Bremen Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof in der Stadtgemeinde Bremen, im Zwei-Städte-Staat Freie Hansestadt Bremen und in der Metropolregion Nordwest. Er befindet sich nordöstlich der Innenstadt in der Bahnhofsvorstadt. Er steht mit täglich insgesamt rund 147.000 Reisenden und Besuchern auf Platz 11 der meistfrequentierten Fernbahnhöfe der Deutschen Bahn. Der Bremer Hauptbahnhof gehört zu den 87 Bahnhöfen (Stand 2024) der Preisklasse 2 von DB Station&Service und wurde im August 2012 von der Allianz pro Schiene als „Großstadtbahnhof des Jahres“ ausgezeichnet.
Das von 1885 bis 1889 errichtete Gebäude am Bremer Bahnhofsplatz entwarf der Architekt Hubert Stier im Stil der Neorenaissance. Der Hauptbahnhof Bremen ist Knotenpunkt sowohl für Verbindungen des Regional- bzw. Nahverkehrs als auch des Fernverkehrs. Hier halten ICE-, Intercity- und EuroCity-Züge, aber auch die Regio-S-Bahn.
Auf neun Gleisen verkehren pro Tag im Durchschnitt 80 Fern- und 450 Nahverkehrszüge. Vor dem Bahnhof befinden sich Haltestellen von Stadtbussen und Straßenbahnen der BSAG sowie anderer Anbieter. Oberhalb des Reisezentrums in der Nähe des Haupteinganges gab es bis 2025 im ersten Stockwerk eine DB Lounge für Vielfahrer und Reisende der 1. Klasse.
Das Gebäude steht seit 1973 unter Denkmalschutz.
Geschichte mini|Hannoverscher Bahnhof 1847 mini|Bremen 1884,von oben (NO) nach unten:Bürgerpark, Hamburger Bahnhof, Staatsbahnhof schwarz: Königlich Hannöversche Staatseisenbahnen blau: Oldenburger Bahn rot: Hamburg-Venloer Bahn grün: Neubauten ab 1880 gestrichelt: abgebaut schwarzer Ring: Staatsbahnhof/Hauptbahnhof roter Ring: abgebauter Hamburger Bahnhof
Staatsbahnhof / Hannoverscher Bahnhof Der erste Bahnhof Bremens wurde bereits 1847 mit Eröffnung der Bahnstrecke von Wunstorf durch die Hannöversche Staatseisenbahn direkt westlich des heutigen Hauptbahnhofes erbaut. Der Bau mit einem klassizistischen Mittelteil und zwei Seitentürmen basierte auf Plänen von Alexander Schröder. Von hier ausgehend wurden in den folgenden Jahren die Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven, die Bahnstrecke Oldenburg–Bremen und die Bremer Staatsbahn nach Uelzen (spätere „Amerikalinie“) eröffnet. 1885 wurde der Hannoversche Bahnhof abgerissen.
Hamburger Bahnhof Als die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (CME) im Mai 1873 beim Bau der Hamburg-Venloer Bahn Bremen erreicht hatte, war der alte Staatsbahnhof bereits reichlich ausgelastet und wurde nur provisorisch mitbenutzt. Am 16. August 1873 eröffnete die CME dann unmittelbar nördlich an der Stelle der heutigen Stadthalle ihren „Hamburger Bahnhof“, auch „Venloer Bahnhof“ oder „Parkbahnhof“ genannt, da er direkt an den Bürgerpark grenzte.
Zum Zeitpunkt des Baus der Hamburg–Venloer Bahn war die Freie Hansestadt Bremen (ebenso wie Hamburg) noch nicht Mitglied im Deutschen Zollverein, diesem trat sie erst 1888 bei. Um Waren aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet ohne Verlassen des deutschen Zollgebietes bis nach Harburg befördern zu können, wurde daher eine vertragsgemäß nur dem Güterverkehr dienende Strecke geradlinig östlich an Bremen vorbeigeführt, während westlich des Hamburger Bahnhofs die Strecke in einen Bogen von annähernd 180° um den Bürgerpark herum weitergebaut wurde, von wo sie noch heute geradewegs nach Ottersberg führt.
Hauptbahnhof / Centralbahnhof
mini|hochkant=1.35|Entwicklung der Eisenbahnen in Bremen(eingetragen in einen Stadtplan des 21. Jh.) In den 1870er Jahren war geplant, einen Hauptbahnhof als Keilbahnhof im Bereich der heutigen Straße Am Barkhof zu errichten, wo die Hamburg–Venloer Bahn von der Hannöverschen Staatseisenbahn abzweigte. Durch den Gründerkrach 1873 verzögerte sich jedoch die Umsetzung dieser Pläne. Nach 1880 entschloss man sich dann, den gemeinsamen Hauptbahnhof gleich östlich des bisherigen Hannoverschen Bahnhofs zu errichten. Während der Bauarbeiten 1885 bis 1889 wurde der gesamte Bahnverkehr vom Hamburger Bahnhof abgewickelt. Zugleich wurde das gegenüber dem Bahnhof 1877 errichtete Bad ab 1887 mit einem Damenbad versehen. Dabei wurde ein Münzschatz entdeckt, der aus etwa 1300 Münzen des 14. Jahrhunderts bestand. Der Hauptbahnhof erhielt ein Fürstenzimmer. Dieses lag in der Ecke des südöstlichen Flügels des Empfangsgebäudes im ersten Stock. Von der Straßenebene führte dorthin eine monumentale Innentreppe.Manfred Berger: Historische Bahnhofsbauten Band 2: Braunschweig, Hannover, Preußen, Bremen, Hamburg, Oldenburg und Schleswig-Holstein. VEB Verlag für Verkehrswesen / transpress, Berlin / Stuttgart 1987. ISBN 3-344-00067-5, S. 196.
Mit dem neuen Bahnhof wurde auch ein neuer Bogen zur Bahnstrecke nach Hamburg angelegt. Der neue Bremer „Centralbahnhof“ wurde am 15. Oktober 1889 eröffnet. Der Hamburger Bahnhof wurde danach abgebrochen, Teile des Bahnhofsgeländes und die alte Trasse wurden von 1900 bis 1954 von der Kleinbahn Bremen–Tarmstedt benutzt.
1907 wurde der Gleisbereich des Hauptbahnhofs erweitert.
Gleise und Bahnhofshalle mini|Blick vom nördlichsten Bahnsteig auf die Westeinfahrt der Gleishalle und einen Eckturm des Empfangsgebäudes mini|IC 2035 an Bahnsteig 1
Der Bremer Hauptbahnhof ist als Durchgangsbahnhof in Nordwest-Südost-Richtung angelegt und besitzt neun Bahnsteiggleise, von denen sich sieben innerhalb der Bahnhofshalle befinden. Außerdem führen zwei Durchfahrtsgleise für den Güterverkehr durch die Halle.
Das Hallendach war bis 1966 mit Glas gedeckt und hatte angeblich als einziges seiner Art in Deutschland den Zweiten Weltkrieg leidlich überstanden. Wegen der Verrußung und der Bruchgefahr ersetzte man das Oberlicht damals durch eine Holzverschalung mit Dachpappe.Weser-Kurier vom 14. April 1966
Ein sechsgleisiger Bahnkörper verlässt den Bahnhof in südöstlicher Richtung mit den beiden Strecken nach Osnabrück/Münster und Wunstorf/Hannover. Etwa 3 km östlich teilt sich die Trasse in Bremen-Hastedt, wobei die Osnabrücker Strecke zunächst nördlich verläuft, bevor sie in einem Bogen Richtung Süden die Strecke nach Wunstorf/Hannover überquert. Im Bogeninneren liegt die so genannte „Hastedter Linse“, ein Gewerbegebiet. Die „Amerikalinie“ in Richtung Berlin (über Uelzen, Stendal und Rathenow) zweigt erst in Langwedel von der Strecke nach Wunstorf/Hannover ab.
Mit dem Bau und späteren Erweiterung des Hauptbahnhofs wurde die Gleisverteilung im Bereich der Hastedter Linse allerdings bezüglich des Güterverkehrs geändert.
Im Nordwesten des Hauptbahnhofs biegt die Oldenburger Bahn zur untersten Weserbrücke vor dem Nordwestende der hinteren drei Bahnsteige ab, so dass diese Strecke nur von den ersten drei Bahnsteiggleisen und den Durchfahrtsgleisen zu erreichen ist. Personenzüge, die nordwestlich in Richtung Oldenburg weiterfahren sollen oder aus Richtung Oldenburg kommen, fahren darum südöstlich des Bahnhofs auf den Gütergleisen, von denen dann die südlichen drei Bahnsteiggleise abzweigen.
Für die bereits in den 1870er Jahren errichtete Verbindung Ruhrgebiet–Hamburg, die „Rollbahn“ von Wanne-Eickel über Münster, Osnabrück und Bremen nach Hamburg Venloer Bahnhof wurde beim Bau des Bremer Hauptbahnhofes etwa einen Kilometer westlich der früheren, an den alten Hamburger Bahnhof anschließenden Gleisführung, eine neue Rechtskurve angelegt. Richtung Nordwest führt am ehemaligen Rangierbahnhof Gröpelingen vorbei die „Geestebahn“ nach Bremerhaven. Für die Ein- und Ausfädelung des Güterverkehrs sind die Abzweigungen außerhalb des Bahnhofsbereiches zu Gleisdreiecken ergänzt (Richtung Hamburg über Rotenburg (Wümme), nach Oldenburg, vor der Weserbrücke in Bremen, hinter der Weserbrücke Dreye und nördlich der Nord-Süd-Durchfahrt in Walle). Von der Strecke nach Bremerhaven zweigt in Bremen-Burg die Bahnstrecke Bremen-Burg–Bremen-Vegesack ab.
Der Bahnhof und die Durchfahrten sind seit 1964 elektrifiziert.
Zwischen dem 4. und 14. September 1999 wurde ein neues elektronisches Stellwerk (ESTW) in Betrieb genommen. Die aus der Betriebszentrale Hannover von bis zu fünf Mitarbeitern je Schicht ferngesteuerte Anlage ersetzt 14 ältere Stellwerke im Umkreis von sieben Kilometern des Hauptbahnhofs. 320 Signale und 175 Weichenantriebe wurden in die Anlage eingebunden.Meldung ESTW Bremen. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11, Jahrgang 1999, , S. 451.
Güterverkehr Der zentrale Teil der die Gleise überspannenden Haupthalle wird durch die Durchfahrtsgleise 4 und 44 für den Güterverkehr belegt. Deren Zusammenführung mit den Streckenführungen von und nach Bremerhaven, Hannover, Osnabrück und Oldenburg wird der erwarteten Steigerung des Güterverkehrs von und nach Bremerhaven und dem JadeWeserPort in Wilhelmshaven künftig nicht mehr genügen.
Das Gütergleis für Züge aus Richtung Hannover zweigt im Bereich des Bahnhofs Bremen-Sebaldsbrück vor der Überführung der Strecke von und nach Osnabrück nach Süden ab, verläuft im Bereich der Hastedter Linse nördlich der Osnabrücker Strecke und nimmt von dieser in einer Überleitung auch den Güterverkehr auf. Dann unterquert es alle vier Personengleise und erreicht südlich neben ihnen die Bahnhofshalle. Das südlichste vom Bahnhof nach Südosten führende Fahrgleis ist das Gütergleis in Richtung Osnabrück. Es gibt zwischendurch mittels einer Überleitung den Güterverkehr (samt dem aus Delmenhorst/Oldenburg kommenden Personenverkehr) auf die nach Hannover führende Strecke ab und biegt dann neben der Überführung der nach Osnabrück führende Strecke ab, um in diese einzumünden (Siehe Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg).
Zur Verbesserung des durchfahrenden und die Weser querenden Güterverkehrs in Richtung Delmenhorst/Oldenburg/Wilhelmshaven sowie zum Güterverkehrszentrum Bremen am Neustädter Hafen wurde eine Neuordnung der Gleisbelegung für die Bahnhofsdurchfahrt und die nordwestliche Ausfahrt gebaut. Für die Gleise 4 und 44 wird so Linksverkehr ermöglicht. Die Verbindung zwischen dem Bahnhof und der neben der Stephanibrücke liegenden Eisenbahnbrücke über die Weser, die so genannte „Oldenburger Kurve“, wird auf insgesamt drei Gleise ausgebaut, indem Gleis 4 des Hauptbahnhofs über ungenutzte Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs bis an die Brücke verlängert wird und zusätzliche Weichenverbindungen der Gleise 1 bis 44 geschaffen werden.Schriftsatz des Ortsamtes Woltmershausen vom 3. Juni 2011 (PDF; 186 kB)
Güterumschlag mini|Durchfahrt eines Güterzuges auf Gleis 4 Die westlichen Nachbargebäude der Expressgut-Abfertigung wurden administrativen Zwecken gewidmet. Der westlich unmittelbar angrenzende Güterbahnhof wurde geschlossen. Der zwischen dem Personenbahnhof Walle und dem Bahnhof Oslebshausen sich über drei Kilometer erstreckende Rangierbahnhof Gröpelingen wurde am 12. Juni 2005 ebenfalls stillgelegt. Sämtliche kleinteiligen Verkehre werden heute über das GVZ Bremen im Ortsteil Strom und über die lokalen Standorte verschiedener bundesweit operierender Speditionen geführt. Die Gleise des Rangierbahnhofs blieben erhalten und werden zum Abstellen von Autozügen vom und zum Verladehafen Bremerhaven genutzt.
Postumschlag mini|Ehem. Post- und Paketzentrum Unmittelbar östlich an den Personenbahnhof anschließend benutzte die Bundespost ein Ladegleis mit Rampe am Postgebäude sowie vier weitere Gleise, die in eine Halle führen. Diese Anlage und das Postgebäude mit dem Briefverteilzentrum waren vollständig erneuert, als die Post aus dem Bahntransport ausstieg. Die Paketverteilung wurde mehrfach verlegt, zunächst innerhalb der Kernzone (Stresemannstraße) und anschließend zum Stadtrand, zunächst ins Güterverkehrszentrum im Niedervieland (heute Verteilzentrum für Tchibo), dann ins Gewerbegebiet Hansalinie. Die Sortierung der Briefpost erfolgt heute am Bremer Flughafen.
Empfangsgebäude und Tunnel mini|Empfangshalle des Bremer Hauptbahnhofes mini|Ticketautomaten im Tunnel
Auf der Südseite der Gleise steht das Empfangsgebäude. Es wurde mehrfach umgebaut, ist aber im Prinzip erhalten geblieben.