Argenteuil []; () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Val-d’Oise in der Region Île-de-France. Sie ist Unterpräfektur des Arrondissements Argenteuil sowie Verwaltungssitz von drei Kantonen innerhalb dieses Arrondissements. Die Einwohner werden Argenteuillais genannt.

Geographie Argenteuil ist eine Stadt in der Banlieue nordwestlich von Paris; sie liegt am rechten Ufer der Seine und ist der bevölkerungsreichste Ort des Départements. Die Stadt erstreckt sich fünf Kilometer entlang der Seine. Ursprünglich hat sie sich auf der Flussebene entwickelt, erstreckt sich heute aber auch über die beiden Hügel Cormeilles (167 Meter) und Sannois (124 Meter).

Die Fläche der Stadt beträgt 1722 Hektar (17,22 Quadratkilometer). Im Jahr 2005 lebten hier 102.400 Einwohner (Schätzung INSEE). Eingeteilt ist die Stadt in sechs Quartiere: Centre-ville (Innenstadt), Val-Notre-Dame, Val-d’Argent-Sud, Val-d’Argent-Nord, Orgemont-Volembert und Coteaux.

Benachbarte Gemeinden sind: Bezons, Épinay-sur-Seine, Sannois, Saint-Gratien, Cormeilles-en-Parisis, Sartrouville, Enghien-les-Bains, Gennevilliers, Colombes. Argenteuil grenzt an die Départements Hauts-de-Seine, Yvelines und Seine-Saint-Denis.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr125015201870190119211931193619591968197819901999200620112021Einwohner 450 3.000 7.184 16.116 32.173 50.378 59.013 73.295 90.929 106.000 93.157 93.961 102.683 104.282 107.221

Geschichte

Spuren menschlicher Anwesenheit gibt es im Seinetal seit 200.000 Jahren. Viele Ausgrabungen, die in seit 1877 in Argenteuil vorgenommen wurden, haben eine Reihe von Belegen hierfür erbracht. Zwei große prähistorische Grabstätten wurden in Argenteuil gefunden. La Butte Vachon und die Anlage Argenteuil 2. Diese befindet sich in der Rue du Désert im Hof der Firma Vivez. Im 4. Jahrhundert brachten die Römer den Weinanbau nach Argenteuil.

Der Name Argenteuil wird erstmals in einer Urkunde des Königs Childebert III. aus dem Jahr 665 verwendet, mit der das Kloster Argentioalum (Notre-Dame d’Argenteuil) gegründet wurde.

Im 4. und 5. Jahrhundert wurde der Ort während der Völkerwanderung zerstört. Das Kloster wurde im 9. Jahrhundert wieder aufgebaut. Die berühmte Heloisa wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts hier Priorin. Zu dieser Zeit spielte der Weinbau in Argenteuil eine bedeutende Rolle, da von ihm rund 1500 Einwohner lebten. Man schätzte seinerzeit die Qualität des Vin d'Argenteuil, was sich in der Folge jedoch stark änderte. Der Weinbau hatte eine bedeutende Aktivität in der Schifffahrt zur Folge.

Karl der Große schenkte der Stadt, in der seine Tochter Theodrada Äbtissin war, die Heilige Tunika Christi. 1544 genehmigte König Franz I. den Bau einer Befestigung um den Ort, um die Reliquie zu schützen. 1567 wurde das Kloster von den Hugenotten verwüstet. Argenteuil mit seinem ehemaligen Benediktinerkloster gründet sozusagen auf der Heiligen Tunika, die in der Basilika Saint-Denys verehrt wird. Im Jahr 2025 wurde sie aus Anlass des Jubiläums Peregrinantes in spem (Pilger der Hoffnung) drei Wochen lang in der Basilika von Argenteuil ausgestellt.

Ende des 18. Jahrhunderts begann in Argenteuil der Anbau von Getreide, um den häufigen Hungersnöten zu begegnen; in dieser Zeit wurden mehrere Windmühlen am Flussufer gebaut.

mini|Die Eisenbahnbrücke von Argenteuil, 1873, von Claude Monet mini|Argenteuil, 1875, von Édouard Manet Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Befestigungsanlagen abgerissen. Mit den Steinen wurde ein Arm der Seine aufgefüllt, der heute den Boulevard Héloise bildet. 1832 wurde die Straßenbrücke Pont d’Argenteuil über die Seine gebaut, die bis 1910 mautpflichtig war. Mit dem Bau der Eisenbahn im Jahr 1851 und der Eisenbahnbrücke Argenteuil wurde der Ort ein sonntägliches Ausflugsziel für die Einwohner von Paris. Die Impressionisten besuchten häufig die Stadt. Claude Monet wohnte hier von 1871 bis 1878. Der zwischen den Weinstöcken gezogene Spargel wurde dank Louis Lhérault berühmt. 1866 wurde die Kirche St-Denys durch den Architekten und Träger des Prix de Rome Théodore Ballu gebaut.

Während der Industrialisierung siedelten sich Fabriken am Flussufer an: Schiffs- und Flugzeugwerften (Dassault-Bréguet, Lorraine Dietrich, Donnêt-Leveque, Schreck) und Metallindustrie (die Firma Joly aus Argenteuil hat die Pariser Markthallen ebenso gebaut wie den Gare Saint Lazare).

1921 zählte man in der Stadt rund 100 Industrieunternehmen sowie eine weitaus größere Zahl von Handwerksbetrieben. 1924 war Argenteuil Austragungsort der olympischen Ruderwettbewerbe. Das Volksbad besteht seit 1935.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für Argenteuil die Stadtentwicklung zum zentralen Thema, da die Einwohnerzahl unaufhörlich wuchs. In den 1960er Jahren wurden auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen Hochhäuser und Wohnanlagen errichtet, so dass heute nur noch im Norden der Stadt einige Obst- oder Gemüsegärten zu finden sind.

Politik

Argenteuil war seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Arbeiterbewegung und traditionell eine Hochburg der Kommunisten. Bei den Gemeindewahlen vom 26. Januar und 2. Februar 2003 kandidierte erfolglos der frühere Präsident der Parti communiste français, Robert Hue. Von 2001 bis 2008 wurde Argenteuil von der konservativen UMP regiert. Kontrovers wurde immer wieder die Politik der konservativen Stadtregierung gegen Bettler und Obdachlose diskutiert. Hohe Wellen auch international erzeugte etwa der Einsatz von übelriechenden Chemikalien (Repellentien) zur Vertreibung von Obdachlosen im Sommer 2007.

Seit April 2014 ist Georges Mothron (früher UMP, jetzt Les Républicains) Bürgermeister: 2020 wurde er wiedergewählt.

Bürgermeister von Argenteuil

Verwaltung Argenteuil ist in drei Kantone aufgegliedert: Argenteuil-Est mit 33.780 Einwohnern Argenteuil-Nord mit 25.649 Einwohnern Argenteuil-Ouest mit 34.532 Einwohnern

Sehenswürdigkeiten Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Argenteuil Basilika Saint-Denys Kapelle Saint-Jean-Baptiste La Butte Vachon (Megalithanlage, auch Argenteuil 1 genannt) Musée du vieil Argenteuil

Spezialitäten Vins d'Argenteuil Spargel

Städtepartnerschaften Argenteuil listet folgende vier Partnerstädte auf: StadtLandseitAlessandria1960Clydebank1973Dessau-Roßlau1959Hunedoara1974

Töchter und Söhne der Stadt Alexis Grimou (1678–1733), Maler Jean-Étienne Delacroix (1847–1923), Landwirt und Amateurkünstler Albert Robida (1848–1926), Zeichner Edmond Fleutiaux (1858–1951), Koleopterologe Georges Braque (1882–1963), Maler Rolandaël (* 1921), Karikaturist Émile Carrara (1925–1992), Radrennfahrer Paul Le Person (1931–2005), Schauspieler Edmond Roudnitska (1931–2023), Leichtathlet Véra Valmont (* 1934), Schauspielerin Paul Personne (* 1949), Musiker Bernard Quilfen (1949–2022), Radrennfahrer und Sportlicher Leiter Sidney (* 1955), Musiker, Radio-/Fernsehmoderator, Hip-hop-Pionier Bruno Lebras (* 1962), Radrennfahrer Khalid Rahilou (* 1966), Boxsportler und Kickboxer Jean-Michel Monin (* 1967), Radrennfahrer Fabrice Henry (* 1968), Fußballspieler Sébastien Rouland (* 1972), Dirigent Ingrid Chauvin (* 1973), Schauspielerin und Moderatorin Tewfik Jallab (* 1982), Schauspieler Ella Kaabachi (* 1992), Fußballspielerin Kevin Mayer (* 1992), Zehnkämpfer Sébastien Cibois (* 1998), Fußballspieler Lilian Brassier (* 1999), Fußballspieler Kenny Nagera (* 2002), Fußballspieler Laurina Fazer (* 2003), französisch-guadeloupische Fußballspielerin Ismaël Guerti (* 2004), Fußballspieler

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten Heloisa (um 1095–ca. 1164), Äbtissin von Argenteuil Gustave Caillebotte (1848–1894), Maler, lebte in Argenteuil Claude Monet (1840–1926), Maler, lebte in Argenteuil Ary Scheffer (1795–1858), Maler, starb in Argenteuil

Rezeption In und um Argenteuil entstanden Gemälde wie Claude Monets Häuser in Argenteuil und Die Eisenbahnbrücke von Argenteuil (1873) sowie Wiese in Bezons (1874) oder Gustave Caillebottes Die Brücke von Argenteuil und die Seine (1885). Literatur Le Patrimoine des Communes du Val-d'Oise. Flohic Éditions, Band 1, Paris 1999, ISBN 2-84234-056-6, S. 35–63.

Weblinks

Offizielle Website von Argenteuil

Einzelnachweise

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