Michelstadt ist eine Stadt im südhessischen Odenwaldkreis, im Odenwald etwa mittig zwischen Aschaffenburg und Heidelberg gelegen.

Geografie Geographische Lage Michelstadt ist mit rund 16.000 Einwohnern die größte Stadt des Odenwaldkreises. Sie grenzt an die unmittelbar südlich gelegene Kreisstadt Erbach an und bildet mit ihr zusammen das Zentrum des Odenwaldkreises. Die Kernstadt liegt verkehrsgünstig in dem weiten, in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Talzug der Mümling auf etwa 200 Meter Höhe. Der Stadtteil Stockheim im Südosten ist mit der Kernstadt baulich zusammengewachsen. Der Stadtteil Steinbach liegt im Nordwesten an der Mündung des Rehbachs in die Mümling. Die Stadtteile Rehbach und Steinbuch befinden sich im Westen des Stadtgebietes in höher gelegenen Seitentälern. Weiten-Gesäß liegt auf einer Bergkuppe im Nordosten, und die beiden höchstgelegenen Stadtteile Vielbrunn (430 Meter) und Würzberg (515 Meter) sind ganz im Osten an der Landesgrenze nach Bayern auf dem Höhenzug angesiedelt, der das Mümlingtal vom Mudtal scheidet. Die höchste Erhebung des Stadtgebiets liegt am westlichen Ortsrand von Würzberg und erreicht 544 Meter, der tiefste Punkt (176 Meter) befindet sich an der nordöstlichen Stadtgrenze am Laudenbach an der Hessisch-Bayerischen Grenze im Ortsgebiet von Vielbrunn.

Von westlich Rehbach bis nordöstlich Vielbrunn erstreckt sich das Stadtgebiet in Ost-West-Richtung auf etwa 16 Kilometer, während sich die Nord-Süd-Ausdehnung im Mümlingtal auf drei bis vier Kilometer beschränkt, entlang der Landesgrenze im Osten jedoch etwa 15 Kilometer erreicht.

Nachbargemeinden Michelstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Brombachtal, die Stadt Bad König und die Gemeinde Lützelbach, im Osten an die Stadt Klingenberg, die Märkte Laudenbach, Kleinheubach, die Stadt Miltenberg, den Markt Weilbach, die Stadt Amorbach und den Markt Kirchzell (alle sieben Landkreis Miltenberg in Bayern), im Süden an die Stadt Erbach sowie im Westen an die Gemeinden Mossautal und Reichelsheim.

Stadtgliederung Stadtteile von Michelstadt sind: Michelstadt Rehbach Steinbach mit dem Weiler Asselbrunn Steinbuch Stockheim Vielbrunn mit den Weilern Bremhof, Brunnthal, Ohrnbach und Geiersmühle Weiten-Gesäß Würzberg mit den Weilern Mangelsbach, Eulbach

Klimatabelle

Geschichte mini|Fachwerkhäuser am Marktplatz mit Marktbrunnen Mittelalter In der jüngeren Vita des Burkard steht im Buch 2: Daher bestätigte er selbst das Landgut (bzw. den Ort), das MichilstatMichilstat ist Althochdeutsch und heißt übersetzt Große Stätte, nicht Michelstadt genannt wird und das ihm einst Fürst Karlmann zum Eigentum übergeben hatte, den hl. Martyrern durch gesetzmäßige Investitur. Die Burg von Michelstadt ging aus einem fränkischen Gutshof hervor und wurde zu einem Zufluchtsort für die Bewohner der Umgebung ausgebaut.

Im Jahre 815 wurde die Mark „Michlinstat“ verschenkt. Als Anerkennung für seine großen Verdienste als Vertrauter am Hofe Karls des Großen erhielt Einhard den Hauptort und alles Land im Umkreis von zwei Leugen (etwa 15 km) von Karls Sohn, Ludwig dem Frommen, als freies Eigentum. Er ist der Erbauer der Einhardsbasilika. Im Jahre 819 vermachte er seinen Odenwälder Besitz dem Kloster Lorsch und beschrieb dabei recht genau die Grenzen der Mark Michelstadt. Am 14. März 840 erhielt das Kloster Lorsch diesen Besitz übertragen.

Frühe Neuzeit Michelstadt lag in der Grafschaft Erbach und dort im Amt Michelstadt.

Wahrscheinlich 1551 wurde die Michelstädter Apotheke gegründet.

Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Häuser außerhalb der schützenden Mauern errichtet. Als drittes Stadttor kam 1773 noch das Neutor hinzu. Im 19. Jahrhundert wurden die Tortürme nacheinander abgerissen.

Neuzeit Michelstadt gehörte als Teil des Amtes Michelstadt seit Mitte des 18. Jahrhunderts zur Teilgrafschaft Erbach-Fürstenau, die mit der Mediatisierung 1806 wie die gesamte Grafschaft Erbach (ohne das Amt Wildenstein, das an Bayern kam), Teil des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt) wurde. Ab 1822 gehörte Michelstadt zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt. Nach Auflösung des Amtes Michelstadt 1822 nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Michelstadt das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1879 das Amtsgericht Michelstadt.

Der Bau der Odenwaldbahn erreichte 1881 auch Michelstadt, was einen starken wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge hatte: Aus dem einstigen Ackerbürgerstädtchen mit all seinen Handwerkern und Händlern entwickelte sich ein ansehnliches Gemeinwesen mit bedeutenden Industriebetrieben auf der Grundlage einer jahrhundertealten Eisenverarbeitung, die schon im 16. Jh. begonnen hatte. Wirtschaftlich begann ein neues Zeitalter. Aus der Tuchweber- und Färberzunft entwickelte sich eine Tuchfabrik, aus Eisenhütten entstanden Maschinenfabriken. Die Elfenbeinschnitzerei war Ausgangspunkt für Betriebe der Souvenir-Branche und der Kunststoff-Verarbeitung.

20. Jahrhundert

An die Verfolgung jüdischer Mitbürger in der Schoah nach 1933 erinnern Gedenktafeln im als Museum restaurierten Synagogengebäude sowie 59 ab 2000 angebrachte „Stolpersteine“, Plaketten mit den Namen der Ermordeten, die im Straßenpflaster vor ihren ehemaligen Wohnhäusern eingefügt wurden. Laut Klaus Alickes Jüdische Gemeinden.de wurden während des Nationalsozialismus 1938 bis 1942/1943 alle in Michelstadt verbliebenen Juden, wenn sie es nicht geschafft hatten, auszuwandern über die sogenannte Sammelstelle Gießen deportiert und ermordet. Es handelte sich um etwa 65 Menschen.https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/m-o/1317-michelstadt-odenwald-hessen

Gegenwart Im Jahr 2007 wurde die Fusion der Städte Michelstadt und Erbach zur neuen Stadt Erbach-Michelstadt für 2009 beschlossen. Ziel war es, einerseits mit 31.000 Einwohnern eine größere Gewichtung in Hessen zu haben und andererseits Kosten einzusparen. Durch einen Bürgerentscheid in beiden Städten wurde das Vorhaben jedoch gestoppt. Die Michelstädter votierten dabei mit 54,9 Prozent gegen die Städtefusion. In: hr-online.de. Abgerufen am 24. Oktober 2012

Eingemeindungen Im Zuge der hessischen Gemeindegebietsreform wurden dem Stadtgebiet Michelstadt vom 1. April 1971 bis zum 1. August 1972 sieben bis dahin selbständige Gemeinden eingemeindet. Für alle eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk errichtet.

Stadtteil Datum derEingemeindung Ew.1961 Ew.1970 Ew.2012 Anmerkungen Michelstadt – 7779 8559 8927 Weiten-Gesäß 1. Oktober 1971 661 758 961 Rehbach 1. Dezember 1971 264 303 586 Steinbach 1. August 1972 1869 1904 2096 mit dem Weiler Asselbrunn Steinbuch 1. Februar 1972 540 527 554 Stockheim 1. April 1971 504 649 1367 Vielbrunn 1. August 1972 986 1163 1297 mit den Weilern Bremhof und Brunnthal Würzberg 1. Februar 1972 835 837 840 mit den Weilern Mangelsbach und Eulbach

Für alle nach Michelstadt eingegliederten ehemaligen Gemeinden wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Michelstadt angehört(e):

815: Fränkisches Reich, Mark Michelstadt 819: Ostfränkisches Reich, Michlenstat in pago Plumgouue vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Michelstadt (Zent Michelstadt) ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach (Erbach-Fürstenauer Linie), Amt Michelstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Starkenburg, Amt Michelstadt (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Michelstadt (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1820: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, standesherrliches Amt Fürstenau ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ErbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Michelstadt) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Erbach ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Michelstadt 16.409/15.688 Einwohner. Darunter waren 1439/2375 (8,8 % / 15,1 %) Ausländer, von denen 430/1039 aus dem EU-Ausland, 823/875 aus anderen europäischen Ländern und 188/464 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 13,5 %.) Von den deutschen Einwohnern hatten 16,4 % / 18,9 % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 2873/2567 Einwohner unter 18 Jahren, 6672/5534 zwischen 18 und 49, 3447/3635 zwischen 50 und 64 und 3418/3893 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 7205/4251 Haushalten. Davon waren 2317/? Singlehaushalte, 2012/1947 Paare ohne Kinder und 2056/1788 Paare mit Kindern, sowie 642/514 Alleinerziehende und 182/? Wohngemeinschaften. In 1673/769 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 4758/2660 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 815: 40 männliche und weibliche Leibeigene, 14 hörige Knechte mit Frauen und Kindern • um 1500 ca. 350 Einwohner • 1507: 37 steuerpflichtige Haushaltsvorstände einschließlich Witwen • 1523: 63 wehrfähige Männer • 1550: 61 Familien • 1666: 60 Anwesen mit ca. 300 Personen • 1701: 470 Einwohner • 1703: 88 Anwesen mit 467 Einwohnern • 1731: 130 Bürger, 12 begüterte Witwen, 15 Beisassen, 8 Juden • 1753: 142 Wohnstätten, 34 Scheuern, 11 Plätze

Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1752: 1130 Einwohner, darunter 2 Reformierte, 18 Katholiken, 74 Juden (Rest lutherisch) • 1791: 1666 Personen, darunter 104 Juden, 151 Fremde; sie wohnten in 186 Häusern und 5 Stadttürmen • 1961: 4887 evangelische (= 73,89 %), 1428 katholische (= 21,59 %) Einwohner • 1987: 9048 evangelische (= 63,6 %), 2987 katholische (= 21,1 %), 2148 sonstige (= 15,1 %) Einwohner • 2011: 7920 evangelische (= 48,3 %), 3330 katholische (= 20,3 %), 560 freikirchliche (= 3,4 %), 150 orthodoxe (= 0,9 %), 630 andersgläubig (= 3,9 %), 3800 sonstigeKeiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft angehörig. (= 23,2 %) Einwohner • 2022: 5630 evangelische (= 35,9 %), 2080 katholische (= 13,3 %), 7982 sonstige (= 50,9 %) Einwohner

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Michelstadt erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis, in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 29,6 11 28,7 11 32,6 12 35,7 13 36,7 14 36,7 14 ÜWG Überparteiliche Wählergemeinschaft 24,3 9 26,7 10 28,7 11 23,2 9 22,8 8 26,8 10 25,0 9 24,2 9 19,9 7 21,7 8 27,4 10 27,0 10 13,9 5 13,5 5 9,9 4 14,5 5 9,4 4 9,5 3 7,2 3 6,0 2 7,4 3 3,7 1 3,7 1 — — —— 0,9 0 1,6 0 1,2 1 — — — — Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 56,9 56,7 49,7 49,2 49,3 56,6

Bürgermeister mini|hochkant|Rathaus von 1484