mini|Selbstbildnis 1903 (Israel Museum, Jerusalem) Ernst Oppler (geboren am 9. September 1867 in Hannover; gestorben am 1. März 1929 in Berlin) war ein Maler und Grafiker des deutschen Impressionismus.
Sein Schaffen ist für den Übergang von der Kunst des 19. Jahrhunderts hin zur Klassischen Moderne zur Zeit des Wilhelminismus und der Weimarer Republik kennzeichnend. Er war frühes Mitglied der Berliner Secession und bereicherte diese als Porträtist (auch mit zahlreichen Selbstporträts) und als Radierer.Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. 1990, S. 455. Er gilt zudem durch seine 1909 einsetzende Begeisterung für das russische Ballett als bedeutendster deutscher bildkünstlerischer Chronist des Bühnentanzes im 20. Jahrhundert.F.-M. Peter: Der Maler Ernst Oppler (…). Wienand, Köln 2017, S. 23.
Leben Ausbildung und frühe Jahre Ernst Oppler wuchs im Umfeld einer großbürgerlichen jüdischen Familie Hannovers auf. Sein Vater war der Architekt Edwin Oppler, der zahlreiche Gebäude der Stadt entworfen hatte; er starb, als Ernst elf Jahre alt war. Seine Mutter war Ella Oppler, geb. Cohen (1843–1912). Ernst Oppler hatte drei jüngere Brüder: den späteren Bildhauer Alexander Oppler (1869–1937), den späteren Arzt Berthold Oppler (1871–1943) sowie den späteren Rechtsanwalt und Notar Siegmund Oppler (1873–1942). Seine Cousine war die Designerin Else Oppler-Legband.
mini|Träumerei, 1892 (verschollen) Ernst Oppler zog im Sommer 1886 zum Studium an der Akademie der Bildenden Künste nach München. Erst besuchte er als Vorbereitung die Malschule von Paul Nauen. In die Akademie wurde er am 18. Oktober 1886 aufgenommen,Matrikelbuch der Münchener Akademie der bildenden Künste ab 1884, Eintrag Nr. 342: Oppler Ernst, aus Hannover (Preußen), dessen Vater: Baurat †, Religion: israelitisch, Alter: 19, Kunstfach: I. Curs Vorschule, Tag der Aufnahme: 18. Oktober 1886. (Digitalisat). am selben Tag wie sein späterer Secessions-Kollege Lesser Ury, und studierte ab dem Wintersemester 1886/87 bei Nikolaus Gysis, Ludwig von LöfftzDeutsche Biographische Enzyklopädie. Band 7: Menghin – Pötel. Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-25037-8, S. 596. und Karl Raupp.Kunst und Altertum am Rhein. 14, 1956, S. 26. Zusätzlich nahm er Unterricht an der privaten Zeichenschule von Heinrich Knirr. Bereits 1892 erwarb Prinzregent Luitpold von Bayern das Gemälde Träumerei für seine Sammlung; im folgenden Jahr wurde Oppler auf der Weltausstellung in Chicago ausgezeichnet.
Opplers Frühwerk zeigt noch deutlich die akademischen Einflüsse der Münchener Schule. Wohnhaft war Oppler in München seit 1892 in der Adalbertstraße Nr. 6 und bezog später eine Wohnung in der Giselastraße Nr. 5, ein Haus neben Lovis Corinth, der in Nr. 7 lebte. Es ist davon auszugehen, dass Oppler in den Künstlerkreisen Schwabings verkehrte, etwa im Freundeskreis von Franziska zu Reventlow. Als Mitglied der Freien Vereinigung der XXIV stellte er 1893 auch erstmals in Berlin in der Galerie Eduard Schulte aus.
Ende des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ein Bedeutungsverlust der beiden führenden Kunstakademien München und Paris ab. Anders als viele seiner Zeitgenossen zog Oppler nicht nach Paris, sondern 1894 nach London, wo er bis 1897 blieb. Wenngleich diese Stadt und deren Vorstädte die negativen Folgen der Industrialisierung zu spüren bekommen hatten, bevorzugte es Oppler, im wohlhabenden Westen der Stadt (Maida Hill, Kensington und Chelsea) Quartier zu beziehen. Dort erlernte er das Radieren nach seinem Vorbild, dem Maler James McNeill Whistler, und wurde bei einem zweiten Aufenthalt in London auf dessen Einladung 1898Correspondances of James McNeill Whistler. University Glasgow; abgerufen am 3. Februar 2016. Mitglied der International Society of Sculptors, Painters and Gravers. Whistler stand auch Porträt für eine Studienreihe von Oppler. Der englische Einfluss wurde charakteristisch für sein Werk als Radierer.Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 43, 1987, S. 2798.
1895 wurde Oppler Mitglied der Münchener Secession und bald Mitglied der Berliner Secession, was auf das Engagement Max Liebermanns zurückging.Paul Erich Küppers: Ernst Oppler als Graphiker. In: Die Kunst für alle. 32, 1916/17, S. 148 f. (Digitalisat). Ab 1895 wurden Opplers Werke auf sechs Biennalen in VenedigProfil des Künstlers. artfacts.net; abgerufen am 3. Februar 2016. gezeigt. Auf der großen Kunstausstellung 1901 im Glaspalast wurde von der Münchener Secession Opplers Der Brief gezeigt, der noch deutlich biedermeierliche Züge trägt. „Die angenehmen Eigenschaften der Opplerschen Art und sogar eine persönliche Note liess ein genrehaftes Interieur ‚Der Brief‘ am besten zur Geltung kommen“ schrieb die Die Kunst für alle.Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 16, 1900, S. 268 (Digitalisat). Ein Jahr später wurde das Werk vom Kestner-Museum in Hannover angekauft.Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 18, 1902, S.C (Digitalisat).
Zeit in den Niederlanden und Nordfrankreich 1901 zog er ins kleine niederländische Dorf Sluis und widmete sich u. a. der Landschaftsmalerei. Auf der Düsseldorfer Ausstellung 1902 zeigte er das Gemälde Musik (ein Thema, das später in seinem Werk eine größere Rolle einnahm). Zwischen 1901 und 1905 wandelte sich sein Malstil unter dem Einfluss der Pleinair-Methode in der Farbgebung stetig von einer gedämpften Tonmalerei zu einer farbintensiveren Lichtmalerei, die fast abstrakte Züge annimmt. Während dieser Zeit hatte er auch engen Kontakt mit Paul Baum, der ebenfalls als impressionistischer Freiluftmaler in den Niederlanden arbeitete. Er begegnete u. a. Emil Pottner und Konrad von Kardorff, die zu Besuch nach Sluis kamen. Anschließend reiste Oppler ins nordfranzösische Dieppe, (wo zuvor schon Carl Spitzweg und Frits Thaulow gemalt hatten) und malte vornehmlich Strandszenen. Ausflüge unternahm er auch nach Belgien. Anfang 1904 fand in Brüssel die belgische Kunstausstellung statt, welche den Titel Exposition des peintres impressionnistes trug. Aus Deutschland wurden nur Werke von Hans von Bartels, Eugen Kampf und Ernst Oppler gezeigt.Karl Scheffler: Kunst und Künstler: Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe. Band 2, Bruno Cassirer, 1904, S. 206 Zur großen Kunstausstellung in Dresden zeigte Oppler sein Selbstbildnis, das ihn in seiner Eigenschaft als jungen Kunstsammler zeigt,Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur 20, 1904, S. 40 (Digitalisat). auf der Künstlerbund-Ausstellung der Münchener Sezession neben einem Stillleben das Damenporträt Auf der Terrasse (Portrait der Miss B.).Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 19, 1903, S. 488 (Digitalisat); Ausstellungskatalog X. Ausstellung der Münchener Sezession: Der Deutsche Künstlerbund (in Verbindung mit einer Ausstellung erlesener Erzeugnisse der Kunst im Handwerk). Verlagsanstalt F. Bruckmann, München 1904 (S. 28: Oppler, Ernst, Sluis (Holland). Nr. 118: Auf der Terrasse (Portrait der Miss B.)).
Berliner Jahre mini|Oppler auf einer Sitzung der Secession (hinten Mitte zwischen Lovis Corinth und Emil Orlik), Zeichnung von Erich Büttner, 1921 1904 zog er auf Empfehlung von Paul Baum nach Berlin und wurde schnell in der Berliner Kunstszene bekannt. In Deutschland zurück war er der wohl erste Freiluftmaler.Hans Hertzfeld: Geschichte Von Brandenburg und Berlin. Band 3. de Gruyter, S. 590. Vorerst kehrte er zur akademischen Malerei zurück und kombinierte sie mit einer impressionistischen Pinselführung. Die freie farbintensive Phase wich mit der Zeit strengeren Formen, Oppler wurde nun auch zu einem gefragten und angesehenen Porträtisten. Bereits 1905 war er Jurymitgliedgeorgbroel.de Website; abgerufen am 20. Dezember 2013. der Secession und beteiligte sich auch an der Nordwestdeutschen Kunstausstellung in Oldenburg. Diese wurde im Nachhinein als „opulente Gesamtschau der zeitgenössischen Kunst um 1900“ betrachtet (und wurde 100 Jahre später in einer Rekonstruktion wieder gezeigt). Website; abgerufen am 17. Dezember 2013. Zur großen internationalen Kunstausstellung 1907 in Mannheim (aus der die Kunsthalle Mannheim hervorging) zeigte Oppler sehr tradierte Interieurs mit Bauernmädchen, die von der Kunstkritik sehr gelobt wurden.Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 22, 1906, S. 494 (Digitalisat). Anders als seine Secessionkollegen war Oppler kein klassischer Landschafter in der Tradition der Romantik, für ihn stand eher das bürgerliche Leben im Vordergrund, sei es auf dem Land oder in der Stadt. Natur ordnet sich der von Menschen kultivierten Landschaft unter.Emuna Horizonte. S. 34 Nr. 9, 1974 Emuna-Verlags-Verein.
Gleichzeitig bewährte sich Ernst Oppler als Radierer. Als Hermann Struck 1908 sein Werk Die Kunst des Radierens herausbrachte, zeigte er darin Arbeiten von Oppler als zeitgenössisches Pendant alter Meister. Max Landsberg entwarf 1910 für ihn und seinen Bruder die Villa Oppler im Grunewald, Oppler verfügte auch über eine Atelierwohnung in der Kurfürstenstraße. Einrichtungsgegenstände daraus, darunter eine Vitrine mit chinesischem Porzellan, tauchen auf seinen Bildern auf.Vgl. z. B. sein Gemälde Dame in Schwarz vor einer Vitrine.
mini|Ernst Oppler in seinem Atelier in der Kurfürstenstraße beim Porträtieren von Werner Sombart, 1926 Oppler war neben dem Kunsthändler Paul Cassirer und dem Maler Max Liebermann einer der ProtagonistenDeutsche Biographische Enzyklopädie. Band 7, 2007, S. 596. der Berliner Sezession und beteiligte sich bis 1912 regelmäßig an deren Ausstellungen. Auf der 20. Ausstellung der Secession wurde das Werk gezeigt.Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur. 25, 1909, S. 437 (Digitalisat). Allgemein bereicherte Oppler die Secession auch um Radierungen und Lithographien.Irmgard Wirth: Berliner Malerei im 19. Jahrhundert: von der Zeit Friedrichs des Grossen bis zum ersten Weltkrieg. 1990, S. 455. Auch während des Ersten Weltkrieges gehörte Oppler, neben Corinth und Eugen Spiro, zu denen, die den Stammtisch der Secession in einer kleinen Bierkneipe am Wittenbergplatz regelmäßig besuchten.Karl Schwarz (Hrsg.): Jüdische Kunst, Jüdische Künstler. Erinnerungen des ersten Direktors des Berliner Jüdischen Museums. Hentrich und Hentrich, Teetz 2001, ISBN 3-933471-05-2, S. 227. 1911 kam es zum Bremer Künstlerstreit, Oppler gehörte zu den Unterzeichnern der „Antwortschrift“.Im Kampf um die Kunst: die Antwort auf den „Protest deutscher Künstler“: mit Beiträgen deutscher Künstler, Galerieleiter, Sammler und Schriftsteller. Piper, München 1911, S. 158 Digitalisat.