungen und Ankäufen. 2022 gab Köln die Kunstwerke zurück.Marion Liedl: 92 Benin-Bronzen aus dem Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum gehören jetzt offiziell wieder Nigeria. WDR, 15. Dezember 2022.
Bibliothek Das Museum verfügt über eine Präsenzbibliothek, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Diese umfasst 40.000 Monografien und Fachzeitschriften, unter denen sich die wissenschaftliche Literatursammlung der 2004 verstorbenen Gründerin des Malaiologischen Apparats der Universität zu Köln, Irene Hilgers-Hesse, befindet. Die Deutsch-Indonesische Gesellschaft übergab diese der Museumsbibliothek 2008 als Schenkung. Der Bestand zählt rund 1500 Bände vorwiegend indonesischer und malaiischer kulturwissenschaftlicher und belletristischer Werke (in lateinischer und Jawi-Schrift) der 1960er bis 80er Jahre, die sonst in Deutschland größtenteils nicht erhältlich sind.
Historisches Fotoarchiv Das historische Fotoarchiv umfasst ungefähr 100.000 Fotografien, unter anderem von Rudolf Oldenburg, Marie Pauline Thorbecke, Georg Küppers-Loosen und Albert Grubauer.
Sonderausstellungen