mini|hochkant=1.3|Napoleon bei der Schlacht bei Friedland, Édouard Debat-Ponsan, 1875 mini|hochkant=1.3| Die Preußen erstürmen Plancenoit, Adolph Northen, 1864 mini|hochkant=1.3|Denkmal zu Ehren der Gefallenen auf Kärntner Boden 1797 – 1809 – 1813, Tarvisio-Boscoverde, Josef Valentin Kassin, 1909 Als Koalitionskriege (unter Ausschluss des ersten Koalitionskrieges auch Napoleonische Kriege genannt) werden die von 1792 bis 1815 dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und seinen europäischen Machtrivalen bezeichnet. Sie bilden eine Reihe von Konflikten, die ursprünglich durch die Französische Revolution hervorgerufen wurden. Wechselnde Bündnisse (Koalitionen) europäischer Mächte führten mehrere teils ineinander übergehende Kriege gegen die Französische Republik beziehungsweise das Kaiserreich Napoleon Bonapartes und dessen Verbündete. Französische Truppen hielten in dieser Zeit einige Gegenden dauerhaft besetzt (siehe Napoleonische Besetzung).

Mit den Koalitionskriegen war die Zeit der Kabinettskriege beendet.

Einteilung Die Kriege lassen sich begrifflich in folgender Weise einteilen:

die Revolutionskriege (1792–1802): erste und zweite Koalition; die Napoleonischen Kriege (1800–1814), zu denen der Russlandfeldzug 1812 und die Befreiungskriege (1813–1815) gezählt werden können: zweite bis sechste Koalition; die Kriegsereignisse um die Herrschaft der Hundert Tage nach Napoleons Rückkehr aus der Verbannung (1815): siebte Koalition.

In DDR-Geschichtsbüchern wurden gelegentlich auch über Napoleons Machtübernahme (1799, offizielles Ende der Revolution) und das mit seiner Kaiserkrönung verbundene Ende der Ersten Französischen Republik hinaus jene Kriege bis zur Katastrophe Preußens weiterhin als Revolutionskriege bezeichnet (somit bis zur vierten Koalition), da die revolutionären Errungenschaften der französischen Fremdherrschaft noch bis zum Frieden von Tilsit 1807 überwogen hätten. Mit dem Widerstand der Spanier hätten demnach 1808 die Befreiungskriege begonnen.

Zeitleiste

Die erste Koalition

mini|links|Deutschland 1791 vor den Koalitionskriegen

Die erste Koalition (1792–1797) europäischer Mächte wollte versuchen, die Französische Revolution und ihre Auswirkungen einzudämmen oder gar ganz rückgängig zu machen. Allerdings begann Frankreich den Krieg mit der Kriegserklärung vom 20. April 1792.

Die Koalition begann 1791 mit der Pillnitzer Deklaration, in der sich Österreich und Preußen zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen das revolutionäre Frankreich entschlossen. Der Koalition schlossen sich nacheinander weitere wichtige Mächte Europas an: erst das Königreich Sardinien-Piemont, nach der Hinrichtung des französischen Königs Ludwig XVI. auch das Königreich Großbritannien, Spanien und das Königreich Neapel. Die Niederlande erhielten wegen ihrer Unterstützung für Großbritannien 1793 eine französische Kriegserklärung.

Frankreich beantwortete die Bedrohungen von außen mit den Mitteln der Levée en masse, Terror im Inneren und neuen, durch die Umwälzungen in der Armee entstandenen Techniken und Taktiken. Die Kriegsführung der Franzosen war größtenteils erfolgreich. Es gelang ihnen, ihre Gegner nach und nach mittels Friedensverträgen aus dem Krieg auszuschließen: Im Mai 1795 ging die aus den inzwischen französisch besetzten Niederlanden entstandene Batavische Republik ein Bündnis mit Frankreich ein; im Frühjahr 1795 schlossen Preußen und Spanien mit Frankreich den Frieden von Basel; 1796 wurde Sardinien-Piemont während des Italienfeldzuges durch Napoleon Bonaparte zum Frieden gezwungen.

Am 17. Oktober 1797 beendete der Frieden von Campo Formio zwischen Frankreich und dem militärisch geschlagenen Österreich den Ersten Koalitionskrieg. Das linke Rheinufer wurde von Frankreich annektiert. Großbritannien verblieb als einzige europäische Macht mit Frankreich im Kriegszustand. Zu dem für den Rastatter Kongress vorgesehenen Friedensschluss mit dem römisch-deutschen Reich kam es aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Koalitionskriegs nicht mehr.

Die zweite Koalition

mini|links|hochkant=1.4|Louis-François Lejeune, Bataille de Marengo, 1802

Die zweite Koalition (1799–1802) aus Großbritannien, Österreich, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat gegen Frankreich scheiterte ebenso. Preußen unter seinem neuen König Friedrich Wilhelm III. blieb in diesem Konflikt neutral. Napoleon beherrschte Frankreich seit seiner Rückkehr von der Ägyptischen Expedition 1799. Während Napoleon in Ägypten gegen Briten und Osmanen gekämpft hatte, waren mehrere Schlachten in der Schweiz (Besetzung Zürichs) und in Italien von der Koalition gewonnen worden, die französischen Tochterrepubliken in Italien und der Schweiz standen vor dem Zusammenbruch. Russland zog sich jedoch bald darauf aus der Koalition zurück und kehrte zur bewaffneten Neutralität zurück; die britischen Handlungsmöglichkeiten waren aufgebraucht oder noch in Ägypten gebunden. Die Österreicher standen dem zurückgekehrten Napoleon bei der Schlacht bei Marengo am 14. Juni 1800 und Moreau bei der Schlacht von Hohenlinden am 3. Dezember allein gegenüber und unterlagen empfindlich; am 9. Februar 1801 wurde der Friede von Lunéville zwischen Frankreich und Österreich sowie dem Reich geschlossen.

Der Friede von Amiens (1802) brachte auch für die Briten das Ende der zweiten Koalition, derweil die Kampfhandlungen zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich bereits am 18. Mai 1803 wieder aufgenommen wurden: Statt die Wiederherstellung der französischen Monarchie herbeizuführen, stand nun der Kampf gegen Napoleon im Vordergrund.

Der französische Senat verkündete die Verfassung für das von Napoleon Bonaparte angestrebte Kaiserreich Frankreich am 18. Mai 1804. Der neue Monarch krönte sich am 2. Dezember 1804 in der Kirche Notre-Dame de Paris zum Kaiser der Franzosen.

Die dritte Koalition

mini|links|hochkant=1.4|Louis-François Lejeune, La bataille d’Austerlitz, 1808

Die dritte Koalition gegen Frankreich (aus Österreich, dem erweiterten Großbritannien, Russland und Schweden) bestand ab 1805. Auf französischer Seite wurde der Plan entwickelt, in England einzumarschieren. Invasionstruppen von 150.000 Mann wurden bei Boulogne versammelt. Pierre de Villeneuve führte die vereinigte französisch-spanische Flotte nach Cádiz und verließ den Ort mit seiner Flotte dann Richtung Neapel am 19. Oktober. Bei der Schlacht von Trafalgar am 21. Oktober wurde er von Horatio Nelson vernichtend geschlagen und gefangen genommen. Großbritannien sicherte sich damit die nahezu uneingeschränkte Seeherrschaft, die es bis zum Ende der Koalitionskriege auch nicht mehr verlor. Am 11. April 1805 hatten Großbritannien und Russland einen Vertrag unterzeichnet, um die Niederlande und die Schweiz zu befreien. Schweden schloss sich dem Bündnis an. Österreich trat am 9. August dieser Allianz bei, nachdem Genua annektiert worden und Napoleon zum König Italiens ausgerufen worden war. Das Königreich Neapel unterstützte das antinapoleonische Bündnis, während Preußen neutral bleiben wollte.

Im August verlangte Frankreich von Österreich, seine Garnisonen aus Tirol und Venetien abzuziehen, was der Kaiser in Wien am 27. August ablehnte. Napoleon Bonaparte ging Bündnisse mit Spanien und süddeutschen Herrschern ein (mit Pfalzbayern den Vertrag von Bogenhausen am 25. August, mit Baden am 5. September den Vertrag von Baden-Baden, mit Württemberg den Vertrag von Ludwigsburg am 5. Oktober). Die französische Armee zog im späten August von Boulogne nach Deutschland und überquerte mit der Hauptarmee am 25. September den Rhein.

Am 8. September 1805 waren unterdessen österreichische Truppen unter Karl Mack von Leiberich in Bayern eingedrungen, die den Auftrag hatten, an die Iller vorzustoßen und Ulm zu befestigen. Frankreich erklärte am 23. September Österreich den Krieg. Bei mehreren Gefechten (z. B. Schlacht von Elchingen) im Großraum von Ulm (8.–20. Oktober) besiegten die Franzosen 70.000 Österreicher. Die französische Armee rückte auf Wien vor. Die Schlacht von Austerlitz (die sogenannte Dreikaiserschlacht) am 2. Dezember brachte erneut eine schwere Niederlage für die vereinigte russische und österreichische Armee. Den Verlierern wurde der Pressburger Frieden auferlegt.

Die vierte Koalition

mini|links|hochkant=1.4|Napoleon empfängt Abgeordnete des französischen Senats im Berliner Stadtschloss, 19. November 1806, Gemälde von René Théodore Berthon

Die vierte Koalition aus Preußen und Russland, später um Großbritannien und Schweden erweitert, bestand von 1806 bis 1807. Nach dem Ende des Dritten Koalitionskrieges befand sich Frankreich weiterhin im Krieg mit Großbritannien und Russland. Um die Briten für einen Frieden zu gewinnen, bot Napoleon ihnen die Rückkehr des erst kurz zuvor im Vertrag von Schönbrunn an Preußen abgetretenen Kurhannover an. Zudem hatten im Juli 1806 sechzehn deutsche Staaten auf Initiative Napoleons den Rheinbund gegründet, der den Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich und eine Konföderation mit Frankreich beinhaltete. Das Heilige Römische Reich wurde nach einem französischen Ultimatum formell am 6. August 1806 durch die Verzichtserklärung von Kaiser Franz II. aufgelöst. Preußen fühlte sich durch diese Entwicklungen brüskiert und beschloss, auch ohne greifbare Unterstützung – das verbündete Russland war noch nicht wieder kriegsbereit – gegen Frankreich Krieg zu führen. Dem Ultimatum an Frankreich, seine Truppen hinter den Rhein zurückzuziehen, folgte am 9. Oktober 1806 die Kriegserklärung. Napoleon hatte dies vorausgesehen und eine starke Armee an der Grenze Bayerns zu Thüringen versammelt.

Die norddeutschen Staaten und die Hansestädte verhielten sich neutral. Nur das Kurfürstentum Sachsen und das Herzogtum Sachsen-Weimar schlossen sich Preußen an. Preußen erklärte allein den Krieg. Das führte in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 zu einer schweren Niederlage Preußens. Am 27. Oktober hielt Napoleon Einzug in Berlin, während der preußische König Friedrich Wilhelm III. samt Hof und Familie nach Ostpreußen unterwegs war. Sachsen löste im Dezember sein Bündnis mit Preußen und trat, bei gleichzeitiger Erhebung zum Königreich, dem Rheinbund bei. Seine Truppen, wie auch die Sachsen-Weimars, kämpften im Frühjahr 1807 gegen Preußen.

Zum Jahresende 1806 griffen russische Truppen in den Krieg ein. Nach einigen unbedeutenden Gefechten (Schlacht von Pultusk) und dem überaus harten Wintereinbruch standen die Truppen sich im südlichen Ostpreußen gegenüber. Die vom preußischen Staat bei der Zweiten und Dritten Teilung Polens gewonnenen Gebiete waren nach dem Großpolnischen Aufstand im November 1806 abgefallen. Dort konstituierte sich, von Napoleon angestoßen, ein neues Staatsgebilde mit eigenen Militärverbänden, die 1807 unter französischem Kommando in die Kämpfe gegen Preußen eingriffen.

Nach der unentschiedenen Schlacht bei Preußisch Eylau (7. und 8. Februar 1807) kam es am 26. April 1807 zum Vertrag von Bartenstein, in dem sich Preußen und Russland verpflichteten, auf Gedeih und Verderb bis zum Sieg über Napoleon zusammenzuhalten. Kurz darauf traten das Vereinigte Königreich und Schweden dem Vertrag bei. Nachdem Napoleon am 14. Juni die Schlacht bei Friedland gewonnen hatte, begann die russische Seite am 19. Juni ohne Einbeziehung Preußens mit Waffenstillstandsverhandlungen. Am 7. Juli 1807 schlossen Zar Alexander I. und Napoleon den Frieden von Tilsit, in dem sich ein Bündnis gegen Großbritannien abzeichnete. Der am 9. Juli 1807 zwischen Frankreich und Preußen geschlossene Friedensvertrag war ein Diktatfrieden. Preußen verlor die Hälfte seines Territoriums, musste die daraus hervorgehenden französischen Satellitenstaaten, darunter das Herzogtum Warschau, anerkennen und blieb zunächst größtenteils französisch besetzt. Die Niederlage hatte in Preußen grundlegende Modernisierungen zur Folge, die Preußischen Reformen.