mini|Mund-Nasen-Schutz mit Bindebändern mini|Mund-Nasen-Schutz mit elastischen Fixierbändern
Der medizinische Mund-Nasen-SchutzEmpfehlungen der BAuA und des ad-Hoc AK „Covid-19“ des ABAS zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2. Stand 30. September 2020 (PDF; 220 kB); abgerufen am 21. Oktober 2020 (Plural Mund-Nasen-Schutze; MNS, weitere Bezeichnungen: OP-Maske, medizinische Mund-Nasen-Maske, chirurgische Maske, medizinische Gesichtsmaske oder Hygienemaske) ist ein genormtes Medizinprodukt mit dem Zweck, die Übertragung von Krankheitserregern durch Sekrettröpfchen (Tröpfcheninfektion) zu reduzieren. Er muss unterschiedliche Anforderungen an die bakterielle Filterleistung, den Differenzdruck und die Keimbelastung im ungenutzten Zustand erfüllen. Seine standardisierte Qualität unterscheidet ihn von behelfsmäßigen, sogenannten Alltagsmasken („Mund-Nasen-Bedeckungen“).
Der MNS ist eine medizinische Gesichts-Halbmaske, die mit Binde- oder Gummibändern am Hinterkopf oder hinter den Ohren fixiert wird. Sie besteht in der Regel aus drei Lagen Vliesstoff, von denen die mittlere mit ihren besonders feinen Fasern Krankheitserreger tragende Tröpfchen aufnimmt. Mit einem integrierten flexiblen Metallbügel in der Mitte des oberen Randes wird die Halbmaske an den Nasenrücken angepasst, um das Gesichtsfeld frei zu halten und den Atemluft-Ein- und -Austritt nach oben zu minimieren.
Ein dicht am Gesicht des Trägers anliegender MNS filtert sowohl die eingeatmete als auch die ausgeatmete Luft. Das Filtern der ausgeatmeten Luft reduziert die Emission von Krankheitserregern (Fremdschutz); das Filtern der eingeatmeten Luft reduziert deren Immission (Eigenschutz). Eine im Juni 2020 in The Lancet publizierte Metaanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass der Eigenschutz durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hoch ist und die Infektionsrate des Maskenträgers um 80 % reduziert wird.Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review and meta-analysis (englisch) Je lockerer aber der MNS am Gesicht des Trägers anliegt, desto größer ist der Anteil der Atemluft, der beim Atmen am MNS vorbeiströmt.
Der MNS ist Bestandteil persönlicher Schutzausrüstung (PSA).Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2: Stand 8. Dezember 2020; abgerufen am 17. Dezember 2020. In einigen asiatischen Ländern ist darüber hinaus das Tragen von Hygienemasken in der Öffentlichkeit seit längerem üblich, um der Verbreitung von Infektionskrankheiten vorzubeugen. Durch die COVID-19-Pandemie hat sich diese Praxis weltweit ausgebreitet.
Im Artikel Schutzmaske findet sich ein vergleichender Überblick über verschiedene Infektionsschutzmasken.
Einteilung Als Medizinprodukt der Risikoklasse I gemäß der Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte muss ein Mund-Nasen-Schutz (MNS) in der Europäischen Union die Europäische Norm EN 14683:2019-6 erfüllen und zudem eine CE-Kennzeichnung aufweisen.Informationsblatt EN 14683:2019. Medizinische Gesichtsmasken – Anforderungen und Prüfverfahren. (PDF) Dach-germany.de; abgerufen am 19. April 2020 Nach der Norm muss ein MNS bestimmten Anforderungen in Bezug auf mikrobiologische Reinheit, Biokompatibilität, bakterieller Filterleistung und Luftdurchlässigkeit des Maskentuches genügen.Medizinische Gesichtsmasken - Anforderungen und Prüfverfahren. Deutsche Fassung EN 14683:2019+AC:2019.
Unterscheidung von mangelhaften Produkten Um den MNS von mangelhaften Masken unterscheiden zu können, ist sie bzw. die Verpackung vor dem Einsatz auf vollständige Kennzeichnung hin zu überprüfen. Dazu zählen neben der richtlinienkonformen CE-Kennzeichnung die Produktbezeichnung, die für das Herkunftsland geltende Norm, eine Gebrauchsanweisung in deutscher Sprache, Hersteller-Anschrift oder Homepage und die Angabe des Masken-Typs. Für Produkte aus dem Ausland muss eine Konformitätserklärung beiliegen. Mund-Nasen-Schutz - MNS-Masken. Abschnitt Fake Check: Wie erkennt man die richtigen Masken und vermeidet den Einsatz von mangelhaften Produkten? bgw-online.de, Stand 29. September 2021; abgerufen am 26. Januar 2021.
Typen Der Norm entsprechend wird ein MNS abhängig von seiner Filtrationswirkung in verschiedene Typen eingeteilt (I, II und IIR); Typ IIR entspricht dabei dem Typ II mit zusätzlichen Anforderungen an die Flüssigkeitsresistenz.
Masken des Typs I weisen eine bakterielle Filterleistung (BFE) von mindestens 95 %, Typ II und II R mindestens 98 % auf. Der Atemwiderstand muss bei den Masken Typ I und II weniger als 40 Pa/cm², bei Typ IIR weniger als 60 Pa/cm² betragen. Masken des flüssigkeitsresistenten Typs IIR müssen einem Spritzdruck von mindestens 16 kPa widerstehen. Damit die Masken keine mikrobielle Gefahr für den Träger oder den Patienten darstellen, wurde ein Grenzwert für die Keimbelastung des noch unbenutzten Produkts für alle Typen auf höchstens 30 KBE/g festgelegt.
Daneben gibt es auch die US-amerikanische Spezifikation nach ASTM F2101. Auch diese Norm unterteilt den Mund-Nasen-Schutz in drei Klassen (Level 1 bis Level 3). Die Anforderungen an die bakterielle Filterleistung sind identisch zur Europäischen Norm (95 % für Level 1, 98 % für Level 2 und 3); zusätzlich müssen die Masken nach ASTM F2101 auch 0,1 µm große Synthetikpartikel mit jeweils derselben Leistung abscheiden. Die Anforderungen an den Atemwiderstand sind bei der US-amerikanischen Norm gegenüber der Europäischen Norm weniger streng; dafür müssen die Masken nach ASTM F2101 schwer entflammbar sein (Flammschutzklasse 1).
Masken nach DIN EN 14683, ASTM F2101 oder äquivalenten Spezifikationen werden von der Weltgesundheitsorganisation als medizinische Masken bezeichnet.
Hingegen werden unter dem Begriff medizinische Maske im Beschluss der Bundeskanzlerin und der Länderregierungschefs „sogenannte OP-Masken“ und „Masken der Standards KN95/N95 oder FFP2“ zusammengefasst.Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 19. Januar 2021. (PDF) Bundesregierung.de, S. 3.
Herstellung Professionelle Mund-Nasen-Schutzmasken bestehen typischerweise aus Vliesstoff. Sie sind in der Regel dreilagig als SMS-Laminate ausgeführt. Dies bedeutet, dass es sich bei den beiden außenliegenden Vlieslagen um Spunbond-Materialien handelt und bei der dazwischen liegenden Lage um ein Vlies, das im Meltblown-Verfahren hergestellt worden ist. Die Vliesstoffe werden in einem vorgelagerten Prozess hergestellt. Die innenliegende Meltblown-Vlieslage besteht aus extrem kleinen wirrgelegten Fasern, die der Maske die geforderte Abscheideleistung verleihen (siehe Abschnitt Einteilung).
Die Fertigung von Mund-Nasen-Schutzmasken geschieht auf halb- bis vollautomatischen Produktionsmaschinen. Hierzu werden zuerst die drei Lagen Vliesstoff sowie ein Draht, der als Nasenklammer dient, zugeführt, wobei das Vlies mittig meist dreimal gefaltet wird. Dies ermöglicht bei der Nutzung der Mund-Nasen-Maske eine Vergrößerung der Maske entlang der Körperachse, wodurch die Maske über das Kinn des Trägers gezogen werden kann. Über eine Verschweißung (meist per Ultraschallverschweißung) werden die Vlieslagen fest miteinander verbunden und die Nasenklammer in die Vlieslagen eingebunden. Schließlich wird das Vlies in regelmäßigen Abständen geschnitten, wodurch die einzelnen Masken entstehen. Im letzten Schritt werden Ohr- oder Kopfbänder angebracht, häufig ebenfalls per Ultraschallverschweißung, wobei auch andere Fügeverfahren wie Kleben zum Einsatz kommen können.Video einer Masken-Produktionslinie, Via AutomationVideo einer Masken-Produktion, KYD Automatic Mask Machine Factory
Bis Anfang 2020 wurden Mund-Nasen-Schutzmasken nahezu ausschließlich im asiatischen Raum hergestellt; auch das notwendige Meltblown-Vlies war im europäischen Raum ein Nischenprodukt. In Deutschland gab es bis März 2020 überhaupt keine Fertigungsstätte von MNS, die als Medizinprodukt zertifiziert waren. Auch in den Vereinigten Staaten gab es keine solche Produktion. Mit Ausbreitung der COVID-19-Pandemie in Deutschland und dem einhergehenden Materialengpass beauftragte die deutsche Bundesregierung insgesamt 50 Unternehmen in Deutschland mit dem Aufbau von entsprechenden Produktionsanlagen, sicherte Subventionen zu und garantierte die Abnahme der Produkte bis mindestens Ende des Jahres 2021. Ziel sei die Ausbringung von deutschlandweit 40 Millionen OP-Masken pro Woche ab August 2020. Laut einer Umfrage waren Ende April 2020 bereits über 40 Prozent der deutschen Textil- und Modehersteller in die Produktion von Mund-Nasen-Schutzmasken und weiterer Schutzausrüstung eingestiegen. Im Mai 2020 wurde allerdings berichtet, dass viele dieser Unternehmen an der Zulassung der Masken scheiterten, insbesondere an den Anforderungen zum Erhalt der CE-Kennzeichnung.
Wirksamkeit Funktionsweise mini|Effekt des Niesens (mit gleichzeitigem Ausstoß von Speichel aus dem Mund) ohne Mundschutz mini|Mithilfe von Schlierenfotografie kann der Effekt von verschiedenen Barrieren auf die Atemströmung beim Niesen visualisiert werden
Bei einer Tröpfcheninfektion gelangen Flüssigkeitspartikel, die eine infizierte Person vor allem beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, an die Schleimhäute oder in die Atemwege einer anderen Person. Das Tragen eines dicht anliegenden, mehrlagigen und nicht durchfeuchteten Mund-Nasen-Schutzes kann die Wahrscheinlichkeit einer Tröpfcheninfektion reduzieren, insbesondere dann, wenn die infizierte Person einen MNS trägt, so dass der größte Teil der infektiösen Flüssigkeitspartikel „an der Quelle“ abgefangen wird und in der Maske hängen bleibt. Der Mund-Nasen-Schutz dient in erster Linie dem Fremdschutz und weniger dem Eigenschutz des Trägers.
Die Materialien des Mund-Nasen-Schutzes können nur einen Teil der Bioaerosole aus der direkten Ausatemluft des Trägers und daran gebundene Partikel in den Tröpfchen filtern und dies auch nur, solange das Vlies noch ausreichend trocken ist.S. Dreller et al.: Zur Frage des geeigneten Atemschutzes bei luftübertragenen Infektionen. 2006; (PDF; 1,6 MB) abgerufen am 6. April 2020
Die Selbstschutzwirkung von Mund-Nasen-Masken ist zwar geringer als die von FFP2-Atemschutzmasken, aber dennoch beachtlich. Ein Mund-Nasen-Schutz verhindert einerseits das Auftreffen makroskopischer Tröpfchen auf die Mund- und Nasenschleimhaut des TrägersChristian Jassoy, Andreas Schwarzkopf: Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2018, S. 33, ISBN 978-3-13-241368-9. und ist andererseits in der Lage, einen großen Teil der Aerosol-Tröpfchen (die Viren und Bakterien tragen können) zu filtern. Eine Mund-Nasen-Maske nach Typ I muss mindestens 95 Prozent, eine Maske nach Typ II mindestens 98 Prozent dieser Tröpfchen filtern (siehe Abschnitt zur Einteilung) und reduziert somit die Viruslast der eingeatmeten Luft erheblich. Im Gegensatz zur FFP2-Atemschutzmaske wird diese Wirkung allerdings durch ungefilterte Luft, die an den seitlichen Rändern mit angesaugt wird, je nach dem Sitz der Maske mehr oder weniger stark herabgesetzt.
Neben der Reduzierung der Viruslast der eingeatmeten Luft kann ein Mund-Nasen-Schutz den Gesichtsbereich vor Berührungen mit kontaminierten Händen schützen.Beschluss 609 Arbeitsschutz beim Auftreten einer nicht ausreichend impfpräventablen humanen Influenza. Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe, Ausgabe Juni 2012, Anlage 2; abgerufen am 23. März 2020.