mini|Pyramiden von Gizeh mini|Pyramiden von Meroe mini|Maya-Pyramide des Kukulcán

Die Pyramide (von [Gen. ‚Pyramide‘, Übernahme eines ägyptischen WortsWilhelm Gemoll: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch. 8., durchgesehene und erweiterte Auflage, durchgesehen und erweitert von Karl Vretska mit einer Einführung in die Sprachgeschichte von Heinz Kronasser. München/Wien 1962, S. 660.]) ist eine Bauform, meist mit quadratischer Grundfläche, die aus unterschiedlichen alten Kulturen bekannt ist, wie Ägypten, Lateinamerika oder China. Pyramiden wurden vorwiegend als Gebäude mit religiösem (Totenkult) und/oder zeremoniellem Charakter errichtet.

Ursprung Stufenpyramiden oder pyramidenähnliche Bauwerke wurden schon im Altertum zu unterschiedlichen Zeiten auf verschiedenen Kontinenten erbaut. Forscher gehen heute davon aus, dass zwischen den verschiedenen, durch große geographische Distanz getrennten Kulturen keinerlei Verbindungen bestanden, sondern dass weit voneinander entfernt lebende Volksstämme diese Bauwerke völlig selbständig und unabhängig errichtet haben. Eine altsteinzeitliche und somit eine der frühesten Pyramiden wurde in West-Java in Indonesien entdeckt.Sensationsfund: Forscher entdecken vermutlich älteste Pyramide der Welt. Auf: web.de/magazine Stand vom 10. November 2023; zuletzt abgerufen am 5. Dezember 2023. Es gibt unterschiedliche Theorien über den Ursprung dieser Bauweise:

Im Bereich der Ägyptologie ist hinsichtlich des ursprünglichen Gedankens zur Errichtung der Pyramiden die Theorie entwickelt worden, dass besonders die Form der Stufenpyramide die altägyptische Sozialstruktur mit ihrer Hierarchie abbilden sollte.

Laut einer ägyptologischen Theorie stellen Pyramiden lediglich eine konsequente architektonisch-bautechnische Weiterentwicklung dar, in Ägypten ausgehend von rechteckigen Grabhügeln aus Sand in vorgeschichtlicher Zeit, später mit Mastabas und nachfolgend Stufenpyramiden als Zwischenstufen. Für andere Kulturen kann als Ausgangspunkt einer derartigen Entwicklung statt eines Grabhügels auch ein Kulthügel angenommen werden. Beide Theorien lassen sich über Ägypten hinaus auf alle anderen Kulturen anwenden, die ebenfalls Pyramiden oder pyramidenähnliche Bauten errichteten.

Ägyptische Pyramiden mini|Pyramiden von Gizeh mini|Dieses Bild zeigt das Profil verschiedener Pyramiden

Die Grabstätten vieler ägyptischer Regenten (Pharaonen) des Alten Reiches (ca. 2680 bis 2180 v. Chr.) und Teilen ihres Hofstaates sind Pyramiden. Diese Pharaonen werden deshalb auch als Pyramidenbauer bezeichnet.

Die Entwicklung der altägyptischen Pyramiden begann mit so genannten Mastabas; zunächst ein aus Lehmziegeln bestehender einstufiger und flacher Bau, auf den später weitere Stufen aufgesetzt wurden. In der Folge entstanden in der 3. Dynastie die Stufenpyramiden. Es wurde jedoch nur Djosers Stufenpyramide in Sakkara fertiggestellt, während zwei weitere Stufenpyramiden (die Sechemchet-Pyramide und die des Chaba) dieser Dynastie unfertig blieben.

mini|Steinbewegungen der 4. Dynastie

In der 4. Dynastie präsentierte Pharao Snofru relativ schnell, in nur wenigen Jahren, drei riesige, ausgereifte Pyramiden (Meidum-Pyramide, Knick- und Rote Pyramide in Daschur), welche zusammen mit den drei Pyramiden von Gizeh etwa 3/4 der Gesamtmasse aller ägyptischen Pyramiden ausmachen, und dies schon innerhalb der ersten 100 Jahre der ca. 2700 Jahre währenden Pyramidenzeit. Auch wenn die Bauweise der Pyramiden sehr unterschiedlich war, basieren alle auf demselben Grundkonzept mit einer inneren Stufenpyramide, die aus nach innen geneigten Strebemauern besteht, und gegebenenfalls einem darüber gelegten, glatten Mantel.

Die Komplexität des Pyramidenbaus, ihre künstlerische Ausgestaltung, ihre Neigungswinkel, und die Ausführung der Grabkammern variiert über die Dynastien hinweg stark.

Es gibt unterschiedliche Theorien, wie die Ägypter den Neigungswinkel ihrer Pyramiden auswählten. Eine geht davon aus, dass für die Senkrechte des Steigungsdreiecks der Pyramide immer die ägyptische Elle zu 28 Fingern gewählt wurde, während die Länge der Waagrechten eine variable Anzahl von Fingern aufweist. Die Knickpyramide hat zwei verschiedene Böschungswinkel (28:20 und 28:30), wohl weil man beim Baufortschritt feststellte, dass beim steileren Gefälle die Baubelieferung durch Rampen von max. 10 % geometrisch bei der geringeren Kantenlänge in größerer Höhe nicht mehr möglich war. Pharao Snofru übernahm infolgedessen für seine Meidum-Pyramide den Böschungswinkel 28:22 (51° 50′) aus dem ersten Bauabschnitt der Stufenpyramide und dem Vorgängerbauwerk des Djoser. Dieser Winkel wurde von Pharao Cheops übernommen. In der 5. Dynastie setzte Pharao Niuserre diese Bauweise bei seiner Pyramide in Abusir fort.

Insgesamt gibt es in Ägypten ungefähr 80 bekannte Pyramiden. Die größte ist die Cheops-Pyramide bei Gizeh. Sie hat eine Grundfläche von etwa 230 × 230 Metern und war nach ihrer Fertigstellung ca. 146,60 m hoch. Ihre heutige Höhe beträgt nur noch 138,75 m. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Chephren- und die Mykerinos-Pyramide sowie kleinere Nebenpyramiden. Die Chephren-Pyramide ist zwar um ca. 3 m niedriger in ihrer Ursprungshöhe (143,5 m), wirkt jedoch größer als die Cheops-Pyramide, da sie auf einem 10 m höheren felsigen Untergrund errichtet wurde. Die Mykerinos-Pyramide ist mit 65,5 m Höhe deutlich kleiner. Alle Pyramiden des Gizeh-Plateaus wurden während der 4. Dynastie (ca. 2630–2525 v. Chr.) errichtet.

Nach den größten Pyramiden, die im Alten Reich (bis ca. 2200 v. Chr.) gebaut worden waren, fielen diejenigen des Mittleren Reichs (Haupt-Bautätigkeit ca. 1975–1750 v. Chr.) kleiner aus, und auch andere Grabbauten wurden gewählt. In der zweiten Zwischenzeit begannen zahlreiche Herrscher zwar noch einen Pyramidenbau, doch fast keiner wurde fertiggestellt. Der letzte ägyptische König, der eine Pyramide fertigstellen ließ, war Ahmose I., welcher um ca. 1550 v. Chr. die 18. Dynastie begründete. Dessen Ahmose-Pyramide, die einzige des Neuen Reichs, hatte einen Geröllkern und ist darum heute zerfallen. Danach wurden bloß im Reich von Kusch ab ca. 750 v. Chr. noch neue Pyramiden gebaut.

Bedeutung der Pyramide Die Pyramiden dienten im Alten Ägypten als Begräbnisstätten der Pharaonen.Hans Bonnet: Pyramide. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Hamburg 2000, S. 619f. Die Wände im Inneren dieser Bauwerke waren bis einschließlich in die 4. Dynastie undekoriert. Seit der 5. Dynastie finden sich in den Grabkammern die sogenannten Pyramidentexte. Der Weg zu den Grabräumen führte in den Pyramiden durch einen langen Tunnel. Zum Schutz vor Grabräubern lag der Eingang zu diesem Tunnel versteckt und war sorgfältig versperrt. Die Pyramiden wurden häufig in der Nähe des Nils erbaut, so dass die Steinblöcke auf dem Wasserweg dorthin transportiert werden konnten. Das letzte Stück zog man sie auf Schlitten.

Die rund 60 Meter hohe Stufenpyramide des Djoser (Altes Reich) wurde während ihrer Bauzeit fünfmal erweitert. Das erste Bauwerk war ein massiver Steinbau von 63 Metern Seitenlänge und 8 Metern Höhe, der in der Form einer Mastaba entspricht, dem damals üblichen Grabbau hoher Hofbeamter. Die Außenflächen dieses Bauwerks waren aus feinem Tura-Kalkstein und bereits sorgfältig bearbeitet und geglättet, bevor der erste Erweiterungsbau darüber errichtet wurde. Die erste Erweiterung vergrößerte das Bauwerk allseitig um 3 Meter. In einem zweiten Schritt wurden an der Ostseite elf Schächte angelegt, die 33 Meter tief in den Felsengrund reichen. Dann wurde die Mastaba um achteinhalb Meter erweitert, so dass sie die Schächte überdeckt. In einem der Stollen, die von diesen Schächten abzweigen, wurden zahlreiche Gefäße aus früheren Dynastien gefunden, die anscheinend zur Zeit Djosers aus anderen, von Grabräubern heimgesuchten Grabstätten, hierhin verbracht wurden. Bevor diese dritte Ausbaustufe vollendet war, begann bereits die vierte Phase des Umbaus. Jetzt wurde das Gebäude seitlich wieder um drei Meter erweitert, bekam aber gleichzeitig das erste Mal die Form einer Stufenpyramide von 40 Metern Höhe. In der letzten Ausbaustufe wurde die Pyramide schließlich an der Nord- und Westseite bis auf eine Gesamtfläche von 125 × 110 Metern erweitert und die Höhe durch zwei weitere Stufen auf 60 Meter erhöht.

Eine mythologische Deutung der Stufenpyramide ist, dass durch die Konstruktion der Stufenpyramide eine riesige Steintreppe zum Himmel realisiert werden sollte, die es dem verstorbenen König ermöglichen sollte, als „menschliche Entsprechung der Sonne (Horus)“ einen gleichwertigen Rang wie die Sonne selbst einzunehmen. Die Pyramide ließ damit den König in seinem „Haus der Ewigkeit“ die Unsterblichkeit erlangen.

Architektonisch ist die Form der Stufenpyramide eine eindrucksvolle und durchdachte Vergrößerung der ursprünglichen Mastaba. Allein die letzte Erweiterung bedeutet eine Erhöhung des verbauten Steinvolumens von 200.000 auf 850.000 Tonnen. Eine maßstäbliche Vergrößerung der ursprünglichen Mastaba hätte nicht nur den Materialbedarf noch einmal erheblich vergrößert, ein solches Bauwerk wäre auch nicht ausreichend stabil. Die Stufenpyramide stellt im Prinzip sechs aufeinandergestellte Mastaben dar, die der damals üblichen Form der Begräbnisstätte entsprechen, bildet in ihren Gesamtmaßen aber ein beeindruckendes und zu seiner Zeit beispielloses Bauwerk.

Die beim Bau dieser ersten Pyramide entwickelten Techniken bilden die Grundlage aller späteren Pyramiden. Auch die „echten“ Pyramiden bestehen in ihrem Inneren aus einer Stufenpyramide, die mit glatt behauenen Steinen verkleidet ist. Für die Errichtung der Pyramiden war eine große Zahl ausgebildeter und erfahrener Fachkräfte notwendig, die versorgt werden mussten. Je höher die Pyramide wuchs, desto geringer wurde die Fläche, auf der gebaut werden konnte, und desto weniger Arbeiter fanden hier Platz. Sollten die Arbeiter nicht arbeitslos werden, musste mit dem Bau des nächsten vergleichbaren Bauwerks begonnen werden, sobald eine Pyramide etwa ein Drittel ihrer Gesamthöhe erreicht hatte. Andere Untersuchungen gehen von einer gleichmäßigeren Ausnutzung der Arbeitskraft aus. Während bei größerer Bauhöhe die Baufläche kleiner wurde, stieg der Aufwand des Steintransports über den immer längeren Rampenweg und aufgrund der geringeren Kantenlänge steigenden Anzahl der Wendestellen. Außerdem mussten gegen Ende der Baustelle die Pyramidenflächen mit einem hölzernen Arbeitsgerüst versehen und mit der arbeitsaufwändigen Endbearbeitung des Außenmantels begonnen werden.

Vorgehensweise und Baumaterialien Die meisten Texte zur Bauweise der Pyramiden beruhen auf Überlieferungen, Studien, Versuchen und Schätzungen, die alle auf eine verschiedene Art und Weise die möglichen Bautechniken der Ägypter erklären.

An den Wänden der Grabkammer des Baumeisters Senedjemib Inti ist uns die Tatsache überliefert, dass er die Pläne für die Pyramiden und Palastanlage des Königs Djedkare-Isesi (5. Dynastie) entworfen und auch ausgeführt hat. Ein paar Generationen später erzählt uns die Grabschrift des Expeditionsleiters Weni, dass jener aus Steinbrüchen Oberägyptens Baumaterial für Pyramiden und Tempel des Königs Merenre (6. Dynastie) nach Sakkara mit teils speziell dafür gebauten Booten transportierte.

Die Werkzeuge zum Bau der Pyramiden bestanden aus Kupfer, Stein und Holz und waren nicht sehr kompliziert. Die Kupfergeräte sowie Meißel, Sägen und Äxte mussten ständig nachgehärtet werden, was sehr teuer und zeitaufwendig war.Denys A. Stocks: Experiments in Egyptian Archaelogy. Stoneworking technology in Ancient Egypt. Routledge, London 2003, ISBN 0-415-30664-7.