mini|Arnstein von Westen mini|Arnstein von Norden

Arnstein ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Auf dem Stadtgebiet liegt der einzige Schnittpunkt eines Haupt-Breiten- mit einem Haupt-Längengrad in Deutschland.

Geographie Lage Arnstein liegt an der Wern, welche das Maindreieck durchschneidet und ungefähr 20 Kilometer von Schweinfurt und 25 Kilometer von Würzburg entfernt. Die südlichen Teile des Gemeindegebietes liegen bereits im Gramschatzer Wald.

Arnstein besitzt eine sehr zentrale geografische Lage. Die Stadt liegt 9 Kilometer westlich vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (via B 26a). Die geografische Mitte Unterfrankens liegt laut Bayerischer Vermessungsverwaltung im Arnsteiner Gemeindeteil Büchold. (Siehe auch: Schnittpunkt-Denkmal)

Gemeindegliederung Es gibt 20 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet 12 Gemarkungen (in Klammern Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2018): Altbessingen (357), Arnstein mit Dürrhof, Faustenbach (3032), Binsbach (347), Binsfeld (366), Büchold mit Sachserhof (732), Gänheim mit Ruppertzaint (765), Halsheim (242), Heugrumbach (524), Müdesheim mit Dattensoll (385), Neubessingen (140), Reuchelheim mit Ebenroth, Erlasee, Marbach (417) und Schwebenried (811).

Nachbargemeinden

Naturraum Arnstein liegt in der zu den Mainfränkischen Platten gehörenden naturräumlichen Haupteinheit der Wern-Lauer-Platten und erstreckt sich von der Heßlarer Hochfläche im Norden über den Werngrund bis zum Gramschatzer Wald im Süden.

Name Der Name geht auf einen ursprünglichen mittelalterlichen Burgennamen zurück und besteht aus dem Personennamen Aro (als Greifvogel „Aar“ im Wappen Arnsteins dargestellt) und dem mittelhochdeutschen Wort stein (im Sinne von ‚Fels‘ bzw. ‚Felsen‘).

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Ursprünglich zum Besitz der Henneberger gehörig, wurde Arnstein Lehen der Rienecker und der Herren von Trimberg. Gemeinsam mit Amt und Schloss Trimberg gelangte Arnstein dann Ende des 13. Jahrhunderts an das Hochstift Würzburg. Nur kurz zuvor war die Burg Arnstein – später auch Amtsschloss Arnstein genannt – errichtet und Ende des 13. Jahrhunderts an die Herren von Hutten verpfändet worden. Die Verleihung von Stadtrechten (Stadtgericht und Jahrmarkt) erfolgte am 28. November 1333 durch Kaiser Ludwig den Bayern.Ottmar Seuffert: Magister Nikolaus Deschendorff de Arnstein nationis Alemaniae. Eine Niederlassungsankündigung eines Wundarztes aus dem 15. Jahrhundert. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 257–272, hier: S. 258 f.

Von Bedeutung für die weitere Entwicklung der Stadt wurden die Familien von Thüngen und von Hutten.Ottmar Seuffert: Magister Nikolaus Deschendorff de Arnstein nationis Alemaniae. Eine Niederlassungsankündigung eines Wundarztes aus dem 15. Jahrhundert. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 257–272, hier: S. 259 f.

Das ehemalige Oberamt des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert, kam 1805 an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg, mit welchem es 1814 endgültig an das Königreich Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Geschichte der Juden in Arnstein

In Arnstein lebten bereits im Mittelalter einige Juden. Die Stadt wird 1298 Schauplatz eines Rintfleisch-Pogroms. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts gab es danach wieder Juden in der Stadt.

Die neuzeitliche Gemeinde ging auf eine ursprüngliche Ansiedelung aus der Zeit des 16. Jahrhunderts zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges konnten sich offenbar wieder Juden niederlassen. Möglicherweise flohen diese aus Landgemeinden in die Stadt (ca. 1633/34). 1675 zählt man vier jüdische Familien in Arnstein. 1699 bestand die Gemeinde aus 35 Personen. Um 1740 gab es sieben jüdische Haushalte. Um 1800 gab es im damaligen Amt Arnstein nur in Arnstein selbst jüdische Einwohner. Die jüdischen Familien wohnten zunächst alle im Bereich der früheren „Judengasse“ (heute Goldgasse), die entlang der Stadtmauer vom Bettendorfer zum Siegersdorfer Tor verläuft.

Die jüdischen Familien lebten bis Anfang des 19. Jahrhunderts nahezu ausschließlich vom Handel. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts eröffneten einige von ihnen Gewerbebetriebe in der Stadt. Einrichtungen der Gemeinde waren in der damaligen „Judengasse“ die Synagoge, ein jüdisches Schulhaus mit einer Religionsschule und einem rituellen Bad. Tote der jüdischen Gemeinde wurden in Laudenbach, Euerbach und Schwanfeld beigesetzt.

Im Jahre 1924 gab es 35 Einwohner mit jüdischem Glauben in Arnstein. Religionsunterricht erteilte den damals noch sechs schulpflichtigen jüdischen Kindern Hermann Holländer. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Schweinfurt. Vorsitzender der Repräsentanz war Salomon Bauer. An jüdischen Vereinen bestanden: Die Chewra Kadischa (Bestattungs- und Wohltätigkeitsverein, u. a. zur Unterstützung älterer durchreisender Leute, 1932 acht Mitglieder unter dem Vorsitz von Salomon Bauer) und der Wohltätigkeitsverein Chewroth (gleichfalls unter Leitung von Salomon Bauer; Zweck des Vereins: Unterstützung, Lehrvorträge).

Im Jahre 1932 gab es dann nur noch drei schulpflichtige jüdische Kinder. 1933 zählte man noch 29 jüdische Einwohner, 1935 durch Zuzug 32. Auf Grund der zunehmenden Repressalien verzogen bis Ende Juli 1938 25 der Einwohner in andere Orte oder emigrierten ins Ausland. 1935 wanderten vier Personen nach Palästina, und weitere vier in die USA aus. Im Jahre 1937 wurde der Arzt L. Veilchenblau verhaftet und 1939 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Seine Spur verliert sich ab diesem Datum. Anfang 1938 wurde die Gemeinde für aufgelöst erklärt. Unmittelbar nach den Ausschreitungen beim Novemberpogrom 1938 verzogen die letzten beiden jüdischen Einwohner, so dass ab dem November 1938 keine jüdische Person mehr in Arnstein lebte.

Während der NS-Zeit kamen folgende jüdische Einwohner Arnsteins ums Leben:

Berta Aron Freudenberger (* 1880), Paula Bermann (* 1890), Rosalie Dominski (* 1886), Julius Freudenberger (* 1885), Karolina Heymann (* 1875), Rita Holländer (* 1913), Rosa Holländer (* 1878), Selma Hutzler (* 1886), Erna Neuberger (* 1920), Isabella Regensteiner (* 1881), Ida Schloss (* 1913), Johanna Schloss (* 1878), Martha Schulmann (* 1893), Siegfried Siegel (* 1883), Arthur Stein, Fanny Stein (* 1876), Frieda Stein, Herbert S. Stein (* 1935), Ruth Stein (* 1933), Simon Stein (* 1872), Werner L. Stein (* 1932), Toni (Melanie) Strauss (* 1891), Ludwig Veilchenblau (* 1892).Geschichte der jüdischen Bevölkerung von Arnstein

Geschichte der Arnsteiner Synagoge mini|hochkant=0.6|Synagoge (Arnstein)

Die Arnsteiner Synagoge wurde um 1800 erbaut. Sie wurde um 1870 und nochmals 1934 renoviert. Bei der letzten Renovierung 1934 wurde als Portalinschrift Genesis 28,17 angebracht (hebräisch für „Hier ist nichts anderes als Gottes Haus und hier ist die Pforte zum Himmel“). Ab 1934 wurden nur noch für kurze Zeit Gottesdienste abgehalten, Grund war die rasch zurückgehende Mitgliederzahl. Im April 1938 wurden das Synagogengebäude sowie das Schulhaus verkauft.

Nach 1945 kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Ab 1978 wurde es als Lagerhaus verwendet. Trotz der Umbauten blieben die zugemauerten, aber sichtbaren Rundbogenfenster sowie die Malereien an der Decke (mit Landesfarben und -wappen) erhalten.

Mitte der 1990er Jahre wurde das Gebäude von der Stadtverwaltung erworben. Ziel war die Instandsetzung. 2005 gründete sich der Förderkreis „Alte Synagoge Arnstein e. V.“ Dieser setzte sich zum Ziel, die Synagoge zu restaurieren und zu einem Begegnungszentrum umzugestalten. Die mehrjährigen Sanierungsarbeiten wurden im Sommer 2012 mit einem Tag der offenen Tür abgeschlossen. Das Gebäude ist für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinde Binsbach und am 1. Juli 1972 die Gemeinde Büchold eingegliedert. Altbessingen, Binsfeld, Halsheim, Heugrumbach, Müdesheim, Neubessingen und Reuchelheim folgten am 1. Juli 1974. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Mai 1978 durch die Eingliederung von Gänheim und Schwebenried abgeschlossen.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 7723 auf 8125 um 402 Einwohner bzw. um 5,2 %.

1961: 7943 Einwohner 1970: 8403 Einwohner 1987: 7640 Einwohner 1991: 7968 Einwohner 1995: 8092 Einwohner 2000: 8332 Einwohner 2005: 8345 Einwohner 2010: 8090 Einwohner 2015: 8161 Einwohner

Politik Stadtrat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014, 2020 und 2026 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:

2002 2008 2014 2020 2026Ergebnisse der Kommunalwahl 2026, abgerufen am 9. April 2026 CSU 8 9 7 8 7 Die Grünen – – 2 3 2 SPD 3 2 3 2 1 Freie Werntalliste 3 4 3 3 3 Freie Wähler 3 2 3 2 3 Bürgerliste Großgemeinde Arnstein 2 1 – 0 0 Junge Bürger 1 2 2 2 3 AfD – – – – 1 Gesamt 20 20 20 20 20

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2019 Franz Josef Sauer (CSU). Er setzte sich gegen einen Gegenkandidaten mit 83,7 % der Stimmen durch. Vorgängerin war ab 1. Mai 2014 Anna Stolz (SPD/Freie Wähler/Freie Werntalliste/Grüne). Sie löste mit 60,91 % der Stimmen die bisherige Amtsinhaberin Linda Plappert-Metz (CSU) ab, welche 39,09 % der Stimmen erreichte. Ihr Vorgänger war bis 2002 Roland Metz (CSU/Junge Bürger). Am 29. Oktober 2018 wurde Stolz verabschiedet, da sie bei der Landtagswahl am 14. Oktober 2018 ein Mandat im Bayerischen Landtag erhielt. Die Amtsgeschäfte führten bis zur Neuwahl die weiteren Bürgermeister.

Wappen

Städtepartnerschaften Arnstein unterhält Partnerschaften mit der französischen Gemeinde Cancale in der Bretagne (seit 7. September 1988) und mit der polnischen Gemeinde Łubniany in der Woiwodschaft Oppeln (seit 22. Mai 1993).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke Die Burg Arnstein, das spätere Amtsschloss, wurde 1225 in der Wahlkapitulation des Würzburger Bischofs Hermann I. von Lobdeburg erwähnt.Ottmar Seuffert: Magister Nikolaus Deschendorff de Arnstein nationis Alemaniae. Eine Niederlassungsankündigung eines Wundarztes aus dem 15. Jahrhundert. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 257–272, hier: S. 258 f. Einstiger Amts- und Gerichtssitz der Würzburger Fürstbischöfe. Das Schloss Büchold wurde urkundlich im Jahre 1299 als Ordensniederlassung des würzburgerischen Johanniterhauses erwähnt. Die spätgotische Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim stand als die Arnsteiner Pfarrkirche bereits zur Zeit der Stadtgründung in Sondheim. Während der Verpfändung Arnsteins an die Herren von Hutten diente sie dem Adelsgeschlecht als Familiengrablege. Das Rathaus wurde um 1550 an der Stelle eines älteren gotischen Baus errichtet und im Jahr 1754 erneuert. Im Jahre 1945 brannte das Rathaus bis auf die Grundmauern nieder, wurde aber nach dem Krieg in der alten Form wieder errichtet. Eine gewaltige, dreiseitig offene Freitreppe führt zum mittig angelegten Portal hinauf und gleicht die Schräge des ansteigenden Geländes aus. Der dreigeschossige Bau besitzt keine klare Achsengliederung; die Fenster sind zwar regelmäßig, aber gegeneinander versetzt angeordnet. Die letzte Renovierung erfolgte 2020, seitdem erstrahlt das zuvor beigegelbe Rathaus in Weiß. Insgesamt enthält die Schaufront im Stile des Rokoko fünf Wappen, in der Mitte hierarchisch von oben nach unten das des Würzburger Fürstbischofs Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads, darunter das Wappen des Oberamtmannes Adelbert Gertrand Gottfried Friederich Johann Bruno Freiherr von Rosenbach, ganz unten das Wappen der Stadt Arnstein. Seitlich sind zwei weitere Vollwappen von Funktionsträgern des Amtes angebracht.