Die Île-de-Sein (bretonisch: ) ist eine französische Gemeinde im Département Finistère in der Bretagne. Sie wird gebildet aus der Insel Île de Sein und einigen benachbarten kleinen Inseln. Die Gemeinde hat Einwohner (Stand ), die sich Sénans (bretonisch: Suniz) nennen.

Geographie mini|Plan der Île de Sein Die etwa acht Kilometer vor der Pointe du Raz an der französischen Atlantikküste gelegene Insel gehört zur Cornouaille. Ihre Fläche beträgt 56–60 Hektar. Die Insel wird per Schiff von Saint-Evette bei Audierne aus (ca. 1 Std. Überfahrt) angefahren, in der Sommersaison auch von Brest (ca. 2 Std.) und Camaret-sur-Mer (ca. 1 Std. 30 Min.).

Die maximale Länge beträgt rund 1,8 km, die Breite variiert stark, von etwa 30 m bis ca. 800 m. Der höchste Punkt (Felsen „rocher du Kador“) erreicht eine Höhe von etwa 15 m über dem Meeresspiegel. Im Mittel ist die Insel sehr flach (z. B. ~1,5 m) und häufig Überflutungen bei Sturmfluten möglich.

Die Insel liegt auf einer Granitrippe („chaussée de Sein“), die sich unter Wasser in Riffen erstreckt. Die Insel hat die Form eines invertierten S mit einer engeren Engstelle in der Mitte. Geschichte Die Insel wurde seit der prähistorischen Zeit bewohnt. Der römische Geograph Pomponius Mela nennt die Insel Sena und beschreibt sie in seinem Werk De chorographia (Kap. III.48) als den Standort eines von neun zauberkundigen Priesterinnen betriebenen Orakels, über das er einen ausführlichen Bericht gibt.Hofeneder, Andreas: Die Religion der Kelten in den antiken literarischen Zeugnissen. (=Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission, Band 59, 66, 75), Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2005–2011. (Diese Schilderung wurde im 12. Jahrhundert von Geoffrey von Monmouth in seiner Vita Merlini verwendet, um die älteste ausführliche Schilderung der Insel Avalon der Artusliteratur auszuschmücken.Matthias Egeler: “Sena and Avalon. Some Comments on Geoffrey of Monmouth, Vita Merlini 908–940”, in: Quaderni di Filologia Romanza 22 (2014), S. 99–112.)

mini|Les Causeurs sind ein Megalithpaar auf der Île de Sein mini|links|Blick von der Pointe du Raz auf die Île de Sein und den Raz de Sein

Die Einwohner der Insel engagierten sich besonders zahlreich in der Résistance: Als Charles de Gaulle 1940 seinen berühmten Appell über die BBC verlas, war die Île de Sein, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von der deutschen Wehrmacht besetzt. Vom 19. bis 26. Juni legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die im Zivilberuf Fischer waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreich an. Sie machten anfangs ein Viertel der Forces Navales Françaises libres („Freie Französische Marine“, kurz FNFL) aus und veranlassten de Gaulle zu der Bemerkung: „Die Insel Sein ist ein Viertel Frankreichs“. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte die Île de Sein zu den fünf Städten, die durch das Dekret vom 1. Januar 1946 General de Gaulles die Auszeichnung Ordre de la Libération erhielt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 2017 2022 Einwohner 1094 835 607 504 348 242 202 249 280 Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten Menhirpaar Les Causeurs (Monument historique) Îlot de Kélaourou (Allée couverte) Pfarrkirche St-Guénolé (Île de Sein) Kapelle St-Corentin Grand phare de l’Île de Sein Les Menhirs (Steinreihe) innerhalb der Umfriedung der Kapelle St-CorentinAlignement de la Chapelle Saint-Corentin (englisch) „Le Nifran“ DolmenDolmen dit le Nifran (französisch)

Wappen Blasonierung: „In Blau ein silbernes Scheibchen, darin ein schwarzes Hermelin, deichselweise bewinkelt (rechts, links, unten) von drei goldenen Hummern.“

Wirtschaft und Infrastruktur Da auf der kleinen Insel keine Landwirtschaft möglich ist, leben die fast alle im gleichnamigen Dorf heimischen Einwohner vom Fischfang und zunehmend von Tourismus. In den Sommermonaten verkehren mehrmals täglich Fähren zum Festland.

Im Sommer besuchen zahlreiche Tagestouristen die Insel. Auf der Insel und den umliegenden Felsriffen befinden sich mehrere Leuchttürme, am Phare de Men Brial am Hafen vorbei kommen die meisten Besucher an.

Die Insel und ihre Umgebung sind ein Naturpark, nicht zuletzt auf Grund der hier brütenden Seevögel.

Literatur Le Patrimoine des Communes du Finistère. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-039-6, S. 1152–1153.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Bretagne Kategorie:Träger des Ordre de la Libération