miniatur|Schema: Anatomie einer Schlange: 1 Speiseröhre 2 Luftröhre 3 Tracheallunge 4 rudimentäre linke Lunge 5 rechte Lunge 6 Herz 7 Leber 8 Magen 9 Luftsack 10 Gallenblase 11 Bauchspeicheldrüse 12 Milz 13 Darm 14 Hoden / Eierstöcke15 Nieren

Ein Organ (von )Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965. ist ein spezialisierter Teil (bzw. ein Subsystem) des Körpers, der sich aus unterschiedlichen Zellen und Geweben zusammensetzt. Es ist eine abgegrenzte Funktionseinheit in einem vielzelligen Lebewesen. Ein Organ geht auf eine eigene Organanlage zurück und durchläuft eine spezifische Organogenese. Das Zusammenspiel der Organe realisiert den Organismus. Organe sind funktional durch Organsysteme direkt miteinander verbunden. Grundlage von Organen sind die biologische Differenzierung („Aufgabenteilung“) der Zellen echter Vielzeller.

Abgrenzungen Auch Einzeller besitzen strukturell abgrenzbare Bereiche mit geordneten Funktionseinheiten, die Organellen („Orgänchen“) genannt werden. Eusoziale Tiere bilden Verbände von Individuen, die sozial differenziert („arbeitsteilig“) verschiedene Aufgaben erfüllen und im homologen Sinn ‘Sozialorgane’ bilden. Gesellschaftliche, soziale Differenzierung führt zur Organisation von sozialen oder soziotechnischen Systemen.

Funktionale Klassifikation Eine einheitliche Zuordnung von bestimmten Funktionen zu Organen ist oft problematisch, da viele Organe bei verschiedenen vielzelligen Lebewesen unterschiedliche Aufgaben übernehmen können, die bei anderen Lebewesen auf mehrere Organe verteilt sind. Ein Beispiel hierfür sind die Kiemen von Fischen, die sowohl der Atmung als auch der Stoffausscheidung dienen und somit teilweise die Funktion einer Niere ersetzen.

Organe beim Menschen right|miniatur|200px|Die inneren Organe der Frau in Thorax und Abdomen (Zeichnung von Leonardo da Vinci um 1507) Daten auf Grundlage folgender Vergleichswerte: Alter: 20–30 Jahre, Lebensdauer: 70 Jahre, Größe: 170 cm, Gewicht: 70 kg und Körperfläche von 1,8 Quadratmeter. (Nicht berücksichtigt wurden hier die Sinnesorgane und die Geschlechtsorgane.) Körperteil Gewicht Anteil Muskeln 30,0 kg 43,0 % Skelett ohne Knochenmark 7,0 kg 10,0 % Haut und subkutanes Gewebe 6,1 kg 8,7 % Verdauungstrakt 2,0 kg 2,9 % Leber 1,7 kg 2,4 % rotes Knochenmark 1,5 kg 2,1 % Gehirn 1,3 kg 1,8 % beide Lungenflügel 1,0 kg 1,4 % Herz 0,3 kg 0,43 % beide Nieren 0,3 kg 0,43 % Milz 0,18 kg 0,26 % Schilddrüse 0,02 kg 0,03 % Gesamt 70 kg 100 %

Pflanzenorgane

Unter dem Begriff Pflanzenorgane versteht man die einzelnen funktional, aber nicht rein morphologisch klassifizierbaren Teile einer Pflanze. Im Wesentlichen sind dies die verschiedenen Spross-, Blatt- und Wurzeltypen und ihrer Einzelteile sowie Metamorphosen derselben.

Analog den Funktionen tierischer Organe dienen die Pflanzenorgane den Hauptaufgaben Stoffaustausch, Stoff-/Energiespeicherung, Metabolismus, Informationsübertragung (Reizaufnahme, Reizdarstellung) und physischer Abgrenzung gegen die Umwelt.

Sprossachse Leitbündel, für den Wasser- und Nährstofftransport Rinde als mechanischer Schutz Phyllokladium Metamorphose der Sprossachse zum Zweck der Photosynthese

Blatt Blütenblätter zum Zweck der geschlechtlichen Fortpflanzung Laubblätter für die Photosynthese

Wurzel Rüben als Speicherorgane Wurzelknöllchen für Aufnahme der symbiotischen Knöllchenbakterien Wurzelhaare für die Wasser- und Nährstoffaufnahme

Siehe auch Organtransplantation Organneurose Nomenklatur (Anatomie)

Literatur Jörn Henning Wolf: Der Begriff „Organ“ in der Medizin. Grundzüge der Geschichte seiner Entwicklung. München 1971 (= Neue Münchner Beiträge zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften, Medizinhistorische Reihe. Band 3).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Anatomie