Die Lerici-Klasse (bzw. Gaeta-Klasse) ist eine Minenjagdbootklasse der italienischen Marine. Boote der Lerici-Klasse wurden auch von Marinen anderer Länder beschafft.
Technik mini|Rimini (M 5561)
Die Boote wurden in GRP-Bauweise gefertigt („Glass Reinforced Plastic“). Der Rumpf ist bis 120 mm stark und mit Blick auf Unterwasserexplosionen besonders resistent konstruiert. Die Hauptantriebsanlage ist in einer besonderen Schalenkonstruktion aufgehängt, die Elektrogeneratoren sind an Deck, wodurch die magnetischen und akustischen Eigenschaften der Boote verbessert wurden. Antriebsanlagen und andere Geräte sind aus amagnetischen und akustisch isolierenden Materialien. Die Schrauben der Hilfsmotoren befinden sich in Rohren und ermöglichen eine leise und vibrationslose Langsamfahrt.
Nach den ersten vier Booten erfuhren die folgenden acht einige Verbesserungen. Dieses zweite Baulos, auch als Gaeta-Klasse bezeichnet, erhielt ein verbessertes Minenjagdsonar, das später auch bei den ersten vier Einheiten eingerüstet wurde. Weitere Änderungen bestehen aus einem dritten Hydrauliksystem, verbesserten Generatoren, Pluto-Gigas-Minenjagddrohnen, einen neueren Typ Dekompressionskammer und einer nochmals reduzierten magnetische Signatur.
Eine Modernisierung dieser acht italienischen Boote erfolgte in den Jahren 2010–2013. Diese umfasste den Austausch des SQQ-14 Sonars durch das Thales 2093, ein neues Kampfdaten-Managementsystem Datamat 712(V)4 und eine Vorbereitung zur Aufnahme von Plutino-MIKI, einem weiteren Minenvernichtungssystems. Die neuen Ausrüstungen erfordern darüber hinaus einige Änderungen an den Aufbauten.
Einheiten
Das erste Baulos der Lerici-Klasse besteht aus vier, in den 1980er Jahren von Intermarine in La Spezia gebauten Booten, wo sie auch stationiert wurden. Sie tragen die Namen von italienischen Küstenorten:
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 5550 Lerici 27. August 1978 3. September 1982 4. Mai 1985 24. September 2015 in La Spezia M 5551 Sapri 27. August 1978 5. April 1982 14. Dezember 1985 24. September 2015 in La Spezia M 5552 Milazzo 27. August 1978 1. April 1982 14. Dezember 1985 15. Oktober 2025 in La Spezia M 5553 Vieste 18. April 1978 5. April 1984 14. Dezember 1985 in Reserve in La Spezia
Das zweite, verbesserte Baulos wird als Gaeta-Klasse bezeichnet. Alle acht Boote wurden wiederum in La Spezia bei Intermarine gebaut, nach italienischen Hafenstädten benannt und ebenfalls in La Spezia stationiert:
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 5554 Gaeta 5. August 1988 9. Oktober 1990 3. Juli 1992 aktiv M 5555 Termoli 5. August 1988 18. Dezember 1990 13. November 1992 aktiv M 5556 Alghero 5. August 1988 22. Mai 1991 31. März 1993 aktiv M 5557 Numana 5. August 1988 20. März 1992 30. Juli 1993 aktiv M 5558 Crotone 5. August 1988 8. September 1992 2. Februar 1994 aktiv M 5559 Viareggio 5. August 1988 11. Mai 1993 1. Juli 1994 aktiv M 5560 Chioggia 6. November 1992 23. Juni 1994 18. Mai 1996 aktiv M 5561 Rimini 6. November 1992 17. September 1994 18. Mai 1996 aktiv
Die Boote wurden auf die beiden Minenabwehr-Geschwader 53 und 54 (COMSQUADRAG53 und 54) des „Kommandos Minenstreitkräfte“ („MARICODRAG“) aufgeteilt. Als Ersatz für die 12 Boote der Lerici- und Gaeta-Klassen beschafft die italienische Marine bei Intermarine derzeit neue Minenjagdboote des Typs CGN/C, die mit 63 m Länge und einer Verdrängung von etwa 1.300 t etwas fülliger sind als ihre Vorgänger.Al via la costruzione del secondo cacciamine di nuova generazione per la MM. Rivista Italiana Difesa, 30. Juli 2026 Weitere Hochsee-Minenjagdboote in der Version CGN/A dürften noch etwas größer ausfallen.Novità sulla caccia alle mine. Rivista Italiana Difesa, 28. Juli 2021
Sechs Boote bilden die Huon-Klasse der Royal Australian Navy, sie wurden bei Australian Defence Industry in Newcastle (New South Wales) gebaut und sind nach Flüssen benannt. Ihr Heimathafen ist die Basis HMAS Waterhen in Waverton bei Sydney.
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 82 Huon 25. Juli 1997 15. Mai 1999 aktiv M 83 Hawkesbury 24. April 1998 12. Februar 2000 aktiv M 84 Norman 3. Mai 1999 26. August 2000 aktiv M 85 Gascoyne 11. März 2000 2. Juni 2001 aktiv M 86 Diamantina 4. August 1998 18. November 2000 Februar 2001 aktiv M 87 Yarra 19. Januar 2002 1. März 2003 aktiv
mini|Die Katanpää im Juli 2012 Die in Finnland als Katanpää-Klasse bezeichneten drei Boote sind eine Weiterentwicklung der Huon-Klasse und ersetzen die Kuha-Klasse. Gebaut wurden die Boote auf der Intermarine-Werft in Sarzana unter Beteiligung der Aker Yards in Rauma, ihr Heimathafen wird Turku sein.
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib 40 Katanpää Juli 2007 2012 Aktiv 41 Purunpää 2013 Aktiv 42 Vahterpää 2016 Aktiv
Die vier Boote umfassende Mahamiru-Klasse für die Königlich Malaysische Marine wurden in den 1980er Jahren in La Spezia bei Intermarine gebaut. Zwei Boote sind in Lumut und zwei in Labuan beheimatet, sie alle bilden das 16. Minenabwehrgeschwader (16. Mine Counter Measures Squadron).
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 11 Mahamiru 11. Dezember 1985 aktiv M 12 Jerai 11. Dezember 1985 aktiv M 13 Ledang 11. Dezember 1985 aktiv M 14 Kinabalu 11. Dezember 1985 aktiv
Eine Modernisierung des taktischen Datensystems erfolgte 2001, ein „Minehunting Tactical Display System“ (MTDS) wurde durch die südafrikanische Altech Defence System geliefert. Die Mahamiru und Ledang wurden 2007 einer lebensdauerverlängernden Maßnahme unterzogen, die beiden übrigen Boote sollen in gleicher Weise auf den neuesten Stand gebracht werden. Hierzu zählen ein TSM Mk III Sonar, eine Anpassung des MTDS und ein Kongsberg Navigations-Echolot.
Die beiden Boote in Diensten Nigerias sind aus der Mahamiru-Klasse abgeleitet.
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 371 Ohue 23. Juli 1984 22. November 1985 28. Mai 1987 M 372 Barama 11. März 1985 6. Juni 1986 25. Februar 1988
Im Unterschied zu den italienischen und malaysischen Schwesterbooten besitzen die beiden nigerianischen Boote keinen separaten hydraulischen Antrieb für die Minenjagd. 1999 erhielten sie unter anderem Zwei-Mann-Carry-Galeazzi-Dekompressionskammern. Beide Boote sollen 2009 erneut modernisiert worden sein, die Einsatzfähigkeit der Minenbekämpfungsausrüstung ist jedoch zweifelhaft.
Ursprünglich plante Thailand acht Boote des im Land als Lat Ya-Klasse bezeichneten Bootstyps zu beschaffen, sechs wurden jedoch abbestellt. Die bei Intermarine in Sarzana gebaute Klasse umfasst somit nur zwei Boote:
Kennung Name Kiellegung Stapellauf In Dienst Außer Dienst Verbleib M 663 Lat Ya 1998 1999 M 634 Tha Din Daeng 1998 1999
Siehe Hauptartikel über die zwölf Boote der Osprey-Klasse (MHC-51), die inzwischen alle nicht mehr im Dienst der US Navy stehen.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Militärschiffsklasse für den Minenkrieg Kategorie:Militärschiffsklasse (Marina Militare)