mini|Sitz des Kölnischen Stadtmuseums (Interim): Haus Franz Sauer (2024) alt=Ansammlung von Objekten, die mit Transportverbindungen in Zusammenhang stehen, darunter verschiedene Fahrräder, ein lebensgroßes Rüstkammerpferd ein rotes, kutschenartiges Auto|mini|Blick in die Dauerausstellung (2024), mit Zweirädern, dem lebensgroßen Rüstkammerpferd und einem Ford-Motorwagen aus dem Jahr 1902 mini|Logo (seit März 2022) Das Kölnische Stadtmuseum ist das stadtgeschichtliche Museum der Stadt Köln, das seit März 2024 seinen vorübergehenden Sitz im ehemaligen Modehaus Franz Sauer hat, zentral gelegen zwischen Minoritenkirche, Museum Kolumba und ausgehender Breite Straße.
Zur Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums gehören rund 350.000 Objekte vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Bestände erstrecken sich vom Stadtsiegel aus dem Jahre 1268 über Gemälde und Grafiken, Militaria, Münzen, Textilien, Möbel und Alltagsgegenstände bis hin zu materiellen Zeugnissen aktueller Kölner Ereignisse. Sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Themen der letzten 1200 Jahre können so sowohl am einzelnen Objekt wie auch in thematischer Tiefe erschlossen werden. Mit dem aktuellen Konzept (2024) wird nur ein kleiner Ausschnitt aus der Sammlung öffentlich gezeigt, dieser jedoch epochenübergreifend in den Kontext von Emotionen gestellt, die einen zentralen Bestandteil der Dauerausstellung bilden und gesellschaftliche und historische Fragestellungen anders als gewohnt aufgreifen.
Das Stadtmuseum residierte in seiner über 130-jährigen Geschichte unter wechselnden Namen und in verschiedenen Bauten im Stadtgebiet. Auch der aktuelle Standort ist nur provisorisch, nachdem das seit 1958 genutzte Gebäude des historischen Zeughauses 2017 aufgrund eines Wasserschadens geräumt werden musste und nur noch die anliegende Alte Wache für Sonderausstellungen genutzt werden konnte.
Die jährlichen Besuche lagen am alten Standort mit seinen massiven Einschränkungen zuletzt bei 19.832. Anders als in anderen Städten ist etwa die Hälfte des Museumspublikums in Köln gemeldet, was auch schon als Indiz für die kölsche Heimatverbundenheit interpretiert wurde. Das aktuelle Konzept mit seinem emotionalisierenden Ansatz soll ebenfalls explizit „identitätsstiftend für die Stadtgesellschaft“ sein.
Geschichte
Anfänge und Vorgeschichte Als Universalmuseum existierte zum Ende des 19. Jahrhunderts nur das 1827 gegründete Wallraf-Richartz-Museum, das auf der Sammlung Ferdinand Franz Wallrafs basierte – dieses gilt als ältestes Museum Kölns. Bereits vor dessen Gründung wurden auch im Zeughaus ausgemusterte Waffen und Rüstungen sowie allerlei „Alterthümer“ museal präsentiert. Diese Objekte gelangten über die Sammlung Wallraf ebenfalls in das Wallraf-Richartz-Museum.
Viele auch kleinere Städte gründeten Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund wachsenden zivilgesellschaftlichen Engagements historische Museen – darunter Berlin, München und bereits 1874 auch Düsseldorf. Es ging in Zeiten wachsenden bürgerlichen Geschichtsbewusstseins um die Erinnerung an das „alte“ Köln, das in der Zeit der Industrialisierung zu einer modernen Metropole anwuchs, und um die Dokumentation bzw. Bewahrung historischer Bauten und Objekte. Parallel zu den Bestrebungen nach einem historischen Museum entstand auch ein Kunstgewerbemuseum, das nur wenige Wochen vor dem neuen Historischen Museum eröffnete.
Gründung und erste Jahre mini|Erster Standort: Hahnentorburg (um 1900) Als 1888 die Hahnentorburg, Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung, im Rahmen der Stadterweiterung zur Kölner Neustadt saniert worden war, stand die Frage der Verwendung des Gebäudes an. Ein Vorschlag betraf die Aufbewahrung der Modellsammlung des Kölner Doms; durchsetzen konnte sich jedoch der Plan des Archivdirektors Konstantin Höhlbaum, in der Torburg das längst fällige historische Museum einzurichten. Hinzu kam, dass das Wallraf-Richartz-Museum sich stärker auf Gemälde spezialisieren wollte und Teile seiner Sammlung einen neuen Platz brauchten – sowohl kunstgewerbliche als auch eher für das historische Museum geeignete wie etwa eine Münzsammlung. Am 13. Juli beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Gründung eines Historischen Museums, das am 14. August 1888 eröffnete. mini|Weiterer Standort: Eigelsteintorburg (1896, hier noch mit Naturhistorischem Museum) Die Leitung übernahm – nebenberuflich bzw. ehrenamtlich – der Direktor des neuen Kunsthistorischen Museums, Arthur Pabst, bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung 1894. Geprägt wurde die Institution jedoch deutlich von seinem Nachfolger Joseph Hansen, der als Archivdirektor ebenfalls in einer Doppelfunktion tätig war und so die Sammlungsbestände und deren innere Zusammenhänge systematisch aufarbeiten konnte – Dokumente und Handschriften im Archiv, „bildliches und figürliches Anschauungsmaterial“ ins Museum. Sein Museumskonzept gilt dem ehemaligen Direktor Mario Kramp als durchaus modern, da er über die lokale Betrachtung Kölns hinaus ging; er betrachtete Forschung, Publikation und Vermittlung gleichermaßen als Aufgabe seiner Institution. Hansen war bis 1924 Direktor und schaffte es beispielsweise 1902, die Eigelsteintorburg als zweiten Standort zu gewinnen. Dies wurde zwar nicht als optimal angesehen, erlaubte jedoch eine etwas größere Dauerausstellung. Da es kein Depot gab, nutzte man die Unterbauten der Vitrinen als Schränke für Münzen und Teile der graphischen Sammlung.
Zwei größere Sonderausstellungen („Alt- und Neu-Cöln“) fanden 1913 und 1914 in den Hallen der Sonderbundausstellung statt. In dieser Zeit entstand auch das historische Stadtmodell, das bis in die Gegenwart zu den wichtigsten Exponaten der Dauerausstellung zählt. Ein Vorschlag Hansens von 1912, die Bestände in einem größeren Kontext im Zeughaus als zentralen Museumsbau unterzubringen, konnte unter anderem durch den Weltkrieg in den darauffolgenden Jahren nicht verwirklicht werden. Das Historische Museum hatte sich bis zum Ersten Weltkrieg jedoch so etabliert, dass es jährlich konstant rund 20.000 Besuche verzeichnen konnte.
Rheinisches Museum in Deutz Anfang 1925 bekam das Historische Museum mit Wilhelm Ewald erstmals einen hauptamtlichen Leiter. Im selben Jahr zog die monumentale Jahrtausendausstellung der Rheinlande in den Deutzer Messehallen 1,3 Millionen Besucher an. Hieraus entstand unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer der Plan zu einem Rheinhistorischen bzw. Rheinischen Museum. Dieses sollte ebenfalls auf der rechten Flussseite in der ehemaligen Kaserne der Deutzer Kürassiere eingerichtet werden und Bestände der Jahrtausendausstellung übernehmen.
Der offizielle Beschluss zur Gründung des neuen Museums erfolgte am 1. April 1926 im Kölner Stadtrat. Wilhelm Ewald – der als Direktor bestimmt wurde – legte im selben Jahr ein „überaus ambitioniertes und für seine Zeit progressives Museumskonzept“ vor. Neben einer Schausammlung für die „entwurzelten […] Massen“ betonte das Konzept die Aufgabe des Museums als wissenschaftliche und pädagogische Institution. Zeitlich spannte Ewald den Bogen von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart, räumlich über die Grenzen der Rheinprovinz hinaus unter Einbezug der vielfältigen Beziehungen zu den Nachbarregionen. Thematisch sollte in acht Abteilungen neben historischen Darstellungen ein umfassendes Spektrum inklusive Fauna und Flora, Geologie und Geographie abgedeckt werden. Teil des Konzepts waren außerdem das Rheinische Bildarchiv für eine graphische und fotografische Sammlung sowie eine Rheinische Bibliothek. Konrad Adenauer warb bei der Provinzialverwaltung um finanzielle Zuschüsse für das neue Museum, ohne allerdings seinen eigenen Einfluss einzubüßen.
Zunächst wurden die vorgesehenen Räumlichkeiten 1928 jedoch für die PRESSA-Ausstellung genutzt, die sich hauptsächlich auf dem benachbarten Messe-Gelände erstreckte. Hierfür gestaltete der Architekt Adolf Abel das Gebäude mit zwei klassizistischen, miteinander verbundenen Flügelbauten um. Es bot 10.000 m2 Ausstellungs- und 4.000 m2 Depotfläche.
Parallel entwickelte auch das linksrheinische Historische Museum neue Ausstellungskonzepte, für die das Raumprogramm der beiden Torburgen nicht mehr ausreichte. Bis 1930 wurden die Sammlungsgebiete um die kirchliche und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sowie das öffentliche Leben und die Verwaltung erweitert. Obwohl Ewald Direktor beider Einrichtungen war, plädierte er – anders als andere – für ihre Eigenständigkeit, da das Historische Museum erheblich stärker auf Köln konzentriert sei, als das in einem Regionalmuseum möglich sein könnte.
Man erwog mit dem Historischen Museum also beispielsweise in die Räume des Wallraf-Richartz-Museums zu ziehen, wenn dieses einen Neubau erhalten sollte. Ein von Adenauer gefordertes Konzept für die Neuordnung aller Sammlungen unter Berücksichtigung des Rheinischen Museums zog sich hin – offenbar auch aus Kompetenzgerangel zwischen den Direktoren. Schließlich mussten die für den Ausbau der beiden Museen vorgesehenen Mittel aufgrund der Weltwirtschaftskrise eingespart werden.
Inzwischen waren ein beträchtlicher Teil der Sammlung des Historischen Museums aus der Raumnot heraus in die Deutzer Räume übernommen worden, ebenso wie weite Teile des Personals. Bis zur Vereinigung der beiden Museen war es bald nur ein kleiner Schritt; in der Eigelsteintorburg verblieb nur die kleine selbständige Abteilung „Köln als preußische Garnison und Festung“. Offiziell eröffnet wurde das Rheinische Museum, das auch aus anderen städtischen Häusern Bestände übernahm, im Übrigen nie. Das eigentliche Historische Museum – zunächst noch mit eigenem Budget und Personal – wurde schließlich vom Rheinischen Museum (je nach Lesart) „aufgesogen“ oder darin „versenkt“. „Haus der Rheinischen Heimat“ in der NS-Zeit Trotz Übernahme vielfältiger Sammlungsbestände waren die Räume des Rheinischen Museums nie vollständig eingerichtet worden. Ab 1933 konnten jedoch Teile der Ausstellung sowie mehrere Sonderausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das nun in Deutz vereinigte Museum behielt nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten seinen Direktor Ewald. Kurz vor der Eröffnung erhielt es den neuen Namen „Haus der Rheinischen Heimat“ und wurde am 21. Mai 1936 unter Anwesenheit von Gauleiter Josef Grohé und Joseph Goebbels (zeitgleich mit dem Reichsautobahnabschnitt Köln–Düsseldorf) eingeweiht.
Auf 6000 Quadratmetern wurden in fünf großen Abteilungen und rund 150 Räumen die Entwicklungen seit dem Jahr 800 im Rheinland beleuchtet. Verzichtet werden musste auf die Vor- und Frühgeschichte, naturräumliche Grundlagen und in der kirchlichen Abteilung auf die Präsentation des Judentums mit seiner „außergewöhnlichen“ Sammlung von Judaica.
Das grundsätzliche Ewaldsche Museumskonzept passte in die nationalsozialistische, völkische Propagandastrategie, wodurch es nach jahrelangem Druck durch Oberbürgermeister Adenauer schließlich „unerwartete Unterstützung“ der neuen Machthaber erhielt – nachdem jener schon im März 1933 aus seinem Amt entlassen worden war. Die von Ewald 1933 geplante Politische Abteilung konnte bis zur Eröffnung nicht realisiert werden; er beschränkte sich zunächst auf die Darstellung der nationalsozialistischen Bewegung in den Rheinlanden, was der nationalsozialistischen Minimalanforderung an ein Heimatmuseum entsprach. Auch diese war jedoch bis zur Eröffnung nicht vollständig. In den Folgejahren wurde die Ausstellung zunehmend politischer und die Museumspolitik opportunistischer, was sich in Propagandaausstellungen wie „Das wehrhafte Deutschland“ (1936), „Volksgemeinschaft – Wehrgemeinschaft“ (1937) niederschlug. Diese Sonderausstellungen waren allerdings nur zum Teil selbst kuratiert, zum größten Teil stellte das Museum lediglich die Räume für Ausstellungsmacher unterschiedlicher Organisationen.