Christoph Meili (* 21. April 1968, bürgerlich Michel Christopher Meili) ist ein schweizerisch-amerikanischer Whistleblower, der 1997 die Vernichtung von alten Bankbelegen über nachrichtenlose Vermögen von Holocaust-Opfern bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) publik machte.
Der «Fall Meili» Meili arbeitete 1997 im Auftrag der Wache AG. In: banking.senate.gov. 6. Mai 1997 (PDF; 7 kB). bei der Schweizerischen Bankgesellschaft als Nachtwächter. Er beobachtete, dass zahlreiche Belege über Bankbeziehungen mit (wie er meinte) jüdischen Holocaust-Opfern für den Schredder bereitgestellt wurden. Die Vernichtung von Akten über solche nachrichtenlosen Vermögenswerte wurde in der Schweiz im Jahr zuvor verboten.Die Parlamentarische Initiative 96.434: Bundesbeschluss betreffend die historische und rechtliche Untersuchung des Schicksals der infolge der nationalsozialistischen Herrschaft in die Schweiz gelangten Vermögenswerte trat in Kraft am 14. Dezember 1996. Dieser Beschluss war die legale Grundlage der Bergier-Kommission, die am 19. Dezember 1996 konstituiert wurde. Die Artikel 4, 5 und 7 verboten die Zerstörung von Akten, die nachrichtenlose Vermögen betrafen. Siehe bezügl. der genauen Daten. In der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1997Patricia Diermeier: . Orell Füssli Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-280-06009-5. nahm er einige dieser Belege aus den Bankräumlichkeiten zu sich nach Hause, um sie an die Redaktion des Tages-Anzeigers zu übergeben. Nachdem dies scheiterte, übergab er sie Vertretern der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Diese übergaben die Dokumente sogleich der schweizerischen Kriminalpolizei. Die Presse berichtete am 14. Januar 1997 über den Vorfall.Chronologie: Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Kurzübersicht 1934–1994. Schweizer Parlament (PDF; 120 kB). Dabei wurde übersehen, dass die «geretteten» Akten aus den Jahren 1897 bis 1927 stammten. Kantonsparlament Zürich (DOC; 416 kB). und somit nicht direkt mit nachrichtenlosen Vermögen in Zusammenhang stehen konnten.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich eröffnete daraufhin ein Strafverfahren gegen Meili wegen Verstosses gegen das BankgeheimnisBundesgesetz über die Banken und Sparkassen (BankG), Art. 47, was in der Schweiz ein Offizialdelikt ist.Thomas M. Schwarb: . Fachhochschule Solothurn, Juli 1998 (PDF; 4 kB). Der US-amerikanische Anwalt Ed Fagan kontaktierte Meili und bewog diesen, in die USA auszuwandern, wo er und seine Familie – unterstützt von Fagan und Senator Al D’Amato – in den Genuss eines erleichterten Einwanderungsverfahrens kamen und politisches Asyl erhielten.An Act. For the relief of Michel Christopher Meili, Giuseppina Meili, Mirjam Naomi Meili, and Davide Meili. (PDF; 251 kB); wurde von Präsident Bill Clinton am 29. Juli 1997 unterschrieben und wurde so zu Private Law 105-1.. Schweizer Parlament, 9. Juni 1997; und die von Bundesrat Flavio Cotti. Laut einem amerikanischen Pressebericht sind Meili und seine Familie die einzigen Schweizer, die je in den Vereinigten Staaten politisches Asyl erhielten.. In: PRNewswire. 1. Mai 2000.
Am 13. Januar 1998 erhob Fagan in Meilis Namen Klage gegen die SBG und forderte eine Summe von 2,56 Milliarden US-Dollar. Der Vergleich der Schweizer Banken mit den Klägern im Verfahren um jüdische Vermögen bei Schweizer Banken in der Höhe von 1,25 Milliarden Dollar vom 13. August 1998 deckte auch Meilis Klage ab und beendete diese somit.Chronologie: Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Kurzübersicht 1934–1994. Schweizer Parlament (PDF; 120 kB). Ebenfalls 1998 wurde die Strafuntersuchung des Kantons Zürich gegen Meili mangels strafbaren Verhaltens eingestellt.
Weitere Entwicklung Meilis Ehe wurde Ende Februar 2002 geschieden.Stewart Ain: . In: World Jewry. United Jewish Communities, 28. Februar 2002. In der Zeitung Die Weltwoche kritisierte Meili Fagan, der ihn instrumentalisiert und dann im Stich gelassen habe. Meili gab an, die 1 Million US-Dollar, die er nach dem Vergleich mit den Banken hätte bekommen sollen, nie erhalten zu haben.Christoph Meili: . In: Die Weltwoche. 38/03, 2003 (Gespräch, aufgezeichnet von Patricia Diermeier). Laut einem Bericht der Zeitschrift Facts vom 17. März 2005 hatte er 750'000 Dollar erhalten.. In: Facts. 5/11, 17. März 2005, S. 10. Im April 2004 lancierte Fagan erneut eine Kampagne gegen die Schweizer Banken im Zusammenhang mit Zwangsarbeit bei der I.G. Farben im Zweiten Weltkrieg. Dabei wurde er anscheinend wiederum von Meili unterstützt.. In: Basler Zeitung. 14. April 2004.. SRF, 10vor10. 15. April 2004.
Die Schweizer Journalistin Patricia Diermeier veröffentlichte 2003 im Orell Füssli Verlag mit Meili – Mission zwischen Moral und Milliarden ein Buch über die Ereignisse rund um Meili, das medial grosse Beachtung fand. Von einer jüdischen Organisation erhielt Meili ein Stipendium, um in New Jersey mit einem Studium in Kommunikationswissenschaften eine neue Existenz in den USA aufzubauen. Nach Abschluss dieses College-Studiums im Mai 2004 arbeitete er dennoch wieder als Wachmann. Am 14. Mai 2005 wurde er in den USA eingebürgert. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung SonntagsBlick, das am 21. Oktober 2006 publiziert wurde, wiederholte Meili seine Kritik an Fagan und den jüdischen Organisationen.Dominik Hug: Christoph Meili bereut alles. In: SonntagsBlick. 21. Oktober 2006.. In: Basler Zeitung. Oktober 2006. Als Reaktion auf die Darstellung im SonntagsBlick veröffentlichte Meili am 23. Oktober 2006 auf Google-Video eine Replik mit dem Titel Blick lügt.
Meili veröffentlichte gelegentlich Videos auf YouTube, in denen er über sein Privatleben erzählte, darunter eines Mitte Januar 2009, in dem er bekannt gab, wegen finanziellen Problemen aus seiner bisherigen Wohnung ausgezogen zu sein und in seinem Auto zu wohnen.Marius Egger: Christoph Meili: «Jetzt wohne ich im Auto». In: 20 Minuten. 16. Januar 2009.
Am 2. April 2009 kehrte Meili nach mehr als elf Jahren Aufenthalt in den USA wieder in die Schweiz zurück.Deborah Rast: «Hier bin ich in Sicherheit». In: 20 Minuten. 5. April 2009. Die Rückkehr wurde auf eine bereits im Vorfeld organisierte medienwirksame Art inszeniert – unter anderem mit Hilfe des SonntagsBlick-Reporters Beat Kraushaar. «Ich habe Christoph Meili versteckt: Wie ein Aargauer den berühmten Whistleblower deckte». Auf seiner Heimreise aus den USA wurde Meili von Journalisten des Ringier-Verlags, des Herausgebers der Boulevardzeitungen Blick und SonntagsBlick, begleitet. Laut Medienberichten soll Ringier Meili finanzielle Unterstützung zugesprochen haben.«Meili ist eine Nullnummer und Witzfigur». In: 20 Minuten. 6. April 2009.
Literatur Patricia Diermeier Reichardt: Meili. Mission zwischen Moral und Milliarden. Orell Füssli, Zürich 2003, ISBN 3-280-06009-5. 2., überarbeitete und aktualisierte Aufl.: Die Affäre Meili. Ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden. Edition Docmine, Zürich 2018, ISBN 978-3-033-06874-2.
Filme Daniel von Aarburg verfilmte die Ereignisse, der Dokumentarfilm Affäre Meili – Ein Whistleblower zwischen Moral und Milliarden feierte Mitte August 2018 Premiere.Gisela Blau: «Ich würde es wieder tun». Die Affäre Meili – eine Chronologie. In: Tages-Anzeiger. Abgerufen am 20. August 2018.
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(englisch)
Einzelnachweise
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