mini|Außenansicht des Kolumba-Neubaus (2007) mini|hochkant|Detailansicht der Außenwand, im September 2007 Kolumba (bis 2004 Erzbischöfliches Diözesanmuseum Köln) ist das Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Es wurde 1853 gegründet und ist das zweitälteste Museum in der Stadt. Sein Name geht auf die kriegszerstörte spätgotische Kirche St. Kolumba zurück, über deren Ruine in der Kolumbastraße der Museumsneubau des Schweizer Architekten Peter Zumthor errichtet wurde. Er wurde 2007 eröffnet.
Geschichte Das Museum wurde 1853 vom Christlichen Kunstverein für das Erzbistum Köln gegründet und ging 1989 in die Trägerschaft des Erzbistums Köln über. Ausgehend von der traditionellen Sammlungsstruktur des 1853 gegründeten Diözesanmuseums versteht sich Kolumba als Kunstmuseum in kirchlicher Trägerschaft, das jenseits aller Sparten und Spezialisierungen Fragen künstlerischer Gestaltung umfassend darstellen möchte. Als „Museum der Nachdenklichkeit“ sieht sich Kolumba als ein „Angebot zur Auseinandersetzung mit dem zur Kunst gewordenen Leben“.
Architektur mini|hochkant=1.5|Fundamente/Ausgrabungen der zerstörten romanischen Kirche St. Kolumba, im September 2007
Bis zum 9. April 2007 befand sich das Museum in unmittelbarer Nähe zum Kölner Dom am Roncalliplatz.
Das Atelier Zumthor gewann 1997 den ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb für das neue Kunstmuseum. Bis 2003 dauerten die Planungen an. Am 1. Oktober 2003 wurde der Grundstein gelegt und das Museum am 15. September 2007 durch Kardinal Meisner eröffnet.
Der Neubau repräsentiert auch architektonisch das Präsentationskonzept des „lebenden Museums“. Zumthor setzte das Prinzip der Gegenüberstellung von Altem und Neuem in der Setzung des Neubaus auf den ursprünglichen Grundriss und die Mauerreste von St. Kolumba um. Der auf Sicht gemauerte Backstein des Neubaus, der speziell für diesen Bau gebrannt wurde, verbindet sich harmonisch mit dem Natur- und Backsteinmauerwerk der im Zweiten Weltkrieg zerstörten romanischen Kirche St. Kolumba und den Zementsteinen des Nachkriegsbaus.Elke Backes: Kolumba. Die Evolution eines Museums. B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2015, ISBN 978-3-87448-399-5, S. 39 (4. Architektur und Konzept von Kolumba; 4.1 Grundriss, Material und Statik). Auf diese Weise stellt sich die Architektur des Museums dem baugeschichtlichen Kontinuum und wird selbst Teil davon.
Im Innenraum ist der Bau als „Museum der geistigen Vertikalität“ konzipiert. Die Ausstellungsräume entwickeln ihre Atmosphäre durch den vorherrschenden Eindruck des wechselnden Tageslichtes, auf künstliche Lichtquellen wird verzichtet. Die zahlreichen bodentiefen Glasfronten schaffen den Eindruck einer Verschmelzung von Innen- und Außenraum. Auf diese Weise wird auch hier wieder das „lebende Museum“ verkörpert, die Grenzen verschwimmen und es soll eine Atmosphäre der Offenheit und Unbegrenztheit entstehen.
Der Neubau bezieht sowohl die Fundamente der im Zweiten Weltkrieg zerstörten romanischen Kirche St. Kolumba als auch die von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm an ihrer Stelle erbaute Kapelle „Madonna in den Trümmern“ ein. Dem Museum liege „ein einmaliges Konzept zugrunde“Ralf Gührer: Kolumba. Genese eines Konzepts. Verlag PH. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2020, ISBN 978-3-87707-188-5, S. 314., das kein Maßstab für andere kirchliche Museen sein will, resümiert Ralf Gührer in seiner Dissertationsschrift zur Genese des Kunstmuseums. Mensch und Kunstwerk geraten im Kolumba-Konzept zu SubjektenPia Zeugin: Das Kolumba-Konzept. Museum als Laboratorium. In: profan (= Jahrbuch Kunst und Kirche 2019–2021. ). Hrsg. von der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche/SSL. Redaktion: Alexia Zeller, Veronika Kuhn. Baldegg 2021, , S. 66., weil der Rahmen dafür geboten werde, „sich mit Freiheit und Muße darauf einzulassen […], was Josef Pieper als das dem Menschen Eigentliche beschreibt, das Fest.“Ralf Gührer: Kolumba. Genese eines Konzepts. Verlag PH. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch 2020, ISBN 978-3-87707-188-5, S. 328.
Objektbeteiligte Architektur: Peter Zumthor Mitarbeit: Rainer Weitschies (Projektleitung) Tragwerksplanung: Jürg Buchli, Ottmar Schwab, Reiner Lemke Örtliche Bauaufsicht: Stein Architekten (Wolfram Stein, Michael Stein)
Auszeichnungen und Preise 2008: DAM Preis 2008: Brick Award 2009: Museumspreis für Kuratoren und Ausstellungsmacher der Kulturstiftung hbs 2010: Kölner Architekturpreis 2011: Architekturpreis NRW 2013: Nike des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA (für Atmosphäre) und Hauptpreis Große Nike (für Atmosphäre und Symbolik, Fügung und Komposition) 2013: Museum des Jahres In: art – Das Kunstmagazin. 18. November 2013, abgerufen am 18. November 2013.
Sammlung mini|hochkant|Elfenbeinkruzifix (2. Hälfte des 12. Jahrhunderts) alternativtext=Veilchenmadonna, Prunkstück des Museums|mini|hochkant|Lochner: Madonna mit dem Veilchen mini|hochkant|Madonna im Erker mini|hochkant|Geisselbrunn: Muttergottes mit Kind, Alabaster, 1650 mini|Die vier Gekrönten Die Sammlung reicht von der Spätantike bis in die Gegenwart, von romanischer Skulptur bis zur Rauminstallation, von mittelalterlicher Tafelmalerei bis zum Radical Painting, vom gotischen Ziborium bis zum Gebrauchsgegenstand des 20. Jahrhunderts. Die Suche nach einer übergreifenden Ordnung, nach Maß, Proportion und Schönheit ist als verbindendes Element aller künstlerischen Gestaltung der Leitfaden der heterogenen Sammlung. Schwerpunkte bilden das frühe Christentum (herausragende koptische und syrische Gewebe), Malerei, Plastik und Goldschmiedekunst des 11. bis 16. Jahrhunderts (u. a. Herimannkruzifix mit römischem Lapislazuliköpfchen, romanisches Kruzifix aus Erp, Stefan Lochners Madonna mit dem Veilchen, Die vier Gekrönten vom Epitaph des Nikolaus von Beuren)B. von Flüe, R. 5. Messgewänder und Pergamenthandschriften sowie Zeugnisse der Volksfrömmigkeit und eine der vollständigsten Sammlungen von Rosenkränzen.
Dieser Bestand erfuhr 1996 eine herausragende Bereicherung durch die Schenkung Härle, in der zwei Drittel einer der ehemals bedeutendsten deutschen Privatsammlungen mittelalterlicher Skulpturen enthalten sind. Das 19. Jahrhundert ist mit Malerei, Handzeichnung und religiöser Druckgraphik vertreten. Im Bereich der Klassischen Moderne konnte eine Sammlung aufgebaut werden, die als Brücke zwischen dem 19. Jahrhundert und zeitgenössischer Kunst eine wesentliche Rolle spielt. Die Schenkung des Teilnachlasses von Andor Weininger, der am Bauhaus in Weimar und Dessau von großer Bedeutung war, setzte hier 1999 einen Meilenstein. In der Moderne richtet sich die Sammlungstätigkeit auf künstlerische Diskurse zu Fragestellungen der menschlichen Existenz, die gerade auch für die Kirche von Bedeutung sind. Repräsentanten dieser Diskurse sind u. a. Heinrich Campendonk, Hermann Stenner, Alexej von Jawlensky, Gerhard Marcks, Hildegard Domizlaff und Georges Rouault. Zur Avantgarde der 1970er Jahre finden sich in Kolumba Werke von Künstlern wie Joseph Beuys, Manolo Millares, Antonio Saura und Antoni Tàpies. Das Museum verfügt außerdem über die weltweit umfangreichste Sammlung zu Paul Thek. Im Bereich der zeitgenössischen Kunst finden sich Einzelwerke sowie Werkgruppen u. a. von Louise Bourgeois, Peter Dreher, Herbert Falken, Leiko Ikemura, Rebecca Horn, Roni Horn, Attila Kovács, Wolfgang Laib, Thomas Lehnerer, Joseph Marioni, Rune Mields, Agnes Martin, Thomas Rentmeister, Chris Newman, Richard Tuttle und Darío Villalba. Dabei liegt der Sammlungsschwerpunkt auf Papier-Skizzen, Entwürfen und Zeichnungsserien.
Ein besonderer Ankauf gelang 1999 mit Unterstützung verschiedener Kulturstiftungen und privater Mäzene aus dem Besitz Eugen zu Oettingen-Wallersteins: Es handelt sich um ein romanisches Elfenbeinkruzifix, das Kunsthistoriker in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren und der rheinisch-maasländischen Tradition zuordnen. Die 53 cm große Skulptur des Corpus Christi zeichnet sich durch hohe Plastizität und für die frühe Zeit außergewöhnliche Präzision der Gesichtszüge und Haare aus. Das Antlitz trägt nach überwundenem Leiden friedliche und sehr menschlich-individuelle Züge.
Renate König, die Urenkelin des Brauereigründers Theodor König und wurde 1928 in Duisburg geboren. Sie studierte an der Universität Bonn Volkswirtschaft und übernahm 1967 zusammen mit ihrem Cousin Leo König in vierter Generation die Leitung der Brauerei. Seit 1981 baute Renate König eine Privatsammlung von illuminierten mittelalterlichen Handschriften und Büchern aus dem christlichen Umfeld auf. Ein erster Kontakt mit Kölner Museen und dem Kurator Joachim M. Plotzek datiert ebenfalls aus dieser Zeit. Nachdem ihre Sammlung seit 2001 regelmäßig im erzbischöflichen Museum in Köln ausgestellt und auch betreut wurde, schenkte sie die Sammlung 2017 an das Kolumba. Das Museum gibt eine wissenschaftliche Reihe heraus, die der Sammlung Renate König gewidmet ist.
„Lebendes Museum“ Das lebende Museum unterscheidet nicht zwischen ständiger Sammlung und Wechselausstellung. Es zeigt in jährlich mehrfachem Wechsel Werke der eigenen Sammlung in sich verändernden Kontexten. Charakteristisch für das fast private Ambiente sind das Fehlen von Objektbeschriftungen sowie das Miteinander der Werke unabhängig von chronologischen, stilgeschichtlichen oder medialen Zusammenhängen. Von wenigen Hauptwerken abgesehen, die als identifizierende Werke immer an ihrem Ort sind, ist gleichzeitig nur eine Auswahl der Sammlung ausgestellt, deren Inszenierung wechselnden Gesichtspunkten folgt.
Die stetige Gegenüberstellung von alter und zeitgenössischer Kunst schafft einen Dialog zwischen der Erinnerung bzw. Vergangenheit der Sammlung und der Gegenwart des Betrachters. Dieser Dialog findet in Führungen und Veranstaltungen zur Musik, Theologie und Philosophie eine Fortsetzung. Weiterhin kann die Auseinandersetzung mit den Kunstwerken in kostenlos erhältlichen Essays zu Einzelwerken, in der Benutzung der Bibliothek oder im Rückgriff auf die Schriftreihen des Museums vertieft werden.
In der Reihe Sterne für Kolumba werden Arbeiten aus den verschiedensten Sammlungsbereichen und monographische Werkschwerpunkte vorgestellt. Der Dialog zwischen den Werken steigert deren Erlebnis- und Deutungsmöglichkeiten. Einzelausstellungen galten etwa Andy Warhol – Crosses oder Joseph Marioni – Triptych; kunstimmanente Fragestellungen bearbeiteten Themenausstellungen Über die Farbe, Über die Ambivalenz und Über die Wirklichkeit.
Seit 1993 zeigt die Reihe … im Fenster zeitgenössische Einzelpositionen. Mehrfach war das Museum mit seinem Konzept auswärts zu Gast und ließ sich auch auf ungewohnte Kontexte ein (u. a. Kölnischer Kunstverein, Kunsthalle Baden-Baden, Kirche und Kunststation St. Peter, Köln, Schauspielhaus Köln). Mit Leihgaben ist Kolumba von Bilbao bis Brisbane, von New York bis Berlin international vertreten. Als Trilogie versteht sich die Reihe der großen Handschriftenausstellungen, die das Museum gezeigt hat (Vaticana 1992, Die Kölner Dombibliothek 1998, ars vivendi – ars moriendi 2001).
Die Neupräsentation des eigenen Kunstbestandes wechselt jeweils zum 14. September eines jeden Jahres, dem Fest der Kreuzerhöhung (nach vorheriger zweiwöchiger Schließung).
In Raum 10 werden jeweils in vierteljährlichem Wechsel die Reihe zeitgenössischer Positionen fortgesetzt. Dazu erscheint jeweils ein Künstlerheft.
Museumsbestände (Auswahl) Hermann-Ida-Kreuz Leiko Ikemura, Konvolut: Das Museum Kolumba besitzt die größte Sammlung von Werken der Japanerin Leiko Ikemura Stefan Lochner: Madonna mit dem Veilchen Anonym: Madonna im Erker Paul Thek: Shrine, 1969 Jannis Kounellis: Tragedia civile, 1975 Christus in der Rast, Lindenholz um 1480 Clarence-Stundenbuch, London um 1428 (aus der Sammlung R. König) Elfenbeinkruzifix, Rheinland 2. Hälfte 12. Jahrhundert
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