Das Museum Schnütgen ist ein Museum für christliche Kunst im Kölner Stadtteil Altstadt-Süd. Die meisten Exponate entstanden im Mittelalter zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert im Rheinland. Einzelne Stücke stammen aus der Neuzeit, dem Barock und dem 19. Jahrhundert, auch aus anderen europäischen Kulturen, so auch Byzanz.

Namensgeber des Museums ist der Domkapitular Alexander Schnütgen, der 1906 der Stadt Köln seine umfangreiche Sammlung christlicher Sakralkunst schenkte. Seit 1956 ist das Kunstmuseum in der romanischen Basilika St. Cäcilien untergebracht, seit 2010 mit deutlich erweiterten Ausstellungsflächen im neu erbauten Kulturquartier am Neumarkt. Diese Ausstellungsfläche wurde erstmals vom 4. November 2011 bis zum 26. Februar 2012 mit der Sonderausstellung Glanz und Größe des Mittelalters – Kölner Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt genutzt.

Das Museum gilt aufgrund seines Sammlungsbestandes und seiner Forschungsarbeiten als bedeutendes Institut der Mittelalterforschung.Hugo Borger: Die Kölner Museen. Köln 1990, S. 45. Es sieht sich als „eine der schönsten und reichsten Mittelaltersammlungen in Europa“ in einer Reihe mit den Cloisters in New York City oder dem Musée national du Moyen Âge in Paris.Martin Oehlen: Museen in Köln, Köln 2004, S. 105; Hiltrud Westermann-Angershausen: Die Sammlung; in: Vernissage Nr. 2/03, S. 12.

Geschichte Erster Standort Kunstgewerbemuseum mini|links|Kunstgewerbemuseum und Schnütgen-Museum, rechts der Hansaplatz (um 1910) mini|Hansaplatz – Anbau Schnütgen-Museum, im Hintergrund die Gereonsmühle (um 1910) mini|Die ersten Museumsräume waren bewusst mit Anklängen an sakrale Räume konzipiert, hier ein „Blick in die Kapelle vom romanischen Saal aus“ im ersten Museumsführer von 1910 Namensgeber des Museums ist der Domkapitular Alexander Schnütgen, der 1906 der Stadt Köln seine umfangreiche Sammlung christlicher Sakralkunst schenkte. Als Bedingung für die Schenkung verlangte Schnütgen einen eigenen Anbau zum damaligen Kunstgewerbemuseum am Hansaring 32 gegenüber dem Hansaplatz, das die Sammlung aufnehmen sollte. Das Kunstgewerbemuseum war bereits am 2. Mai 1900 eröffnet worden. Nach Plänen des Architekten Franz BrantzkyAnton Legner, Jubiläumsgedenken. Das Schnütgen-Museum innerhalb der Kölner Museumsfamilie, in: Kleine Festschrift zum dreifachen Jubiläum; 1981, S. 13 (dortige Schreibweise: Frantz Brantzky) – der auch das Kunstgewerbemuseum konzipiert hatte – begann der Anbau Hansaring 32a mit der Grundsteinlegung am 4. November 1908. Die Einweihung fand am 26. Oktober 1910 statt. Wie vom Stifter gefordert, hieß der Anbau seit 1910 Sammlung Schnütgen.

Erster Kustos der Sammlung und Direktor des Museums wurde Schnütgens ehemaliger Assistent, der Theologe und Kunsthistoriker Fritz Witte. Zwischen 1912 und 1926 entstanden unter Witte umfangreiche Veröffentlichungen über die liturgischen Geräte und Gewänder, sowie die Skulpturen der Sammlung. 1918, noch vor Alexander Schnütgens Tod im selben Jahr, wurde die Sammlung umbenannt in Schnütgen-Museum.

Umzug ins Heribertkloster 1932 zog das Schnütgen-Museum erstmals in ein eigenes Gebäude um: In den Räumen der wiedererrichteten Abtei St. Heribert, im rechtsrheinischen Deutz, wurde auf 2000 Quadratmetern ein völlig neues Ausstellungskonzept umgesetzt, das den Ideen des Bauhauses und der Neuen Sachlichkeit verpflichtet war.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurden die meisten Exponate in Klöster, Schlösser und in den Keller des Kunstgewerbemuseums ausgelagert und das Museum geschlossen. Der mittelalterliche St.-Georgs-Kruzifixus, heute eines der bekanntesten Stücke des Museums, war eine Zeitlang im Tresor der Kreissparkasse untergebracht, bevor er zusammen mit vielen anderen Kunstwerken der städtischen Museen im Kunstdepot Hohenzollern ausgelagert wurde. Die in den Ausstellungsräumen verbliebenen Gegenstände wurden bis 1945 durch Kriegshandlungen mitsamt dem Abteigebäude zerstört.

Neueröffnung in der romanischen Kirche St. Cäcilien mini|Kölnische Rundschau, 3. April 1951 mini|Kirche und Anbau für Verwaltung und Bibliothek, im Oktober 2012 Nach Kriegsende wurde Hermann Schnitzler 1953 Direktor des Museums, das er praktisch neu zu errichten hatte. Die Sammlung betreute er in den ersten Nachkriegsjahren von Schloss Alfter aus, wo der größte Teil der Kunstwerke zwischengelagert wurde. Andere Stücke konnten nach und nach aus den verstreuten Depots zurückgeführt und schließlich bis Ende 1950 in Räumen der Kölner Universität wieder vollständig versammelt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Regierungsbaumeister Karl Band entstand der Plan, das Museum in der romanischen Basilika St. Cäcilien neu zu eröffnen. Das ehemalige Stift war 1802 in der Zeit der französischen Besetzung säkularisiert worden. Das Gelände mit Klostergebäude war auf Bitten der Kölner von Napoleon 1805 samt Kirche an die Stadt zurückgegeben worden zur Errichtung eines Spitals. St. Cäcilien diente dann bis zum Zweiten Weltkrieg als Kapelle des „Bürgerspitals“. Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 11. Auflage, Köln, Bachem Verlag, 1990, S. 252.

Der durch die Operation Millennium stark beschädigte Kirchenbau wurde restauriert und nach Plänen von Karl Band mit einem kleinen Anbau für Bibliothek und Verwaltung versehen. Im Mai 1956 öffnete das Museum als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg erneut seine Tore. Zu dieser Zeit sah man den neuen Standort noch als Provisorium an, mit dem Erzbistum war zunächst ein Nutzungsvertrag über 20 Jahre geschlossen worden.

Kurz zuvor erhielt die Kirche jedoch auch eine neue Weihe durch Joseph Kardinal Frings: Bis in die Gegenwart erfüllt St. Cäcilien seine Doppelfunktion als Museumsbau und Kirche, so finden etwa am Cäcilientag (22. November) und an Weihnachten Gottesdienste statt.

Zeitgleich gründete sich 1956 der Förderverein Pro Arte Medii Aevi Freunde des Schnütgen-Museums e. V., der in den Folgejahrzehnten für den Ankauf einer ganzen Reihe von Kunstwerken sowie für eine Schriftenreihe verantwortlich zeichnete. Unter den Gründungsmitgliedern war auch Konrad Adenauer.

Unter Anton Legner, der das Museum 1970 bis 1990 leitete, wurde die Ausstellungsfläche 1977 durch Ausbau der Krypta erweitert und das Museum vollständig neu eingerichtet. Finanzielle Unterstützung dabei leistete das erste Konjunkturprogramm der Bundesregierung.Anton Legner, Jubiläumsgedenken. Das Schnütgen-Museum innerhalb der Kölner Museumsfamilie. in: Kleine Festschrift zum dreifachen Jubiläum; S. 18.

Von Oktober 2001 bis März 2003 war das Museum, das 2001 von Schnütgen-Museum in Museum Schnütgen umbenannt wurde, für eine umfassende Sanierung geschlossen und eine Reihe von Kunstwerken gingen als Leihgaben in andere Kunstmuseen, z. B. nach Paris, München und Nürnberg. In der Zwischenzeit wurde das Ausstellungskonzept an zeitgemäße Bedürfnisse angepasst und die Räume mit moderner Licht-, Lautsprecher- und Sicherheitstechnik sowie einem auf Ambiente und Kunstwerke abgestimmten Vitrinensystem ausgestattet. Ein audiovisuelles Führungssystem mit mobilen Geräten ergänzt seitdem die traditionellen Führungen.

Erweiterung im Kulturquartier am Neumarkt Von 2006 bis 2010 entstand westlich der Cäcilienkirche der Neubau des Kulturquartiers am Neumarkt, das die Fläche für das Museum Schnütgen um 60 % auf 1900 Quadratmeter erweitert und außerdem das Rautenstrauch-Joest-Museum, den Museumsdienst und einen Saal der Volkshochschule aufnimmt.

Erstmals seit den Vorkriegszeiten im Deutzer HeribertsklosterRede des Oberbürgermeisters Fritz Schramma anlässlich der Wiedereröffnung des Museums Schnütgen am 23. März 2003 (PDF; 15 kB). werden nun auch neben der Sammlung von Glasmalereien (z. B. Muttergottes und die heilige Ursula oder Moses und die Eherne Schlange) eine Reihe weiterer bisher im Depot aufbewahrter Stücke angemessen präsentiert, insgesamt etwa 2000 der 13.000 Objekte..

Am 22. Oktober 2010 wurde der neue Komplex mit einer Feierstunde eröffnet.Martin Oehlen: Das neue Kölner Kulturquartier auf ksta.de, 22. Oktober 2010.

Museumsleitung 1918–1937 Fritz Witte (seit 1906 Kustos) 1953–1970 Hermann Schnitzler (seit 1937 Kustos) 1970–1990 Anton Legner 1990–2010 Hiltrud Westermann-Angerhausen 2010/11 Dagmar Täube (kommissarisch) seit Januar 2012 Moritz Woelk

Sammlung Entstehung und Umfang mini|Alexander Schnütgen (Leopold von Kalckreuth, 1910)|hochkantalternativtext=Kamm des Mittelalters aus St. Heribert|mini|hochkant|Elfenbeinkamm des Heiligen Heribert Alexander Schnütgens Sammlung entstand aus dem Bedürfnis heraus, Kunstgegenstände über eine Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos galten und zu verfallen drohten. Sein Motto war „colligite fragmenta, ne pereant“ (Sammelt die übrig gebliebenen Stücke, damit sie nicht zugrunde gehen). Kap. 6, Vers 12 Johannesevangelium (Vulgata). In einer Ausgabe der Zeitschrift für christliche Kunst verzeichnet Schnütgen 500 Tafel- und Miniaturgemälde, 200 Glas- und Hinterglasmalereien, fast 600 Skulpturen, über 1000 Metallgegenstände, 400 Ledersachen, 200 Paramente, über 100 Gläser und Krüge sowie 4000 Gewebe, Stickereien und SpitzenSabine Czymmek, Mikrokosmos in Elfenbein. in: Kleine Festschrift zum dreifachen Jubiläum; S. 28., die er allesamt in seinem Privathaushalt aufbewahrte.

Nach dem Umzug der Sammlung in die ersten Museumsräume erfolgte die notwendige Inventarisierung. In den Folgejahren gab es einzelne Zukäufe und weitere Schenkungen durch Alexander Schnütgen, so dass bereits 1911 ein Ausbau des Dachgeschosses im Kunstgewerbemuseum notwendig wurde. Eine 1912 gegründete Stiftung sollte den weiteren Ausbau der Sammlung finanziell unterstützen. Als Schnütgen im November 1918 starb, gingen weitere Bestände, darunter Gemälde, Plastiken und Bücher, auf dem Wege der Erbschaft an das Museum, so dass es im Folgejahr schließen musste, um die gewachsene Sammlung ordnen zu können.

Im Laufe der Zeit veränderte sich Charakter und Umfang der Sammlung, so dass heute nur noch ein kleinerer Teil aus der Original-Sammlung von Schnütgen stammt. 1930 kam eine ganze Reihe Kunstwerke zur Versteigerung, um einen Ausbau des Kunstgewerbemuseums zu finanzieren. Eine weitere Veränderung der Sammlungsstruktur markiert das Jahr 1932, als die Kölner Museen nach ihren Fachrichtungen neugegliedert wurden. Alltagsgegenstände und die Gemäldesammlung gingen ins Kunstgewerbemuseum und ins Wallraf-Richartz-Museum, dafür erhielt das Schnütgen-Museum sakrale Bestände aus den anderen Kölner Museen, etwa Elfenbeinwerke, ein Tympanon aus St. Pantaleon und mittelalterliche Glasgemälde, denen in den neuen Gebäuden im Deutzer Heribertskloster ein repräsentativer Raum gegeben werden konnte.

Kontinuierlich wurde die Sammlung durch Schenkungen und Ankäufe, aber auch Dauerleihgaben erweitert. Eines der bekanntesten Exponate, den Torso des Kruzifixus aus St. Georg, erwarb Fritz Witte in den 1920er Jahren. Unter Hermann Schnitzler und Anton Legner kamen Messgewänder, romanische Emailkunst, Glasgemälde und Elfenbeinminiaturen dazu. Eine nicht unwesentliche Anzahl Stücke erwarb der Förderverein Pro Arte Medii Aevi. Eine Patenschaftsaktion unter dem Motto „Lassen wir sie nicht verschimmeln“ im Jahr 2001 regte Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen zur Übernahme von Restaurierungskosten an. So konnte eine größere Anzahl von Kunstwerken, die bis dahin nur im Depot aufbewahrt worden waren, wiederhergestellt werden.