mini|Max Ehrlich (mit Blume am Revers) als Conférencier bei der Miss Germany Wahl in Berlin am 5. März 1927. Die Königin wurde Hildegard Kwandt. (Die Jurymitglieder konnten noch nicht zugeordnet werden)Einzelheiten zu dem Bild siehe Hildegard Kwandt mini|Schallplatte von Max Ehrlich (Berlin, 26. April 1923) Max Michaelis Ehrlich (* 7. Dezember 1892 in BerlinGeburtsregister Standesamt Berlin 7a, Nr. 3229/1892; † 1. Oktober 1944 im KZ AuschwitzDokument Arolsen Archives) war ein deutscher Kabarettist, Schauspieler und Filmregisseur.
Leben Max Ehrlich erhielt seine Ausbildung ab 1911 an der von Max Reinhardt gegründeten Schauspielschule des Deutschen Theaters.Fünfundzwanzig Jahre Schauspielschule des Deutschen Theaters zu Berlin 1905–1930. Labisch, Berlin 1930, S. 84 Am Deutschen Theater Berlin hatte er auch 1912 seinen ersten Auftritt. Im Jahr 1913 und von 1916 bis 1920 war er in Breslau engagiert. Er entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem erfolgreichen Kabarettisten. Sein Filmdebüt folgte 1926 mit einer Nebenrolle in dem von Reinhold Schünzel produzierten Stummfilm In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehn! Nach 15 weiteren Filmen, für die er gelegentlich auch die Zwischentitel schrieb, folgte 1930 mit einer Nebenrolle in Richard Oswalds Wien, du Stadt der Lieder Ehrlichs erster Tonfilm. Durch den Tonfilm wurde er noch populärer, trat – außer in Kurzfilmen wie Kurt Gerrons Kabarett-Programm Nr. 2 und Nr. 6 (1931) und Heinz Hilles Wer zahlt heute noch? – allerdings niemals in tragender Rolle auf. Ab 1932 stand er als Kurzfilmregisseur häufig auch hinter der Kamera.
Als Jude wurde Max Ehrlich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht in die Reichsfachschaft Film aufgenommen und konnte somit in Deutschland nicht mehr arbeiten. Er ging nach Wien und, nachdem seine Auftritte auch dort gestört wurden, weiter in die Schweiz und nach Holland. Vom Heimweh getrieben, kehrte er 1935 jedoch nach Deutschland zurück, wo er im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes unter eingeschränkten Bedingungen weiter auftreten konnte. Nach den Novemberpogromen von 1938 zog er im folgenden Frühjahr nach Amsterdam, wo er sich Willy Rosens jüdischem Theater anschloss.
Im Mai 1940 begann die deutsche Besetzung der neutralen Niederlande. Max Ehrlich wurde 1943 verhaftet und ins holländische Durchgangslager Westerbork deportiert. Als Leiter einer Gefangenentruppe konnte er hier mit zum Teil prominenten Mitgefangenen eine Reihe von Bühnenprogrammen aus Sketchen und Songs erarbeiten und aufführen:Programmzettel, bei aufrichtigs.com Bunter Abend, Juli 1943; Humor und Melodie, September 1943; Bravo! De Capo!, Oktober 1943; Bunter Abend (2), März 1944; Bunter Abend (3), April 1944; Total Verrückt, Juni 1944 Mit dem vorletzten Deportationszug wurde Ehrlich am 4. September 1944 in das Ghetto Theresienstadt und von dort nach Auschwitz gebracht, wo er in der Gaskammer ermordet wurde.
Max Ehrlich war seit 1920Heiratsregister Standesamt Berlin 1–2, Nr. 497/1920 mit der Schauspielerin und Sängerin Charlotte Cohn (* 1893 Cottbus; † 1978 Los Angeles) verheiratet. Seine Ehefrau überlebte das Theresienstädter Ghetto, emigrierte 1947 in die USA und arbeitete als Physiotherapeutin in Hollywood.Noga Tarnopolsky: Long forgotten, a star of prewar Germany is rediscovered more than 70 years after his death at Auschwitz. Los Angeles Times, 13. April 2018Charlotte Ehrlich: Petition for naturalitation Nr. 177.942 vom Juni 1949
Filmografie als Darsteller, wenn nicht anders angegeben: 1926: In der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn! 1927: Familientag im Hause Prellstein 1928: Es zogen drei Burschen – Zwischentitel 1928: Mascottchen – Zwischentitel 1928: Liebfraumilch 1928: In Werder blühen die Bäume... – Zwischentitel 1928: Ihr dunkler Punkt 1928: Fräulein Chauffeur – Zwischentitel 1928: Flitterwochen – Drehbuch, Darsteller 1928: Ein kleiner Vorschuß auf die Seligkeit – Drehbuch 1928: Die tolle Komteß – Drehbuch, Zwischentitel, Darsteller 1928: Die blaue Maus 1928: Die Wochenendbraut – Zwischentitel 1928: Das Haus ohne Männer – Zwischentitel 1929: Meineid 1929: Der schwarze Domino 1928: Wien, du Stadt der Lieder – Drehbuch, Darsteller 1930: Susanne macht Ordnung 1930: Hokuspokus 1930: Die vom Rummelplatz 1931: Die Marquise von Pompadour 1930: Der Tanzhusar 1930: Der Korvettenkapitän 1930: Der Greifer – Drehbuch 1931: Um eine Nasenlänge 1931: Kabarett-Programm Nr. 2 (Kurzfilm) 1931: Kabarett-Programm Nr. 6 (Kurzfilm) 1931: Die schwebende Jungfrau 1931: Der Storch streikt. Siegfried der Matrose 1931: Der Schlemihl 1931: Der Hochtourist 1931: Schatten der Unterwelt 1932: Wer zahlt heute noch? (Kurzfilm) 1932: Wenn die Liebe Mode macht 1932: Goldblondes Mädchen, ich schenk Dir mein Herz 1932: Revierkrank (Kurzfilm) – Regie 1933: Mord im Kohlenkeller (Kurzfilm) – Regie 1933: Kaczmarek als Rosenkavalier (Kurzfilm) – Regie 1933: Herr Direktor engagiert (Kurzfilm) 1932: Die erste Instruktionsstunde (Kurzfilm) – Regie 1932: Der falsche Hund (Kurzfilm) – Regie, Drehbuch, Darsteller 1933: Hugo’s Nachtarbeit (Kurzfilm) – Regie, Drehbuch
Ehrungen Der italienische Komponist Francesco Lotoro dirigierte am 15. April 2018 in Jerusalem ein Konzert mit Werken jüdischer Komponisten, die in Konzentrationslagern entstanden.Videomitschnitt des Concerts "Notes of Hope", Jerusalem, 15. April 2018, mit englischen Untertiteln, Video auf YouTube (abgerufen am 16. April 2018) Das Konzert fand anlässlich Jom haAtzma’ut und des 70. Jahrestages der Staatsgründung Israels statt und beinhaltete u. a. Werke von Max Ehrlich und Willy Rosen.
Schriften Max Ehrlich und Paul Morgan: Heulen und Zähneklappern: das Buch der faulen Witze. Eden-Verlag, Berlin 1927 (online) Max Ehrlich: Von Adalbert bis Zilzer. Gesammelte Theateranekdoten. Eden-Verlag, Berlin 1928.
Literatur Ehrlich, Max in: Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1898–1945. Selbstverlag, Göttingen 1991 Dirk Mulder, Ben Prinsen (Hrsg.): Lachen im Dunkeln. Amüsement im Lager Westerbork (= Niederlande-Studien. Bd. 3). Lit, Münster 1997, ISBN 3-8258-3369-0 Ehrlich, Max, in: Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß: Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 - 1945. Band 2. Biographisches Lexikon der Theaterkünstler. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11375-7, S. 208 f Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-9802656-2-5, S. 525 Diskografie Max Ehrlich in: Manfred Weihermüller: Discographie der deutschen Kleinkunst, Band 2 (= Deutsche National-Discographie, Serie 1). Birgit-Lotz-Verlag, Bonn 2002, ISBN 3-9805808-6-5, S. 403 f Kay Weniger: Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945. Mit einem Geleitwort von Paul Spiegel. Metropol, Berlin 2008, ISBN 978-3-938690-10-9, S. 102 Kay Weniger: ‘Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …’. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 148 f Klaus Krüger: Universaltalent mit verhängnisvollem Heimweh: Max Ehrlich. In: Fox auf 78. ISSN 0948-0412. H. 34, Frühjahr 2024, S. 100–108.
Weblinks
www.cyranos.ch (Kurzbiografie) Website der Max Ehrlich Association (englisch)
Einzelnachweise
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