Das Industriequartier (Kreis 5) ist ein Stadtkreis der Stadt Zürich in der Schweiz.

mini|Zürich, Kreis 5 mit Eisenbahntrasse, Ballonaufnahme von Eduard Spelterini, 1904 mini|Fabriken im Quartier im Jahr 1932: Luftbild von Walter Mittelholzer Die ehemals selbständige Gemeinde Aussersihl wurde 1893 eingemeindet und brachte das von ihr abgespaltene Industriequartier mit in die Stadt ein, welches den heutigen Kreis 5 bildet. Administrativ wird das Industriequartier vom statistischen Amt in die beiden Verwaltungseinheiten (Quartiere) Gewerbeschule (oberer Kreis 5) und Escher Wyss (unterer Kreis 5) geteilt.

Der Stadtkreis entstand 1913 durch die Aufteilung des damaligen Kreises III in die drei Kreise 3 (Wiedikon), 4 (Aussersihl-Hard) und 5 (Industrie). Mit der zweiten Eingemeindung 1934 wurde die damals noch unbebaute Grünau abgetrennt und Altstetten zugeschlagen.

Wappen links|50px|Industriequartier mini|Das entscheidende Wandbild an der Turnhalle des Schulhauses Kornhausbrücke (siehe Text).

Blasonierung In Silber ein schwarzes Zahnrad

Das Kreiswappen ist im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden. Es gab zwei Vorschläge: ein Mühlrad und ein Zahnrad. Gewählt wurde das Mühlrad. Da beim Bau des Schulhauses Kornhausbrücke jedoch schon das Zahnradwappen an die Wand gemalt worden war, kam man auf den Entscheid zurück.

Geographie mini|hochkant|Kirchturm der katholischen Kirche St. Josef

Das Industriequartier zieht sich vom Mittleren Kräuel südlich des Zusammenflusses der Limmat und der Sihl bis zur Hardegg der Limmat entlang, begrenzt durch das grosse Gleisfeld des Zürcher Vor- und Güterbahnhofes im Süden und die Limmat im Norden.

Bevölkerung Das Industriequartier war von Anfang an ein Einwanderungsquartier. Entsprechend zeigen auch die sprachlichen und religiösen Statistiken entsprechende Ausschläge.

Bevölkerungsentwicklung des Stadtkreises Quelle: Statistik & Daten: Industriequartier

Religionen 1992 2001 2002 Kreis 5 Gewerbes. Escher W.Reformierte 2506 2753 2889 23,3 % 22,4 % 26,7 %Katholiken 5134 3996 4086 32,9 % 33,6 % 30,2 %andere und ohne 43,8 % 44,0 % 43,0 %

Im Industriequartier gibt es folgende Kirchen und kirchliche Räume:Vgl. zum Folgenden: Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. Zürich 2013, S. 8–15

Die Evangelisch-reformierte Kirche besitzt an der Limmatstrasse mit der Johanneskirche vertreten. Sie wurde in den Jahren 1897–1898 nach Plänen des Architekten Paul Reber erbaut. Die Kirche besitzt eine der ältesten Orgeln der Stadt Zürich, ein im Jahr 1898 von der Orgelbaufirma Th. Kuhn, Männedorf erbautes Instrument. Die Römisch-katholische Kirche ist im Industriequartier an der Röntgenstrasse mit der Kirche St. Josef vertreten. Die Kirche wurde in den Jahren 1912–1914 nach Plänen der Architekten Curjel & Moser erbaut. Die neobarocke Kirche verweist mit ihrem Namen auf den Hl. Josef, den Vater von Jesu, der in der Bibel als Bauhandwerker vorgestellt wird und somit einen direkten Bezug zu den Arbeitern des Quartiers hat. Daneben betreibt die katholische Kirche seit dem Jahr 2010 in den Bögen 11/12 des Wipkinger-Eisenbahnviadukts den kirchlichen Raum jenseits, der ein Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene aus der ganzen Stadt sein soll.

Die beiden Kirchgemeinden der Landeskirchen (evang.-ref. St. Johannes und röm.-kath. St. Josef) sind im Quartierleben sehr engagiert. Teils im Alleingang, teils zusammen organisieren sie zahlreiche Anlässe. Dank der Kirchensteuer verfügen sie über finanzielle Mittel. Dabei arbeiten sie eng mit dem Quartierverein zusammen. Die Kirche St. Josef verfügt über grosszügige Räumlichkeiten, die auch von anderen Vereinen genutzt werden können.

Seit vielen Jahrzehnten ist auch die Heilsarmee im Kreis 5 tätig. Sie betreibt wenige Schritte neben der Langstrasse eine Teestube für Bedürftige.

Nationalitäten mini|Sicht vom Uetliberg auf Hard und Industriequartier (Hintergrund) (2002) Industriequartier Gewerbeschule Escher Wyss Insgesamt 12'416 100,0 % 9'900 100,0 % 2'516 100,0 % Schweizer 7'566 60,9 % 5'748 58,1 % 1'818 72,3 % Ausländer 4'850 39,1 % 4'152 41,9 % 698 27,7 % davon aus Italien 23,1 % 17,8 % 13,3 % Ex-Jugoslawien 13,1 % 14,9 % 16,2 % Deutschland 8,5 % 8,7 % 14,2 % Türkei 6,4 % 6,9 % o. A. Übriges Europa 25,2 % 27,7 % 29,2 % Portugal o. A. o. A. 5,9 % Aussereuropäisch 23,6 % 24,0 % 21,2 % Bevölkerungsveränderung seit 1992 +8,9 % +1,0 % +57,0 %

Schweizer: 1'888 Stadtbürger; 4'807 Niedergelassene; 857 Wochenaufenthalter; 14 übrige Ausländer: 3'013 Niedergelassene (C); 1'179 Jahresaufenthalter (B); 430 vorläufig Aufgenommene (F/N); 197 Kurzaufenthalter (L); 31 übrige

Politik Der Kreis 5 entsandte 4 (früher 3) Gemeinderäte ins 125-köpfige städtische Parlament, den Gemeinderat. Im Zuge der Wahlkreisreform von 2004 wurden auf städtischer Ebene die Wahlkreise 4 und 5 gleich dem kantonalen Wahlkreis III zusammengelegt. Seither ist die ehemalige Gemeinde Aussersihl (Stadtkreise 4 und 5) sowohl auf kantonaler wie auch auf städtischer politischer Ebene wieder vereint. Auf der Verwaltungsebene (Stadtkreise, resp. Kreisbüros) wurde nichts verändert. Am 12. Februar 2006 wurden erstmals Gemeinderatswahlen im vereinigten Wahlkreis durchgeführt, welchem 13 Sitze zustehen.

+ Parteienstärke im Wahlkreis 4 und 5 ab 2006 (Aussersihl-Industrie) Partei 2022 2018 2014 2010 2006 (2002) AL/PdA 1 2 2 2 2 (2) CVP 0 0 0 1 1 (1) FDP 2 1 1 1 1 (1) GP 2 2 2 2 2 (1) GLP 2 2 2 2     SVP 1 1 1 1 2 (2) SP 5 5 5 4 5 (6)

+ Parteienstärke im ehemaligen Wahlkreis 5 bis 2002 (Industriequartier) Partei 2002 1998 1994 1990 1986 1982 1978 1974 1970 AL/PdA 1 1 CVP 1 1 1 1 1 1 1 1 1 SP 2 2 1 1 1 1 1 1 1

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Blick von der Hardbrücke auf die Limmat mit dem Tramdepot am Escher-Wyss-Platz am linken Bildrand mini|Langstrasse (hier in Aussersihl/Kreis 4) mit Blick Richtung Limmatplatz mini|hochkant|Das Gebiet um den Limmatplatz, Ansicht vom Waidberg

Auf Initiative der Quartierbevölkerung entstanden Einrichtungen wie etwa die Zone 5, ein Zusammenschluss von Handlungen und Gaststätten; oder die Kulturmeile im unteren Teil des Kreises. Heute bestehen im Kreis zahlreiche kleine Familienunternehmen. Von den grossen Firmen sind nur der Migros-Genossenschafts-Bund und die Stadtmühle (Swissmill), von den Banken ist nur noch die Migrosbank geblieben. Prostitution und Drogenhandel konnten im Umfeld der Langstrasse im Kreis 5 stärker eingedämmt werden als im benachbarten Kreis 4.

Industrie Eine unvollständige Liste von Betrieben zeigt den Strukturwandel der letzten Jahre: Reishauer AG (Zahnflankenschleifmaschine; heute Berufsschule) Städt. Salzmagazin (heute Berufsschule) Bananen AG (heute Berufsschule) Städt. Kornhaus (heute Migros-Genossenschafts-Bund) Trinkwasser-Filteranlagen (heute Museum für Gestaltung und HGKZ) Escher Wyss AG (Maschinenfabrik; heute Dienstleistungen, Schauspielhaus, Wohnungen) Schoeller AG (Textilfabrik, heute Wohnungen [Limmatwest]) Steinfels Seifen (Seifen, Waschpulver; heute Wohnungen, Yoga-Studio, Kino) Maag Zahnräder (heute Prime Tower und Maag-Areal) Stadtmühle (heisst heute Swissmill) Kattundruckerei Esslinger (heute Stadtküche; Bootsclub) Städt. Gasversorgung (heute Zwischennutzung mit Ateliers, Planungsgebiet) Schoch+Co (Eisenwaren; heute Bank) Alteisenhandel (heute Wohnungen) Grossmolkerei Milchverband Winterthur (heute Disco und Arbeitsplatz für Künstler und KMU) Städt. Gaswerk (heute Wohnen, Altersheim, Personenmeldeamt Kreisbüro 5, Stadtammannamt und Betreibungsamt, Kreiswache, Kindergarten) Viaduktbögen (Lager, Gewerbe; heute Ateliers, Läden) Löwenbräu Zürich (Brauerei; heute Galerien, Museum, Boardinghaus, Wohnungen, Büros)

Schulen, Hochschulen In den ehemaligen Industriegebäuden haben der Kanton und die Stadt in den letzten Jahrzehnten eine grosse Anzahl Berufsschulen einquartiert: Berufsschule für Gestaltung Zürich Allg. Berufsschule Zürich Kant. Berufsschulen, Allgemeine Abteilung Ausbildungsstätte für Med. Laboranten (SRK) Berufsschule Mode und Gestaltung Baugewerbliche Berufsschule Zürich Technische Berufsschule Zürich Berufsschule Informations-Technik Berufsschule Automobiltechnik Berufsschule Gymnastik Auch die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) liegt im Industriequartier. Daneben betreibt die Hochschule Wädenswil im Technopark eine Aussenstelle.

Verkehr mini|Limmatplatz (vor dem Bau des markanten Platzdaches 2006/2007)

Strassenverkehr In den 1980er Jahren wurden grosse Anstrengungen zum Schutz der Wohnbevölkerung vor dem Strassenverkehr unternommen. Seither ist der Röntgenplatz autofrei, der Limmatplatz nur noch in einzelne Richtungen befahrbar und Wohnstrassen wurden eingerichtet. Nach dem Jahr 2000 wurde flächendeckend Tempo 30 eingeführt.

Die ursprünglich als Provisorium geplante Hardbrücke, welche den Stadtkreis mittig quert, besteht nunmehr seit über 45 Jahren und soll auch weiterhin den Verkehr von Nordost nach Südwest übernehmen. Auch das in den 1960er Jahren geplante Autobahn-Y, welches die Autobahnen aus den Richtungen Bern (A1), Winterthur (A1) und Chur (A3) miteinander verbinden soll, taucht alle paar Jahre wieder in der Diskussion auf. Gemäss letzten Planungen soll der Abschnitt Bern – Zürich (A1) teilweise als Tiefstrasse über die Pfingstweidstrasse – Escher Wyss-Platz – Sihlquai bis zum Zürcher Hauptbahnhof verlängert werden, wogegen jedoch politischer Widerstand besteht.

Tram Auf private Initiative hin wurde am 24. April 1898 die Industriequartier-Strassenbahn (IStB) auf der Strecke Bahnhofquai–Escher-Wyss-Platz eröffnet. Die rentable Linie wurde nach wenigen Jahren von der Stadt aufgekauft.

Die Städtische Strassenbahn (St.St.Z.) betrieb drei Linien: 4: Bahnhof Tiefenbrunnen – Hauptbahnhof – Escher-Wyss-Platz – Nordbrücke 10: Rehalp – Hauptbahnhof – Escher-Wyss-Platz – Höngg – Wartau 22: Escher-Wyss-Platz – Sportplatz Hardturm

In den Siebzigerjahren wurde beim Bau der Hardbrücke die Linienführung zur Nordbrücke verunmöglicht. Das Liniennetz der heutigen Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ): 4: Tiefenbrunnen – Bellevue – Hauptbahnhof – Escher-Wyss-Platz – Schiffbau – Bahnhof Altstetten-Nord 8: Klusplatz – Bellevue – Hardplatz – Bahnhof Hardbrücke – Escher-Wyss-Platz – Hardturm 13: Albisgüetli – Bahnhof Enge – Hauptbahnhof – Escher-Wyss-Platz – Höngg – Wartau – Frankental 17: (Albisgüetli – Bahnhof Enge –) Hauptbahnhof – Escher-Wyss-Platz – Hardturm – Werdhölzli

Bus 32: Holzerhurd – Bucheggplatz – Limmatplatz – Kalkbreite/Bahnhof Wiedikon – Friesenberg – Strassenverkehrsamt 33: Bahnhof Tiefenbrunnen – Klusplatz – Schaffhauserplatz – Escher-Wyss-Platz – Albisriederplatz – Triemli 72: Milchbuck – Escher-Wyss-Platz – Albisriederplatz – Wiedikon – Sihlcity Nord – Morgental 83: Milchbuck – Escher-Wyss-Platz – Albisriederplatz – Kappeli – Bahnhof Altstetten

Eisenbahn mini|Bahnhof Hardbrücke in der Nacht

Die erste Eisenbahn trennte seit 1847 den Kreis 5 von seiner Muttergemeinde Aussersihl. Der Bau der Linie Zürich – Oerlikon – Winterthur 1855–1856 brachte einen Erddamm ab der Langstrassenunterführung in der Lage der heutigen Röntgenstrasse (mit einem einzigen Durchlass) Richtung Escher-Wyss-Platz und zur Fähre nach Wipkingen. Die weniger steile Ersatzlinie über den Aussersihler Viadukt und die rechtsufrige Zürichseebahn mit dem Lettenviadukt schwingen sich seit über hundert Jahren über den Kreis; seit den 1970er Jahren zudem der Käferberg-Viadukt und der Hardturmviadukt.

Bahnhöfe in der Nähe sind der Zürcher Hauptbahnhof und die Haltestelle Hardbrücke. Die Station Letten in Wipkingen wurde am 27. Mai 1989 stillgelegt.